Vergleich

Faszinierender Vergleich: Lamborghini Gallardo & Temerario

Mit dem Gallardo hat sich Lamborghini 2003 neu erfunden und den heutigen Erfolg vorbereitet. Die aktuelle Temerario-Generation zeigt Reife und Performance, Wildheit und Schliff. Es geht Fast Forward in die Sportwagen-Zukunft. Ein Vergleich!

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Blick von schräg vorne auf die fahrenden Supersportler Lamborghini Temerario und Lamborghini Gallardo Performante.
Bergstraßen surfen – im modernen Temerario geht das deutlich flüssiger. Foto: Hardy Mutschler
Blick von der Seite auf den fahrenden Lamborghini Gallardo Performante.
Gallardo und Temerario stehen am Sweet Spot zwischen Glamour und Speed. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg hinten auf den fahrenden Lamborghini Gallardo Performante.
Kant-Eisen: Auch nach über zwei Jahrzehnten wirkt der Lamborghini Gallardo noch verblüffend modern. Das formelle Design war ein großer Wurf. Foto: Hardy Mutschler
Blick auf die Armaturen im Innenraum des Lamborghini Gallardo Performante.
Blick zurück: Gegen das Temerario-Cockpit wirkt die fast klassisch gezeichnete Gallardo-Kommandozentrale verblüffend altbacken. Foto: Hardy Mutschler
Blick in den Motorraum des Lamborghini Gallardo Performante.
Versteckt: Das hochgeklappte Spyder-Dach lässt keinen Blick auf den Gallardo-V10 zu, nur auf dessen Atemwege. Foto: Hardy Mutschler
Detailansicht der Heckleuchten vom Lamborghini Gallardo Performante.
Zeitlos starke Design-Elemente des Gallardo. Foto: Hardy Mutschler
Detailansicht der Kotflügel vom Lamborghini Gallardo Performante.
Der Performante ist die Oben-Ohne-Version des Superleggerra, der im Vergleich zum Basis-Gallardo mit üppiger Verspoilerung und zehn Extra-PS daherkam. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg hinten auf die Supersportler Lamborghini Gallardo Performante und Lamborghini Temerario.
Generationentreffen: Mit dem Temerario verbindet Lamborghini die reine Design-Lehre des Gallardo mit Retro-Proportionen und absoluter Modern. Foto: Hardy Mutschler
Blick von der Seite auf den fahrenden Lamborghini Temerario.
Faust-Keil: Die typische Lamborghini-Design-Signatur sorgt auch beim Temerario für maximale Aggression. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg hinten auf den fahrenden Lamborghini Temerario.
Martialisches Heck mit heftigen Radhaus-Ausschnitten – dem Temerario fährt man gerne hinterher. Foto: Hardy Mutschler
Blick auf die Armaturen im Innenraum des Lamborghini Temerario.
Volldigitales und vernetztes Cockpit, herrliches Design-Drama, trotzdem Alltags- sowie Langstreckentauglich. Foto: Hardy Mutschler
Detailansicht der Heckleuchten vom Lamborghini Temerario.
Der Temerario ist eine furiose Arbeit von Lamborghini-Designchef Mitja Borkert. Foto: Hardy Mutschler
Detailansicht der Markenemblems auf der Nase des Lamborghini Temerario.
Innerhalb der vergangenen 15 Jahre hat Lamborghini auch das Logo verändert – von klassisch nach reduziert. Foto: Hardy Mutschler
Detailansicht der Carbonelemente auf der Motorhaube des vom Lamborghini Temerario.
Temerario Alleggerita-Grafiken auf Sichtcarbon. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg vorne auf die fahrenden Supersportler Lamborghini Temerario und Lamborghini Gallardo Performante.
Verfolgt von der eigenen Vergangenheit: Aktueller Lamborghini Temerario mit Gallardo-Vorfahr im Windschatten. Foto: Hardy Mutschler
Blick von schräg vorne auf die fahrenden Supersportler Lamborghini Gallardo Performante und Lamborghini Temerario.
Analoge V10-Fahrmaschine gegen Fahrdynamik-Wunder mit Hochdrehzahl-V8 und Elektro-Wumms. Foto: Hardy Mutschler

