BMW X5/VW Touareg: Vergleichstest X5 gegen Touareg im Vergleich

von Martin Urbanke 22.11.2019
Inhalt
  1. BMW X5 und VW Touareg im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: BMW X5 beim Komfort im Vorteil
  3. Motor/Getriebe: BMW X5 liefert bessere Fahrleistungen
  4. Fahrdynamik: VW Touareg brilliert mit guten Fahreigenschaften
  5. Umwelt/Kosten: VW Touareg mit niedrigerem Preis
  6. Messwerte & Technische Daten BMW X5 xDrive40i & VW Touareg V6 TSI 4Motion

Ottomotoren sind wieder im Kommen. Selbst bei großen SUV wie BMW X5 und VW Touareg rücken sie in den Fokus der Kunden. Wie gut die Dreiliter-Sechszylinder zu den Oberklasse-Offroadern wirklich passen, klärt der Vergleichstest.

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW X5 xDrive40iVW Touareg V6 TSI OPF 4Motion
Karosserie (1000)800799
Fahrkomfort (1000)849844
Motor/Getriebe (1000)632597
Fahrdynamik (1000)754716
Eigenschaftswertung (4000)30352956
Kosten/Umwelt (1000)261269
Gesamtwertung (5000)32963225
Platzierung12

Für Oberklasse-SUV wie den VW Touareg oder den BMW X5 herrschte bislang Einigkeit darüber, dass drehmomentstarke Selbstzünder erste Wahl für den Antrieb seien. Bärenkräfte verbunden mit hoher Laufkultur bei vertretbaren Verbrauchswerten sprechen für die Ölbrenner. Doch die Diesel sind allgemein in Verruf geraten: Drohende Fahrverbote und Skandale um geschönte Abgas-Werte haben das Vertrauen der Kunden erschüttert. Auf der anderen Seite haben sich die Benziner in den letzten Jahren dank Turboaufladung und modernstem Motormanagement ebenfalls zu durchzugsstarken und effizienten Antrieben weiterentwickelt. Da fällt der Paradigmenwechsel leicht. Wie sinnvoll die 340 PS starken Dreiliter-Sechszylinder tatsächlich als Motorisierung für BMW X5 und VW Touareg geeignet sind, untersuchen wir im Vergleichstest.

Der BMW X5 im Fahrbericht (Video):

 
 

BMW X5 und VW Touareg im Vergleichstest

An der schieren Größe der Oberklasse-SUV ändert die Antriebsart naturgemäß nichts. Wie bei den Dieselversionen auch offerieren die großen Offroader ihren Passagieren ein üppiges Raumangebot. Vorne gibt's im BMW X5 mehr Platz, auf der Rückbank gewährt der Touareg mehr Bewegungsfreiheit. Zumindest für die Beine. Dank der serienmäßig verschiebbaren Rückbank lässt sich der riesige Gepäckraum zugunsten der Kniefreiheit verringern – oder umgekehrt. Ganz nach Bedarf. Der BMW X5 kontert dies mit einem sehr flachen Mitteltunnel, der den Aufenthalt auf der Rückbank zu dritt erleichtert, sowie einer optionalen dritten Sitzreihe. Auch bei der Zuladung verbucht der BMW X5 die größeren Reserven: Unser Testwagen darf deutlich über 600 Kilo zuladen, während der VW Touareg bei knapp 550 Kilo ausgereizt ist. Ferner verkraftet der BMW X5 25 Kilo mehr Dachlast. Im Zugbetrieb dürfen indes beide Kontrahenten des Vergleichstests volle 3,5 Tonnen ziehen. Die Verarbeitungsgüte der zwei Rivalen ist durchweg hoch, wobei der BMW X5 mit dem exakteren Finish glänzt und – anders als der VW Touareg – sogar auf fiesen Rüttelstrecken frei von jeglichen Knistergeräuschen bleibt, während der Armaturenträger des Touareg vernehmlich knackt.

