Audi e-tron Sportback/Mercedes EQC: Vergleichstest Audi und Mercedes im Elektro-Duell

von Martin Urbanke 06.08.2020
Inhalt
  1. Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Weniger Windgeräusche im Audi e-tron Sportback
  3. Motor/Getriebe: Mercedes EQC schiebt druckvoller an
  4. Fahrdynamik: Schnellere Rundenzeit im Audi e-tron Sportback
  5. Umwelt/Kosten: Mercedes EQC hat niedrigeren Preis
  6. Messwerte & technische Daten: Audi e-tron Sportback 55 quattro & Mercedes EQC 400 4Matic

Der neue Audi e-tron Sportback will kein Öko-Vehikel sein, sondern ein schickes Oberklasse-SUV mit sportivem Touch und satten 408 Elektro-PS. Ähnliches verspricht der gleich starke Mercedes EQC – er kostet aber über 10.000 Euro weniger. Welcher die bessere Wahl ist, zeigt der Vergleichstest zwischen Audi e-tron Sportback 55 quattro und Mercedes EQC 400 4Matic.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi e-tron Sportback 55 quattroMercedes EQC 400 4Matic
Karosserie (1000)722689
Fahrkomfort (1000)784748
Motor/Getriebe (1000)763754
Fahrdynamik (1000)736672
Eigenschaftswertung (4000)30052863
Kosten/Umwelt (1000)281300
Gesamtwertung (5000)32863163
Platzierung12

Bislang waren Audi e-tron und Mercedes EQC die einsamen Speerspitzen der Elektro-Strategie ihrer jeweiligen Hersteller. Nun wagt Audi den nächsten Schritt und stellt dem SUV eine peppigere Schrägheck-Variante zur Seite – den e-tron Sportback. Büßt der Lifestyle-Offroader dadurch an Alltagstauglichkeit ein oder schärft er seinen Charakter? Die Antwort liefert der direkte Vergleichstest von Audi e-tron Sportback mit dem Erzrivalen Mercedes EQC, wobei der Mercedes zwar ebenfalls mit 408 Elektro-PS antritt, aber dennoch einen Preisvorteil von weit über 10.000 Euro in die Waagschale wirft. Damit erfüllt der Schwabe die Bedingungen (maximal 65.000 Euro netto), um den Umweltbonus respektive die Innovationsprämie für Elektro-Autos zu kassieren. Kann der Audi diesen Nachteil tatsächlich ausgleichen? Und bietet er so viel Dynamik, wie seine fetzige Linienführung verspricht? Probieren wir’s aus.

Der Mercedes EQC im Video:

 
 

Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC im Vergleichstest

Schon beim ersten Platznehmen im Audi e-tron Sportback fällt auf, dass die abfallende Dachlinie im Vergleichstest kaum negative Folgen für das Raumgefühl mit sich bringt. Vorn ändert sich nichts, im Fond verliert der Sportback vier Zentimeter lichte Höhe gegenüber dem normalen e-tron. Doch damit bleibt immer noch mehr Luft überm Scheitel als beim Mercedes EQC. Außerdem fällt der Benz vorn wie hinten deutlich schmaler aus, wodurch der Bayer eine ganze Klasse größer wirkt. Gleiches gilt für den Kofferraum: Hier reduziert sich das Volumen des e-tron von 655 auf 615 Liter beim Sportback und das Maximalmaß verringert sich wegen der flacher gestellten Heckscheibe um 70 Liter auf nunmehr 1655 Liter. Doch verglichen mit dem Mercedes (500 bis 1460 Liter) passt einfach mehr in den Audi rein. Allerdings liegt die Ladekante des Audi-Hecks beinahe 80 Zentimeter über der Straße. Da nimmt man dankend in Anspruch, dass sich der e-tron über seine Luftfederung absenken lässt. Anders als es die tief ausgeschnittene Heckklappe des EQC vermuten lässt, liegt aber auch dessen effektive Ladekante bei 76 Zentimetern, die sich mangels Luftfederung auch nicht reduzieren lassen. Die Zuladung von 434 Kilogramm fällt indes eher bescheiden aus für ein SUV von über 4,75 Meter Länge. Der Audi-Testwagen (4,9 Meter) darf immerhin 575 Kilogramm schultern. Bei der Anhängelast herrscht ein Patt: Je 1,8 Tonnen sind gestattet.

