Audi A3/Cupra Leon/VW Golf: Vergleichstest A3, Leon und Golf im Hybrid-Vergleich

von Elmar Siepen 30.07.2021
Inhalt
  1. Audi A3 Sportback, Cupra Leon und VW Golf GTE im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Audi A3 Sportback mit feinfühliger Federung
  3. Motor/Getriebe: VW Golf GTE mit der größten Reichweite im Test
  4. Fahrdynamik: Cupra Leon ist der sportlichste Plug-in-Hybrid
  5. Umwelt/Kosten: VW Golf GTE bei Anschaffung am teuersten
  6. Messwerte & technische Daten: Audi A3 Sportback 45 TFSIe, Cupra Leon 1.4 e-Hybrid und VW Golf GTE

Audi A3 Sportback 45 TFSIe, Cupra Leon 1.4 e-Hybrid und VW Golf GTE treffen im Vergleichstest aufeinander. Wo liegen die Unterschiede bei den kompakten Plug-in-Hybriden? 

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi A3
Sportback
45 TFSIe
Cupra Leon
1.4 e-Hybrid
VW
Golf GTE
Karosserie (1000)579562576
Fahrkomfort (1000)684676696
Motor/Getriebe (1000)708687699
Fahrdynamik (1000)704716714
Eigenschaftswertung (4000)267526412685
Kosten/Umwelt (1000)386408379
Gesamtwertung (5000)306130493064
Platzierung231

Die eng verwandten Kompakten Audi A3 Sportback 45 TFSIe, Cupra Leon 1.4 e-Hybrid und VW Golf GTE treten im Vergleichstest gegeneinander an. Weil Vater Staat mit Kaufprämien und Steuerermäßigungen ordentlich zubuttert, wenn es darum geht, die CO2-Emissionen zu reduzieren, wächst das Angebot an Plug-in-Hybriden unaufhörlich. Nachdem VW im Golf und Audi im A3 Sportback Antriebseinheiten mit 245 PS Systemleistung offerieren, zieht nun auch Seats Edelableger Cupra nach und bietet den Leon mit der gleichen Leistung an. Moment mal: Sind 245 PS nicht das Leistungsmaß des klassischen Golf GTI? Richtig. Sicherlich wählen die Hersteller diesen Wert nicht von ungefähr. Vielmehr dürfte die Maßnahme ein Signal sein, um die Akzeptanz der Teilzeitstromer zu erhöhen, frei nach dem Motto: Seht her, Plug-in-Hybride können auch richtig sportlich unterwegs sein. Doch was bleibt von den Verheißungen der Datenblätter übrig, wenn es im Test heißt, Farbe zu bekennen?

Der Cupra Leon (2020) im Video:

 
 

Audi A3 Sportback, Cupra Leon und VW Golf GTE im Vergleichstest

Steht ein Vergleichstest mit Audi A3, Cupra Leon und VW Golf an, ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie eigenständig die Fahrzeuge vorfahren, die auf dem konzerneigenen MQB-Baukasten aufbauen und sich die technische Basis teilen. Der VW Golf GTE, drei Zentimeter höher als die Konkurrenz, bietet in der Summe mehr Kopffreiheit als seine Testgegner. Im Fond hält dagegen der Cupra Leon den üppigsten Knieraum bereit. Ist das Platzangebot für die Passagier:innen identisch mit dem der reinen Verbrenner-Varianten, kostet die E-Technik der Plug-in-Hybride im Schnitt 100 Liter Volumen, was beispielsweise den Platz im Golf-Kofferraum auf 273 bis 1129 Liter reduziert. Das mag für die Mehrzahl der Alltagstouren nicht allzu tragisch sein. Bei Urlaubsfahrten heißt es dagegen unter Umständen zu überlegen, was nicht unbedingt eingepackt werden muss. Immerhin: Die Zuladungskapazitäten der Testwagen sind praxistauglich und reichen von 436 Kilogramm (Cupra) bis 476 Kilogramm (Audi). Bei der Bedienung haben die Hersteller die Tasten und Schalter in den drei Testkandidaten reduziert und zum großen Teil durch Touchflächen ersetzt. Das mag innovativ sein, die Bedienung erleichtert es aber nicht immer. Teils sind die Menüs so verschachtelt, dass Neulingen die Orientierung auf der Bildschirmoberfläche nicht leicht fällt. Immerhin hat der Audi A3 Sportback 45 TFSIe eine separate Klimabedienung statt konventioneller Tasten an Bord. Dennoch sind mitunter zu viele Bedienschritte nötig. Wer im Cupra Leon 1.4 e-Hybrid zum Beispiel ein bestimmtes Ladeniveau für die Batterie einstellen möchte, um die letzten Kilometer innerorts lokal emissionsfrei zurückzulegen, muss vom Hauptmenü zum Menü "Batterie" wechseln, dort "Hybrid" wählen und dann noch den Personalisierungsbutton aktivieren, um den gewünschten Ladestand einstellen zu können. Wie im VW Golf GTE funktionieren hier außerdem Temperatureinstellung und Lautstärkeregulierung mit der Hilfe von "Slidern", über die man mit dem Finger gleiten muss. Da waren die früheren Drehregler zweifellos wesentlich praktischer. Obendrein bleiben die Slider im Dunkeln unbeleuchtet.