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Fahrkomfort: BMW X5 beim Komfort im Vorteil

Auf befestigten Straßen mit üblicher Beschaffenheit punktet indes der VW Touareg mit noch besser gedämmten Geräuschen. Jedoch klingt sein V6 stets eine Spur rauer und unter Last kehliger als der jederzeit seidig weich laufende Reihensechser im BMW X5. Diesen sanft säuselnden Sound kann selbst der modernste Diesel nicht toppen. Summen statt brummen lautet die Devise. Beide Testwagen treten mit optionaler Luftfederung zum Vergleichstest an und absorbieren den Großteil aller Fahrbahnunebenheiten mit stoischer Gelassenheit. Dass der BMW X5 mit nur zwei Personen besetzt trotz der üppigen 21-Zoll-Bereifung mit Notlaufeigenschaften schon auf kleinste Impulse noch sensibler anspricht als der VW Touareg, beschert ihm einen kleinen, aber feinen Vorsprung in den Komforteigenschaften. Der VW Touareg rollt für sich genommen jedoch ebenfalls ausgesprochen kommod ab und erfüllt das Klassenziel. Voll besetzt und beladen agieren seine Federelemente sogar noch einen Hauch sanfter. Die nur in Verbindung mit einem Lederpaket verfügbaren ergo-Comfort-Sitze des Test-VW gefallen auf langen Etappen mit angenehmer Polsterung und reichlich Auflagefläche. Die Komfortsitze des BMW X5 gewähren aber mehr Seitenhalt und Kontur bei gleichem Komfort. Auf der Rückbank sitzt man dafür im Touareg entspannter – zumindest zu zweit. Und: Empfindliche Naturen wissen zu schätzen, dass die Klimatisierung im BMW X5 effektiv, aber frei von störender Zugluft arbeitet.

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Motor/Getriebe: BMW X5 liefert bessere Fahrleistungen

Bis hierhin liegen die beiden Wettbewerber im Vergleichstest noch annähernd gleichauf. Bringt das Antriebskapitel die Entscheidung? Nominell versprechen die beiden Triebwerke sehr ähnliche Leistungen: Hier wie dort sorgt ein Sechszylinder mit Turboaufladung für 340 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter. Der Reihensechser im BMW X5 läuft jedoch ungeachtet des im Testwagen montierten Sportauspuffs nicht nur akustisch dezenter, sondern entwickelt auch weniger Vibrationen als der V6 unter der Haube des VW Touareg. Der entfaltet seine maximale Durchzugskraft dafür bereits bei 1340 Umdrehungen und hält das volle Drehmoment bis zum Erreichen der Nenndrehzahl konstant aufrecht. Der 40i verfehlt diese Daten zwar knapp (1500 bis 5200 Touren), spricht in der Praxis aber ungeachtet dessen spürbar williger auf Gasbefehle bei niedrigen Drehzahlen an. Während der V6 TSI speziell in den niedrigeren Stufen seiner Automatik recht träge reagiert, baut der BMW-Antrieb sofort Kraft auf und zieht an. Dazu trägt sicher auch die perfekt angepasste ZF-Automatik bei, die geschmeidig und stets im richtigen Moment die Fahrstufen wechselt. VW setzt prinzipiell das gleiche Getriebe ein, doch der Abstimmung fehlt noch der letzte Schliff. Die geringfügig längere Übersetzung des VW Touareg verhilft ihm zu einer etwas höheren Endgeschwindigkeit, bringt aber keinen Verbrauchsvorteil. Im Gegenteil: Mit 11,6 l/100 km verbraucht er 1,3 Liter mehr als der BMW X5. Damit liegen die Rivalen rund zwei bis drei Liter über den Verbrauchswerten der vergleichbaren Dieselmodelle. Wer das Temperament der Turbo-Benziner auskostet, muss damit kalkulieren, sich bei eiligen Autobahn-Etappen der 20-Liter-Marke zu nähern.

