Alle Tests zum BMW 1er

Neuer BMW 1er (2019): Erste Testfahrt Fahrspaß im neuen 1er garantiert

von Michael Godde 10.04.2019
Inhalt
  1. Erste Testfahrt mit dem neuen BMW 1er (2019)
  2. Neuer 1er (2019) mit gelungener Fahrwerksabstimmung
  3. Die Motoren des neuen BMW 1er (2019)
  4. Erste Ausfahrt im Grenzbereich mit dem neuen BMW M135i xDrive

Die Bayern krempeln den BMW 1er (2019) um. Der bisherige Individualist mit Hinterradantrieb wird zum Frontantriebs-Enthusiasten – die BMW-Fans tragen Trauer. Das müssen sie aber nicht, denn was BMW auf der UKL-Frontantriebs-Architektur aus dem Hut zaubert, überzeugt schon bei der ersten Testfahrt!

Der neue BMW 1er (2019) ist bei unserer ersten Testfahrt mit dem Prototypen innen nicht wiederzuerkennen: Bei nahezu gleichen Außenmassen finden Fahrer und Beifahrer dank quer statt längs eingebauter Antriebseinheit ein überdurchschnittliches Raumangebot vor. Zudem wiegt der Bayer auch rund 25 Kilogramm weniger. Nach wie vor ist die Sitzposition tief und gut ins Fahrzeug integriert, bietet im Gegensatz zu seinem Vorgänger aber nun viel Platz für die Beine dank tiefer und schmaler Mittelkonsole. Das Einsteigen gleicht keiner Akrobatiknummer mehr, weil die Türen endlich groß genug sind. Auch die Schultern haben jetzt mehr Raum und werden nicht mehr von der B-Säule belästigt. Selbst im Fond fühlen sich Erwachsene im neue BMW 1er (2019) jetzt endlich angemessen untergebracht, hier kann sich der BMW nun mit den Besten der Klasse messen. Natürlich hätte BMW auch einen neuen 1er mit traditionellem Hinterradantrieb entwickeln können, das kokurrenzfähige Raumangebot wäre dann aber wieder auf der Strecke geblieben. Dass es den Designern trotz der guten Raumökonomie gelungen ist, den Blick des Fahrers durch eine recht steil stehende Scheibe über eine lange Motorhaube streifen zu lassen, wird die Freunde klassischer Proportionen freuen. Ohnehin steht der 1er schon im Tarnkleid satt auf der Straße und wirkt mit seinem recht kurzen vorderen Überhang ausgewogen und nicht so kopflastig wie in der Klasse üblich. Eine dreitürige Version wird es leider nicht mehr geben, dafür schiebt BMW bereits Ende 2019 das 2er Gran Coupé nach. Schon beim Vorserien-1er ist zu erkennen, dass auch der kompakte BMW innen die gleiche Architektur bietet wie die größeren Modelle der Marke. Große Monitore mit digitalen Anzeigen, komplette Vernetzung, Sprachbedienung: Dem 1er-Kunden wird nichts vorenthalten. Klassenspezifische Besonderheiten lässt BMW noch nicht durchblicken. Hier und heute geht es nur um das Gefühl hinter dem Lenkrad.

Neuheiten BMW 1er (2019)
BMW 1er (2019): Neue Fotos BMW teasert neuen 1er an

Neuer BMW 1er (2019) im Fahrbericht (Video):

 
 

Erste Testfahrt mit dem neuen BMW 1er (2019)

