Neue Mercedes A-Klasse (2018): Erste Testfahrt So fährt sich der erste A-Klasse-Hybrid

von AUTO ZEITUNG 16.09.2019
Inhalt
  1. Neue Mercedes A-Klasse (2018) auf erster Testfahrt
  2. Bis zu 224 PS in neuer Mercedes A-Klasse (2018)
  3. Neue Mercedes A-Klasse (2018) mit MBUX
  4. Erste Testfahrt mit dem neuen Plug-in-Hybrid Mercedes A 250e (2019)

Die neue Mercedes A-Klasse (2018) ist eines der wichtigsten Modelle des Herstellers. Mit dem Modellwechsel ist die Kompaktklasse in vielerlei Hinsicht erwachsen geworden. Erst Testfahrt – auch mit dem neuen Plug-in-Hybrid Mercedes A 250e (2019)

Die neue Mercedes A-Klasse (2018) markiert für den deutschen Autobauer einen wichtigen Punkt in der Produktstrategie, denn inzwischen entfällt gut ein Viertel sämtlicher Verkäufe auf das Kompaktmodell und seine Derivate (CLA, GLA etc.). Zudem hat die auslaufende dritte Modellgeneration den Schwaben neue und vor allen Dingen junge Kunden beschert. Kein Wunder also, dass die Entwickler sowie die Designer um Gordon Wagner am Grundkonzept festgehalten haben. Dennoch wirkt die neue Generation erfrischend modern. Die neue Mercedes A-Klasse (2018) sieht nicht nur adrett und knackig aus, sondern überzeugt auch mit sachlichen Argumenten: Die Rundumsicht ist besser als bei der bisherigen Generation. Dank der zwölf Zentimeter längeren und 1,6 Zentimeter breiteren Karosserie sowie des um 30 Millimeter gestreckten Radstandes steht den Passagieren vorne und hinten zudem spürbar mehr Freiraum zur Verfügung. Ferner bietet der Kofferraum rund 30 Liter mehr Volumen und lässt sich dank der nun breiteren Heckklappe besser nutzen. Optional lassen sich außerdem die Rücksitzlehnen dreiteilig umklappen und in der Neigung anpassen, sodass sich der Stauraum variabel gestalten lässt. 

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Mercedes A-Klasse (2018) Weltpremiere im Video:

 
 

Neue Mercedes A-Klasse (2018) auf erster Testfahrt

Was man auf den ersten Blick nicht vermutet, aber schon nach wenigen Kilometern Fahrt zur Kenntnis nimmt, ist, wie windschlüpfrig die neue Mercedes A-Klasse (2018) wurde. Mit einem cW-Wert von nur 0,25 stellt der kompakte Benz – wie schon der Vorgänger (cW 0,26) – einen neuen Rekordwert auf. Die Entwickler versprechen sich davon einen Verbrauchsvorteil, der je nach Geschwindigkeit dem Äquivalent von 100 bis 200 Kilo Gewichtsersparnis entspräche. Dazu haben die Aerodynamiker akribisch an der Form gefeilt und sogar den Wagenboden fast vollständig verkleidet, wie man es sonst eher von Supersportwagen kennt. Doch neben einem möglichst niedrigen Luftwiderstand galt das Augenmerk der Ingenieure zugleich einer optimierten Akustik. Tatsächlich brilliert der kleine Mercedes-Benz mit auffallend wenig Windgeräuschen. Auch der Antrieb und das Fahrwerk halten sich akustisch stets im Hintergrund, womit die neue Mercedes A-Klasse (2018) im Vergleich zu den Wettbewerbern im Segment tonangebend sein dürfte. Der aus einer Kooperation mit Renault/Nissan stammende neue 1,3-Liter-Vierzylinder im A 200 gefällt mit einem kultivierten Arbeitsgeräusch. Die Mercedes-Entwickler spendieren dem Turbo-Benziner einen neuartigen Zylinderkopf sowie Zylinderwände mit reibungsarmer Nanoslide-Vergütung. Außerdem erhält der Benziner vom Startweg einen Partikelfilter und genügt den Anforderungen der strengen Abgasnorm Euro 6d-Temp – genau wie die Versionen A 250 (224 PS) und A 180d (116 PS). Der gefahrene A 200 mit Siebengang Doppelkupplungsgetriebe leistet 163 PS und bringt es bereits bei 1620 Umdrehungen auf 250 Newtonmeter. Damit erlaubt der Benziner flotte Fahrleistungen.

