Audi A3/BMW 1er/Mercedes A-Klasse: Vergleichstest Premium-Kompakte von Audi, BMW und Mercedes im Vergleich

von Michael Godde 13.02.2020
Inhalt
  1. Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, BMW 1er und Mercedes A-Klasse.
  2. Fahrkomfort: BMW 1er bietet besten Sitzkomfort
  3. Motor/Getriebe: Mercedes A-Klasse spriziger als die Konkurrenz
  4. Fahrdynamik: Audi A3 Sportback ist der älteste aber agil
  5. Umwelt/Kosten: Audi A3 Sportback günstiger bei Versicherung
  6. Messwerte & technische Daten: Audi A3 Sportback 35 TDI S tronic, BMW 118d Steptronic & Mercedes A 200 d

Ohne das Alleinstellungsmerkmal Hinterradantrieb soll sich der neue BMW 1er an die Spitze der Premium-Kompakten setzen. Ob das gelingt, klärt der Vergleichstest mit dem Audi A3 Sportback und dem Mercedes A-Klasse. Alle drei treten mit 150 PS starken Turbodieseln an.

Gesamtbewertung
(max. Punkte)
Audi A3 Sportback
35 TDI S tronic
BMW
118d Steptronic
Mercedes
A 200 d
Karosserie (1000)586598583
Fahrkomfort (1000)732752721
Motor/Getriebe (1000)658659661
Fahrdynamik (1000)645724685
Eigenschaftswertung (4000)262127332650
Kosten/Umwelt (1000)369357353
Gesamtwertung (5000)299030903003
Platzierung312

Der Aufschrei unter den BMW-Fans war groß, als bekannt wurde, dass die dritte Generation des 1er mit Vorder- statt Hinterradantrieb an den Start gehen würde. Der Vorwurf: Mit diesem Paradigmenwechsel berauben sich die Münchener in der Kompaktklasse ihres Markenkerns – der Freude am Fahren. Doch bereits die ersten Probekilometer in einem seriennahen Prototyp vor einigen Monaten machte deutlich, dass der 1er auch mit dem neuen Antriebslayout ein sehr dynamisches Auto werden und zugleich in puncto Komfort und Raumangebot deutlich zulegen würde. Zum ersten Vergleichstest erwarten den BMW 118d Steptronic mit 150 PS starkem Zweiliter-Turbodiesel nun der in Würde gealterte Audi A3 Sportback 35 TDI S tronic und der noch taufrische Mercedes A 200 d.

BMW 1er im Crashtest (Video):

 
 

Vergleichstest zwischen Audi A3 Sportback, BMW 1er und Mercedes A-Klasse.

Wie bereits die BMW-Modelle 2er Active und Gran Tourer sowie X1 und X2 baut der neue 1er auf der markeneigenen UKL-2-Plattform für kompakte Baureihen auf. Die Kombination aus quer eingebautem Motor und Vorderradantrieb beschert dem Münchener ein deutlich großzügigeres Raumangebot als bisher: Fahrer und Copilot freuen sich über spürbar mehr seitliche Bewegungsfreiheit, und die Innenhöhe passt selbst für Großgewachsene. In der A-Klasse geht es etwas intimer zu: Die Passagiere sitzen näher an den Türen. und die ausladende Mittelkonsole schränkt den Beinraum ein. Über Platzmangel in Reihe eins kann sich im Audi keiner beschweren – ein Beweis für die immer noch gute Raumökonomie des Modularen Querbaukastens (MQB). Zudem offeriert der A3 auf der Rückbank die üppigste Knie- und Kopffreiheit. Auch der Fond des 1er verdient in dieser Klasse das Prädikat "luftig", während die A-Klasse weniger Raum über dem Scheitel bietet und man für das Entern der Rückbank wegen der abfallenden Dachlinie den Kopf einziehen muss. Mit 335 bis 1210 Liter Volumen fällt der Kofferraum des Schwaben vergleichsweise klein aus, und bei der Zuladung ist der Mercedes mit 446 Kilogramm ebenfalls Schlusslicht. Der Audi darf knapp 70 Kilogramm mehr in sein 380 bis 1220 Liter großes Gepäckabteil laden. Mit 380 bis 1200 Liter Laderaumvolumen und 462 Kilogramm Zuladung liegt der BMW genau zwischen seinen Kontrahenten. Absetzen kann sich der 1er im Vergleichstest mit dem Audi A3 Sportback und der Mercedes A-Klasse in puncto Bedienung, schließlich lässt sich das aktuelle iDrive-System "Operating System 7.0" leicht handhaben. Vor allem die aufs Wort hörende Sprachsteuerung, die selbst umgangssprachliche Kommandos umsetzt und effektiv mit Rat und Tat zur Seite steht, sei hier lobend erwähnt. Der Sprachassistent der A-Klasse hinterlässt dagegen einen etwas zwiespältigen Eindruck, da er komplizierte Aussagen teils tadellos versteht, auf einfache Fragen aber oft keine Antwort liefern kann. Keine Chance lässt der Einstiegs-Mercedes den beiden Rivalen dafür in Sicherheitsfragen: Mit modernsten Features wie etwa teilautonomen Fahrfunktionen oder einem Kreuzungsassistenten sichert sich die A-Klasse einen großen Punktevorsprung. Der BMW hat weder einen Kreuzungsassistenten noch kann er selbstständig die Spur halten – unverständlich, schließlich ist der 1er das neueste Auto im Feld. Dass der Audi inzwischen in die Jahre gekommen ist, merkt man vor allem am Fehlen moderner Assistenzsysteme. Klassenprimus ist der Ingolstädter jedoch noch immer in puncto Qualitätsanmutung: Satt rastende Schalter, fein geschäumte Kunststoffe und eine routinierte Verarbeitung sind typisch Audi. Dennoch: Der ebenfalls hochwertige BMW hat deutlich aufgeholt und hinterlässt sogar einen wertigeren Eindruck als die A-Klasse, die im Detail weniger gewissenhaft verarbeitet ist.

