Hardware-Nachrüstung gegen Diesel-Fahrverbote Treffen zwischen Autobauern und Nachrüstern geplant

von Alexander Koch 19.11.2018
Inhalt
  1. Hardware-Nachrüstung gegen Diesel-Fahrverbote
  2. Ergebnisse des Diesel-Gipfels 2017
  3. Software-Updates für 5,3 Mio. Dieselautos
  4. Ist die Diesel-Umrüstung verpflichtend?
  5. Was bedeutet es für Diesel-Besitzer?
  6. Was ist mit Diesel-Fahrzeugen anderer Hersteller?
  7. Was ist mit älteren Diesel-Autos?
  8. Was passiert mit den Fahrverboten?
  9. Verbuchen die Software-Updates bereits einen Erfolg?

In der Causa Hardware-Nachrüstung für Euro-5-Diesel gegen Diesel-Fahrverbote verkündete Bundesverkehrsminister Scheuer am 8. November 2018  Bewegung in der Automobilindustrie. VW und Daimler wollen nun auch Hardware-Nachrüstungen unterstützen und planen ein Treffen mit Anbietern entsprechender Technik. Der Artikel wird laufend aktualisiert!

Um zu klären, wer für Hardware-Nachrüstungen für Euro-5-Diesel gegen Diesel-Fahrverbote aufkommt, lud Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für Donnerstag, 8. November 2018, Spitzenmanager der Branche nach Berlin ein. Hatten sich die Hersteller bislang geweigert, die vollen Kosten für die technischen Umbauten zu übernehmen, haben sich nun VW und Daimler laut Minister Scheuer bereit erklärt, mit bis zu 3000 Euro pro Auto entsprechende Hardware-Nachrüstungen zu unterstützen. Dies gelte für Betroffene in 15 Städten Deutschlands, in denen Schadstoff-Grenzwerte besonders stark überschritten werden. Bislang sah die Autoindustrie die Hardware-Nachrüstungen an älteren Dieselautos sehr skeptisch: Zu aufwendig, zu teuer und ungünstig für den Verbrauch, lautet die Argumentation. Ein weiterer strittiger Punkt, die Haftung für die Umbauten, war hingegen schon vor dem Spitzentreffen geklärt: Hierfür sollen die Drittanbieter und Umbauer aufkommen. Wie der Spiegel und der Bayerische Rundfunk berichten, wollen sich Daimler und Volkswagen am 29. November mit Anbietern von Nachrüst-Technik treffen. Bundesumweltministerin Schulze (SPD) begrüßt die Fortschritte auf dem Weg zur Hardware-Nachrüstung von älteren Dieseln.

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Hardware-Nachrüstung gegen Diesel-Fahrverbote

Hardware-Nachrüstung und Wechselprämien für alte Diesel: So lauten die hauptsächlichen Maßnahmen der Großen Koalition gegen Diesel-Fahrverbote. Das gaben die Politiker der drei Parteien CDU, CSU und SPD Anfang Oktober 2018 bekannt. Durch die technische Lösungen soll der Stickoxidausstoß auf weniger als 270 mg/km reduziert werden. Vorgesehen sind diese beiden Möglichkeiten Städte mit hohen Grenzwertüberschreitungen, zu denen München, Stuttgart, Köln, Frankfurt am Main, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg an der Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg gehören. Mit eingeschlossen sind auch angrenzenden Landkreise, Fahrzeughalter sowie Selbstständige, die in einer der genannten Städte arbeiten, und Autobesitzer mit besonderen Härten. Der Bund erwartet, dass die Autohersteller die Kosten übernehmen. Das bestätigen die Verkehrsminister von Bund und Ländern auch nochmal am Freitag, 19. Oktober 2018. Auch die Bundesländer pochen im Kampf gegen Luftverschmutzung und Fahrverbote auf Hardware-Nachrüstungen von Dieselautos. Die Bundesregierung solle dafür Sorge tragen, "dass die Hersteller in die Verantwortung für die Kosten zu nehmen sind", heißt es in einem Antrag der Länder Hessen, Berlin und Brandenburg, den der Bundesrat ebenfalls am Freitag, 19. Oktober 2018, in Berlin annahm. Der zweite Punkt sind Wechselprämien für alte Dieselfahrzeuge mit Euro 4 und Euro 5, die von den Herstellern bereits zugesagt und auch schon im vergangenen Jahr praktiziert wurden. Aber anders als in der Vergangenheit soll der Tausch auch gegen ein Gebraucht- und nicht nur gegen ein Neufahrzeug möglich sein.

