HSR Type 859: Kommt der Audi Sport quattro zurück?
Mit viel digitalem Aufwand will die Tuningschmiede HSR das analoge Fahrgefühl des Audi Sport quattro wiederbeleben. Das ambitionierte Restomod-Projekt für diese Quattro-Kopie hat aber seinen Preis.
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Vom Audi Sport quattro gab es nur 220 Originale
Es gibt zwar lebende Legenden. Im Allgemeinen hilft es der Legendenbildung aber, wenn der oder die Betroffene bereits tot ist. Sportlich gesehen ist der Audi Sport quattro seit dem Ende der Gruppe B 1986 mausetot. Seine Legende aber lebt weiter, und im Augenblick zuckt ihr EEG sogar in den roten Bereich: Die Tuningschmiede HSR plant eine Neuauflage des extrem seltenen Boliden. Nur 220 Exemplare wurden davon zu Homologationszwecken gebaut. Einige Repliken bereichern den Fuhrpark des mythischen Allradrenners. Der HSR Type 859 fällt unter die Kategorie Restomod. Als Basis dient ein Audi Coupé der Generation B2. Von dem Spenderfahrzeug bleibt allerdings nach dem Umbau wenig übrig.
Um unter der Schwelle von 1200 kg Leergewicht zu bleiben, soll die Karosserie vorwiegend aus Carbon gefertigt werden. Beim Aufbacken geht sie in die Breite, um die dicken Walzen zumindest notdürftig zu bedecken. Die Länge schrumpft zugleich um 32 cm, womit die Proportionen dem Kurz-Quattro optisch sehr nahekommen. Für die nötige Stabilität soll ein Überrollkäfig dienen, auf Wunsch auch mit FIA-Homologation, um das zulassungsfähige Gerät auf der Rennstrecke von der Leine zu lassen.
HSR Type 859 als Audi Sport quattro-Restomod: Im Konfigurator-Video gibt es ihn schon
Unter der Carbonhaube steckt selbstredend ein Fünfzylinder
Die motorische Evolution entspricht dem HSR-Credo: Der Restomod soll das analoge Fahrgefühl des Sport quattro reproduzieren. Logischerweise kommt der jüngste (und vorerst letzte) Fünfzylinder der Audi-Erbfolge zum Einsatz. Statt wie in einem RS3 oder TT RS quer zu operieren, wird der 2,5-Liter dem Type 859 in Längsposition eingepflanzt. Vor der Transplantation profitiert er zudem von einem Umbau auf Trockensumpfschmierung und einer Kraftkur. Bis zu 600 PS (441 kW) sollen so über die manuelle Sechsgang-Schaltbox herfallen, die einem Audi S4 der Generation B8 entlehnt wird. Selbstredend wird die Kraft über ein Torsen-Differential an alle vier Räder weitergereicht, und zwar im driftfreundlichen Verhältnis 40:60.
Als Hommage an den WM-Titel 1984 soll der Type 859 in exakt 84 Exemplaren aufgelegt werden. Die Betonung liegt hier auf „soll“, denn bisher steht der Bau des ersten Prototyps noch aus. Die junge Münchner Manufaktur ist auf der Suche nach Kund:innen und Investor:innen, um die verheißungsvollen 3D-Simulationen auch in Carbon, Stahl und Kunststoff zu realisieren. Vor allem die Käufer:innen sollten dabei finanzstark sein. Unter 500.000 Euro wird der kurze Quattro wohl nicht zu haben sein.
Das ist ungefähr der Betrag, der bei Auktionen für originale Exemplare aufgerufen wird. Beim noch selteneren S1 wird es satt siebenstellig. Dennoch ein knackiger Preis, der das ambitionierte Projekt hoffentlich nicht scheitern lässt. Es wäre nicht das erste dieser Art, das in der Schublade bleibt. Selbst Audi hat es nicht gewagt, die eigenen Konzepte aus den Jahren 2010 und 2013, die dem Sport quattro noch am nächsten kamen, in Serie zu bringen. Und zur Fortschreibung der eigenen Legende(n) bemüht die Firma aus Ingolstadt im Augenblick lieber den Nuvolari und das Elektro-Concept C.
Fazit
Seit über zehn Jahren hadert Audi mit dem Erbe des Quattro, mottet zu allem Überfluss noch den charakterstarken Fünfzylinder ein. Das ist nicht nur schade, sondern geradezu Verschwendung. Als Markenbotschafter wäre ein Wiedergänger des Quattro – egal, ob kurz oder lang – wahrscheinlich viel effizienter als die Neuauflage des R8 namens Nuvolari.





















