Tucson/Qashqai/Tiguan: Vergleichstest Tiguan stellt sich Tucson und Qashqai

von Elmar Siepen 21.09.2021
Inhalt
  1. Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: VW Tiguan für die Langstrecke am besten
  3. Motor/Getriebe: Nissan Qashqai ist der sparsamste im Testfeld
  4. Fahrdynamik: Ansprechendes Handling im Hyundai Tucson
  5. Umwelt/Kosten: Kostspielige Aufpreispolitik beim VW Tiguan
  6. Technische Daten & Messwerte: Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid, Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid und VW Tiguan 1.5 TSI

Wolfsburgs Bestseller VW Tiguan stellt sich im Vergleichstest den Kompakt-SUV Hyundai Tucson und Nissan Qashqai.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai Tucson
1.6 T-GDI
48V-Hybrid
 
Nissan Qashqai
1.3 DIG-T
Mild Hybrid
VW Tiguan
1.5 TSI
Karosserie (1000)658636668
Fahrkomfort (1000)701694710
Motor/Getriebe (1000)624650627
Fahrdynamik (1000)670624654
Eigenschaftswertung (4000)265326042659
Kosten/Umwelt (1000)398394352
Gesamtwertung (5000)305129983011
Platzierung132

Die dritte Generation des Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild-Hybrid trifft in diesem Vergleichstest auf den VW Tiguan 1.5 TSI und den Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid. Auf dem Redaktionsparkplatz der AUTO ZEITUNG ist der Nissan Qashqai kein Unbekannter. Bereits im Jahre 2010 durchlief er in seiner ersten Generation einen 100.000-Kilometer-Dauertest und gab dabei ein prima Beispiel typisch japanischer Zuverlässigkeit: Außer einem sich lockernden Hitzeschutzblech an der Auspuffanlage gab es keinerlei Störungen. Eine Kleinigkeit angesichts dessen, was sich so manch anderer Dauertest-Kandidat im harten Redaktionsalltag leistet. Damals dachte noch niemand an die SUV-Welle, geschweige denn daran, dass das Segment einmal das größte Wachstum im Pkw-Markt entwickeln würde. Und so bekommt es der Qashqai Nummer drei inzwischen mit knallharten Widersachern zu tun, die bereits in vergangenen Vergleichstests gezeigt haben, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen: Hier der VW Tiguan, meistverkauftes SUV im Kompaktsegment, dort der Hyundai Tucson, seit Kurzem in der vierten Generation auf dem Markt.

Der Nissan Qashqai (2021) im Video:

 
 

Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan im Vergleichstest

Mit seinen zweiteiligen Frontscheinwerfern besitzt der neue Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid durchaus ein markantes Gesicht in der mittlerweile nahezu unüberschaubaren Kompakt-SUV-Szene. So sticht es auch im Vergleichstest zwischen Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan heraus. Sorgt der Innenraum ebenso für Aufmerksamkeit? Durchaus, denn mit Klavierlack-Applikationen und hinterschäumten Flächen auf dem Armaturenbrett offeriert der Nissan wie auch der Hyundai Tucson ein sehr wohnliches und qualitativ recht hochwertiges Ambiente, auch wenn der VW Tiguan hier und da noch eine Spur solider wirkt. Mit seinem modernen 12,5-Zoll-Digital-Cockpit rangiert der Nissan Qashqai in Sachen Modernität auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Sein gutes Raumangebot auf den Vordersitzen lässt entspannt aufatmen, Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid und VW Tiguan 1.5 TSI sind hier wie im Fond allerdings noch etwas großzügiger geschnitten. Im alltäglichen Umgang fällt der neue Japaner positiv auf. So sind die Bedien-Icons auf dem Touchscreen zwar etwas unübersichtlicher angeordnet als bei den beiden Gegnern im Vergleichstest. Dafür erleichtern unterschiedliche Farben die Orientierung: Das Navigationsmenü ist grün gekennzeichnet, während Radio und Medienmenüs rot unterlegt sind. Die Spracherkennung funktioniert im Übrigen etwas besser als im Hyundai, wenn es zum Beispiel darum geht, Navigationsbefehle einzugeben. Fans einer praktischen Bedienung dürfte zudem freuen, dass Nissan die Drehregler für Lautstärke und Temperatur beibehalten hat. Wer auf Reisen geht, kann im Nissan mit 518 Kilogramm Zuladung rechnen. Das sind zwar 72 Kilogramm weniger als im Hyundai, aber immer noch 18 Kilogramm mehr als im Volkswagen. Umfangreich ist die Sicherheitsausstattung des neuen Nissan Qashqai: Neben Spurhalte- und Spurwechselassistent sind eine Querverkehrwarnung sowie ein Kreuzungsassistent serienmäßig an Bord. Wer ProPilot mit Navi Link ordert (1200 Euro Aufpreis), erhält unter anderem nicht nur ein Head-up-Display, sondern auch die Möglichkeit des Staufolgefahrens. Dabei lenkt der Nissan beim Anhalten automatisch zum jeweiligen Fahrbahnrand und hilft so, eine Rettungsgasse zu bilden.

