BMW-Chef Harald Krüger: Interview "…Pionier der Elektromobilität…"

von Volker Koerdt 27.06.2019
Inhalt
  1. BMW-Chef Harald Krüger im AUTO ZEITUNG-Interview
  2. E-Auto, Hybrid & Plug-in: BMW für Technologieoffenheit
  3. BMW auch in Zukunft mit Verbrennern? Die Antwort!

BMW-Chef Harald Krüger spricht im Interview mit der AUTO ZEITUNG über Absatzzahlen, die Elektromobilität und die zunehmende Digitalisierung!

Herr Krüger, BMW und Mercedes – die im Markt harte Konkurrenten sind – wollen gemeinsame Plattformen bauen. Ist das die einzige Möglichkeit für einen mittelgroßen Autohersteller wie BMW, selbstständig zu bleiben?

Wir konzentrieren uns bei der Zusammenarbeit mit Daimler darauf, bei den Mobilitätsdienstleistungen und beim autonomen Fahren voranzukommen. Alles andere ist Spekulation. Grundsätzlich sind strategische Kooperationen sinnvoll, da wir uns für die Zukunft technologisch breit  aufstellen müssen. Das könnte auch zu einer Zusammenarbeit mit anderen Tech-Unternehmen führen.

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BMW-Chef Harald Krüger im AUTO ZEITUNG-Interview

BMW hatte 2018 mit 9,1 Milliarden Euro Gewinn immer noch ein gutes Jahr, lag aber deutlich unter dem Vorjahr. Zudem war der Start in 2019 mit nur 589 Millionen Euro Gewinn im ersten Quartal schwierig. Was erwarten Sie von der Autokonjunktur und speziell für BMW in diesem Jahr?

Klar ist: Wir haben es 2019 unverändert mit einem volatilen politischen und wirtschaftlichen Umfeld zu tun. In den Automärkten herrscht zudem ein intensiver Wettbewerb. Auf der anderen Seite kommt unser junges, attraktives Produktportfolio bei den Kunden hervorragend an. Im Fokus stehen 2019: Profitabilität, Marktanteile gewinnen und als BMW Group der weltweit führende Hersteller im Premiumsegment bleiben.

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BMW hat im Dieselskandal eine relativ saubere Weste. Ärgert es Sie, dass BMW immer in einem Atemzug mit den Herstellern, die offensichtlich beim Diesel betrogen haben, in einen Topf geworfen wird?

Es gibt leider immer wieder auch Berichte, die pauschal die gesamte Automobilindustrie verurteilen und dementsprechend wenig differenziert sind. So etwas ärgert mich. Unser Unternehmen geht aber weiterhin seinen eigenen Weg.

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Jetzt droht wieder neues Ungemach: Die EU hat eine Anklage wegen Kartellabsprachen zwischen VW, Mercedes und BMW erhoben. Sie haben bereits rund 1,4 Milliarden Euro Rückstellung gebildet. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

In dem Verfahren der EU-Kommission sehen wir den Versuch, die zulässige Abstimmung von Industriepositionen zu regulatorischen Rahmenbedingungen mit unerlaubten Kartellabsprachen gleichzusetzen. Wir werden die sogenannten Beschwerdepunkte sowie die von der Kommission zur Verfügung gestellten Informationen intensiv prüfen und hierzu gegenüber der Behörde Stellung nehmen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, daher äußern wir uns zu diesem Zeitpunkt auch nicht zu den Inhalten. Wir werden uns aber gegen die Vorwürfe der Kommission gegebenenfalls mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen.

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Viele Autohersteller setzen verstärkt auf E-Mobilität. Was halten Sie vom Vorstoß von VW-Chef Herbert Diess, die Steuerbegünstigung für Diesel aufzugeben und dafür auf die E-Mobilität umzulenken?

Eines vorweg: Die BMW Group ist ein Pionier der Elektromobilität, und wir geben weiterhin Vollgas beziehungsweise Strom. Heute sind wir Marktführer für elektrifizierte Fahrzeuge in Europa. Ende dieses Jahres werden wir eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge weltweit auf der Straße haben. Darüber hinaus bringen wir bis Ende 2020 über zehn neue und überarbeitete Modelle mit nachhaltigen Antriebstechnologien auf den Markt. Deutschland hat aus meiner Sicht die Chance, ein Leitmarkt für die E-Mobilität zu werden. Positive Erfahrungen aus anderen europäischen
Ländern zeigen, dass hierfür aber viel mehr getan werden muss. Nehmen Sie etwa Norwegen: Dortsind aktuell bereits drei von vier verkauften BMW elektrifiziert, weil eine gute Infrastruktur zum Laden sowie eine attraktive finanzielle Förderung vorhanden sind. Ohne diese Voraussetzungen werden viele Kunden nicht einmal erwägen, ein E-Fahrzeug zu kaufen. Um die hohen gesetzlichen Vorgaben in puncto CO2 zu erreichen, brauchen wir auch in Zukunft den modernen Dieselmotor. Ein Euro-6-Diesel erfüllt die anspruchsvollsten europäischen Grenzwerte und trägt damit maßgeblich und schnell zur Verbesserung der Luftqualität in den Städten bei.

 

E-Auto, Hybrid & Plug-in: BMW für Technologieoffenheit

VW-Chef Diess setzt ganz auf BEV und möchte keine Förderung für Plug-in-Hybride oder Hybride haben. Damit stellt er sich gegen eine Technologie-Offenheit. Ist das auch der Weg von BMW?