Nur selten steht bei einem Modellwechsel die alte Generation zum Vergleich bereit. Diesmal allerdings schon, denn die Münchner sind so sehr von ihrem neue BMW 1er (2019) überzeugt, dass sie uns Generation zwei und drei auf dem Nasshandling-Parcours bereitstellen. Ein paar Runden mit dem noch aktuellen 1er fahren wir über die bewässerte Strecke. Lammfromm zieht der hinterradgetriebene 118i seine Bahn und drückt, wenn es ihm zu schnell wird, sicher über die Vorderachse nach außen. Der "Hecktriebler" wurde in den letzten Jahren zur Fahrsicherheit domestiziert. Irgendwie erwartet man mehr, als man bekommt, wohl fühlt man sich trotzdem. Das Gefühl kennen und schätzen wir seit acht Jahren. Aber die Konkurrenz mit Vorderradantrieb hat mächtig aufgeholt. Die zweite Generation des 1er ist einfach alt geworden. BMW musste handeln und hat mit dem neuen 1er die passende Antwort gefunden. Schon nach den ersten zwei Kurven auf dem rutschigen Parcours transportiert der neue 118i echtes BMW-Feeling in die Hände. Die Lenkung arbeitet mit deutlich weniger innerer Reibung, überträgt dadurch ein sensibleres Feeling von der Vorderachse und setzt jeden Richtungswunsch präzise und direkt um. Der neue BMW 1er (2019) fühlt sich ausgesprochen erwachsen an, gibt sich fest und kommunikativ, ohne dabei nervös zu sein und bietet obendrein eine tolle Traktion. Den kompakten Bayern zieht es eher in die Kurve, als bei flotter Hatz nach außen zu drücken. BMW hat über den Tellerrand geschaut. Die Bayern konfigurierten die ausgesprochen schnelle und sensible Traktionskontrolle des i3s für den Einsatz im 1er neu. Das von BMW ARB (Actornahe Radschlupfbegrenzung) getaufte System, das Traktionsverluste direkt in der Motorsteuerung erkennt, arbeitet bis zu zehnmal schneller als die bisherigen Systeme. Die feinen Regelintervalle reduzieren das Leistungsuntersteuern an der Vorderachse auch bei deaktiviertem ESP, ohne dabei querdynamisch zu bevormunden und die Fahrfreude einzubremsen. Ein echter Gewinn für den momentan kleinsten BMW, der den Abschied vom Hinterradantrieb verschmerzbar macht.

Neuheiten BMW 2er Gran Coupé (2019)
BMW 2er Gran Coupé (2019): Neue Fotos BMW teasert 2er Gran Coupé an

 

Neuer 1er (2019) mit gelungener Fahrwerksabstimmung

Der BMW-Grundsatz, dass die Karosserie das größte Fahrwerksteil ist und daher besondere Aufmerksamkeit genießt, gilt besonders für den neue BMW 1er (2019). Die Bayern haben deshalb die Frontantriebsarchitektur über die letzten Jahre intensiv optimiert – jetzt ist sie reif für den 1er. Zusätzliche Streben binden die Fahrwerkskomponenten besser an die Karosserie und leiten einfließende Kräfte besser ab. Je nach Motor fallen die Maßnahmen unterschiedlich aus. Große Bedeutung hat dabei die "Bumerang-Strebe" an der Hinterachse. Sie integriert die Hinterachse deutlich besser ins Gesamtsystem, als es bei den meisten Konkurrenten der Fall ist. Der 1er ist kein typischer Fronttriebler, bei dem alles an der Vorderachse passiert und die Hinterachse irgendwie hinterhergezogen wird. Beim BMW 118i arbeitet sie harmonisch mit der Vorderachse zusammen und vermittelt extrem viel Stabilität und gewährt dadurch der Vorderachse viel Freiraum, sich in alle Kurvenradien zu verbeißen. Ja, wir sitzen immer noch im neue BMW 1er (2019)  mit Frontantrieb. Auch bei der folgenden Ausfahrt durch die Alpillen rund um das BMW-Testgelände in Südfrankreich unterstreicht der 118i seine tolle Abstimmung. Locker und leicht gleicht das Fahrwerk des von Grund auf neuen 1er die Verwerfungen auf den wild geschwungenen Asphaltdecken aus. Vorder- und Hinterachse finden dabei immer einen gleichmäßigen Takt – kein Taumeln, kein stößiges Ansprechverhalten von der Hinterachse. Der 118i läuft entspannt von einer Kehre in die nächste und vermittelt dabei das Fahrgefühl einer höheren Fahrzeugklasse.

