5er Facelift/E-Klasse Facelift: Vergleichstest 5er und E-Klasse im Traditions-Duell

von Caspar Winkelmann 06.01.2021
Inhalt
  1. BMW 5er Facelift und Mercedes E-Klasse Facelift im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Feinfühligere Federung im BMW 540i xDrive
  3. Motor/Getriebe: Beide Kontrahenten bieten moderaten Verbrauch
  4. Fahrdynamik: Mercedes E 450 4Matic bremst auf Sportwagenniveau
  5. Kosten/Umwelt: BMW 5er Facelift punktet mit geringeren Wartungskosten
  6. Messwerte & technische Daten BMW 540i und Mercedes E-Klasse 450 4Matic

Das Mercedes E-Klasse Facelift empfängt als 450 4Matic das BMW 5er Facelift als 540i xDrive zum Traditions-Duell. Vergleichstest der Oberklasse-Limousinen!

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW 540i
xDrive
Mercedes
E 450 4Matic
Karosserie (1000)699690
Fahrkomfort (1000)804794
Motor/Getriebe (1000)677671
Fahrdynamik (1000)738801
Eigenschaftswertung (4000)29182956
Kosten/Umwelt (1000)291289
Gesamtwertung (5000)32093245
Platzierung21

Mercedes E-Klasse und BMW 5er sind bereits seit Jahrzehnten Aushängeschilder der deutschen Automobilindustrie und verkörpern die oft beschworene Ingenieurskunst "Made in Germany". Und so sind die Vergleichstests zwischen E-Klasse und Fünfer längst echte Klassiker. Fast zeitgleich – und bestimmt nicht ganz zufällig – haben Mercedes und BMW jüngst die Modellpflegen für ihre beiden Oberklasse-Mobile präsentiert, selbstverständlich herrscht auch in der Oberklasse ein harter Konkurrenzkampf zwischen den beiden Premiummarken aus Stuttgart und München. Das BMW 5er Facelift konnte sich im Kräftemessen mit dem Audi A6 (siehe Ausgabe 22) bereits behaupten. Nun fordert ihn das Mercedes E-Klasse Facelift heraus. Als 540i xDrive und E 450 4Matic setzen beide Rivalen auf bärenstarke aufgeladene Reihensechszylinder-Benziner mit Mild-Hybrid-Systemen samt 48-Volt-Technik und Allradantrieb.

Das Mercedes E-Klasse Facelift im Video:

 
 

BMW 5er Facelift und Mercedes E-Klasse Facelift im Vergleichstest

Dass Facelifts meist nur sanfte optische Veränderungen mit sich bringen, ist gelernte Gewohnheit. Das BMW 5er Facelift hat neue, schmalere Scheinwerfer und abgedunkelte Heckleuchten. Auch die Daimler-Designer haben sich bei dem Mercedes E-Klasse Facelift vor allem der Leuchtelemente angenommen: Die zweigeteilten Rückleuchten sorgen dafür, dass sich die schwäbische Oberklasse nun deutlicher von der kleineren C-Klasse abhebt, und auch die Grafik der Scheinwerfer wurde überarbeitet. Mit jeweils unverändert rund 4,94 Meter Außenlänge sind beide Limousinen nach wie vor imposante Erscheinungen. Im Interieur des Mercedes E 450 fällt sofort das neue Dreispeichen-Lenkrad mit kapazitiven Flächen statt klassischer Knöpfe auf. BMW verzichtet auf Touchflächen am Lenkrad, dafür wirkt der auf 12,3 Zoll gewachsene und auf dem Armaturenträger montierte Zentralbildschirm etwas unförmig. Eleganter und noch beeindruckender ist da die durchgehende Displayleiste in der E-Klasse. Standardmäßig fährt das Facelift-Modell mit dem neuen MBUX-Multimediasystem samt Touchpad auf der Mittelkonsole vor. Unser Test-Benz verfügte allerdings über den bekannten und nun optionalen Dreh-Drück-Steller. Doch auch die Modellpflege beschert der E-Klasse keine einfachere Bedienung, selbst wenn die Sprachsteuerung nun deutlich besser funktioniert: Zu verschachtelt sind die Untermenüs, zu sehr lenkt das Wischen auf den Lenkradflächen vom Verkehrsgeschehen ab. Wie man die immer opulentere Funktionsfülle hoch technologisierter Oberklasse-Fahrzeuge einfach händeln kann, beweist der BMW: Seine Sprachsteuerung hört aufs Wort, und die Bedienung per iDrive-Controller ist schon nach kurzer Zeit erlernt. Auftrumpfen kann die E-Klasse dagegen bei der Sicherheitsausstattung: Zwar sind auch für den BMW optional autonome Fahrfunktionen und zahlreiche Assistenten verfügbar, der Benz weist mit Zebrastreifenerkennung oder Seitenairbags hinten aber noch mehr Sicherheitsfeatures auf. Im Vergleichstest bieten beide Limousinen ihren Passagieren üppige Platzverhältnisse, wobei BMW 540i xDrive-Fahrer und -Copilot noch etwas mehr Bewegungsfreiheit genießen. Top: jeweils über 600 Kilogramm Zuladung.

