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VW Grand California/Knaus Live I: Konzeptvergleich Ein Preis, zwei Reisemobil-Welten

von Christian Steiger 16.10.2019
Inhalt
  1. VW Grand California und Knaus Live I im Konzeptvergleich
  2. Konzeptvergleich: Knaus Live I punktet beim Raumkomfort
  3. Vorteil für den VW Grand California in Sachen Dynamik
  4. VW Grand California/Knaus Live I: Günstig und gut verarbeitet sind beide 

VW Grand California und Knaus Live I zeigen, wie vielfältig die Welt der neuen Reisemobile ist: Beide sind in der selben Preisklasse unterwegs, haben aber ganz unterschiedliche Talente. Ein Vergleich der Konzepte zum Staunen!

Da liegen also 60.000 Euro auf dem Konto und bringen keine Zinsen mehr. Für eine kleine Ferienwohnung wird das nicht reichen, für ein fahrbares Urlaubsdomizil dagegen schon. Das sind sie, die Gedanken, die den großen Reisemobil-Boom beschleunigen. Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf feierte die Branche 2019 das neunte Rekordjahr in Folge – und dazu einen Trend, der Einsteiger entzückt: Die hohen Stückzahlen machen Kampfpreise möglich. Selbst VW surft neuerdings auf der Schnäppchenwelle und bietet den neuen VW Grand California auf Crafter-Basis ab 54.990 Euro an – der kleinere T6 California ist kaum günstiger. Und auch die Königsklasse der Integrierten rollt inzwischen zum Spartarif an: Knaus zeigt in Düsseldorf den Live I, eine Landyacht, die auch als 80.000-Euro-Domizil durchgehen würde – dabei beginnt die Preisliste bei 59.990 Euro. Mit ein paar Extras ist die 65.000-Euro-Marke zwar geknackt, das haben Knaus und VW gemeinsam. Ansonsten aber zeigen sie, wie groß die Freiheit der Wohnmobil-Käufer schon bei der Auswahl sein kann. Denn auch die Unterschiede waren nie so groß wie heute. Mehr zum Thema: Knaus Boxdrive überzeugt mit innovativem Raumbad

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VW Grand California und Knaus Live I im Konzeptvergleich

Die Unterschiede der Konzepte von VW Grand California und Knaus Live I beginnt schon beim Einrichtungsstil. Wer zu Hause gern in den Charles-Eames-Sessel sinkt und den Purismus der Apple-Endgeräte mag, wird den cleanen Stil des VW Grand California lieben. Nur der Kunststoffboden macht auf Schiffsparkett, der Rest ist weiße Pracht mit porzellanartigen Oberflächen und Dachstauschränken, die mehr nach Privatjet als nach Campingplatz aussehen. Tatsächlich bietet Volkswagen nur dieses eine Innenraum-Design an – das ist außergewöhnlich für die Caravaning-Branche mit ihrer Lust an der Individualität. Überhaupt hatten die VW-Designer sichtbare Freude daran, die traditionelle Wohnwelt in Teilen neu zu denken. Gleich neun USB-Buchsen gibt es im VW Grand California, dazu eine Handyschale fürs induktive Laden, eine Trittstufe, die beim Öffnen der Tür automatisch ein- und ausfährt, sowie ein Nasszellen-Licht mit Bewegungsmelder. Die Zentralverriegelung lässt sich mit einem Knopf vom Bett aus betätigen. Der Kühlschrank ist gar kein Schrank, sondern eine 70-Liter-Schublade, die man auch von außen erreichen kann. Und die Außenklappe der Toilettenkassette ist an die Zentralverriegelung angeschlossen. Das klingt zwar banal, ist aber eine feine Geste in einer Branche, die sich auch im Jahr 2019 noch nicht zum Ein-Schlüssel-System durchgerungen hat.

