Diesel Euro 6 nachrüsten (SCR): Tipps zur Umrüstung! So den Diesel auf Euro 6 umrüsten

von Alexander Koch 23.05.2018
Inhalt
  1. Diesel Euro 6 nachrüsten: So geht's!
  2. Kosten: Wie teuer wäre die Euro-6-Nachrüstung?
  3. Software-Update für Euro-5-Diesel
  4. Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Twintec?
  5. Welchen Vorteil bietet Baumot gegenüber SCR-Anlagen?
  6. Hätte eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile?
  7. Welche Autos sind SCR-Kat-tauglich?
  8. Ab wann ist die Hardware verfügbar?
  9. Wer haftet bei eventuellen Folgeschäden (Garantie)?
  10. Gibt es Förderungen vom Staat?

Fahrverbote durch die Umrüstung von Diesel-Fahrzeugen auf Euro 6 vermeiden: Das BNOx-SCR-System von Baumot (ehem. Twintec) umgeht die Nachteile von reinen SCR-Anlagen und erzielt teils deutlich bessere Stickoxid-Werte. Alternativ bietet Faurecia/Amminex eine eigene Hardware-Nachrüstlösung auf Ammoniak-Basis an. Unsere Tipps zur Umrüstung und die Kosten!

Um den drohenden Diesel-Fahrverboten in deutschen Großstädten zu entgehen, können Diesel-Pkw problemlos auf Euro-6-Norm umgerüstet werden. Neben der von der Autoindustrie bevorzugten Software-Lösung gibt es vermehrt technische Möglichkeiten zur Umrüstung: So bietet das dänische Unternehmen Amminex (Faurecia) mit BlueFit zum Beispiel eine eigene Nachrüstlösung für die Reinigung von Dieselabgasen an. Wichtig für den Kunden: Eingriffe in den Motorraum oder die Software sind nicht nötig. Es werden lediglich zwei kompakte Patronen mit festem, in Salz gebundenem Ammoniak in der Reserveradmulde platziert. In den Kartuschen lässt sich mehr als doppelt so viel Ammoniak als bei AdBlue bei gleichem Raumbedarf einlagern. Durch Aufheizen entsteht gasförmiges Ammoniak, das ins Abgas geleitet wird und dort das NOx zersetzt. Allerdings wird bei dieser Form der Euro-6-Nachrüstung alle 15.000 Kilometer ein Wechsel der leicht erreichbaren Patronen fällig. Dies soll in der Werktstatt lediglich zwei Minuten dauern.

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Diesel Euro 6 nachrüsten: So geht's!

Katalysator-Hersteller Baumot (ehem. Twintec) hat ebenfalls ein Euro-6-Nachrüstsystem (BNOx-SCR-System) für Neu- und Gebrauchtwagen entwickelt, das den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) deutlich senkt. Insgesamt kann das BNOx-SCR-System von Baumot die Stickoxide um 99 Prozent auf dem Prüfstand und um 94 Prozent unter realen Bedingungen auf der Straße reduzieren. So wäre auch nachträglich eine Euro-6-Einstufung möglich – die Grenzwerte für Euro 6 werden durch Twintec teils deutlich unterschritten. Warum "wäre"? Ganz einfach: Noch wird das System nicht angeboten. Es müssen entsprechende gesetzliche Rahmen geschafft werden, etwa durch eine blaue Plakette. Für diesen Fall plant Baumot, das BNOx-SCR-System für alle relevanten Fahrzeugtypen anzubieten. Das wäre besonders für Fahrer von Autos mit Euro-5-Einstufung interessant, die von einer möglichen Einführung der blauen Plakette und den damit verbundenen Fahrverboten betroffen wären.

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Kosten: Wie teuer wäre die Euro-6-Nachrüstung?

Entgegen vieler Befürchtungen soll die Nachrüstung laut Baumot (ehem. Twintec) nicht nur mit überschaubarem Aufwand, sondern auch mit vertretbaren Kosten zu bewältigen sein. 1500 bis 2000 Euro stehen für solch eine Umrüstung im Raum, die laut Hersteller etwa einen halben Tag in einer AU-berechtigten Fachwerkstatt benötigt. Allerdings müsste der Umbau durch den Gesetzgeber auch anerkannt werden. Zur Zeit ist eine Zulassung der Euro-6-Nachrüstung - wenn überhaupt - nur in einem teuren und komplizierten Einzelverfahren möglich, so Baumot-Geschäftsführer Henning Middelmann. Ob die Kfz-Steuer, die sich unter anderem auch an dem Schadstoffausstoß der Autos bemisst, durch die Umrüstung sinkt, lässt sich zum aktuellen Stand ebenfalls nicht sagen. Derweil präferieren die Autohersteller die Lösung eines Software-Updates: So haben sich die teilnehmenden Autobauer beim Diesel-Gipfel am 2. August 2017 dazu bereit erklärt, insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge umzurüsten. Komplexere Nachrüstlösungen werden abgelehnt, sodass die Kosten einer aufwändigeren Abgasnachbehandlung – etwa die von Baumot – wohl beim Verbraucher hängen bleiben.