Im Vergleich: Lamborghini Gallardo Performante und Lamborghini Temerario

Zurück auf dem Mutterboden. Im Herzen der Emilia-Romagna, zwischen Bologna und Modena. Unterwegs in einer luziden Rückblende, mit ganz starken Erinnerungen: 2003, vor einem knappen Vierteljahrhundert, war ich hier mit einem der ersten Lamborghini Gallardo unterwegs, im Netz der schmalen, schnurgerade vor sich hintrödelnden Sträßchen. Kurs Südwest, aus der Ebene in die Berge.

Das Lamborghini-Hauptquartier im kleinen Sant'Agata Bolognese ist damals nur ein Schatten des Heute. Gerade einmal fünf Jahre zuvor hatte die Audi AG Lamborghini übernommen, eine in der Vergangenheit festsitzende Automobil-Legende mit damals rund 440 Mitarbeitenden, seit Jahrzehnten wechselnden Besitzern, einer schnappatmend überstandenen Insolvenz zu Beginn der 1980er-Jahre und exakt einem Modell – dem brachialen Diablo.

Der Zwölfzylinder-Sportwagen ist kein Geschenk für Audi. Seine Konstruktion stammt aus den 80ern, das Konzept ist sogar noch älter. Selbst nachdem Audi den Diablo in den etwas moderneren Murciélago (ab 2001) überführt hat, um die Grundzüge der Lamborghini-DNA vor einem musealen Schicksal zu retten, wird klar: Infernalische V12-Boliden mögen in der Theorie ein Archetyp der Marke sein, in der Praxis sind sie aber längst aus der Zeit gefallen.

Zu schwer, zu unhandlich, zu extrem. Super auf Jugendzimmer-Postern, aber eine Qual im Alltag. Sperrig in Kurven, eine Katastrophe für Fans, die auch nur ein Mindestmaß an Fahrbarkeit erwarten. Sich auf einem Baumstamm die Niagarafälle hinunterstürzen zu lassen dürfte mehr Fahrspaß vermitteln, eine Wanderung auf High Heels über Kopfsteinpflaster eleganter ablaufen als das Fahren im Diablo – und der Murciélago ist im Vergleich kaum besser.

Der Lamborghini Temerario im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Ausgerechnet der alltagstaugliche Gallardo hat Lamborghini gerettet

Hinter den Kulissen stößt Audi also lebensrettende Maßnahmen für die Marke an: Audi-Technik und Konzern-Prozesse sollen bei Lamborghini eingekreuzt werden und so für eine nachhaltige Blutauffrischung sorgen. Gleichzeitig entwickeln Lamborghini und Audi gemeinsam ein zweites Modell – deutlich zugänglicher und moderner. Der Lamborghini Gallardo soll kein Baby- oder Einstiegs-Lambo sein, sondern ein Lamborghini zum Fahren.

Im Diablo oder Murciélago schafft man es brüllend und tobend über Start-Ziel-Geraden in Monza oder Misano oder in Monaco und Miami maximal dramatisch vom Club bis zum Casino, aber der neue Lamborghini Gallardo muss mehr können, deutlich mehr – und er liefert ab. Als Technik-Bruder des Audi R8 verbindet er Großserien-Technik mit glaubwürdigem Exoten-Feuer. Der Konzern-erfahrene Designer Luc Donckerwolke legt mit dem Gallardo eine spektakuläre Blaupause für die kommenden Jahrzehnte Lamborghini vor.

Blick von schräg hinten auf den fahrenden Lamborghini Gallardo Performante.
Foto: Hardy Mutschler

Der damalige Erstkontakt mit dem neuen kleinen Lamborghini Gallardo ist selbsterklärend. Kompakte Abmessungen und konventionelle Türen sorgen dafür, dass man vernünftig Einsteigen, Fahren, Rangieren oder – ganz banal – auch mal ein Ticket an einer italienischen Autobahn-Mautstelle ziehen kann, ohne sich die Arme auszurenken.