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Bis zu 224 PS in neuer Mercedes A-Klasse (2018)

Der Hersteller nennt folgende Werte für die neue Mercedes A-Klasse (2018): acht Sekunden für den Sprint von null auf 100 Stundenkilometer und eine Spitze von 225 Stundenkilometern. Nach EU-Norm soll der A 200 im Mittel mit 5,2 bis 5,6 Liter je 100 Kilometer auskommen. Der Turbomotor hängt gut am Gas und dreht willig hoch. Allerdings reagiert das DCT-Getriebe, das von Getrag zugeliefert wird, mitunter etwas hektisch auf sanfte Beschleunigungswünsche und schaltet gleich um zwei bis drei Gänge zurück. Auch beim Heranrollen an eine Ampel ruckelt es schon mal beim Herunterschalten. Dafür gefallen die kurzen Schaltzeiten und sehr sanften Übergänge im Segelmodus. Auch die Abschaltung des zweiten und dritten Zylinders im Teillastbetrieb geschieht unmerklich. Deutlich spürbar sind indes die Unterschiede der verschiedenen Fahrprogramme (Sport, Comfort, Eco), die auch die adaptiven Dämpfer beeinflussen (Option). Je nach Modus reagiert das Fahrwerk betont nachgiebig oder dynamisch, wobei die neue Mercedes A-Klasse (2018) in jedem Fall einen ausgesprochen agilen und fahrsicheren Eindruck hinterlässt. Die Lenkung setzt Richtungswechsel präzise um und selbst harte Lastwechsel bringen den Benz nicht aus der Ruhe. Zudem kümmert sich eine Heerschar von Assistenzsystemen um die Fahrsicherheit: Kreuzungsassistent, Fußgängererkennung und Lenkassistenz sowie Spurwechsel- und Spurhaltesysteme sind nur ein Auszug aus der Liste der verfügbaren Helfer.

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Neue Mercedes A-Klasse (2018) mit MBUX

Während man diese Systeme am liebsten nie in Aktion erlebt, reizt das neuartige Bedienkonzept der neuen Mercedes A-Klasse (2018) permanent dazu, es auszuprobieren. Statt der üblichen Rundinstrumente gibt es im Cockpit wie in S- und E-Klasse zwei große, nebeneinander angeordnete Displays. Deren Anzeigen lassen sich weitgehend frei konfigurieren und personalisieren. Die bevorzugten Einstellungen können als individuelle Profile gespeichert und auf Knopfdruck wieder abgerufen werden. Zur Steuerung dienen zwei Sensortasten im Lenkrad, ein Touchscreen (rechtes Display) sowie (optional) ein Touchpad mit haptischer Rückmeldung und eine Sprachsteuerung, die ähnlich wie Alexa oder Siri auf ein Schlüsselwort ("Hallo Mercedes") anspricht. Statt einzelner Kommando-Begriffe verarbeitet das System komplexe Sätze und übersetzt diese verblüffend zuverlässig in Funktionen. Sagt der Fahrer "Mir ist kalt", stellt das System die Heizung um ein Grad wärmer. Die Frage "Brauche ich eine Sonnenbrille in Berlin?" quittiert das Auto mit einer Wetterinfo aus der Cloud. Aktuelle Restaurantempfehlungen, komplexe Navi-Eingaben, simple Fahrzeugfunktionen – alles spielend leicht dank Sprachsteuerung. So cool und zugleich konkurrenzfähig war die neue Mercedes A-Klasse (2018) noch nie. Aber hallo, Mercedes!