BNOx-SCR-System von Twintec
Baumot (Twintec) bietet Euro-6-Nachrüstungen für Dieselfahrzeuge an. © VW/Twintec
 

Software-Update für Euro-5-Diesel

Tatsächlich bietet auch en Software-Update die Möglichkeit, einen Euro-5-Diesel auf Euro 6 umzurüsten. Dabei geht es vor allem darum, die sogenannten "Thermofenster" abzuschaffen, in denen die Abgasnachbehandlung aufgrund zu tiefer Temperaturen aussetzt: "Diesen Begriff hat die Industrie ohnehin erst vor einigen Monaten erfunden, um Temperaturbereiche zu erklären, in denen die Abgasrückführung einfach abgeschaltet wird, um den Motor zu schonen", erklärte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, gegenüber der Welt am Sonntag. Die Stickoxid-Emissionen werden einem ADAC-Test zufolge bei einer Software-Lösung um durchschnittlich 60 Prozent verringert. Aber auch der Verbraucht steigt: Gut vier Prozent mehr Diesel benötigt der Pkw nach dem Software-Update. Außerdem könne es sein, dass sich der Motorverschleiß erhöhe, da Abgase bei zu niedrigen Temperaturen zurück in die Verbrennungskammer geleitet werden.

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Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Twintec?

Das BNOx-SCR-System von Baumot (ehem. Twintec) spritzt das AdBlue in einen separat verbauten, elektrischen Generator ein, der über den Turbolader mit Energie versorgt wird. Der Generator verdampft das AdBlue und leitet es dann in den Abgasstrang weiter. In einer chemischen Reaktion entsteht dabei neben CO2 vor allem Ammoniak und CO2, das mit den Stickoxiden reagiert. Beim üblichen SCR-Katalysator wird die Harnstofflösung AdBlue direkt in den Antriebsstrang eingespritzt. Da für den Betrieb des SCR-Kats allerdings Temperaturen von 220 Grad notwendig sind, funktioniert die übliche Abgasreinigung bei wenig Motorlast, in der Kaltstartphase oder im Kurzstreckenbetrieb nicht optimal.

 

Welchen Vorteil bietet Baumot gegenüber SCR-Anlagen?

Die Lösung zur Euro-6-Nachrüstung von Baumot (ehem. Twintec) umgeht die Nachteile herkömmlicher SCR-Anlagen: Sie erzeugt bereits ab Abgastemperaturen von 150 Grad Ammoniak und hat zusätzlich einen Heizkatalysator verbaut, der bei zu niedrigen Temperaturen Energie zuführt. Daher kann die NOx-Reaktion laut Baumot schon bei deutlich niedrigeren Abgastemperaturen stattfinden. Das kommt den Straßenbedingungen entgegen, bei denen die Abgastemperaturen zum Teil deutlich niedriger sind als bei Prüfstandtests. Das ist insbesondere für die zukünftigen Abgasmessungen bei Neuwagen ab 2017 relevant, bei denen die Werte im Straßenverkehr erfahren werden müssen.

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Hätte eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile?

Ohne Nachteile kommt auch die Euro-6-Nachrüstung mit dem Update für die SCR-Anlage nicht aus: Ein erster ADAC-Test eines auf Euro 6 nachgerüsteten VW Passat (1,6-Liter-TDI) hat einen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs ergeben. Demnach ist der Diesel-Verbrauch etwa fünf Prozent höher als vor der Umrüstung. Die Lichtmaschine muss zusätzliche Energie bereitstellen, die das Nachrüstsystem zur Dosierung und Heizung benötigt. Allerdings ist der Rückgang des Schadstoffausstoßes immens: "Die Stickoxidwerte sinken um deutlich mehr als 90 Prozent", erklärt Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Der AdBlue-Verbrauch betrug beim getesten Prototypen circa zwei Liter auf 1000 Kilometer. Im ungünstigsten Falle steigt der Verbrauch auf drei Liter AdBlue je 1000 Kilometer. Die Kosten für den AdBlue-Einsatz belaufen sich dann auf etwa 20 Cent je 100 Kilometer.

 

Welche Autos sind SCR-Kat-tauglich?

Der ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) geht davon aus, dass sich 95 Prozent der Pkw mit Euro-5-Zertifizierung oder älter nachrüsten lassen, auch ausländische Fahrzeuge.

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Ab wann ist die Hardware verfügbar?

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Nachrüstung werden derzeit vom Gesetzgeber festgelegt. Baumot setzt bei der Euro-6-Nachrüstung Serienbauteile ein, die auch in großer Anzahl (mit Bauteilqualifizierung) kurzfristig verfügbar wären.

 

Wer haftet bei eventuellen Folgeschäden (Garantie)?

Die Gewährleistung erfolgt nach den gesetzlichen Bestimmungen, die Garantie dann nach den Vorgaben der Typgenehmigung – dies wurde damals bei der Nachrüstung zur grünen Plakette genauso gehandhabt.

 

Gibt es Förderungen vom Staat?

Eine Förderung durch den Staat, wie damals bei der Einführung der grünen Plakette, ist zwar wünschenswert, aber unwahrscheinlich.

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