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Fahrkomfort: BMW 1er bietet besten Sitzkomfort

Für die angenehm straff gepolsterten, gut konturierten und vielfach einstellbaren Sportsitze des 1er verlangt BMW faire 500 Euro Aufpreis. Eine lohnende Investition, denn auch lange Strecken können so ermüdungsfrei abgespult werden, und bei ambitionierten Kurvenfahrten bieten die BMW-Sitze den besten Seitenhalt. Die Fondpassagiere bringen die beiden Bajuwaren auf jeweils gut ausgeformten Bänken ebenfalls kommod unter. Die A-Klasse erkauft sich wertvolle Zentimeter Kopffreiheit mit sehr tief montierten Rücksitzen, deren Beinauflagen sich aber nicht gut nutzen lassen und die Insassen in eine leicht kauernde Sitzhaltung zwingt. Auch beim Federungskomfort fährt der Mercedes trotz optionaler adaptiver Dämpfer (1178 Euro) hinterher: Auf welliger Fahrbahn bewegt sich die Karosserie der A-Klasse deutlich, und trotz softer Grundabstimmung dringen einzelne Unebenheiten wie Kanten oder Frostaufbrüche teils spürbar zu den Passagieren durch. Ausgewogener wirkt da im Vergleichstest mit dem BMW 1er und derMercedes A-Klasse der Audi, der sensibel anfedert und dessen Aufbau sich nach Anregungen schneller wieder beruhigt – und das, obwohl der Testwagen ohne elektronische Dämpferregelung zum Test antrat. Der insgesamt etwas straffere BMW bietet auch mit seinen adaptiven Dämpfern (500 Euro) ein noch feineres Ansprechverhalten, zeigt geringere Ausfederbewegungen und schluckt selbst mit voller Beladung fiese Fahrbahnschäden gelassen weg.

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Motor/Getriebe: Mercedes A-Klasse spriziger als die Konkurrenz

Audi A3 Sportback, BMW 1er und Mercedes A-Klasse setzen auf einen Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum und Turbolader, um 150 PS und zwischen 320 sowie 350 Newtonmeter zu mobilisieren. Dass aber nun der eine wie der andere fährt, wäre zu einfach gedacht. Vor allem Mercedes verfolgt bei der A-Klasse eine etwas andere, eher spritzigere Philosophie als Audi und BMW. Der A 200 d geht schon aus dem Stand wild zur Sache. Die unteren Gänge sind eng abgestuft, wodurch der Stuttgarter energischer aus dem Startblock kommt als seine sanfter lossprintenden Kollegen. So erarbeitet er sich bis Tempo 100 schon 0,6 Sekunden Vorsprung. Auch darüber hinaus hat die Konkurrenz keine Chance und hechelt dem Benz bei 160 km/h bereits deutlich über eine Sekunde hinterher. Bei so viel Temperament wirkt das teils hektische Herunterschalten des Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes allerdings überstürzt. Deutlich feinfühliger in puncto Dosierbarkeit präsentiert sich der Antrieb des 118d mit Achtstufen-Automatik. Auch sie beherrscht schnelle Schaltvorgänge, doch die Kontrolle darüber liegt dank der exzellenten Dosierbarkeit der Leistung per Gaspedal im Fuß des Fahrers. Dadurch lässt sich der BMW je nach Belieben aus niedrigen Drehzahlen auf der Drehmomentwelle surfen oder locker auf 4000 Touren treiben – auch wenn ihm dann die Spritzigkeit der A-Klasse fehlt. Der Audi zeigt im Vergleichstest einen ähnlichen Charakter, verzichtet auf hektische Schaltvorgänge und vertraut lieber auf sein bulliges Drehmoment. Dass der 35 TDI immer noch up to date ist, zeigt er nicht nur mit seinen konkurrenzfähigen Fahrleistungen und dem guten Ansprechverhalten, sondern unterstreicht es auch mit seinem niedrigen Verbrauch: Wie der Mercedes begnügt sich der A3 mit 5,5 Litern pro 100 Kilometer – ihm reichen dafür aber sieben Gänge statt acht wie dem Mercedes. Der BMW verlangt mit 5,7 Litern ein Schlückchen mehr. Dass es aber auch noch deutlich sparsamer geht, zeigen unsere Minimalverbräuche: Die genügsamen 4,0 Liter des Mercedes oder die immer noch niedrigen 4,3 (Audi) bzw. 4,2 Liter (BMW) der Rivalen kommen den offiziellen Verbrauchsangaben erfreulich nahe.

