Bayon/Crossland/Taigo: Vergleichstest VW schickt den Taigo zum ersten Test

von Markus Schönfeld 09.12.2021
Inhalt
  1. Hyundai Bayon, Opel Crossland & VW Taigo im Vergleichstest 
  2. Fahrkomfort: Guter Geräuschkomfort im VW Taigo
  3. Motor/Getriebe: Der Opel Crossland braucht am wenigsten Sprit
  4. Fahrdynamik: Hyundai Bayon zeigt sich am agilsten
  5. Umwelt/Kosten: VW Taigo am teuersten in der Anschaffung
  6. Messwerte & technische Daten Hyundai Bayon, Opel Crossland 1.2 DI Turbo & VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG

Der VW Taigo ist das neueste SUV-Coupé aus Wolfsburg. Schränkt die Optik den Nutzwert ein? Die Antwort gibt der Vergleichstest mit dem Hyundai Bayon und dem Opel Crossland.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai Bayon 1.0 T-GDIOpel Crossland 1.2 DI TurboVW Taigo 1.0 TSI OPF DSG
Karosserie (1000)577572578
Fahrkomfort (1000)664650670
Motor/Getriebe (1000)615621602
Fahrdynamik (1000)647575642
Eigenschaftswertung (4000)250324182492
Kosten/Umwelt (1000)436385372
Gesamtwertung (5000)293928032864
Platzierung132

Auch wenn die Aufmerksamkeit im Neuwagenmarkt derzeit voll auf die schnell wachsende Elektro-Flotte gerichtet ist – die heimlichen Stars, nicht nur dieses Vergleichstests, sind kleine und kompakte SUV wie der taufrische Hyundai Bayon, der Opel Crossland oder der VW Taigo. Bei ihnen geht es längst nicht mehr um Geländetauglichkeit, Allradantrieb oder Offroad-Optik. Vielmehr schätzt die Kundschaft die gute Übersicht, die etwas höhere Sitzposition und die gute Ergonomie der hochbauenden, aber nicht zu großen Karosserien. Und hier bietet die SUV-Klasse im Vergleich zu konventionellen Klein- oder Kompaktwagen tatsächlich einige Vorteile. Dass sie deswegen gleich mehr verbrauchen sollen und daher oft gar als Umweltsünder gebrandmarkt werden, haben wir in ausführlichen Vergleichstests längst widerlegen können. Im anspruchsvollen Testschnitt begnügen sich alle drei mit deutlich weniger als sieben Liter Super pro 100 Kilometer. Wer in diesem Trio nach Betrachtung aller Stärken und Schwächen die besten Kaufargumente liefert, soll jetzt der ausführliche Vergleichstest mit dem Hyundai Bayon 1.0 T-GDI, dem Opel Crossland 1.2 DI Turbo und dem VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG herausfinden. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

Der Hyundai Bayon (2021) im Video:

 
 