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Mercedes A 250e (2019)

Ab Ende 2019 gibt es die A-Klasse und mit ihr auch die Limousine sowie die B-Klasse zum ersten Mal als Plug-In-Hybrid. Foto: Mercedes

 

Erste Testfahrt mit dem neuen Plug-in-Hybrid Mercedes A 250e (2019)

Zum Ende des Jahres 2019 gibt es die neue Mercedes A-Klasse (2018) und mit ihr auch die Limousine sowie die B-Klasse zum ersten Mal als Plug-in-Hybrid. Dabei ist der Akku des neuen Mercedes A 250e (2019) mit 15,6 kWh fast doppelt so groß ist wie beim Golf GTE, was für eine elektrische Reichweite von bis zu 76 Kilometer reicht. Obendrein ist der Platzbedarf der doppelten Antriebstechnik vergleichsweise gering: Weil der Akku unter die Rückbank gewandert ist und der Tank dafür in einem Freiformverfahren förmlich um die Hinterachse gewickelt wurde, schluckt der Mercedes A 250e (2019) noch immer bis zu 310 Liter. Das sind gerade mal 60 Liter weniger als bei den normalen Benzinern und 25 Liter weniger als bei den großen Dieseln. Mit dem 75 kW und 300 Newtonmeter starken E-Motor, den die Schwaben mit ihrem 1,33 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 160 PS zusammenspannen, haben sich die Mercedes-Entwickler leichtgetan. Der steckt wie üblich im Getriebe, das allerdings wegen des hohen Anfahrdrehmoments der E-Maschine ausgetauscht werden musste. Statt sieben hat die Doppelkupplung deshalb nun acht Gänge. Vom Betrieb des elektrischen Hilfsantriebs im neuen Mercedes A 250e (2019) bekommt man während der ersten Testfahrt kaum etwas mit. Die Übergänge sind so reibungslos und der Verbrenner ist so leise, dass man den Wechsel der Kraftquelle nicht bemerkt. Aber vor allem ist der E-Antrieb so stark und der Akku so groß, dass man ohnehin die meiste Zeit rein elektrisch fährt: Man muss deshalb schon einen Kickdown machen, wenn man den Verbrenner vorzeitig aus der Pause holen will. Oder man muss eines der neuen Fahrprofile wählen, mit denen man den Ladestatus einfrieren und den Strom für selbst gewählt Abschnitte aufheben kann. Ansonsten braucht man weder in den City-Modus zu wechseln, der den E-Antrieb zumindest bevorzugt, oder gar in den reinen E-Betrieb schalten, wenn man stromern will. Denn auch im Standard-Setup surrt die A-Klasse auf leisen Sohlen durch die Stadt und über Land und lässt sich dabei weder von Steigungen noch von den kurzen Autobahnetappen aus der Reserve locken. Mit Sprintwerten deutlich unter sieben Sekunden und einer elektrischen Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ist der Benziner erst einmal abgemeldet. Und bei der üppigen Reichweite kommt er auch so schnell nicht zurück. Und wenn doch, dann mit Macht. Schließlich liegt die Systemleistung bei 218 PS und das Spitzentempo im besten Fall bei 235 km/h. Selbst über das Rekuperieren muss man sich beim ersten Plug-in-Hybrid der neuen Mercedes A-Klasse (2018) keine Gedanken machen. Ja, man kann zwischen vier Stufen wählen, in der stärksten mit nur noch einem Pedal fahren und in der mildesten Hunderte Meter weit segeln. Doch wenn man die Regie der Elektronik überlässt, wählt der neue Mercedes A 250e (2019) in Abhängigkeit von Navigationsdaten und Abstandsradar immer selbst den besten Kompromiss zwischen elektrischer Schubumkehr und mechanischer Bremse und maximiert so die Reichweite. Mercedes hat aber nicht nur beim Akku aufgesattelt, sondern auch bei der Ladetechnik. Um angesichts der üppigen Batteriekapazität die Zeit der Boxenstopps zu minimieren, kann der kleine Stern unter den Stromern wie Tesla & Co auch an der DC-Säule parken und den Ladestand seiner Zellen mit Gleichstrom binnen 25 von zehn auf 80 Prozent pushen.

Von Martin Urbanke und Thomas Geiger

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