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Ergebnisse des Diesel-Gipfels 2017

Eine Entscheidung der beiden Diesel-Gipfel im Jahr 2017 war, den sogenannten Diesel-Fonds einzurichten. Dieser soll eine Vielzahl von Projekten – etwa die Umstellung von Busflotten von Diesel auf Elektro, die Elektrifizierung von Taxis und Mietwagen sowie den schnelleren Ausbau von Ladesäulen für E-Autos – finanzieren. Außerdem geplant sind Erweiterungen des ÖPNV, eine Digitalisierung des Verkehrs etwa durch Parkleitsysteme und Fahrgast-Informationssysteme sowie mehr Fahrradwege. Umweltverbände sind allerdings skeptisch, ob es dadurch gelingen kann, flächendeckende Fahrverbote zu vermeiden. In Städten, die nur leicht über den Grenzwerten liegen, könne es klappen, dass der Stickoxide-Ausstoß sinkt und die Grenzwerte eingehalten werden – nicht aber in stark belasteten Städten wie Stuttgart und München. Der Fonds "Nachhaltige Mobilität für die Stadt" verfügt über eine Milliarde Euro, an der sich VW, Daimler und BMW mit 250 Millionen Euro und der Bund mit 750 Millionen Euro beteiligen.

 

Software-Updates für 5,3 Mio. Dieselautos

Als zentrales Ergebnis des ersten Diesel-Gipfels im August 2017 sollen außerdem 5,3 Millionen Dieselautos mit einer neuen Software nachgerüstet werden, um weniger Schadstoffe auszustoßen. Enthalten sind 2,5 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, für die ohnehin Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden. Es handelt sich um Diesel-Fahrzeuge der Emissionsklasse Euro 5 und teilweise Euro 6. Ein Jahr nach dem Diesel-Gipfel 2017 sind nach Angaben des Verkehrsministeriums rund 2,9 Millionen Fahrzeuge umgerüstet worden – darunter jene 2,5 Millionen VW, aus denen eine illegale Software entfernt werden musste. Bis zum 1. September 2018 sollen die Hersteller die Software-Entwicklung abschließen, bis Ende 2018 sollen die Updates eigentlich durchgeführt sein. Die Kosten für die deutschen Autobauer dürften sich auf 500 Millionen Euro belaufen. Mehr zum Thema: Alle Informationen zur Blauen Plakette

 

Ist die Diesel-Umrüstung verpflichtend?

Nein, die ausgehandelten Software-Updates sind freiwillig. "Die verpflichtenden Updates zuvor gelten nur für die Fahrzeuge, die Schummelsoftware haben", sagte Anja Smetanin vom ACE Auto Club Europa. Deren Nachrüstung hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordnet.

 

Was bedeutet es für Diesel-Besitzer?

Betroffene Autos werden zur Nachrüstung eingeladen. Das Update dauere in der Werkstatt dann etwa eine Stunde, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt. Bezahlen müssen Autobesitzer nichts. Motorleistung und Verbrauch sollen sich dadurch nicht verschlechtern, versichern die Konzerne.

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Was ist mit Diesel-Fahrzeugen anderer Hersteller?

Bislang haben ausländische Hersteller nicht nachgezogen. Ob entsprechende Software-Updates noch folgen, ist auch ein Jahr nach dem Diesel-Gipfel 2017 weiterhin unklar.

 

Was ist mit älteren Diesel-Autos?

Ältere Autos wollen die Autobauer nicht umrüsten. Dafür haben sie Anreize geschaffen, entsprechend alte Diesel gegen neue, relativ saubere Modelle oder E-Autos und einen Rabatt umzutauschen. Von diesem Angebot haben bislang über 200.000 Kunden Gebrauch gemacht und ihren alten Diesel gegen einen Neuwagen eingetauscht. Mehr zum Thema: So die Umweltprämie für alten Diesel kassieren

 

Was passiert mit den Fahrverboten?

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Februar 2018 sind Fahrverbote in Deutschland zulässig. Als erste deutsche Stadt hat Hamburg Diesel-Fahrverbote in zwei Straßen erlassen, 2019 folgen Stuttgart und Aachen. In weiteren Städten wie Köln oder München werden entsprechende Durchfahrtsverbote diskutiert. Weitere Fahrverbote dürften maßgeblich davon abhängen, wie viele Dieselautos nachgerüstet werden und wie viele alte Autos von den Straßen verschwinden.

 

Verbuchen die Software-Updates bereits einen Erfolg?

Die Zahl der Städte, in denen Schadstoff-Grenzwerte überschritten werden, ist auf noch 65 Städte im Jahr 2017 gesunken. 90 waren es noch ein Jahr zuvor. Die Luft sei besser geworden, bilanziert der Autoverband VDA: "Die Maßnahmen des Nationalen Forums Diesel zeigen Wirkung." In vielen Städten sind Maßnahmen für bessere Luft auf den Weg gebracht worden oder werden geplant.

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