Hyundai Bayon, Opel Crossland & VW Taigo im Vergleichstest 

Neben dem VW Golf heißen die Bestseller im VW-Sortiment derzeit T-Cross und T-Roc. Kein Wunder also, dass die Wolfsburger hierzulande ein drittes kleines SUV-Modell mit ähnlichen Abmessungen aus dem Hut zaubern. Dabei musste der Coupé-Ableger des 4,11 Meter langen T-Cross nicht einmal neu entwickelt werden – er läuft schon seit 2020 als VW Nivus in Brasilien vom Band. Die europäische Variante, die im spanischen Pamplona neben dem T-Cross gebaut wird, hört auf den Namen VW Taigo und streckt sich mit 4,27 Metern sogar deutlich länger auf der MQB-Plattform als der T-Cross. So bleibt das Platzangebot trotz flach abfallender Dachlinie vergleichbar mit dem des T-Cross. Selbst im Fond müssen Erwachsene nicht den Kopf einziehen. Aufrechter sitzt man dennoch in Hyundai Bayon oder Opel Crossland. Großgewachsene werden in zweiter Reihe übrigens in allen drei Modellen eher mit der Kniefreiheit hadern. Das Kleinwagenformat vergisst man auf den vorderen Plätzen dafür gänzlich. Die Übersicht ist gut, und moderne Sicherheitssysteme gehören vor allem beim VW schon zum Standard. Nur bei der Bedienung kann das serienmäßige Digitalcockpit einschließlich der Touchdisplays schon mal nerven. Hier gefallen die echten Knöpfe – beispielsweise für Klimabedienung und Radio – in Bayon oder Crossland deutlich besser. Und sie lenken während der Fahrt auch erheblich weniger ab. Keinesfalls bekleckern sich die drei kleinen SUV bei der Materialauswahl mit Ruhm. Auch wenn die solide Verarbeitung hier wie da über das dominierende Billig-Plastik hinwegtröstet – so richtig edle Atmosphäre kommt im Vergleichstest bei keinem der Modelle auf. Etwas mehr aufgeschäumte und schmeichelnde Materialien an Türtafeln oder Armaturenträger kann man in der Preisklasse um 25.000 Euro schon erwarten. Dafür gefallen Variabilität und Praxistauglichkeit der Drei. Auch wenn VW beim SUV-Coupé auf die verschiebbare Rücksitzbank verzichtet, passt in den Kofferraum doch einiges hinein. Ganze 440 Liter sind es als Fünfsitzer. Klappt man die zweiteilige Rücksitzlehne um, entsteht ein Packvolumen von 1222 Litern. Das ist mehr als im Hyundai (334 bis 1128 Liter), der unter dem Kofferraumboden aber auch die Batterie für den Mild-Hybrid-Antrieb versteckt. In den etwas höheren Kofferraum des Opel passen 410 bis 1255 Liter Gepäck. Und das kann sogar richtig schwer sein, denn der Rüsselsheimer verträgt mit über 500 Kilogramm mit Abstand die höchste Zuladung. Wer den Crossland in der Ultimate-Ausstattung wählt (ab 29.900 Euro), darf sich zudem über eine verschiebbare Rücksitzbank und noch mehr Variabilität freuen. Die niedrige Anhängelast enttäuscht dagegen beim Opel. Der Opel Crossland 1.2 DI Turbo kann auch mit dem stärksten Benziner nur 840 Kilogramm schwere Anhänger an den Haken nehmen. Der VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG mit 110 PS darf 1100 Kilogramm ziehen, der 120 PS starke Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 1110 Kilogramm. Zudem sind die jüngeren Mitstreiter Jahrgang 2021 bei der Sicherheitsausstattung deutlich besser aufgestellt als der Opel Crossland, den es schon 2017 gab. Einen Abstandsregeltempomaten für teilautonome Fahrfunktionen oder ein proaktives Insassenschutzsystem sind nicht in der Preisliste zu finden.

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Fahrkomfort: Guter Geräuschkomfort im VW Taigo