Ganz klar: nein. Für die BMW Group ist Technologieoffenheit der Schlüssel für die Mobilität der Zukunft. Technologisch nur auf eine Karte zu setzen, wäre der völlig falsche Weg – auch im Hinblick auf Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland. Für uns schließt diese Offenheit neben dem effizienten Verbrenner den Plug-in-Hybriden, den vollelektrischen Antrieb und auch die Brennstoffzelle mit ein. Es gibt nicht die einzig richtige Lösung, die sämtliche Mobilitätsanforderungen der Kunden auf der Welt abdeckt.

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Gibt es bei den großen Differenzen zwischen den Herstellern überhaupt noch gemeinsame Interessen? Braucht es noch einen VDA? Wo sehen Sie die künftige Funktion des Verbands?

Wir stehen zum VDA. Angesichts der Geschwindigkeit der Transformation unserer Branche gibt es aber natürlich auch immer einen Bedarf an Veränderungen und strukturellen Anpassungen. Die Interessen der Mitgliedsunternehmen können nicht immer identisch sein, daher ist es die Aufgabe eines Verbandes, Kompromisse für eine gemeinsame Richtung zu finden. An der Stelle diskutieren wir mit den anderen Herstellern und dem VDA, wie wir die Interessensvertretung unserer Industrie zukünftig optimieren können.

 

BMW auch in Zukunft mit Verbrennern? Die Antwort!

BMW heißt bekanntlich "Bayerische Motoren Werke". Wie lange möchten Sie bei BMW noch Verbrenner bauen? Und: Werden Sie noch neue Sechszylinder und Diesel entwickeln?

Wir sind stolz auf unsere Motoren, die wegen ihrer Dynamik, Laufkultur und Effizienz in aller Welt berühmt sind und von den Kunden geliebt werden. Was den Zeithorizont betrifft: Der ist seit der Weltklimakonferenz von Paris klar vorgegeben. Ab 2050 soll der gesamte Verkehr CO2-neutral laufen. Deshalb stellen wir uns technologisch breit auf, um auf regulatorische Weichenstellungen in den verschiedenen Märkten vorbereitet zu sein.

Die kommenden Abgasbestimmungen wie Euro 7 machen den sportlichen Hochleistungsmotoren das Leben immer schwerer. Wie will es BMW bei den M-Modellen schaffen, diese Emissionshürden zu nehmen?

Es gibt noch keine klar definierte oder gar verabschiedete Euro-7-Verordnung. Je nach Gesetzeslage und Kundenanforderungen können unterschiedliche Antriebe sinnvoll sein. Zusätzlich muss man im Blick behalten, dass wir auch außerhalb der EU signifikante Stückzahlen verkaufen. Wir prüfen intensiv, welche Antriebslösungen für unterschiedliche künftige Anforderungen von Gesetzgebern und Kunden geeignet sind.

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Nahezu alle Automobilhersteller sprechen davon, digitale Dienstleister werden zu wollen. Glauben Sie wirklich, dass das ein nennenswertes Business-Modell für die Autobauer werden kann – insbesondere vor dem Hintergrund der Konkurrenz von Apple und Google?

In den vergangenen Jahren haben wir uns erfolgreich vom reinen Fahrzeughersteller zum Mobilitätsanbieter entwickelt. Durch das Etablieren neuer Geschäftsmodelle erschließen wir neue Kundengruppen und Ergebnispotenziale für unser Unternehmen. Wir verfolgen konsequent unsere Strategie NUMBER ONE > NEXT mit dem Ziel, künftig eine führende Tech Company für Premiummobilität zu sein. Dazu stellen wir unser Unternehmen auf ein neues, starkes Fundament und wollen dabei unsere Rolle als Technologieführer untermauern. Das betrifft unsere Kundenbeziehungen, Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen. Klar ist: Eine solche Transformation ist für einen Konzern mit mehr als 100 Jahren Geschichte ein gewaltiger Schritt. Aber wir sind ein starkes Team und ein sehr ehrgeiziges Unternehmen.

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BMW war der erste traditionelle Automobilhersteller, der mit den i-Modellen konsequent auf Elektromobilität gesetzt hat – auch mit leichten, allerdings teuren Karbon-Plattformen, die nicht mit anderen Modellen kompatibel sind. Haben Sie daraus gelernt und deshalb die variable
Plattform entwickelt, bei der Sie zwischen E-Antrieb und Verbrennern wechseln können?

Es war eine Pionierleistung, die BMW i-Modelle mit Fahrgastzellen aus Karbon serienreif zu entwickeln und zu industrialisieren. Karbon wird auch im künftigen Material-Mix eine wichtige Rolle spielen. Unsere flexiblen Architekturen sind unabhängig vom Thema Karbon zu sehen. Sie geben
uns die Möglichkeit, bestmöglich für die Zukunft gerüstet zu sein. So können wir flexibel auf die jeweiligen Anforderungen unserer Kunden und die von Gesetzgebern in den unterschiedlichen Märkten reagieren. Wir entwickeln mittlerweile die fünfte Generation von E-Antrieben. Auch im Bereich der Batteriezelle haben wir ein enormes Know-how aufgebaut und konnten beispielsweise die Energiedichte innerhalb der letzten fünf Jahre verdoppeln.

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