Faszinierender Vergleich: Lamborghini Gallardo & Temerario
Mit dem Gallardo hat sich Lamborghini 2003 neu erfunden und den heutigen Erfolg vorbereitet. Die aktuelle Temerario-Generation zeigt Reife und Performance, Wildheit und Schliff. Es geht Fast Forward in die Sportwagen-Zukunft. Ein Vergleich!
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- Im Vergleich: Lamborghini Gallardo Performante und Lamborghini Temerario
- Ausgerechnet der alltagstaugliche Gallardo hat Lamborghini gerettet
- Der Temerario sucht den Spagat zwischen Elektro und Emotion
- Auf Landstraßen zeigen Sportwagen, woraus sie gestrickt sind
- Technische Daten von Lamborghini Temerario Alleggerita und Lamborghini Gallardo LP570-4 Performante Spyder
Im Vergleich: Lamborghini Gallardo Performante und Lamborghini Temerario
Zurück auf dem Mutterboden. Im Herzen der Emilia-Romagna, zwischen Bologna und Modena. Unterwegs in einer luziden Rückblende, mit ganz starken Erinnerungen: 2003, vor einem knappen Vierteljahrhundert, war ich hier mit einem der ersten Lamborghini Gallardo unterwegs, im Netz der schmalen, schnurgerade vor sich hintrödelnden Sträßchen. Kurs Südwest, aus der Ebene in die Berge.
Das Lamborghini-Hauptquartier im kleinen Sant'Agata Bolognese ist damals nur ein Schatten des Heute. Gerade einmal fünf Jahre zuvor hatte die Audi AG Lamborghini übernommen, eine in der Vergangenheit festsitzende Automobil-Legende mit damals rund 440 Mitarbeitenden, seit Jahrzehnten wechselnden Besitzern, einer schnappatmend überstandenen Insolvenz zu Beginn der 1980er-Jahre und exakt einem Modell – dem brachialen Diablo.
Der Zwölfzylinder-Sportwagen ist kein Geschenk für Audi. Seine Konstruktion stammt aus den 80ern, das Konzept ist sogar noch älter. Selbst nachdem Audi den Diablo in den etwas moderneren Murciélago (ab 2001) überführt hat, um die Grundzüge der Lamborghini-DNA vor einem musealen Schicksal zu retten, wird klar: Infernalische V12-Boliden mögen in der Theorie ein Archetyp der Marke sein, in der Praxis sind sie aber längst aus der Zeit gefallen.
Zu schwer, zu unhandlich, zu extrem. Super auf Jugendzimmer-Postern, aber eine Qual im Alltag. Sperrig in Kurven, eine Katastrophe für Fans, die auch nur ein Mindestmaß an Fahrbarkeit erwarten. Sich auf einem Baumstamm die Niagarafälle hinunterstürzen zu lassen dürfte mehr Fahrspaß vermitteln, eine Wanderung auf High Heels über Kopfsteinpflaster eleganter ablaufen als das Fahren im Diablo – und der Murciélago ist im Vergleich kaum besser.
Der Lamborghini Temerario im Video

Ausgerechnet der alltagstaugliche Gallardo hat Lamborghini gerettet
Hinter den Kulissen stößt Audi also lebensrettende Maßnahmen für die Marke an: Audi-Technik und Konzern-Prozesse sollen bei Lamborghini eingekreuzt werden und so für eine nachhaltige Blutauffrischung sorgen. Gleichzeitig entwickeln Lamborghini und Audi gemeinsam ein zweites Modell – deutlich zugänglicher und moderner. Der Lamborghini Gallardo soll kein Baby- oder Einstiegs-Lambo sein, sondern ein Lamborghini zum Fahren.
Im Diablo oder Murciélago schafft man es brüllend und tobend über Start-Ziel-Geraden in Monza oder Misano oder in Monaco und Miami maximal dramatisch vom Club bis zum Casino, aber der neue Lamborghini Gallardo muss mehr können, deutlich mehr – und er liefert ab. Als Technik-Bruder des Audi R8 verbindet er Großserien-Technik mit glaubwürdigem Exoten-Feuer. Der Konzern-erfahrene Designer Luc Donckerwolke legt mit dem Gallardo eine spektakuläre Blaupause für die kommenden Jahrzehnte Lamborghini vor.