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Die Motoren des neuen BMW 1er (2019)

Auch der Dreizylinder-Turbo des neuen BMW 1er (2019)  wirkt mit 140 PS, 220 Newtonmetern und reaktionsschnellem Doppelkupplungsgetriebe (Serie: manuelles Sechsgang-Getriebe) wie ausgewechselt. Kernig grummelnd im Stand, arbeitet er erstaunlich kräftig und vor allem sehr kultiviert mit steigenden Drehzahlen. Neben ihm wird es für den neuen 1er auch noch den 120i-Vierzylinder-Turbo mit 190 PS und 280 Newtonmetern geben, während der 118d mit 150 PS und 350 Newtonmetern antreten wird. Beim 120d sind es 190 PS und 400 Newtonmeter, und der Topdiesel 125d soll über 231 PS und bullige 500 Newtonmeter verfügen. Für die stärkeren Modelle bietet BMW auch einen Allradantrieb an. Beim zum Marktstart im September 2019 schon erhältlichen M135i xDrive mit 306 PS sind der Allradantrieb und eine Achtstufen-Automatik serienmäßig. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Bayern bereits einen potenten Gegner für die Mercedes A-Klasse im AMG-Trimm und den Audi RS 3 Sportback in der Pipeline haben: Rund 400 PS sollen im künftigen Top-1er aufspielen. Ob er dann auch als waschechtes M-Fahrzeug vorfährt, bleibt abzuwarten.

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Erste Ausfahrt im Grenzbereich mit dem neuen BMW M135i xDrive

Wie groß das Potenzial des neuen BMW 1er (2019) mit Allradantrieb ist, konnten wir zum Abschluss auf dem Handling-Parcours mit dem M135i xDrive ausloten. Dessen Allradantrieb verfügt über eine elektronisch gesteuerte Differenzialsperre an der Vorderachse und eine Kraftverteilung, die es erlaubt, bis zu 50 Prozent der Power an die Hinterachse zu schicken. Der 306 PS starke Turbo trompetet los wie bei BMW zuletzt der legendäre Vierzylinder im ersten M3. Ja, BMW hat eine ebenso intensive Vierzylinder- wie Sechszylinder-Historie. Heißblütige Leistung, steife Karosserie, exzellent angebundene Hinterachse, intensive Lenkung: Der neue M135 i xDrive dürfte der Leistungsschau mit VW Golf GTI, Hyundai i30N und anderen Hot-Hatches eine neue Dramatik verleihen. Er saugt sich unglaublich zielsicher an jeden Scheitelpunkt heran, stemmt sich souverän gegen die Fliehkräfte und bleibt spielerisch beherrschbar. Wechselkurven bringen ihn nicht aus der Ruhe und schon gar nicht die Vorderachse aus der Spur. Auch wenn es ein wenig schmerzt, aber der Neue macht den alten 1er schnell vergessen. Und die herrlich anreißenden 306 PS und die wuchtigen 450 Newtonmeter des M135i xDrive sind nur der Vorgeschmack: Die Konkurrenz sollte sich warm anziehen. Was der neue BMW 1er (2019) zu seinem Marktstart im September 2019 kosten wird, verrät BMW daher auch noch nicht. Günstig war er bis dato ohnehin nicht, und das wird er auch mit Einstiegspreisen um die 28.000 Euro für den 118i nicht werden.

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von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Der neue BMW 1er (2019) sitzt auf Anhieb. Schon als 118i punktet er mit frecher Dynamik und erwachsenem Komfort. Das Platzangebot erreicht endlich Klassenniveau, und in puncto Assistenz- und Multimedia-Optionen wird er sich sogar auf Oberklasseniveau bewegen. Der 1er wird in der Kompaktklasse also für mächtig angestrengte Minen sorgen – und das nicht nur bei Audi und Mercedes, sondern auch bei VW und Co.

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