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Fahrkomfort: VW Tiguan für die Langstrecke am besten

Gerade auf Langstrecken merken in diesen Tagen viele Urlaubsreisende, wie es um den Komfort ihres Fahrzeugs bestellt ist. Um es vorweg zu sagen: im Vergleichstest zwischen Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan sind alle Kandidaten diesbezüglich höchst reisetauglich. So sprechen die Feder-Dämpferelemente des neuen Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid auf schlechten Straßen feinfühlig an. Zugleich wird die an sich gute Feder-Dämpfer-Arbeit aber von diversen Karosseriebewegungen begleitet. Da geht der ähnlich feinfühlige Hyundai Tucson deutlich gelassener zu Werke. Überhaupt fragt man sich beim Tucson, der mit konventionellem Fahrwerk zum Vergleichstest antrat, ob sich der Mehrpreis für adaptive Dämpfer, mit denen der VW Tiguan vorfuhr, überhaupt lohnt. Diese Frage lässt sich indes eindeutig mit einem Ja beantworten, sobald der VW Tiguan 1.5 TSI Bodenwellen-gespicktes Kopfsteinpflaster unter die Räder nimmt. Unter diesen Bedingungen werden die Besatzungen des Koreaners und des Japaners nämlich deutlich stärker durchgeschüttelt als die VW-Passagier:innen. Zur Ehrenrettung des Nissan sei darauf verwiesen, dass der Qashqai der einzige ist, der unter Ausnutzung der vollen Nutzlast sein Feder-Dämpfer-Verhalten gegenüber dem unbeladenen Zustand leicht verbessert. Beim Sitzkomfort vorn profitiert der VW Tiguan von seinen "Top-Komfort"- Sitzen, bettet die Insass:innen wie in Abrahams Schoß und sorgt so für besten Langstreckenkomfort. Dem steht der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid kaum nach, doch zieht er beim Vergleich der Oberschenkelauflagen mit dem VW den Kürzeren. Etwas zu kurz fällt die Beinauflage auch auf der Fond-Bank des Nissan aus.

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Motor/Getriebe: Nissan Qashqai ist der sparsamste im Testfeld

Im Vergleichstest zwischen Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan setzen die Koreaner:innen und Japaner:innen Antriebsseitig auf Mild-Hybrid-Technik in Gestalt integrierter Starter-Generatoren. VW spart sich diese beim 150 PS starken, 1,5 Liter großen TSI-Motor, was sich prompt im Testverbrauch niederschlägt. Seine 8,4 Liter auf 100 Kilometer sind zwar noch akzeptabel, aber keineswegs sparsam. Überraschenderweise kann der Hynundai Tucson seine Hybrid-Technik aber auch nicht in besondere Sparsamkeit ummünzen, denn mit 8,6 Litern konsumiert sein 1,6- Liter-Turbomotor im Vergleichstest sogar am meisten. Erwähnenswert ist natürlich, dass der Koreaner mit 180 PS die Leistungsspitze im Testfeld markiert. Wie Sparsamkeit geht, zeigt das aufgeladene und 158 PS starke, aber nur 1,3 Liter große Aggregat des Nissan Qashqai mit 7,1 Litern auf 100 Kilometer. Wie zu erwarten, liegt der Hyundai bei den Fahrleistungen vorn: 8,7 Sekunden von null auf 100 km/h und 205 km/h Spitze unterstreichen dies und verleihen ihm im Alltag eine gewisse Souveränität. Der Nissan Qashqai liegt nur wenig dahinter und der VW Tiguan 1.5 TSI muss mit seinen 1600 Kilogramm Leergewicht ordentlich kämpfen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Speziell beim Beschleunigen oberhalb von 150 km/h tat er sich bei Vergleichsfahrten mit den Konkurrenten schwer. Immerhin weist er mit seinem optionalen siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die am zackigsten reagierende Kraftübertragung auf. Der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid fuhr mit einem ebenfalls aufpreispflichtigen CVT-Automatik vor, das über sieben programmierte Schaltstufen verfügt, welche den Gummiband-Effekt nahezu vollständig eliminieren. Das Getriebe geht aber die Fahrstufenwechsel auch etwas verhaltener an. Das konventionelle Schaltgetriebe im Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid verfügt über eine elektronisch gesteuerte Kupplung, mit der der Koreaner im Schiebebetrieb in den Segelmodus wechselt, die aber beim Wechsel in den Lastbetrieb eine Spur spontaner reagieren dürfte.