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Fahrkomfort: Audi A3 Sportback mit feinfühliger Federung

Obwohl nur als S-line erhältlich, gibt es für die Plug-in-Hybrid-Variante des Audi A3 das ansonsten bei dieser Ausstattung obligatorische Sportfahrwerk nicht. Auch adaptive Dämpfer stehen nicht zur Verfügung. So muss der Testkandidat die Fahrprüfungen des Vergleichtests zwischen Audi A3, Cupra Leon und VW Golf mit einem konventionellen Fahrwerk absolvieren. Das gelingt ihm jedoch gut, denn feinfühlig ansprechende Feder-Dämpfer-Elemente vermögen Bodenunebenheiten recht ordentlich herauszufiltern. Der VW Golf GTE, bestückt mit aufpreispflichtigen Adaptiv-Dämpfern, wirkt eine Spur straffer als der Audi, verkneift sich aber dessen ausgeprägte Aufbaubewegungen. Unter voller Beladung nimmt beim Golf die Filterleistung der Feder-Dämpfer-Elemente bei schlechten Fahrbahnbelägen ab – im Gegensatz zum Audi A3 Sportback 45 TFSIe. Dies liegt vermutlich daran, dass die von Haus aus sportlichere Grundabstimmung sowie die etwas tiefergelegte Karosserie kürzere Federwege bedingt. Der Cupra Leon, der serienmäßig mit elektronisch geregelten Dämpfern ausgerüstet wird, lässt die Passagier:innen überraschenderweise deutlich stärker an allem teilhaben, was er unter die Räder nimmt. Er teilt auf Schlaglöchern stärkere Stöße aus und schüttelt die Besatzung auf Kopfsteinpflaster heftiger durch. Mit voller Beladung federt die Hinterachse zudem kräftiger ein. Das Ganze wird von vereinzelten Polter- und Knarzgeräuschen begleitet. Dafür passen die serienmäßigen Cupra-Sportsitze, ebenso wie beim Golf, für nahezu jede Statur. Die vorderen Sitzgelegenheiten im Audi A3 Sportback verfügen als einzige über eine ausziehbare Oberschenkelauflage, doch sorgen die nach vorn geneigten Kopfstützen im Vergleichstest mitunter für ungewollten Kontakt mit dem Fahrerhaupt. Im Fond fühlen sich die Passagier:innen im VW aufgrund der passend konturierten Sitzflächen am wohlsten.