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Fahrkomfort: Feinfühligere Federung im BMW 540i xDrive

Guter Komfort fängt bei den Sitzen an: Die aufpreispflichtigen Komfortsitze des BMW 540i xDrive (2242 Euro) tragen ihren Namen vollkommen zu Recht und bieten neben einer auf Langstrecken äußerst kommoden Polsterung auch eine sehr gute seitliche Abstützung. Den etwas strafferen Multikontursitzen des Mercedes E 450 4Matic (2262 Euro) mangelt es vor allem im Schulterbereich an Seitenführung, dafür ist die Massagefunktion mit ihren zahlreichen Programmen ein echtes Erlebnis. Die Fondpassagiere freuen sich im BMW 5er Facelift über eine stärker konturierte Bank samt besser als im Mercedes E-Klasse Facelift nutzbaren Schenkelauflage. Im Vergleichstest ebenfalls für den BMW spricht seine exzellente Geräuschdämmung: Jenseits der 180 km/h dringen Abroll- und vor allem Windgeräusche subjektiv gedämpfter zu den Insassen durch als im Daimler. Dessen Luftfederung ist Hauptverantwortlich für das typische Mercedes-Fahrgefühl: Sanft wogend überfährt der E 450 welligen Asphalt, auf einzelne Kanten reagiert er dagegen etwas hölzern. Bei voller Beladung bietet der Mercedes jedoch größere Federungsreserven als der BMW. Der Münchener ist insgesamt etwas straffer abgestimmt und verfügt über ein klassisches Stahlfederfahrwerk mit adaptiven Dämpfern (1170 Euro). Trotzdem spricht er feinfühliger auf Unebenheiten aller Art an und zeigt nach Anregungen geringere Ausfederbewegungen.

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Motor/Getriebe: Beide Kontrahenten bieten moderaten Verbrauch

Für Bewegung nach vorn sorgen hier wie dort aufgeladene Reihensechszylinder-Benziner. Das 333 PS starke BMW-Aggregat brilliert mit seidenweichem Lauf und linearer Kraftentfaltung. Das Zusammenspiel mit der famosen Achtstufen-Automatik von ZF haben die Bajuwaren über die Jahre perfektioniert. Die 48-Volt-Mild-Hybrid-Systeme mit Starter-Generator sorgen bei beiden Limousinen für ausgedehnte Segelphasen und nahezu ruckfreie Motorenstarts im Stop-and-go-Betrieb. Der BMW 540i xDrive verbraucht mit 8,6 Litern pro 100 km etwas weniger Superkraftstoff als der Mercedes E 450 4Matic (8,9 Liter), wobei auf gemütlichen Fahretappen des Vergleichstests hier wie dort Verbräuche mit einer Sieben vor dem Komma möglich sind. Der Dreiliter des E 450 nutzt zusätzlich zum konventionellen Turbolader einen schnell ansprechenden elektrischen 48-Volt-Verdichter. Das 367-PS-Aggregat beschleunigt das rund 150 Kilogramm schwerere Mercedes E-Klasse Facelift in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 – damit ist der Mercedes einen Wimpernschlag schneller als der BMW. Seine Neunstufen-Automatik agiert allerdings zuweilen etwas hektisch und kann das üppige Drehmoment von 500 Newtonmetern nicht so gut in Szene setzen wie das BMW-Getriebe die 450 Newtonmeter des BMW 5er Facelifts.