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Fahrdynamik: Ansprechendes Handling im Hyundai Tucson

Während der Fahrdynamik-Prüfungen offenbart der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid eine saubere Fahrwerksabstimmung. Neutrales Eigenlenkverhalten paart sich hier mit ordentlicher Traktion und einer homogen ansprechenden Lenkung. Dies sorgt dafür, dass der Hyundai ausgesprochene behände auf Slalom und Handling-Parcours unterwegs ist. Dank seiner optionalen Progressiv-Lenkung fühlt sich der VW Tiguan 1.5 TSI noch eine Spur handlicher an – ein Eindruck, der bei zügiger Kurvenfahrt von leichten Eindrehtendenzen des Hecks unterstützt wird. Seine ebenfalls aufpreispflichtige 20-Zoll-Bereifung besitzt zwar ein hohes Querbeschleunigungspotenzial, das der Tiguan aber nicht immer entfalten kann, weil das übereifrig arbeitende ESC (ESP) die an sich vorhandenen fahrdynamischen Talente blockiert. Der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid ist da eher gemütlich unterwegs. Er kann mit ähnlich guter Traktion wie der Hyundai aufwarten, benötigt in Kurven aber größere Lenkwinkel und wechselt dort, wo die Seitenführungskräfte der Bereifung enden, in braves Untersteuern. Die Bremsprüfungen aus 100 km/h meistern Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan im Vergleichstest sowohl mit kalter wie mit warmer Bremse mit Werten unter 35 Metern und lassen somit kaum Wünsche offen.

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Umwelt/Kosten: Kostspielige Aufpreispolitik beim VW Tiguan

Den VW Tiguan 1.5 TSI kostet die Aufpreispolitik von VW wertvolle Punkte. Sind testrelevante Dinge wie etwa adaptive Dämpfer, 20-Zoll-Bereifung oder eine Progressiv-Lenkung noch für vergleichsweise überschaubare Tarife zu haben, gibt es die Top-Komfortsitze nur in Verbindung mit der Elegance- oder R-Line-Ausstattung, was den bewerteten Preis auf 42.610 Euro treibt. Das sind bis zu 9612 Euro mehr als bei den Konkurrenten, was den VW deutlich zurückwirft. Wie es besser geht, zeigt der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid. Relativ günstig in der Anschaffung, wenngleich auch ohne Doppelkupplungsgetriebe, dafür aber mit einem üppigen Garantiepaket versehen, sammelt er genügend Zähler, um sich in diesem Kapitel des Vergleichstests an die Spitze zu setzen. Eine gute Ausstattung, die günstigsten Kraftstoffkosten und die niedrigsten Emissionen helfen dem neuen Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid, sich in der Umwelt/Kosten-Bilanz nur knapp hinter dem Hyundai Tucson einzusortieren.

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Technische Daten & Messwerte: Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid, Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid und VW Tiguan 1.5 TSI

AUTO ZEITUNG 17/2021Hyundai Tucson
1.6 T-GDI
48V-Hybrid
Nissan Qashqai
1.3 DIG-T
Mild Hybrid
VW Tiguan
1.5 TSI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo;
Riemen-Starter-
Generator;
4/4; Turbo;
RIemen-Starter-
Generator;
4/4;
Turbo
Hubraum1598 cm³1332 cm³1498 cm³
Leistung132 kW/
180 PS
5500 /min
116 kW/
158 PS
5500 /min
110 kW/
150 PS,
5000 - 6000/min
Max. Drehmoment265 Nm,
1500 - 4500
/min
270 Nm,
1800 - 3750
/min
250 Nm,
1500 - 3500
/min
Getriebe/Antrieb6-Gang-Vorderrad,
manuell
CVT-Automatik mit
Übersetzungsstufen
Vorderrad
7-Gang,
Doppelkupplung,
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1487/1520 kg1393/1467 kg1475/1600 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)8,7 s8,8 s9,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)205 km/h199 km/h202 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,8/34,0 m34,6/34,6 m34,6/33,3 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,6/6,6
l S
7,1/6,2
l S
8,4/6,8
l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)204/152 g/km168/144 g/km199/154 g/km
Preise
Grundpreis31.400 €31.530 €31.135 €
Testwagenpreis32.998 €34.230 €42.610 €

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Im Vergleichstest zwischen Hyundai Tucson, Nissan Qashqai und VW Tiugan belegt mit einer reichhaltigen Sicherheitsausstattung, dem sparsamsten Motor sowie einem gerüttelten Maß an Ausgewogenheit der Nissan in der Endabrechnung den dritten Platz. Ein schlechtes Auto ist der Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mild Hybrid deshalb nicht. Vielmehr zeigt das Ergebnis, wie hoch das Niveau im Segment der Kompakt-SUV inzwischen liegt. So punktet sich der VW Tiguan 1.5 TSI mit viel Platz und Top-Komfort an die Spitze der Eigenschaftswertung, landet am Ende aber nur auf Platz zwei. Seine kostenpflichtigen und testrelevanten Extras verhageln ihm nämlich das Kostenkapitel. Hier trumpft der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V-Hybrid noch einmal auf, nachdem er schon im Fahrdynamikkapitel mit tollen Handling-Eigenschaften und kurzen Bremswegen für Furore gesorgt hat. So verdient sich der Tucson den Sieg im Vergleichstest.

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