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Fahrkomfort: Weniger Windgeräusche im Audi e-tron Sportback

Deutliche Unterschiede offenbaren sich hingegen im Komfortkapitel. So sitzt man etwa im Mercedes auf weichen Polstern, während die S Sportsitze im Audi zur straffen Sorte zählen. Dafür glänzen sie mit enormen Seitenhalt. Im Fond sitzt man an Bord des e-tron ebenfalls auf festeren Polstern, die jedoch zugleich mehr Kontur bieten. Der Mittelplatz hat zwar genug Platz, ist aber so hart, dass man hier nicht länger als nötig sitzen will. Die Rückbank im Benz ist softer und gewährt mehr Beinauflage. Doch es mangelt an seitlicher Abstützung und der hohe Mitteltunnel stört. Ferner muss der Passagier in der Mitte schon sehr zierliche Hüften haben, wenn er nicht auf den Gurtschlössern hocken soll. Bei den Geräuschen spielen Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC die EV-Karte voll aus und verwöhnen mit leisen Tönen – zumal beide Testautos im Vergleichstest mit Akustikverglasung aufwarten (Serie im Mercedes, Audi: 500 Euro). Auch die sehr gewöhnungsbedürftigen Kamera-Außenspiegel des e-tron (1540 Euro) helfen, die Windgeräusche zu senken, sodass der Audi noch leiser ist. Doch das liegt auch am geschmeidigen Abrollen seiner immerhin 20 Zoll großen Räder – akustisch und mechanisch. Obwohl der Testwagen mit der sportlichen Version des serienmäßigen Luftfederfahrwerks ausgerüstet und tendenziell eher straff abgestimmt ist, filtert er doch alle unangenehmen Impulse gut weg. Der EQC ist in dieser Hinsicht vielleicht eine Spur zu nachgiebig ausgelegt. Denn selbst wenn der Mercedes noch mehr Stöße absorbiert, gerät dabei sein Aufbau zu stark in Unruhe. Dieses stetige Auf und Ab an Bord muss man mögen, sonst werden lange Etappen schnell anstrengend.

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Motor/Getriebe: Mercedes EQC schiebt druckvoller an

Naturgemäß laufen E-Autos aber nicht nur leise, sie setzen auch einen enormen Punch frei und fahren frei von Schaltvorgängen. Da bilden Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC keine Ausnahme. Schon aus dem Stillstand treten sie mit vollem Drehmoment an und katapultieren die immerhin gut 2,5 Tonnen schweren Fahrzeuge im Handumdrehen auf 100 km/h.  Dabei schiebt der EQC spürbar druckvoller als der e-tron – zumindest in der Stadt und auf der Landstraße. Auf der Autobahn wendet sich das Blatt und der Audi mit der Leistungskennziffer 55 mobilisiert oberhalb der Richtgeschwindigkeit mehr Reserven. Zudem wird er erst bei 200 km/h ab geregelt. Bei Mercedes ist bereits mit 180 km/h das selbst gesetzte Limit erreicht. Der Verbrauch beider SUV liegt in diesem Vergleichstest im Rahmen der Messtoleranz, doch die größere Reichweite erzielt der Audi. Zum einen, weil er mit bis zu 220 kW rekuperieren kann (Mercedes: 180 kW), zum anderen, weil sein Akku mehr Energie speichert. In der Praxis noch entscheidender ist, dass der Audi, je nach Ladesäule, mit bis zu 150 kW lädt, was sogar häufig tatsächlich der Fall ist. Der EQC schafft maximal 110 kW. Im Praxis-Test strömten aber meist rund 100 kW durchs Kabel – seine Ladezeiten sind darum länger.