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Fahrdynamik: Audi A3 Sportback ist der älteste aber agil

Der letzte Vergleichstest mit dem heckgetriebenen Vorgänger des 1er 2018 zeigte bereits, dass die frontgetriebene Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart deutlich dynamischer ums Eck wetzte. Natürlich hätte BMW auch einen neuen, schnellen Hecktriebler bauen können, aber der 118d beweist, dass der Kompakte aus München mit Vorderradantrieb ausgesprochen gut funktioniert. Der 1er wedelt leichtfüßig durch die Slalomgasse und hängt selbst den quirligen Mercedes auf dem Handlingparcours locker ab. Spurstabil und sicher fegt der BMW durch alle Radien und baut beim Herausbeschleunigen dank seiner neuen Schlupfkontrolle viel Traktion auf, während die Vorderräder bei den beiden Mitstreitern gern mal auf dem Asphalt scharren. Wie die A-Klasse gefällt der neue 1er mit einer mitteilsamen Lenkung und einem klaren Feedback. Den Audi hier wegen seines Alters abzuschreiben, wäre aber falsch. Er gibt sich sehr agil und kommunikativ – kein Wunder, schließlich war die MQB-Plattform über Jahre das Maß der Dinge in diesem Segment und überzeugt auch heute noch mit ausgewogenen Fahreigenschaften und niedrigem Gewicht. Nur bei den Bremsprüfungen mit Audi A3 Sportback, BMW 1er und Mercedes A-Klasse fehlt dem Audi die Vehemenz, mit der der neue 1er und auch die A-Klasse verzögern.

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Umwelt/Kosten: Audi A3 Sportback günstiger bei Versicherung

Obwohl der Audi A3 Sportback schon sieben Jahre auf dem Markt ist, ist er alles andere als ein Schnäppchen. Da fällt es den Münchnern leicht, den neuen BMW 1er attraktiv einzupreisen: Mit 34.650 Euro kostet er inklusive Automatik nur 1550 Euro mehr als der Rivale und ist kaum teurer als die A-Klasse. Die testrelevanten Extras von 118d und A 200 d sorgen aber dafür, dass der A3 dieses Kapitel klar gewinnt: Bis auf ein paar fehlende moderne Multimedia-Funktionen ist er nach wie vor ordentlich ausgestattet und profitiert zudem von seinen guten Versicherungseinstufungen.

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Messwerte & technische Daten: Audi A3 Sportback 35 TDI S tronic, BMW 118d Steptronic & Mercedes A 200 d

AUTO ZEITUNG
21/2019
Audi A3 Sportback
35 TDI S tronic
BMW
118d Steptronic
Mercedes
A 200 d
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum1968 cm³1995 cm³1952 cm³
Leistung110 kW/150 PS110 kW/150 PS110 kW/150 PS
Max. Drehmoment340 Nm350 Nm320 Nm
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung/ Vorderrad8-Stufen-Automatik/ Vorderrad8-Gang, Doppelkupplung/ Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1365/1441 kg1430/1518 kg1415/1549 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h8,6 s8,6s8,0 s
0 - 150 km/h18,8 s19,1 s17,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)218 km/h216 km/h220 km/h
Bremsweg aus 100 km/h kalt/warm (Test)36,4/35,7 m33,9/33,2 m34,8/34,5 m
Verbrauch (Test/EU)5,5/4,4 l
D/100 km
5,7/4,1 l
D/100 km
5,5/4,0 l
D/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)146/147 g/km152/138 g/km146/132 g/km
Preise
Grundpreis33.100 Euro34.650 Euro34.064 Euro
Testwagenpreis34.270 Euro36.160 Euro37.367 Euro
 

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von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Ausgerechnet die Fahrdynamik ist es, die den neuen BMW 118d auf das Siegerpodest dieses Vergleichstests befördert – das zeigt, dass die Münchner auch etwas von dynamischen Fronttrieblern verstehen. Obendrein bietet der BMW 1er mehr Platz als sein Vorgänger und liegt in puncto Verarbeitung mit dem grundsoliden Audi auf Augenhöhe. Nur bei der Sicherheitsausstattung fehlt dem BMW die Vielfalt des Mercedes. Hier ist der Mercedes A 200 d das Maß der Dinge. Aber er verdankt es auch seinem temperamentvollen, sparsamen Antriebsstrang, dass er trotz seines eher knappen Innenraums den zweiten Platz erreicht. Der ausgewogene Audi A3 Sportback 2.0 TDI macht nach sieben Produktionsjahren immer noch eine gute Figur – nicht zuletzt, weil er top verarbeitet ist.

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