A3 Sportback/A-Klasse/Leon: Vergleichstest Dreikampf der Kompakt-Hybriden von Audi, Mercedes und Seat

von Michael Godde 22.03.2021
Inhalt
  1. Plug-in-Hybride: Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Seat Leon mit adaptivem Fahrwerk vorn
  3. Motor/Getriebe: Beste Elektroreichweite mit Mercedes A-Klasse (A 250 e)
  4. Fahrdynamik: Audi A3 Sportback verliert beim Handling
  5. Umwelt/Kosten: Seat Leon 1.4 e-Hybrid ist der günstigste Plug-in-Hybrid
  6. Messwerte & technische Daten Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid

Die Auswahl an kompakten Plug-in-Hybriden wird dank Newcomern wie Audi A3 Sportback 40 TFSI e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid stetig größer. Nun stellen sie sich dem Mercedes A 250 e. Der Vergleichtest klärt, wer die Hybrid-Nase vorn hat.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi A3 Sportback
40 TFSI e
Mercedes
A 250 e
Seat Leon
1.4 e-Hybrid
Karosserie (1000)583582564
Fahrkomfort (1000)685675706
Motor/Getriebe (1000)644666640
Fahrdynamik (1000)682702685
Eigenschaftswertung (4000)259426252595
Kosten/Umwelt (1000)386388411
Gesamtwertung (5000)298030133006
Platzierung312

Unter der Woche leise und lokal emissionsfrei durch die Stadt und am Wochenende eine ausgedehnte Spritztour ohne Angst vor etwaigen Reichweitenproblemen: Das ist das ideale Fahrprofil für moderne Plug-in-Hybride, wie wir sie hier in Gestalt von Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon zum Vergleichstest haben. Konsequentes Laden vorausgesetzt, lassen sich mit solch einem Fahrzeug weite Teile des mobilen Alltages günstig und in gewisser Weise umweltschonend bewältigen. Daher erfreuen sich Teilzeitstromer stetig wachsender Beliebtheit – gerade auch im Kompaktsegment. Mit dem neuen Audi A3 Sportback 40 TFSI e und dem technisch eng verwandten Seat Leon 1.4 e-Hybrid erhält diese illustre Gattung nun hochinteressanten Zuwachs. Insgesamt 204 PS stark und gleichzeitig – zumindest auf dem Papier – mit sagenhafter Effizienz gesegnet, treten sie gegen den Mercedes A 250 e an. Doch lässt sich der 218 PS starke Platzhirsch von den Neulingen tatsächlich beeindrucken? Der Vergleichstest gibt die Antwort.

Der Audi A3 Sportback (2020) im Fahrbericht (Video):

 
 

Plug-in-Hybride: Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid im Vergleichstest