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Motor/Getriebe: VW Golf GTE mit der größten Reichweite im Test

In allen drei Kandidaten des Vergleichtests zwischen Audi A3, Cupra Leon und VW Golf sorgt ein 1,4-Liter-Turbo-Benziner im Verbund mit einer 80 (Audi, VW) beziehungsweise 85 kW (Cupra Leon 1.4 e-Hybrid) leistenden E-Maschine für hurtiges Fortkommen. Diese ist jeweils im Gehäuse des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes untergebracht. Die Systemleistung beträgt, wie bereits erwähnt, stets 245 PS und sorgt für erbaulichen Schub, sofern man beim Kickdown einen Augenblick Geduld hat und ausharrt, bis sich die Stromer und Verbrennerkräfte gesammelt haben, um mit bis zu 400 Newtonmetern System-Drehmoment den Antrieb zu forcieren. Dann dauert es zwischen 6,4 (Cupra) und 6,7 Sekunden (Audi) bis zur 100-km/h-Marke. Ab dann peilen die drei Kompakten zügig ihre Höchstgeschwindigkeiten von 225 (Leon und VW Golf GTE) beziehungsweise 232 km/h (Audi) an. Damit dürften auch gehobene Ansprüche an die Längsdynamik erfüllt werden. Die Beschleunigungsleistung liegt jedenfalls auf dem Niveau klassischer GTIs. Im Normalbetrieb gestalten sich die Übergänge vom E- in den Verbrennerbetrieb und umgekehrt in der Regel recht geschmeidig. Akustisch bemerkenswert: Beim Cupra haben die Ingenieur:innen mächtig ins Sound-Design investiert: Der pulsierende Klang erinnert verdächtig an Audis 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo aus den RS-Modellen. Mit einer Nettokapazität von jeweils 10,4 Kilowattstunden liegt die rein elektrische Reichweite zwischen 43 (Cupra) und 49 Kilometern (VW). Alle Kandidaten des Vergleichstests können lediglich mit Wechselstrom geladen werden. Dabei beträgt die maximale Ladeleistung des Audi A3 Sportback 45 TFSIe nur 2,9 Kilowatt, während seine beiden Konkurrenten bis zu 3,6 kW verarbeiten können. Infolgedessen lässt sich die Cupra-Batterie in gut dreieinhalb Stunden komplett laden. Beachtlich, mit wie wenig fossilem Brennstoff die Kandidaten die Verbrauchsrunde mit vollem Stromspeicher absolvieren: Audi A3 und VW Golf kommen mit nur 3,2 Litern aus, der Cupra Leon 1.4 e-Hybrid benötigt 4,0 Liter. Als Testverbrauch (Mittelwert aus Testrunde mit voller und leerer Batterie) ergeben sich Werte zwischen 4,7 Litern Super für den A3 Sportback und 5,3 Litern beim Leon. Hinzu kommen je 5,2 Kilowattstunden Strom.

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Fahrdynamik: Cupra Leon ist der sportlichste Plug-in-Hybrid

Mit dem Cupra Leon schicken die Spanier:innen einen besonders sportlichen Plug-in-Hybrid in den Vergleichstest zwischen Audi A3, Cupra Leon und VW Golf. Lenkbefehle setzt der Spanier mit bestechender Direktheit um. Kurven umrundet er traktionsstark und wie auf Schienen. Wer auf abgesperrter Strecke im "Cupra"-Modus mit deaktiviertem ESC unterwegs ist, kann den spielerischen Umgang mit den Lastwechselreaktionen genießen. Der Leon beweist, dass sich auch ein Fronttriebler quer zur Fahrtrichtung bewegen lässt. Dabei bleibt der Leon immer gut kontrollierbar. Kein Zweifel, der Spanier ist die Sportskanone in diesem Vergleichstest, wenn auch Antriebseinflüsse in der Lenkung subjektiv stärker spürbar werden als bei der Konkurrenz. Der VW Golf GTE wirkt ähnlich agil, doch ist er nicht so kompromisslos auf Sportlichkeit getrimmt, lässt sein Heck in Kurven nicht so kräftig eindrehen und gibt eher den ausgewogenen Dynamiker. Auch die Lenkung agiert eine Spur weniger direkt. Von gänzlich anderem Naturell zeigt sich der Audi A3 Sportback. Eher komfortorientiert umrundet er den Handling-Parcours gelassener – mit deutlich mehr Seitenneigung und früher einsetzendem Untersteuern. Die Aufbaubewegungen gehen vor allem bei schnellen Richtungswechseln zu Lasten der Fahrpräzision. Mit Dynamik hat der A3 Sportback eher weniger am Hut.