Bereits nach den ersten Kilometern im Gallardo versteht man intuitiv, dass Lamborghini seinen potenziellen Kundenkreis gerade mindestens verfünffacht hat. Und sobald man es hinter die Schnellstraßen rund um Bologna geschafft hat und auf den Bergstraßen in Richtung Florenz schwirrt, entpuppt sich der Gallardo als prächtige Fahrmaschine. Ganz im Vergleich zu seinen brutalen V12-Vorfahren, die man ständig niederringen muss, bewegt er sich fließend, offen und mitreißend.

Der Temerario sucht den Spagat zwischen Elektro und Emotion

23 Jahre später bin ich wieder genau hier unterwegs. Der Gallardo gehört längst zu den Youngtimern, drüben in Sant'Agata Bolognese ist unfassbar viel passiert: Bei Lamborghini arbeiten heute über 2300 Menschen, die Marke hat nicht nur die Todeszone drohender Irrelevanz verlassen, sondern gehört mittlerweile beinahe zur Popkultur. Das SUV-Modell Urus hat dem Unternehmen Umsatzrekorde beschert, die Einführung eines vierten Modells steht kurz bevor.

Selbst den ehemals so sperrigen V12-Brocken haben die Lamborghini-Ingenieure das Laufen beigebracht – es gibt sie immer noch. Der Gallardo und sein Nachfolger Huracán machen allerdings längst den Kern der Marke aus, am Sweet Spot zwischen Glamour und Fahrbarkeit, Design-Statement und Speed-Kompetenz liefern sie genau das, was Lamborghini von der automobilen Haute Couture – sexy, aber untragbar – zur Massen-Ikone werden ließ. 37 Millionen Follower auf Instagram. Was für eine Transformation!

Blick von schräg hinten auf den fahrenden Lamborghini Temerario.
Foto: Hardy Mutschler

Die nächste Herausforderung steht für Lamborghini allerdings längst an – das Automobil-Universum dreht sich in Richtung Elektromobilität. Die Marke steckt damit in einer Zwickmühle: Einerseits erwarten die Fans ultimative Leistung und optisch-akustisches Drama, aber man kann hier nicht beides haben. Nur E-Motoren schalten die nächsten Leistungsstufen jenseits des aktuellen Niveaus frei, es winken 1000 PS plus. Und nur E-Motoren bieten jenen satten Drehzahlkeller-Punch, der beim Fahren in der realen Welt ein breites Kreuz macht. E-Maschinen haben aber keinen Sound, und das dürfte fürs aktuelle Lamborghini-Markenprofil ein No-go sein.

Es ist der aktuelle Nachfolger des Gallardo, mit dem man diesen Stier bei den Hörnern packen will. Der Lamborghini Temerario kombiniert die strategische Schlagkraft von gleich drei E-Maschinen, davon zwei an den Vorderrädern, mit der organischen Wildheit eines Verbrenners. Und natürlich kann man diesen komplexen Charakter am besten auf den altbekannten Straßen zwischen Po-Ebene und Appenin-Kamm kennenlernen. Wenigstens die haben sich in den vergangenen 23 Jahren nicht geändert.

Also geht es mit reichlich Erinnerungs-Schmelz aus dem Werkstor in Sant'Agata hinaus, hinein ins Netz der Traktoren-Sträßchen neben Entwässerungsgräben. Und eines ist nach nur wenigen Metern klar: Lamborghini hat mehr Platz im Cockpit gefunden. Mittlerweile dürften nicht nur Große hineinpassen, sondern sogar eine Rennstrecken-Session mit Helm funktionieren. Das mag nach wenig klingen, ist aber eine Metapher fürs ganze Wesen des Temerario: Er lässt einem Freiraum. Fährt luftig und natürlich, fast komfortabel in diesem Vergleich.