Plug-in-Hybride haben in der Regel einen Nachteil: Die zusätzliche Batterietechnik beansprucht einen gewissen Platzbedarf, was sich zumeist auf das Kofferraumvolumen auswirkt. Dies ist auch bei den hier im Vergleichstest versammelten Teilzeitstromern Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid der Fall. Sie stellen deutlich weniger Stauvolumen fürs Gepäck als ihre konventionell motorisierten Derivate bereit. Den mit 310 Litern größten Kofferraum bei fünfsitziger Innenraumkonfiguration bringt etwas überraschend der Mercedes mit. Bei umgelegter Rückbank bietet der Seat den größten Laderaum. 1191 Liter stehen dann für Transportgut bereit. Ein weiterer kleinerer Nachteil bei allen drei Kompakten-Hybriden: Unter dem Ladeboden gibt es kein zusätzliches Ablagefach. Somit müssen die sperrigen Ladekabel stets im Kofferraum mitgeschleppt werden. Das Platzangebot für die Passagiere hingegen entspricht dem der herkömmlichen Benziner- und Dieselmodelle der Kompaktlimousinen. Das bedeutet, dass in Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon vorn selbst großgewachsene Personen reichlich Platz zur freien Entfaltung vorfinden. Fondpassagiere fühlen sich hingegen im Leon wohler als in seinen Gegnern, denn hier bietet der Spanier erheblich mehr Knieraum. Bei der Bedienung kann der Seat jedoch nicht überzeugen. Der aktuelle Leon setzt auf ein Konzept, das weitgehend ohne Tasten und Knöpfe auskommt. Die Eingaben erfolgen fast ausschließlich über den Touchscreen. Selbst oft genutzte Funktionen, etwa die Gebläsejustierung, erfordern den Umweg über diverse Untermenüs, was gerade während der Fahrt ablenkt – zumal die Menü-Symbole alles andere als übersichtlich gestaltet sind. Besser macht es Audi und spendiert dem A3 eine herkömmliche Klima-Bedieneinheit. Auch die großen, eindeutiger zu identifizierenden Symbole auf dem zentralen Touchscreen erleichtern die Bedienung im Vergleich zu der des Leon, während im Mercedes vor allem die intelligente Sprachsteuerung hilfreich zur Seite steht. Lobenswert sind hingegen bei allen drei Testkandidaten die umfangreichen Sicherheitsausstattungen, die neben Assistenten wie etwa dem Notbremssystem mit Fußgängererkennung auch eine Ausstiegswarnung, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht sowie einige automatisierte Fahrfunktionen bereithalten. Wie in dieser Klasse üblich kosten die meisten Dinge aber Aufpreis.

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Fahrkomfort: Seat Leon mit adaptivem Fahrwerk vorn

Wie groß der Unterschied zwischen einem konventionellen Feder-Dämpfer-Set-up und einem Optionsfahrwerk mit elektronisch geregelten Dämpfern sein kann, wird bei den technisch eng verwandten Konzernbrüdern von Audi und Seat offensichtlich. Der mit dem optionalen DCC-Fahrwerk (830 Euro im Paket) ausgestattete Seat Leon 1.4 e-Hybrid gibt auf allen Untergründen eine gute Figur ab, glättet kleinere wie tiefere Unebenheiten gleichermaßen wirkungsvoll und liegt gleichzeitig in jedem Geschwindigkeitsbereich angenehm satt auf der Straße. Ganz anders der Audi A3 Sportback 40 TFSI e, der als Plug-in-Hybrid nicht mit einem elektronisch geregelten Fahrwerk ausgestattet werden kann: Seine konventionelle Federung wirkt bereits auf kleineren Unebenheiten etwas überfordert und gibt zahlreiche Anregungen an die Passagiere weiter. Selbst auf vermeintlich ebenen Straßen ist sein Aufbau oft in Bewegung. Tiefere Fahrbahnschäden dringen zuweilen stößig in den Innenraum. Überraschenderweise ist im Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon, auch der Mercedes A 250 e nicht mit adaptiven Dämpfern bestellbar, obwohl diese für die herkömmlichen Benziner und Diesel der aktuellen A-Klasse zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zum Audi handelt der Daimler sich aber kaum einen Komfortnachteil ein. Im Gegenteil: Der A 250 e überfährt sämtliche Arten von Fahrbahnschäden deutlich gelassener als der A3 Sportback und gleicht selbst Schlaglöcher noch zufriedenstellend aus. Allenfalls bei einseitigen Anregungen registriert man verstärkt Aufbaubewegungen um die Längsachse.