Auch wenn diese Kleinwagenableger typischerweise in dichten Ballungsräumen und nicht auf Fernstrecken zu Hause sind, bleiben sie doch selbst bei längeren Reisen erfreulich komfortabel. Dabei müssen sie klassenüblich auf Fahrwerksextras wie adaptive Dämpfer verzichten und setzen allesamt an der Hinterachse auf das Halbstarrprinzip, bei dem rechte und linke Radaufhängung miteinander verbunden sind. Dadurch wird zwar der Aufbau in Kurven stabilisiert, dafür sind die Räder in ihrer Bewegungsfreiheit aber deutlicher eingeschränkt als etwa bei einer aufwendigen Mehrfachlenkerachse. Trotz dieser schlichteren Achsaufhängung wirken aber weder der VW Taigo, noch der Hyundai Bayon oder der Opel Crossland auffällig schroff. Schlechte Straßen meistern sie auf ihren 17- und 18-Zöllern jedenfalls tapfer. Der Hyundai ist dabei etwas straffer ausgelegt, der Opel erzeugt dagegen früher sanft schaukelnde Aufbaubewegungen. Hin und wieder neigt er auf welligen Untergründen durch den kurzen Radstand zu Nickbewegungen. Ruhiger bleibt der Crossland dafür bei voller Beladung. Ausgewogener ist dagegen der VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG abgestimmt. Im Wolfsburger – pardon: Spanier – geht es auch in puncto Geräuschpegel im Vergleichstest am ruhigsten zu. Die Dämmung ist sogar noch wirkungsvoller als im vorbildlichen Hyundai Bayon 1.0 T-GDI. Wind- und Motorgeräusche sind im Opel Crossland 1.2 DI Turbo am deutlichsten zu hören. Dafür ist der Rüsselsheimer mit dem 130-PS-Benziner schon serienmäßig mit ergonomischen Aktiv-Sitzen und ausziehbarer Oberschenkelauflage bestückt, die vor allem wegen der aufrechten Sitzposition erfreulich ist. Nur der Seitenhalt könnte besser sein. Die etwas großzügiger bemessenen Stoffsessel in den beiden Konkurrenten zeigen, wie es besser geht. Allerdings kosten die Sport-Komfortsitze samt Lordosenstütze im Taigo auch extra.

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Motor/Getriebe: Der Opel Crossland braucht am wenigsten Sprit

Dass unter allen drei Motorhauben Dreizylinder-Benziner mit ein bis 1,2 Liter Hubraum arbeiten, hört man keinem der Kandidaten im Vergleichstest an. Wirkungsvoll gekapselt und gelagert gefallen die kleinen Turboaggregate mit guter Laufruhe. Auffällig kräftig geht dabei der Opel Crossland 1.2 DI Turbo zur Sache, der mit 230 Newtonmetern auch das höchste Drehmoment stemmt. Er hängt gut am Gas, zieht kräftig an und begleitet sportliche Fahrweise mit einem spritzig-kernigen Sound. Der etwas labbrig geführte, knorrige und lange Schalthebel passt dafür weniger gut zum sportlichen Auftritt. Im Hyundai Bayon 1.0 T-GDI ist das Schaltgefühl mit kürzerem Hebel präziser. Akustisch hält sich der Koreaner vornehm zurück, obwohl er sogar die schnellste Beschleunigungszeit in den Asphalt stanzt. Als Einziger im Trio schafft er den Sprint auf Tempo 100 in weniger als zehn Sekunden. Hier macht sich das geringe Gesamtgewicht von nur 1210 Kilogramm bezahlt. Der sanfte Extraboost aus dem 48-Volt-Riemen-Starter-Generator ist dagegen kaum zu spüren. Und: Dem Bayon geht bei der Höchstgeschwindigkeit am ehesten die Puste aus. Während bei ihm bei 185 km/h Schluss ist, zieht der Opel sogar an der 200er-Marke vorbei. VW konnte den Taigo-Testwagen nur mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe liefern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt hier aber genau wie beim Sechsgang-Schalter 191 km/h. Nur bei der Sprintmessung hat der VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG leicht das Nachsehen – er benötigt von null auf 100 km/h ganze 10,7 Sekunden. Auch beim Verbrauch muss sich der VW hinten anstellen. Allerdings liegen alle drei Kandidaten mit 6,6 bis 6,8 Liter Super auf 100 Kilometern extrem eng beieinander. Der Opel Crossland setzt dabei den Bestwert. Er fällt auch im Alltagsverkehr schon mit realistischen Verbräuchen von weniger als sechs Litern auf.

