Vorstellung

67er Hot Wheels Corvette: Der kuriose Start des Modellauto-Kults

Message in a Coke Bottle: Die 67er-Corvette C3 legte einst den Grundstein für den bis heute anhaltenden Erfolg von Hot Wheels. Das 1:64-Modell ging aus einem dubiosen Diebstahl bei General Motors hervor und tauchte knapp 60 Jahre plötzlich in der Spielkiste des Autors auf.

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Die Hot Wheels Corvette C3 stehend seitlich
Eine Ikone von 1967/68, wiederentdeckt in der Spielkiste: Die Corvette C3 gehört zur allerersten Hot Wheels-Serie überhaupt und ist heute gesucht. Auch wegen ihrer dubiosen Entstehungsgeschichte. Foto: Tim Neumann
Die Hot Wheels Corvette C3 stehend von oben
Das Modell im Maßstab 1:64 hat beinahe 60 Jahre auf dem Buckel und ging durch mehrere Generationen Kinderhände. Foto: Tim Neumann
Die Hot Wheels Corvette C3 stehend von hinten
Die Mini-C3 wurde sowohl in den USA als auch in Hong Kong komplettiert. Letztere erkennt man am lackierten Heck wie hier. Foto: Tim Neumann
Die Hot Wheels Corvette C3 stehend von schräg vorne
Die ursprünglichen Redline-Modelle mit roter Linie auf den Reifen fertigte Mattel nur bis 1977. Foto: Tim Neumann
Die Hot Wheels Corvette C3 stehend von schräg oben
Auch die Corvette im Hintergrund hat in den vergangenen Jahrzehnten Patina angesetzt. Foto: Tim Neumann

Ein Kinderzimmer-Fund und seine verrückte Geschichte: Die 67er Hot Wheels-Corvette fasziniert

Neulich im Neumannschen Spielzimmer: Der Nachwuchs hat mal wieder die einstigen Spielzeugautos vom Opa rausgeholt. Und so rasen BMW 2002, Lamborghini Marzal und Rolls-Royce Silver Shadow über den Teppich, fahren Rennen, prallen gegen Wände und kratzen beim Überschlag über den harten Steinboden. Auch der Papa greift in die Kiste – und hält plötzlich eine kleine, blaue Corvette von Hot Wheels in der Hand.

Da hat der alte Herr doch damals einen guten Geschmack gehabt, schmunzelt er. Wie es der Zufall so will, steht sein eigenes Corvette-Spielzeugauto in der Garage, im Maßstab 1:1. So lässt er andächtig den Blick über die ramponierte Coke-Bottle-Linie schweifen, klappt die Motorhaube auf und zu wie ein Zippo-Feuerzeug und staunt über die einzeln aufgehängten Redline-Räder. Aber Moment mal: Irgendwo im hintersten Gedächtnis-Kofferraum klickt es. Hot Wheels und Redline? War da nicht mal was?

Jawohl, da war was: So bezeichnen Fans die Hot Wheels-Modelle der ersten zehn Produktionsjahre, also von 1968 bis 1977, wegen ihrer auffälligen roten Linie auf den Reifen. Auf der Unterseite des blauen Chevys prangt aber das Jahr 1967. Der journalistische Goldgräber-Instinkt ist sofort geweckt.

Die Netz-Recherche spuckt einen Namen aus: Harry Bradley. Der US-Amerikaner gilt als der Hot Wheels-Gründervater schlechthin. Auf sein Konto geht nicht nur das Design von 15 der ersten 16 Modelle aus der allerersten Serie, die „Sweet Sixteen“, sondern auch der Name des neuen Matchbox-Konkurrenten von Mattel soll durch ihn geprägt worden sein.

Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Die Hot Wheels-Historie wurde aus Diebstahl geschmiedet

„Those are some hot wheels“, soll Firmengründer Elliot Handler ausgerufen haben, als Bradley mit seinem frisierten Chevrolet El Camino 1966 für das Einstellungsgespräch bei Mattel in Kalifornien vorfuhr. Logisch, dass der Designer den schrulligen Muscle-Car-Pick-up 1968 ebenfalls als eines der ersten Hot Wheels verewigte.

Harry Bradley hatte zuvor vier Jahre im General-Motors-Designzentrum gewirkt, was ihm nicht nur stilistisch zum Vorteil gereichen sollte. Um auch die sehnsüchtig erwartete, dritte Corvette-Generation rechtzeitig zum Hot Wheels-Debüt auf den Markt bringen zu können, wagte er eine Hollywood-reife Aktion.

Da er sich in den Bürogebäuden seines ehemaligen Arbeitgebers bestens auskannte, schlich er laut eigener Aussage durch eine Hintertür ins Designstudio und entwendete ein paar Zeichnungen der C3. Heraus schmuggelte Bradley sie dann eingerollt in seinen Krücken, die er wegen einer Kinderlähmung immer bei sich trug.

Und damit wird die Geschichte dann nebulöser als eine Stingray mit verschlissenen Ventilschaftdichtungen. Mythen erzählen davon, dass die Hot Wheels-Corvette noch vor dem Start des Serienfahrzeugs auf den Markt kam. Die GM-Bosse am River Rouge seien erzürnt gewesen und hätten so viel Druck auf Mattel gemacht, bis der Spielwarenkonzern Harry Bradley 1969 schließlich vor die Tür setzte.

Die Hot Wheels 67er Corvette stehend von schräg vorne
Foto: Tim Neumann

Die Geschichte von Harry Bradley wiederholt sich

Der Zeitstrahl erzählt allerdings eine andere Geschichte, denn GMs Corvette ist am 18. Mai 1968 schon seit etwa einem halben Jahr präsentiert und im Verkauf, als das Spielzeugmodell seinen Einstand feiert. Und Bradley räumte seinen Posten wohl aus eigenem Antrieb, weil er nicht an einen langfristigen Erfolg der anfangs ladenhütenden Hot Wheels glaubt.

Als Mattel nach Vereinfachung der Produktion Mitte der 70er der endgültige Durchbruch gelingt, hat Bradley längst ein eigenes Design-Unternehmen gegründet und unterrichtet nebenbei am Art Central College of Design in Kalifornien, wo viele künftige Hot Wheels-Stilisten ihr Handwerk lernen.

Ein Knacken weckt den Papa aus seinem Tagtraum im Maßstab 1:64. Soeben hat sich die chromglänzende Stoßstange eines DAF gelöst und wird nun nach bester Schrottplatz-Manier hemdsärmelig durchs offene Fenster im Cockpit verstaut. Die Ablenkung seiner Kinder nutzt er, um den Harry Bradley zu machen: Unauffällig rutscht die blaue Stingray in seine Hosentasche und wandert geradewegs in die gut behütete Vette-Sammlung.

Quellen

  • Hemmings

  • Hot Wheels Wiki