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Fahrdynamik: Schnellere Rundenzeit im Audi e-tron Sportback

Mit tiefen Schwerpunkten sowie präzise angesteuerten Allradsystemen mit je einem Motor vorn und hinten bieten BEV auch in der Fahrdynamik einige Vorzüge. Jedoch sind Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC eher gemütliche Reise-SUV als Sportler. Eine hohe Fahrsicherheit bieten sie dennoch. Dabei agiert der EQC trotz seiner beinahe schon taumeligen Federungsabstimmung als das agilere und präziser zu lenkende Fahrzeug. Der Audi im S line-Trimm baut etwas höhere Rückstellmomente in der Lenkung auf, gibt sich betont stabil und souverän, bremst übertriebene Ambitionen seines Piloten klar untersteuernd ein – und stoppt im Ernstfall aus 100 km/h rund drei Meter eher als der Benz. Das erklärt auch seine schnellere Rundenzeit in diesem Vergleichstest.

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Umwelt/Kosten: Mercedes EQC hat niedrigeren Preis

Der Mehrpreis des Audi von 11.869 Euro gegenüber dem Mercedes erklärt sich nicht so leicht. Na gut, die Qualitätsanmutung des Audi ist besser und er gewinnt die Eigenschaftswertung. Aber wenn man die teils enormen Aufpreise des Audi-Testwagens mit dem Preis des getesteten Mercedes vergleicht, summiert sich der Unterschied sogar auf 17.352 Euro. Abzüglich Innovationsprämie und Umweltbonus (7500 Euro) sind es schließlich 23.852 Euro zugunsten des Benz. Der e-tron 55 wird vom BAFA nicht gelistet – zu teuer. Wer den EQC "Service+" wählt, verzichtet zwar auf einige Komfort-Features, spart aber bei Wartung und Service. Diese Bilanz im Vergleichstest zwischen Audi e-tron und Mercedes EQC kennt somit nur einen Sieger: Mercedes.

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Messwerte & technische Daten: Audi e-tron Sportback 55 quattro & Mercedes EQC 400 4Matic

AUTO ZEITUNG 15/2020Audi e-tron Sportback 55 quattroMercedes EQC 400 4Matic
Technik
E-MotorZwei flüssigkeitsgekühlte Asynchron-MaschinenZwei flüssigkeitsgekühlte Asynchron-Maschinen
Systemleistung300 kW/408 PS300 kW/408 PS
Systemdrehmoment664 Nm760 Nm
BatterieLithium-Ionen, klimatisiertLithium-Ionen, klimatisiert
Spannung/Kapazität netto (brutto)396 V/86 (95) kWh405 V/80 (k.A.) kWh
Max. Ladeleistung DC/AC150/11 kW110/7,4 kW
Ladeanschluss/OrtCCS, Typ 2/ links vornCCS, Typ 2/ rechts hinten
Getriebe/AntriebPlanetengetriebe, Konstantübersetzung/ AllradPlanetengetriebe, Konstantübersetzung/ Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2480/2575 kg2420/2506 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)5,4 s4,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)200 km/h180 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,6/34,4 m37,6/37,0 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)27,5/21,9 kWh27,8/22,7 kWh
CO2-Ausstoß (Test*/WLTP)130/0 g/km132/0 g/km
Reichweite (Test/WLTP)313/446 km288/411 km
Preise
Grundpreis83.150 Euro71.281 Euro
Testwagenpreis90.595 Euro65.743 Euro**
*gemäß deutschem Strommix (474 g CO2/kWh)
** inklusive Innovationsprämie

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Im Vergleichstest zwischen Audi e-tron Sportback und Mercedes EQC schnürt Audi das bessere Paket. Die Schrägheckvariante des Elektro-SUV bietet mehr Raum, mehr Komfort und mehr Dynamik. Ein Sportler ist der Sportback zwar noch lange nicht, aber der Fahrspaß stimmt. Auch bei den E-Auto-Kernkompetenzen wie Reichweite und Ladezeit geht er als Sieger aus dem Duell mit dem Benz hervor. Für den Mercedes EQC 400 4Matic spricht der temperamentvollere Antrieb im Stadtverkehr und auf der Landstraße. Wer die betont weiche Abstimmung mag, kann sich zudem am Schluckvermögen der Federung erfreuen. Und mit weit über 20.000 Euro Preisvorteil gleicht der EQC Makel wie die geringere Zuladung oder die schlechtere Raumökonomie nonchalant aus. Aber: Seine Bremswege dürften kürzer sein.

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