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Fahrdynamik: VW Touareg brilliert mit guten Fahreigenschaften

Optional lassen sich beide SUV darüber hinaus mit Luftfederung, riesigen Rädern, aktiver Wankstabilisierung und Allradlenkung aufrüsten. Der VW-Touareg Testwagen rollt mit der geballten Fahrwerkstechnik und auf 20-Zoll-Reifen zum Vergleich an. So ausstaffiert, nimmt er sogar dem bekannt agilen BMW X5 auf dem Rundkurs ein paar Zehntel ab und brilliert mit narrensicheren Fahreigenschaften, während der X5 auf den Runflat-Pneus am Limit zu Heckschwenks neigt. Allerdings benötigt der VW Touareg bei einer Vollbremsung aus 100 km/h rund zwei Meter mehr als der BMW X5, dessen Bremsanlage sich überdies gefühlvoller dosieren lässt. Auch die sehr präzise operierende Allrad-Lenkung des BMW vermittelt eine exaktere Rückmeldung als das System des Kontrahenten, erfordert jedoch Gewöhnung und lässt den BMW mitunter nervös wirken. Im VW Touareg arbeitet die Technik hingegen gänzlich unauffällig, aber wirkungsvoll. Und weil sie schon bei Rangierfahrten mithilft, verzeichnet der Touareg auch den engeren Wendekreis im Vergleichstest.

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Umwelt/Kosten: VW Touareg mit niedrigerem Preis

Häufiger Anhängerbetrieb sowie rasante Reisetempi treiben die Betriebskosten entsprechend in die Höhe. Wer aber meist auf kurzen und mittleren Distanzen pendelt oder sich mit etwa 160 km/h bescheidet, fährt mit den Benzinern nur geringfügig teurer als mit den Dieseln – und genießt mehr Komfort sowie Temperament. Im direkten Vergleich kommt der VW-Touareg-Käufer zwar knapp 10.000 Euro günstiger davon, muss aber bei der Ausstattung Abstriche hinnehmen. Serienmäßig trägt der Touareg Stoffbezüge, und auch die adaptiven Dämpfer gibt es erst gegen Aufpreis (ab 1950 Euro).

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Messwerte & Technische Daten BMW X5 xDrive40i & VW Touareg V6 TSI 4Motion

AUTO ZEITUNG 14/2019BMW X5 xDrive40iVW Touareg V6 TSI OPF 4Motion
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; TurboV6/4; Turbo
Hubraum2998 cm³2995 cm³
Leistung250 kW/340 PS250 kW/340 PS
Max. Gesamtdrehmoment450 Nm450 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/Allrad, ger. Hinterachs-Diff. (opt.)8-Stufen-Automatik/Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2060/2179 kg1945/2242 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h5,7 s5,8 s
0 - 150 km/h11,9 s11,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)243 km/h250 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,5/34,2 m36,2/36,4 m
Verbrauch (Test/EU)10,3/8,5 l S/100 km11,6/8,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)244/250 g/km275/257 g/km
Preise
Grundpreis71.400 Euro61.950 Euro
Testwagenpreis83.150 Euro73.910 Euro

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Dank moderner Turbotechnik passen Benzinmotoren inzwischen tatsächlich sehr gut zum komfortbetonten Charakter eines Oberklasse-SUV. Besonders der BMW X5 xDrive40i hinterlässt einen sehr überzeugenden Eindruck. Sein Reihensechszylinder ist ein Musterbeispiel an Laufkultur und Temperament – sowie Effizienz. Die Integral-Aktivlenkung verhilft dem X5 zudem zu einer konkurrenzlosen Agilität und kaschiert gekonnt die Größe des SUV – Platz eins des Vergleichstests. Genauso geräumig, aber vom Charakter her eher gelassen, präsentiert sich der VW Touareg V6 TSI OPF 4Motion, dessen Antrieb trotz beinahe identischer Leistungsdaten verhaltener agiert. Er läuft nicht ganz so geschmeidig und braucht mehr Sprit, weshalb man hier den Umstieg vom Diesel genauer überlegen sollte.

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