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Motor/Getriebe: Beste Elektroreichweite mit Mercedes A-Klasse (A 250 e)

Plug-in-Hybride wie der Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid reagieren ausgesprochen empfindlich auf Wetter- und Verkehrseinflüsse. Die tiefen Temperaturen während der Verbrauchsfahrten steckt aber vor allem die elektrifizierte A-Klasse gut weg. 60 Kilometer legt der Mercedes nur mit der Energie aus seinem Akku zurück. Die 73 Kilometer laut WLTP erreicht er zwar nicht, kommt der Norm-Angabe aber deutlich näher als A3 und Leon, die nur 40 Kilometer weit stromern, obwohl Audi 67 und Seat 65 Kilometer versprechen. Zudem läuft der kleine 1,33-Liter-Vierzylinder-Turbo des Schwaben mit 5,8 Litern auf 100 Kilometern deutlich effizienter als die beiden Verbrenner der Rivalen mit jeweils 6,5 Litern. Im Mercedes erarbeiten sich der Benziner und der E-Motor eine unschlagbare Basis. Der A-Klasse stehen 450 Newtonmeter und 218 PS Systemleistung zur Verfügung, während A3 und Leon auf nur 204 PS und 350 Newtonmeter zurückgreifen können. Damit erreicht der A 250 e im Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon nicht nur die besseren Fahrleistungen und eine höhere Endgeschwindigkeit, sondern erledigt auch kurze Zwischensprints souveräner. A3 Sportback und Leon verfallen bei spontanen Leistungsabfragen hektischer in hohe Drehzahlen und verlassen damit den effizienten Arbeitsbereich des Systems. Zudem ermöglicht das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe der A-Klasse bei höherem Tempo ein niedrigeres Drehzahlniveau. Audi und Seat haben nur sechs Gänge zur Verfügung. Die Kombination der beiden Antriebsaggregate gelingt bei ihnen aber spürbar eleganter. Der Mercedes koppelt Verbrenner und E-Maschine vernehmlicher zusammen und informiert mit einem kleinen Ruck darüber, welche Antriebsquelle gerade pausiert. Die A-Klasse lässt sich dafür mit einer 24-kW-Schnellladefunktion ausstatten. Das macht sie im Alltag zum vollwertigen E-Mobil für nahezu alle – auch spontanen – Fahrten. Von null auf 80 Prozent Akku-Kapazität vergehen an der Ladesäule nur gut 30 Minuten, während man beim Audi mit maximal 2,9 kW und beim Seat mit bis zu 3,6 kW Ladeleistung für den gleichen Vorgang mehrere Stunden benötigt. Da wird das Nachladen zur Geduldsprobe – oder man verzichtet gleich darauf und nutzt allein den Benziner. Der Mercedes stromert nach einem kurzen Stopp lokal emissionsfrei weiter. Auch auf die wenig nachhaltige Funktion von Audi und Seat, den Akku während der Fahrt über den Verbrenner zu laden, kann der Mercedes-Besitzer dank der Schnellladefunktion verzichten.

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Fahrdynamik: Audi A3 Sportback verliert beim Handling

Der Mercedes A 250 e sichert sich – wie bei den Fahrleistungen auch – auf dem Handling-Parcours die Poleposition. Das zusätzliche Gewicht durch den Akku an der Hinterachse stört dabei überhaupt nicht. Der Plug-in-Hybrid liegt wie das sprichwörtliche Brett auf dem Asphalt. Vor allem die Verbundlenker-Hinterachse ist dabei so sicher in der Spur, dass der A 250 e wieselflink durch jeden Radius wetzt. Im Audi A3 Sportback 40 TFSI e und im Seat Leon 1.4 e-Hybrid hat das zusätzliche Akku-Gewicht deutlich mehr Einfluss auf die Linie. Beide lassen sich zwar über ihre mitteilsamen Lenkungen gefühlvoll dirigieren, neigen auf der anderen Seite dazu, bei Lastwechseln mit dem Heck nach außen zu drängen. Resultat: Das ESP wird deutlich öfter zur Hilfe gerufen, als es beim stoisch in der Spur verharrenden Mercedes nötig ist. Auch bei den Bremsen gibt sich die A-Klasse keine Blöße, was ihren zweiten Kapitelsieg im Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon festigt.

