Vorstellung

Hut-Rod: Ford Escort Mk2 mit RS-Optik und Hardcore-Hochdach

Tragen Sie eine Turmfrisur? Oder gehören Sie zufällig der königlichen Garde Englands an? Dann hätten wir das richtige Auto für Sie. Russische Ford-Tuner haben dem Escort Mk2 ein XXL-Hochdach gezimmert.

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Der Ford Escort Mk2 Hochdach stehend von vorne.
Wer im Glashaus sitzt: Ford Market aus Russland hat dem Escort der zweiten Generation ein völlig überdimensioniertes Greenhouse verpasst. Foto: Ford Market
Der Ford Escort Mk2 Hochdach stehend seitlich.
Der Umbau sorgt aber nicht nur allein deshalb für Stirnrunzeln: Auch die Kombination aus karierter Folie und Retro-Racer-Look lässt Stilfragen offen. Foto: Ford Market
Das Cockpit des Ford Escort Mk2 Hochdach.
Als Hüte im Auto noch en vogue waren, wäre der Escort vielleicht ein Hit geworden. Foto: Ford Market

Ford Escort Mk2 als Hut-Express

Wer gerne mit Hut Auto fährt, würde auf dem Neuwagenmarkt verzweifeln. Bis auf die stilfremden Hochdach-Kombis finden sich weit und breit nur Modelle mit knapp geschnittenen Coupé-Dächern. Das war vor 70 Jahren noch anders. Damals galten lichte Dachausschnitte noch als echtes Kaufargument. BMW verspielte sogar einst seine Chance auf ein Kanzlerauto, weil der altehrwürdige Konrad Adenauer beim Einstieg in den Barockengel seinen Hut abnehmen musste.

Heute ist der Hut noch immer ein großes Thema in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller, allerdings aus völlig anderem Grund: Der „Hut“ bezeichnet im Ingenieurs-Jargon die verschiedenen Karosserien, die über eine Fahrzeugplattform gestülpt werden. Vielleicht schwirrte den Tunern des russischen Spezialisten Ford Market all das im Kopf herum. Vielleicht war es aber auch nur der Vodka, der den Umbau des hier gezeigten Ford Escort Mk2 vorantrieb.

Wer den Hochdach-Escort zum ersten Mal sieht, greift jedenfalls ganz intuitiv zum Feierabend-Bier, um den Alkohol-Gehalt zu überprüfen. Das Greeeeenhouse im Papamobil-Format brennt sich derart auf der Netzhaut ein, dass die kuriose Karomuster-Folierung erst auf den vierten oder fünften Blick auffällt. Auch sonst wird der Ford immer eigenartiger, je länger man ihn betrachtet.

Ford Market hat nämlich tatsächlich die Regenabläufe analog zum Dach verlängert, die Scheibenwischer jedoch nicht. Kugelige Außenspiegel auf dem Kotflügel, Radlaufverbreiterungen, Heckbürzel und Minilite-Felgen verleihen dem Escort unterhalb der Fensterlinie Retro-Racer-Flair vom Schlage eines RS1800. Bei den spindeldürren Dachsäulen hätten wir allerdings Sorge, dass sich der Umbau beim Überfahren von Curbs verformt wie ein Kaugummi.

Mitfahrt im einzigartigen Ford Focus RS Turnier (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Die vielleicht größte fahrende Heißluftfritteuse Europas

Immerhin muss man sich im Hochdach-Einzelstück nicht darum sorgen, ob auch zwei Meter große Pilot:innen mit Rennhelm hineinpassen. Kommen wir also zum Innenraum: Auf dem Sportlenkrad prangt ein Lego-Logo, was im Grunde nicht viel mehr Sinn ergibt als das Hot-Wheels-Logo im Kühlergrill. Man hockt auf Sportsitzen mit braunem Pepita-Muster. Der (Dach)-Himmel ist in diesem unheilig umgebauten Automobil weit weit weg.

Das Armaturenbrett sieht noch weitestgehend originalgetreu aus, was aber nichts Gutes bedeuten muss. Denn eine Klimaanlage täte dem Klassiker gut. Wenn nämlich das Ford Market Unikat ein paar Stunden beim sonnigen Cars & Coffee parkt, dürfte er zur größten Heißluftfritteuse Europas avancieren.

Ob es auch unter der Motorhaube heiß hergeht, lässt sich von außen schwer beurteilen. Der teure wie selten BDA-16-Ventiler von Cosworth wird es wohl nicht vor die Spritzwand geschafft haben, auch wenn wir zu gerne gesehen hätten, was der 117 PS (86 kW) starke Vierzylinder mit dem Kompakten angestellt hätte.

Dazu sei aber noch zu erwähnen, dass der Hochdach-Escort wegen seiner riesigen Glasflächen deutlich schwerer ausfällt und dementsprechend nicht ganz so kernig zur Sache gehen dürfte. Beim Fliegenfangen auf der Autobahn macht dem karierten Kuriosum aber keiner so schnell Konkurrenz. Falls dass, das ursprüngliche Ziel von Ford Market gewesen sein sollte: Respekt. Oder noch besser: Hut ab!