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Fahrdynamik: Hyundai Bayon zeigt sich am agilsten

Sicher kann man mit diesen drei kleinen SUV auch zügig kurvige Landstraßen durcheilen, zum waschechten Fahrsport taugen sie aber nur bedingt. Zum einen sind Fahrwerk, Lenkung und Bremsen in allen drei Modellen weniger auf Bissigkeit denn auf Komfort abgestimmt. Zum anderen sorgen auch die Bremsen nicht gerade für Glanzleistungen. Besonders schnelle Richtungswechsel wie in der Slalomgasse quittieren sie mit starken Aufbaubewegungen. Das führt hier und da zu rigorosen Eingriffen der Regelelektronik. Am dynamischsten wieselt sich hier noch der leichtfüßige Koreaner aus der Affäre. Der Opel Crossland fällt in diesem Kapitel des Vergleichstests am deutlichsten hinter VW Taigo und Hyundai Bayon zurück.

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Umwelt/Kosten: VW Taigo am teuersten in der Anschaffung

Beworben wird der VW Taigo zu einem Preis ab 19.350 Euro – allerdings in der Basisausstattung und mit 95 PS starkem Benziner. Damit ist das Coupé-SUV günstiger als der vergleichbare T-Cross (ab 20.240 Euro) und der demnächst erscheinende überarbeitete T-Roc (bisher ab: 22.615 Euro). Der VW Taigo 1.0 TSI kostet aber mindestens 23.995 Euro – mit Doppelkupplungsgetriebe sogar 25.655 Euro. Für weniger bekommt man den stärkeren und gut ausgestatteten Opel Crossland 1.2 DI Turbo. Das Preis-duell dieser beiden gewinnt also der Opel, auch weil der VW-Testwagen mit testrelevantem R-Line-Paket ausgestattet ist. Gegen den Hyundai Bayon 1.0 T-GDI haben im Vergleichstest aber beide keine Chance. Der Koreaner ist nicht nur viel besser ausgestattet, er protzt sogar mit fünf Jahren Garantie. Und ganz nebenbei ist er mindestens 2000 Euro günstiger als Opel oder VW.

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Messwerte & technische Daten Hyundai Bayon, Opel Crossland 1.2 DI Turbo & VW Taigo 1.0 TSI OPF DSG

AUTO ZEITUNG 25/2021Hyundai Bayon 1.0 T-GDIOpel Crossland 1.2 DI TurboVW Taigo 1.0 TSI OPF DSG
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo; 48V-Starter-Generator3/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum998 cm³1199 cm³999 cm³
Leistung88 kW/120 PS bei 6000 /min96 kW/130 PS bei 5500 /min81 kW/110 PS bei 5000 /min
Max. Drehmoment172 Nm bei 1500 - 4000 /min230 Nm bei 1750 /min200 Nm bei 2000 - 3000 /min
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell (elektr. geregelte Kupplung) / Vorderrad6-Gang, manuell / Vorderrad7-Gang, Doppelkupplung / Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1130/1210 kg1184/1281 kg1185/1256 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)9,6 s10,5 s10,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)185 km/h201 km/h191 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,8/34,9 m37,4/37,3 m35,8/35,1 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,7/5,1 l S6,6/5,5 l S6,8/6,4 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)159/121 g/km157/130 g/km162/152 g/km
Preise
Grundpreis23.290 €25.100 €25.655 €
Testwagenpreis23.690 €25.870 €29.570 €

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Ob der VW T-Cross wirklich eine Coupé-Variante gebraucht hat, sei mal dahingestellt. Der VW Taigo ist jedenfalls keinen Deut schlechter. Der gute Komfort, die von VW gewohnte perfekte Raumausnutzung und die ausgewogene Gesamtabstimmung von Antrieb und Fahrwerk lassen den Taigo klar gegen den Opel Crossland bestehen – Platz zwei. Der Rüsselsheimer wiederum begeistert mit sehr aufgewecktem Dreizylinder-Turbo, der obendrein extrem sparsam ist. Fahrdynamisch fällt er aber zurück und muss sich am Ende mit Rang drei begnügen. Als Gewinner dieses Vergleichstests geht der Hyundai Bayon hervor, der hier als Einziger wirklichen Schnäppchen-Charakter besitzt. Obendrein ist er komfortabel, spurtstark und – nicht zu verachten – unkompliziert.

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