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Fahrdynamik: Mercedes E 450 4Matic bremst auf Sportwagenniveau

BMW-Fans müssen in Bezug auf die Ergebnisse dieses Kapitels jetzt ganz stark sein: Der Mercedes E 450 4Matic fährt dem BMW 540i xDrive bei den Dynamikprüfungen des Vergleichstests ohne große Mühe davon. Einen entscheidenden Anteil an der exzellenten Performance des Benz auf der Handlingstrecke und in der Slalomgasse hat die sportive 18-Zoll-Mischbereifung: Der E 450 baut in Kurven einen enormen Grip auf, lässt sich präzise dirigieren und kann sich auf seine feinfühlig agierenden Regelsysteme verlassen. Das BMW 5er Facelift bietet zwar in jeder Situation ein noch exakteres Feedback, schmiert jedoch früher über seine weniger haftstarken Reifen. Ein Extralob gebührt der Bremsanlage des Schwaben mit serienmäßigen gelochten Scheiben an der Vorderachse: Mit kalter Anlage steht das Mercedes E-Klasse Facelift aus Tempo 100 nach nur 33,1 Metern, während der BMW über 36 Meter benötigt. Und auch beim Warmbremsweg bewegt sich die Limousine aus Stuttgart mit gerade einmal 32,4 Metern auf Sportwagenniveau.

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Kosten/Umwelt: BMW 5er Facelift punktet mit geringeren Wartungskosten

Auch ohne Vergleichstest ist klar: Preislich spielen die Business-Limousinen in der oberen Liga, was die Grundpreise jenseits der 60.000 Euro zeigen. In der testrelevanten Konfiguration ist der Mercedes E 450 5Matic ein paar hundert Euro günstiger, zudem wird ihr von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) ein besserer Wiederverkaufswert prognostiziert. Auch bei den Garantieleistungen geben sich die Schwaben spendabler. Der BMW 540i xDrive kontert mit etwas niedrigeren Kraftstoff- und Wartungskosten sowie einer nahezu lückenlosen Multimediausstattung.

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Messwerte & technische Daten BMW 540i und Mercedes E-Klasse 450 4Matic

AUTO ZEITUNG 23/2020BMW 540i
xDrive
Mercedes
E 450 4 Matic
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; Turbo;
Starter-Generator
R6/4; Turbo; E-Turbo;
Starter-Generator
Hubraum2998 cm³2999 cm³
Leistung245 kW / 333 PS
5500 - 6250 /min
270 kW / 367 PS
5500 - 6100 /min
Max. Drehmoment450 Nm,
1600 - 4800 /min
500 Nm,
1600 - 4500 /min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik /
Allrad
9-Stufen-Automatik /
Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1745 / 1819 kg1865 / 1971 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)4,9 s4,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h250 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
36,3 / 34,3 m33,1 / 32,4 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,6 / 7,5 l S /100km8,9 / 8,2 l S /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)204 / 175 g/km´212 / 186 g/km
Preise
Grundpreis62.387 €63.875 €
Testwagenpreis69.132 €68.573 €

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Das traditionsreiche Kräftemessen der Oberklasse-Limousinen aus München und Stuttgart hat auch 2020 nicht an Reiz verloren. Den ersten Platz im Vergleichstest sichert sich hier der überarbeitete Mercedes E 450 4Matic: Vor allem in den fahrdynamischen Disziplinen hat er dazugewonnen: Das Mercedes E-Klasse Facelift verzögert vehement und erreicht in Kurven hohe Querbeschleunigungen. Der zweifach aufgeladene Reihensechszylinder sorgt für starke Fahrleistungen bei vertretbarem Verbrauch, und die Sicherheitsausstattung fällt umfangreich aus. Der BMW 540i xDrive glänzt mit seinem ausgeprägten Sitz- und Federungskomfort sowie der exzellenten Geräuschdämmung. Auf der Handlingstrecke und bei den Bremsprüfungen kann das effiziente BMW 5er Facelift jedoch nicht so ganz mithalten.

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