Die wilde Jugend: Fiat Ritmo Abarth trifft Opel Kadett GTE
Sie waren stark und dynamisch, schienen unschlagbar – und verschwanden sang- und klanglos. Die zwei Golf GTI-Jäger Fiat Ritmo Abarth 125 TC und Opel Kadett GTE auf der Suche nach der zweiten Chance.
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Natürlich: Der Platzhirsch kam in den 1970er- und 1980er-Jahren ganz klar aus Wolfsburg. Aber nur im Schatten des VW Golf GTI zu stehen, würde diesem Duo nicht gerecht werden. Für 19.500 Mark – und damit etwa zum gleichen Preis wie bei VW – gab es auch bei Fiat und Opel eine Menge Fahrspaß. Die Italiener:innen hatten zusammen mit Abarth 1981 zunächst den 105 TC, kurz darauf den 125 TC präsentiert. Die Kürzel standen für üppige 105 respektive 125 PS (77 bzw. 92 kW), die der Twin-Cam-Motor mit zwei Litern Hubraum leistete.
Opel wiederum konterte 1983 mit dem Kadett D GTE, der mit 1,8 l und 115 PS (85 kW) ziemlich eindeutig auf den Rivalen vom Mittellandkanal abzielte. Tatsächlich ähnelten sich nicht nur die dem Zeitgeist entsprechenden kantigen Karosserien, sondern auch die Eckdaten: Knapp vier Meter Länge, keine 1000 kg Leergewicht und der Antrieb über die Vorderräder einten die Wettbewerber.
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Der Fiat Grande Panda (2025) im Fahrbericht (Video):

Die Duellanten Fiat Ritmo Abarth und Opel Kadett GTE waren nicht neu im Kompaktsportler-Business
Unbedarfte Neueinsteiger waren sie beide nicht: Opel konnte mit den Kürzeln GTE bzw. GS/E bereits eine anschauliche Palette sportlicher Modelle vorweisen. Und Fiat hatte in seiner Vergangenheit ohnehin immer wieder mit Fahrzeugen von sich reden gemacht, die mit ihrer Dynamik ihren Besitzer:innen viel Freude bereiteten. Und doch war jetzt einiges anders: Der neue Kadett war keine Heckschleuder mehr – das Bild eines quer stehenden Coupés war dem eines kantigen Bodybuilders gewichen, der seine Muckis in Form üppiger Radhausverbreiterungen zur Schau stellte.
Fiat-Fahrende wiederum fanden sich plötzlich zwischen zwei riesigen Kunststoff-Stoßfängern wieder, die jedoch weder Rallye-Feeling noch Roadster-Flair versprühten. Es waren eben neue Zeiten angebrochen. Und deren Zeichen wurden in Turin ebenso wie in Rüsselsheim gezielt umgesetzt. Natürlich musste sich ein GTE schon äußerlich von seinen zahmeren Brüdern abheben, ohne auch nur einen Meter gefahren zu sein. Natürlich mussten spezielle Felgen und der bestens bekannte Abarth-Skorpion beim TC Betrachtenden klarmachen: Nimm mich ernst!
Die Abarth-Jungs hatten ganze Arbeit geleistet
Und in der Tat sollte man weder den einen noch den anderen Kompaktsportler unterschätzen: Der Motor des Ritmo hatte sich schon im Fiat 131 und dem Lancia Beta bewährt. Abarth hatte ihn umfassend überarbeitet (die beiden Nockenwellen, Zylinderkopf, Kolben, Kurbelwelle). Die Weber-Doppelvergaser waren ein Relikt aus vergangenen Zeiten, denn der Wettbewerb trumpfte bereits mit elektronischen Einspritzanlagen auf. So verfügte der Kadett im Hinblick auf die kommenden Abgasbestimmungen bereits über die LE-Jetronic, die zudem ein komfortableres Leerlauf- und Kaltstartverhalten ermöglichte.