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Umwelt/Kosten: VW Golf GTE bei Anschaffung am teuersten

Dank der Preisermäßigung durch die E-Auto-Prämie bewegen sich die drei sportlichen Kompakten in durchaus bürgerlichen Preisregionen. Den Vogel im Vergleichstest zwischen Audi A3, Cupra Leon und VW Golf schießt der sehr gut ausgestattete Cupra Leon 1.4 e-Hybrid mit 31.617 Euro ab. Am anderen Ende liegt der VW Golf GTE, der mit den testrelevanten Extras 36.462 Euro kostet und damit einen knappen Tausender teurer kommt als der Audi A3 Sportback 45 TFSIe (35.512 Euro). Auch beim Wertverlust punktet der Cupra laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT): 57 Prozent binnen vier Jahren entspricht 22.113 Euro. Der Golf verliert im gleichen Zeitraum über 3600 Euro mehr. Da die drei Hybride laut Werk weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, erhalten sie noch mal einen Steuerbonus von 30 Euro pro Jahr, was die Kfz-Steuer bis zum 31.12. 2024 auf Null reduziert. So günstig kann sauber sein.

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Messwerte & technische Daten: Audi A3 Sportback 45 TFSIe, Cupra Leon 1.4 e-Hybrid und VW Golf GTE

AUTO ZEITUNG 14/2021Audi A3
Sportback
45 TFSI
Cupra Leon
1.4 e-Hybrid
VW
Golf GTE
Technik
Zylinder4, Turbo4, Turbo4, Turbo
Hubraum1395 cm³1395 cm³1395 cm³
Gesamtleistung180 kW/245 PS180 kW/245 PS180 kW/245PS
Leistung E-Motor80 kW/109 PS85 kW/115 PS80 kW/109 PS
Max. Gesamtdrehmoment400 Nm400 Nm400 Nm
BatterieLithium-IonenLithium-IonenLithium-Ionen
Spannung/Kapazität
(brutto)
400 V
10,4 kWh
(13 kWh)
400 V
10,4 kWh
(12,8 kWh)
400 V
10,4 kWh
(12,8 kWh)
Getriebe/Antrieb6-Gang,
Doppelkupplung,
Vorderrad
6-Gang.
Doppelkupplung,
Vorderrad,
6-Gang,
Doppelkupplung,
Vorderrad,
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1585/1599 kg1595/1624 kg1549/1591 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)6,7 s6,4 s6,5 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)232 km/h225 km/h225 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,9/34,2 m34,6/33,7 m34,2/34,1 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)4,7 l S u. 5,2 kWh/
1,1 l S u. 13,1 kWh
5,3 l S u. 5,2 kWh/
1,4 l S u. 15,4 kWh
4,9 l S u. 5,2 kWh/
1,1 l S u. 14,4 kWh
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)136/26 g/km150/30 g/km141/25 g/km
Reichweite Gesamt + elektr. (Test)851 km,
47 km
754 km,
43 km
816 km,
49 km
Preise
Grundpreis41.440 €38.795 €41.940 €
Testwagenpreis35.512 €31.617 €36.462 €

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Unter den kompakten und starken Teilzeitstromern des VW-Konzerns wird der neue Cupra Leon 1.4 e-HYBRID zwar "nur" Dritter im Vergleichstest, für Freund:innen der Fahrdynamik und günstiger Kosten ist er aber die erste Wahl. Davor landet der Audi A3 Sportback 45 TFSIe als eher komfortorientierte und sparsame Variante eines potenten Plug-in-Hybriden. Mit hauchdünnem Vorsprung schnappt sich der VW Golf GTE den Testsieg. Dynamischer und günstiger als der Audi, komfortabler als beide Gegner, gibt er mal wieder den besten Allrounder. Die drei Kandidaten dieses Vergleichstests zeigen, dass das Vorurteil, Plug-in-Hybride seien freudlose Fortbewegungsmittel, überholt ist. Sauber überholen wird mit den Dreien aber nur, wer regelmäßig Ladepunkte ansteuert und zudem umweltfreundlich produzierten Strom tankt.

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