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Mercedes Marco Polo/VW California Ocean: Vergleich Camping-Trendsetter im Vergleich

von Johannes Riegsinger 20.02.2019
Inhalt
  1. Mercedes Marco Polo & VW California Ocean im Test
  2. Angenehmeres Reisen im Mercedes Marco Polo
  3. VW California Ocean mit besserer Campingtauglichkeit
  4. Technische Daten: Mercedes Marco Polo & VW California Ocean

Im Vergleich treffen der Mercedes Marco Polo & der VW California Ocean aufeinander. Die beiden Freizeitmobile mit aufklappbarem Schlafdach, Mini-Küchenzeile und Camping-Funktionalitäten sind echte Weltenbummler!

Wir haben Mercedes Marco Polo & VW California Ocean zum Vergleich gebeten. Und irgendwie schöpft der VW Bus immer noch vom Sympathiebonus unserer kollektiv im Golf verbrachten Kindheit. Als VW noch so etwas wie Lego war, Playmobil oder "Wetten Dass". Und so gehört "der Bus" auch heute noch zu den Guten. Die absolute Krönung ist ein VW Bus aber dann, wenn nicht Multivan hinten draufsteht, sondern California: Schlafaufstelldach, Liegen zum Umklappen im Parterre, Küchenzeile – das eierlegende Alltagswollmilchauto wird so zum Abenteurer mit Dauer-Große-Sommerferien-Laune. Dass die geneigte Kundschaft für dieses Wohlfühlpaket verblüffend hohe Preise bezahlt – im Fall des von uns getesteten California Ocean mit 199-PS-Topmotorisierung atemberaubende 70.406 Euro –, kann aber wohl kaum ein guter Deal sein. VW selbst lässt da mit dem neuen Grand California auf Crafter-Basis die Hosen herunter: Der deutlich größere, voll urlaubstaugliche und enorm wertig gemachte XXL-California kostet weniger als sein kleiner Bruder auf Multivan-Basis, selbst wenn der im einfacheren Trimm der Ausstattungsvariante "Coast" antritt. Wie das geht? – Ganz einfach: Im umkämpften Reisemobilmarkt muss hart und fair kalkuliert werden, bei den kleineren Freizeitbussen regelt dagegen eine euphorische Nachfrage den Preis. Dass ausgerechnet Mercedes diesem Mechanismus an den Kragen will und seinen Marco Polo auf nobler V-Klasse-Basis in der vergleichbaren Leistungsklasse (250 d, 190 PS) über 7000 Euro günstiger anbietet als VW den California Ocean, könnte die Fans des VW Bus zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Deshalb also: Welcher Premium-Reiselaster bietet mehr fürs Geld? Mehr zum Thema:  Alles zu Camping

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Mercedes Marco Polo & VW California Ocean im Test

Unglücklicherweise hängt sich die Debatte gleich wieder an emotionalen Faktoren auf, denn der wesentlich spürbare Unterschied zwischen V-Klasse und Multivan liegt im Fahrgefühl: Dass der Mercedes seinen Fahrer tiefer unterbringt und Pkw-artiger ins Cockpit integriert, könnte gleich wieder für eine Entweder-Oder-Situation sorgen. Fans des VW Bus mögen eben dessen "Trucker"-Sitzposition und den Moment des Auf-den-Kutschbock-Schwingens beim Einstieg. Und vielleicht geht da auch unter, dass sich der hinterradgetriebene Mercedes Marco Polo geschmeidiger und neutraler fahren lässt als der vom Frontantrieb und einer kopflastigen Gewichtsverteilung geprägte VW California Ocean. Aber vielleicht schätzt der urlaubslaunige VW-Bus-Fahrer ja gerade das Arrangement aus immer etwas unsensibel agierendem Doppelkupplungsgetriebe und druckvollem Turbodiesel, das der California mit am Kurvenausgang scharrenden Rädern zum Besten gibt? Und würdigt die sanft und schnell schaltende Mercedes-Automatik sowie den kultivierten Antrieb gar nicht so sehr?

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Angenehmeres Reisen im Mercedes Marco Polo