Der Ritmo-Motor ist zwischen 4000 und 7000 Touren in seinem Element, lässt sich gerne bis in den roten Bereich drehen. In damaligen Tests fiel auf, dass die Tachonadel zwar die 200-km/h-Marke überschritt, der Wagen dann aber tatsächlich nur 188 km/h schnell war. Aber: Der Weg dahin macht Laune. Und er würde noch mehr Laune machen, wenn die Vordersitze den neuen Gegebenheiten ebenso konsequent angepasst worden wären wie das Fahrwerk. Der Ritmo bietet ein tolles Gesamtpaket: Leistung, Gewicht und Abstimmung harmonieren bestens. Der Fiat lässt sich von kräftig zupackenden Händen exakt um die Kurven dirigieren. Nicht zuletzt die innenbelüfteten Scheibenbremsen an der Vorderachse zeugen von der fachkundigen Arbeit der Abarth-Technikabteilung, die aus dem kompakten Familienauto einen familientauglichen Sportler gemacht hatte.
Der Opel Kadett GTE war spät dran, aber dann umso besser
Großes Lob erntet in dieser Richtung auch der Kadett: Opel war spät dran, hatte den GTE schon lange im Prospekt angekündigt, bevor das Auto tatsächlich kam. Offenbar wollte man auch die kleinsten Schwächen erst noch beseitigen. Das ist geglückt: Das sportlich-straffe Fahrwerk lässt sich kaum aus der Ruhe bringen, schnelle, langgezogene Autobahnkurven meistert der GTE ebenso souverän wie knackige Kehren auf der Landstraße. Gerügt wurde seinerzeit die Getriebe-Abstimmung: Der lang übersetzte fünfte Gang machte bei Gegenwind oder Steigungen ein Herunterschalten unumgänglich. Und das wiederum erhöhte den Kraftstoffverbrauch.

Die (intuitive) Bedienung fällt im Kadett leichter – das Armaturenbrett des Ritmo wirkt arg zerklüftet. Mit seinen Zusatzinstrumenten und den Alu-Speichen des Lenkrads wiederum gibt sich der Fiat sportlicher. Drehzahlmesser waren in beiden Autos Standard. So unterschiedlich sie auch sind: Gemeinsam wollten Opel Kadett GTE und Fiat Ritmo Abarth 125 TC dem GTI das Wasser abgraben. Gelungen ist ihnen das allerdings nicht richtig.
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Technische Daten von Fiat Ritmo Abart 125 TC und Opel Kadett GTE
| Classic Cars 09/2019 | Fiat Ritmo Abarth 125 TC | Opel Kadett D GTE |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | 4/2 | 4/2 |
| Hubraum | 1995 cm³ | 1796 cm³ |
| Leistung | 92 kW/125 PS 5800/min | 85 kW/115 PS 5800/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 175 Nm 3500/min | 151 Nm 4800/min |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang-Getriebe/Vorderrad | 5-Gang-Getriebe/Vorderrad |
| L/B/H | 3937/1690/1370 mm | 3998/1656/1380 mm |
| Leergewicht | 980 kg | 980 kg |
| Bauzeit | 1981-1983 | 1983-1984 |
| Stückzahl | k.A. | 36.513 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 8,8 s | 9,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 188 km/h | 189 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 11,6 l S | 10,1 l S |
| Grundpreis (Jahr) | 19.500 Mark (1982) | 19.500 Mark (1983) |
Fazit
Man kann diese Autos kaum vergleichen, ohne zumindest einmal kurz nach Wolfsburg zu blicken. Trotzdem: Für sich gesehen, sind sowohl Ritmo Abarth 125 TC als auch Kadett GTE bis heute zwei echt heiße Eisen im Feuer der Kompaktsportler. Trotz ähnlicher Fahrleistungen hatten sie aber nie den (verdienten) Stellenwert eines Golf GTI. Das macht sie umso exklusiver – abgesehen davon, dass vollständige und unverbastelte Autos heute kaum noch zu bekommen sind.



