Auf Landstraßen zeigen Sportwagen, woraus sie gestrickt sind

Die zwischen Motor und Getriebe gesetzte Elektromaschine sorgt für geschmeidigen Schub beim Dahinsurfen und Bummeln, lässt einen entspannt durch die Dörfer segeln und zurückhaltend bleiben, selbst wenn sich ringsum aufgehetzte Kleinwagen-Fahrende mit blutunterlaufenen Augen zu scharrenden Ampel-Starts oder waghalsigen Überholvorgängen provozieren lassen.

Lamborghini-Chefdesigner Mitja Borkert hat mit dem Temerario eben ein Meisterstück abgeliefert. Das Auto strahlt Eleganz und Moderne ebenso aus wie rohe Aggression oder Retro-Coolness. Kein Wunder, dass da ringsum alle Auto-Fans in ihren ganz persönlichen Warship-Mode schalten.

Und dann wird die Landschaft einsam, Geraden morphen zu Kurven. Jetzt verlassen wir den Standby-Modus und schalten Fahrspaß frei. Bisher hat sich der Biturbo-V8 immer nur eher beiläufig gemeldet, jetzt drängt er sich nach vorn ins Rampenlicht. Seine Flat-Plane-Konfiguration dürfte Sound-Fetischist:innen verstören – wie man rauchig, scharf, explosiv klingt, beweist heute eigentlich nur der V10 des Gallardo Spyder Performante, der sich als Gruß der Vergangenheit im Rückspiegel eingenistet hat.

Blick von schräg vorne auf die fahrenden Supersportler Lamborghini Temerario und Lamborghini Gallardo Performante.
Foto: Hardy Mutschler

Der Temerario klingt im Vergleich gepresst, stöhnt und nörgelt sich durch die unteren Drehzahlbereiche, lässt sie daher schnell hinter sich. Peitscht hoch, zeigt wieder mal, was die wirklich guten Verbrenner einem E-Motor eben voraus haben: Dieses harte Zuschnappen, Immer-weiter-Beschleunigen in haarsträubenden Tempo-Momenten – die man besser nur auf der Rennstrecke erlebt und nie im Alltag. 800 Verbrenner-PS (588 kW) bei 9000/min, das ist bitterböse.

„Da schau her“, denke ich kurz vor dem Passo della Raticosa, während ich mir es im Temerario irgendwo zwischen Elektro-Punch und gelegentlich zuschlagender V8-Power eingerichtet habe, „rein motorisch gesehen ist der Gallardo die rundere, schönere Sache. Seine Power passt perfekt, der Sound ist irre, mehr müsste gar nicht sein.“

Was der Temerario wieder einmal besser kann? Wunderbar flüssig fahren, noch mehr Fahrwerks-Bandbreite ausloten, noch mehr Lenkpräzision bieten. Und ich erinnere mich, wie der Gallardo zum ersten Lamborghini wurde, den man gerne und leicht und fiebrig fuhr. Obwohl – oder gerade weil – er weniger Motor hatte als die V12-Boliden der Vergangenheit. Was das wohl bedeutet?

Technische Daten von Lamborghini Temerario Alleggerita und Lamborghini Gallardo LP570-4 Performante Spyder

AUTO ZEITUNG 02/2026

Lamborghini Temerario Alleggerita

Lamborghini Gallardo LP570-4 Performante Spyder

Technische Daten

Motoren

V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo; 3 E-Motoren

V10-Zylinder, 4-Ventiler

Antrieb

8-Gang, Doppelkupplung; Allrad

6-Gang, automatisiert; Allrad

Systemleistung

920 PS / 676 kW

570 PS / 419 kW

Max. Systemdrehmoment

Akkukapazität

3,8 kWh

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4706 / 1996 / 1201 mm

4345 / 1900 / 1184 mm

Leergewicht

1740 kg

1560 kg

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

2,7 s

3,9 s

Höchstgeschwindigkeit

343 km/h

324 km/h

Verbrauch auf 100 km

11,2 l SP + 26,8 kWh / 100 km (WLTP)

13,6 l SP / 100 km (NEFZ)

Elektr. Reichweite

Kaufinformationen

Grundpreis

349.150 €

217.651 €

Alle Daten Werksangaben