Da der VW California Ocean bei Autobahn-Reisegeschwindigkeit etwas leiser läuft als der Mercedes Marco Polo, dürfte dem VW-Fahrer immerhin nicht das sanfte Murren seiner Fond-Passagiere entgehen: Die rutschen auf einer kaum konturierten Sitzbank herum und bekommen von Fahrbahnunebenheiten deutlich mehr mit als die Mitfahrer im Marco Polo. Der rollt sanfter ab und bietet eine mit per Knopfdruck aufblasbaren Stützelementen ausgestattete Fondsitzbank – Passagiere reisen also lieber im Marco Polo. Das bekümmert California- Fahrer freilich nur kurz, denn sie sitzen vorn auf bequemeren Sitzen als im Mercedes, haben etwas mehr Bewegungsfreiheit und finden deutlich mehr Staufächer, Ablagen oder Cupholder als die Reisenden im Marco Polo. Und dann ist die Reise ja irgendwann auch zu Ende, man rollt auf die Wiese am Waldrand oder den Platz am Meer, und schlagartig wird alles wieder auf Null gesetzt. Eben noch Automobil, jetzt plötzlich Immobilie. Zeit genug also für ein gründliches Probewohnen. Der California mit seinen Möbeleinbauten aus leichtem (holzdekoriertem) Aluminium wirkt schlichter, aber auch unempfindlicher als der schick eingerichtete Marco Polo. Das Ambiente im VW ist modern und hell, die Klappen- und Türen-Schließer sind aber etwas hakelig, hier wirkt der von Westfalia routiniert inszenierte Mercedes etwas geschmeidiger. Darüber hinaus können die vorderen Sitze des Marco Polo auch bei geschlossenen Türen gedreht werden, im California muss hierzu selbst bei schlechtem Wetter immer kurz die jeweilige Vordertür geöffnet werden. In beiden Fahrzeugen werden die etwas klein geratenen Tischplatten verschiebbar an der Küchenzeile eingehängt und über ein ausklappbares Standbein abgestützt. Vier Personen frühstücken dann in kuscheliger Enge, der etwas längere Grundriss des Marco Polo zeigt keinen spürbaren Vorteil.

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VW California Ocean mit besserer Campingtauglichkeit

Durch die Schubladen lässt sich der Stauraum der Marco-Polo-Küche besser nutzen, bei eingesteckter Tischplatte ist eine davon allerdings blockiert. Im VW California Ocean kommt man bucklig unter der Platte kramend zumindest immer an alle Klappen. Ebenfalls eher unpraktisch ist die kleine, halbkugelförmige Spüle des Mercedes Marco Polo, in die bereits mittelgroße Töpfe nicht mehr richtig passen. Unterschiede gibt es auch bei den Betten: Das Dachbett (1,10 Meter breit) im Marco Polo mit seinen punktelastischen Tellerfedern ist spürbar komfortabler als die California-Liege (1,20 Meter breit) mit ihrem Lattenrost. Der Aufstieg in das Obergeschoss ist dagegen sowohl bei VW als auch Mercedes nur etwas für Sportliche. Im Erdgeschoss wohnt man lieber im California, dessen breitere und ebene Liegefläche bequemer ist als das schmalere und trotz optionaler Matratzenauflage nicht vollkommen eben zu bekommende Marco Polo-Bett. Dass sich das Zünglein an der Camping-Waage für unseren Geschmack am Ende doch ein wenig mehr in Richtung des VW California neigt, liegt an dessen detailverliebter und praxisgerechter Ausstattung: Während im Mercedes Marco Polo Camping-Stühle und -Tisch in einer großen Extra-Tasche mitfahren, verstaut VW zwei hochwertige Aluminium-Stühle elegant in der Heckklappe, und ein Draußen-Tisch schmiegt sich zum Ausklappen in die Schiebetürenverkleidung. Schnörkellose Rollos, die bündig in den Fensterrahmen laufen und auch die Windschutzscheibe blickdicht verschließen, Fußraumleuchten, die sich als Taschenlampen ausklicken lassen – das gibt es im Mercedes Marco Polo mit seinem Edel-Ambiente ebenfalls nicht.

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Technische Daten: Mercedes Marco Polo & VW California Ocean

 Mercedes Marco Polo 250 dVW California Ocean 2.0 TDI
Zylinder/Ventile pro Zylinder4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum2143 cm³1968 cm³
Leistung140 kW/190 PS bei 3800/min146 kW/199 PS bei 3800/min
Maximales Drehmoment440 Nm bei 1400-2400/min450 Nm bei 1400 - 2400/min
Getriebe/Antrieb7-Stufen-Automatik; Hinterradantrieb7-Gang; Doppelkupplung; Vorderradantrieb
0 - 100 km/h10,9 Sekunden10,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit205 km/h199 km/h
Leergewicht2437 Kilogramm2513 Kilogramm
Verbrauch (Werk)7,0 l D/100 km7,3 l D/100 km
Grundpreis63.331 Euro70.406 Euro

von Johannes Riegsinger von Johannes Riegsinger
Unser Fazit

Glamping-Atmosphäre versus Camper-Folklore – im Vergleich der Freizeitmobile zeigt sich der Mercedes Marco Polo als das komfortablere und stilvollere Reisefahrzeug für Anspruchsvolle. Der Klassiker VW California dürfte durch seine durchdachte und strapazierfähige Konzeption aber die erste Wahl für Outdoor-Aktive sein.

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