Der damalige Erstkontakt mit dem neuen kleinen Lamborghini Gallardo ist selbsterklärend. Kompakte Abmessungen und konventionelle Türen sorgen dafür, dass man vernünftig Einsteigen, Fahren, Rangieren oder – ganz banal – auch mal ein Ticket an einer italienischen Autobahn-Mautstelle ziehen kann, ohne sich die Arme auszurenken.
Bereits nach den ersten Kilometern im Gallardo versteht man intuitiv, dass Lamborghini seinen potenziellen Kundenkreis gerade mindestens verfünffacht hat. Und sobald man es hinter die Schnellstraßen rund um Bologna geschafft hat und auf den Bergstraßen in Richtung Florenz schwirrt, entpuppt sich der Gallardo als prächtige Fahrmaschine. Ganz im Vergleich zu seinen brutalen V12-Vorfahren, die man ständig niederringen muss, bewegt er sich fließend, offen und mitreißend.
Der Temerario sucht den Spagat zwischen Elektro und Emotion
23 Jahre später bin ich wieder genau hier unterwegs. Der Gallardo gehört längst zu den Youngtimern, drüben in Sant'Agata Bolognese ist unfassbar viel passiert: Bei Lamborghini arbeiten heute über 2300 Menschen, die Marke hat nicht nur die Todeszone drohender Irrelevanz verlassen, sondern gehört mittlerweile beinahe zur Popkultur. Das SUV-Modell Urus hat dem Unternehmen Umsatzrekorde beschert, die Einführung eines vierten Modells steht kurz bevor.
Selbst den ehemals so sperrigen V12-Brocken haben die Lamborghini-Ingenieure das Laufen beigebracht – es gibt sie immer noch. Der Gallardo und sein Nachfolger Huracán machen allerdings längst den Kern der Marke aus, am Sweet Spot zwischen Glamour und Fahrbarkeit, Design-Statement und Speed-Kompetenz liefern sie genau das, was Lamborghini von der automobilen Haute Couture – sexy, aber untragbar – zur Massen-Ikone werden ließ. 37 Millionen Follower auf Instagram. Was für eine Transformation!

Die nächste Herausforderung steht für Lamborghini allerdings längst an – das Automobil-Universum dreht sich in Richtung Elektromobilität. Die Marke steckt damit in einer Zwickmühle: Einerseits erwarten die Fans ultimative Leistung und optisch-akustisches Drama, aber man kann hier nicht beides haben. Nur E-Motoren schalten die nächsten Leistungsstufen jenseits des aktuellen Niveaus frei, es winken 1000 PS plus. Und nur E-Motoren bieten jenen satten Drehzahlkeller-Punch, der beim Fahren in der realen Welt ein breites Kreuz macht. E-Maschinen haben aber keinen Sound, und das dürfte fürs aktuelle Lamborghini-Markenprofil ein No-go sein.
Es ist der aktuelle Nachfolger des Gallardo, mit dem man diesen Stier bei den Hörnern packen will. Der Lamborghini Temerario kombiniert die strategische Schlagkraft von gleich drei E-Maschinen, davon zwei an den Vorderrädern, mit der organischen Wildheit eines Verbrenners. Und natürlich kann man diesen komplexen Charakter am besten auf den altbekannten Straßen zwischen Po-Ebene und Appenin-Kamm kennenlernen. Wenigstens die haben sich in den vergangenen 23 Jahren nicht geändert.
Also geht es mit reichlich Erinnerungs-Schmelz aus dem Werkstor in Sant'Agata hinaus, hinein ins Netz der Traktoren-Sträßchen neben Entwässerungsgräben. Und eines ist nach nur wenigen Metern klar: Lamborghini hat mehr Platz im Cockpit gefunden. Mittlerweile dürften nicht nur Große hineinpassen, sondern sogar eine Rennstrecken-Session mit Helm funktionieren. Das mag nach wenig klingen, ist aber eine Metapher fürs ganze Wesen des Temerario: Er lässt einem Freiraum. Fährt luftig und natürlich, fast komfortabel in diesem Vergleich.