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Umwelt/Kosten: Seat Leon 1.4 e-Hybrid ist der günstigste Plug-in-Hybrid

Eigentlich erwartet man, dass sich Mercedes die gelungene Arbeit auch üppig bezahlen lässt. Allerdings ist der Mercedes A 250 e im Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, Mercedes A-Klasse und Seat Leon nicht der Teuerste. Der Audi A3 Sportback 40 TFSI e kostet sowohl in der Basis als auch inklusive aller testrelevanten Extras ein paar hundert Euro mehr. Das Top-Angebot ist aber der Seat Leon mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Berücksichtigt man die staatliche Förderung, bleibt er unter der 30.000-Euro-Grenze. Zudem ist der Seat Leon 1.4 e-Hybrid umfangreich ausgestattet und profitiert von den im Vergleich zum Mercedes deutlich günstigeren Wartungskosten.

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Mercedes A-Klasse/Seat Leon: Vergleich A-Klasse und Leon im Vergleich

 

Messwerte & technische Daten Audi A3 Sportback 40 TFSI e, Mercedes A 250 e und Seat Leon 1.4 e-Hybrid

AUTO ZEITUNG 05/2021Audi A3 Sportback
40 TFSI e
Mercedes
A 250 e
Seat Leon
1.4 e-Hybrid
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1395 cm³1332 cm³1395 cm³
Gesamtleistung150 kW / 204 PS160 kW / 218 PS150 kW / 204 PS
Leistung Verbrenner/E-Motor110 kW / 150 PS, 5000 /min
80 kW / 109 PS
118 kW / 160 PS, 5500 /min
75 kW / 102 PS
110 kW / 150 PS, 5000 /min
85 kW / 115 PS
Max. Gesamtdrehmoment350 Nm450 Nm350 Nm
BatterieLithium-IonenLithium-IonenLithium-Ionen
Spannung/Kapazität400 V / 13,2 kWh400 V / 15,6 kWh400 V / 12,8 kWh
Getriebe/Antrieb6-Gang, Doppelkupplung / Vorderrad8-Gang, Doppelkupplung / Vorderrad6-Gang, Doppelkupplung / Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1560 / 1597 kg1605 / 1708 kg1539 / 1599 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)7,3 s6,6 s7,4 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)227 km/h235 km/h220 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,9 / 34,5 m35,1 / 35,4 m36,3 / 34,6 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,5 l S / 5,2 kWh
1,0 l S / 13,0 kWh
5,8 l S / 4,6 kWh
1,0 l S / 17,1 kWh
6,5 l S / 4,6 kWh
1,1 l S / 14,6 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)179 / 24 g/km159 / 22 g/km176 / 25 g/km
Reichweite (Test)615 + 40 km603 + 60 km615 + 40 km
Preise
Grundpreis38.440 Euro37.765 Euro35.080 Euro
Testwagenpreis*33.022 Euro32.431 Euro29.407 Euro
* inkl. Umweltprämie bis 40.000 Euro Netto-Listenpreis (4500 Euro staatliche Förderung + 2678 Euro brutto Herstelleranteil)

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Dass Plug-in-Hybride nur eine Notlösung sind, dem widerspricht vor allem der Mercedes A 250 e mit seiner großen elektrischen Reichweite und der Möglichkeit, per DC-Schnellladevorgang den Akku in wenigen Minuten zu laden. Damit kann er die Eigenschaftswertung im Vergleichstest mit dem Audi A3 Sportback und dem Seat Leon für sich entscheiden und auch die Gesamtwertung. Der Seat Leon 1.4 e-Hybrid kann den Schwaben nicht vom Siegerpodest verdrängen, obwohl er extrem gut ausgestattet und günstiger ist. Darüber hinaus bietet er einen gelungenen Federungskomfort und im Fond das beste Raumangebot – Rang zwei. Dem teuren Audi A3 Sportback 40 TFSI e bleibt nur Rang drei. Dem Antrieb fehlt die Spritzigkeit und Effizienz des A 250 e. Wie beim Seat bringt das Gewicht des zusätzlichen Akkus Unruhe ins Handling des ansonsten wieselflinken Audi A3.

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