Auf Landstraßen zeigen Sportwagen, woraus sie gestrickt sind
Die zwischen Motor und Getriebe gesetzte Elektromaschine sorgt für geschmeidigen Schub beim Dahinsurfen und Bummeln, lässt einen entspannt durch die Dörfer segeln und zurückhaltend bleiben, selbst wenn sich ringsum aufgehetzte Kleinwagen-Fahrende mit blutunterlaufenen Augen zu scharrenden Ampel-Starts oder waghalsigen Überholvorgängen provozieren lassen.
Lamborghini-Chefdesigner Mitja Borkert hat mit dem Temerario eben ein Meisterstück abgeliefert. Das Auto strahlt Eleganz und Moderne ebenso aus wie rohe Aggression oder Retro-Coolness. Kein Wunder, dass da ringsum alle Auto-Fans in ihren ganz persönlichen Warship-Mode schalten.
Und dann wird die Landschaft einsam, Geraden morphen zu Kurven. Jetzt verlassen wir den Standby-Modus und schalten Fahrspaß frei. Bisher hat sich der Biturbo-V8 immer nur eher beiläufig gemeldet, jetzt drängt er sich nach vorn ins Rampenlicht. Seine Flat-Plane-Konfiguration dürfte Sound-Fetischist:innen verstören – wie man rauchig, scharf, explosiv klingt, beweist heute eigentlich nur der V10 des Gallardo Spyder Performante, der sich als Gruß der Vergangenheit im Rückspiegel eingenistet hat.

Der Temerario klingt im Vergleich gepresst, stöhnt und nörgelt sich durch die unteren Drehzahlbereiche, lässt sie daher schnell hinter sich. Peitscht hoch, zeigt wieder mal, was die wirklich guten Verbrenner einem E-Motor eben voraus haben: Dieses harte Zuschnappen, Immer-weiter-Beschleunigen in haarsträubenden Tempo-Momenten – die man besser nur auf der Rennstrecke erlebt und nie im Alltag. 800 Verbrenner-PS (588 kW) bei 9000/min, das ist bitterböse.
„Da schau her“, denke ich kurz vor dem Passo della Raticosa, während ich mir es im Temerario irgendwo zwischen Elektro-Punch und gelegentlich zuschlagender V8-Power eingerichtet habe, „rein motorisch gesehen ist der Gallardo die rundere, schönere Sache. Seine Power passt perfekt, der Sound ist irre, mehr müsste gar nicht sein.“
Was der Temerario wieder einmal besser kann? Wunderbar flüssig fahren, noch mehr Fahrwerks-Bandbreite ausloten, noch mehr Lenkpräzision bieten. Und ich erinnere mich, wie der Gallardo zum ersten Lamborghini wurde, den man gerne und leicht und fiebrig fuhr. Obwohl – oder gerade weil – er weniger Motor hatte als die V12-Boliden der Vergangenheit. Was das wohl bedeutet?
Technische Daten von Lamborghini Temerario Alleggerita und Lamborghini Gallardo LP570-4 Performante Spyder
AUTO ZEITUNG 02/2026 | Lamborghini Temerario Alleggerita | Lamborghini Gallardo LP570-4 Performante Spyder |
|---|---|---|
Technische Daten | ||
Motoren | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo; 3 E-Motoren | V10-Zylinder, 4-Ventiler |
Antrieb | 8-Gang, Doppelkupplung; Allrad | 6-Gang, automatisiert; Allrad |
Systemleistung | 920 PS / 676 kW | 570 PS / 419 kW |
Max. Systemdrehmoment | – | – |
Akkukapazität | 3,8 kWh | – |
Karosserie | ||
Außenmaße (L / B / H) | 4706 / 1996 / 1201 mm | 4345 / 1900 / 1184 mm |
Leergewicht | 1740 kg | 1560 kg |
Fahrleistungen | ||
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 2,7 s | 3,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | 343 km/h | 324 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 11,2 l SP + 26,8 kWh / 100 km (WLTP) | 13,6 l SP / 100 km (NEFZ) |
Elektr. Reichweite | – | – |
Kaufinformationen | ||
Grundpreis | 349.150 € | 217.651 € |
Alle Daten Werksangaben | ||

