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Konzeptvergleich: Knaus Live I punktet beim Raumkomfort

Wer im großen Knaus Live I cruist, entriegelt die Aufbautüren immer noch von Hand. Er bezahlt auch den Beifahrer-Airbag extra (311 Euro) und wohnt konservativer als im Hotel California. Der Knaus ist mehr Wohnzimmer mit dunklem Holzdekor, silbernen Stores und roten Kuschelkissen, vor allem aber mit überragendem Raumkomfort. Zwar fehlt es auch dem VW Grand California nicht an Stehhöhe, aber mit den 2,15 Meter Innenbreite des Knaus kann es der ausgebaute Crafter nicht aufnehmen. Und auch auf die Länge kommt es an, wie der Vergleich zeigt. Die vordere Sitzgruppe des VW Grand California ist bequem für vier, die Bewohner des Knaus Live I können aber noch zwei weitere Gäste bei Tisch willkommen heißen. Dem VW fehlt ein Kleiderschrank, beim Knaus mit seinen 7,41 Meter Länge gibt es ihn natürlich – und dazu noch zwei riesige Ablage-Fächer am Fußende der hinteren Betten. Der Küchenblock des VW Grand California ist eher ein Blöckchen ohne viel Stauraum, was auch an der integrierten Kühlschublade liegt, im Knaus ließe sich dagegen sogar eine Großfamilie bekochen. Auch die Betten des Knaus Live I fallen üppiger aus: Im VW Grand California schlafen die Heckpassagiere quer zur Fahrtrichtung, für lange Leute ist das keine ideale Lösung. Anders als beim VW tut sich im Knaus ein höhlenhafter Stauraum im Heck auf, der Familienväter zu Helden macht – weil weder Einrad noch Dreirad noch Fahrrad zu Hause bleiben müssen.

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Vorteil für den VW Grand California in Sachen Dynamik

Genau genommen ist natürlich schon ein VW Grand California nicht eng. Wer vom kleineren Bulli in den Wohn-Crafter umsteigt, ist tief ergriffen vom Plus an Wohnraum. Die Nasszelle des VW mit ihrem Klapp-Waschbecken bietet sogar kaum weniger Bewegungsfreiheit als das Badezimmer des großen Knaus. Aber der ist eben so riesig, dass selbst der Crafter dagegen wie ein Kompaktwagen wirkt. Das Gute ist, dass er sich beim Fahren auch genauso anfühlt. Dabei wiegt der VW mit seinen 3,1 Tonnen nicht weniger als der Knaus Live I. Aber unter dessen Aufbau steckt der Fiat Ducato, der sein fortgeschrittenes Alter trotz seiner jüngsten Modellpflege nicht verleugnet. Das herbe Ansprechen seiner Federung und das Rumoren des Turbodiesels wirken nicht mehr zeitgemäß. Dazu kommt, dass sich ein Kaliber wie der Knaus nicht handlich anfühlen kann. Zwar ist das Rangieren mit Hilfe der Heckkamera kein Problem, doch auf schmalen Landstraßen wird die Außenbreite von 2,32 Metern zum Hindernis, und in Kurven versperren die großen Busspiegel die Sicht. Ein Hauch von Güterfernverkehr fährt hinter der riesigen Windschutzscheibe immer mit, obwohl gerade auf leeren Autobahnen erstaunliche Dauergeschwindigkeiten von 130 km/h und mehr machbar sind.

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VW Grand California/Knaus Live I: Günstig und gut verarbeitet sind beide 

Wie sich die Welt der Nutzfahrzeuge verändert hat, zeigt der VW Grand California mit seinem leisen 177-PS-TDI und der serienmäßigen Achtstufen-Automatik. Er fordert von Pkw-Umsteigern keine Gewöhnung wie der Ducato, dessen Head-up-Display im Takt des Turbodiesels zittert. Die vergleichsweise niedrige Sitzposition im VW erinnert eher an die eines SUV als eines Transporters, zudem setzt sich der Crafter mit der Sanftheit eines großen Kombis über Fugen und Furchen hinweg. Nicht zuletzt trägt auch die schlankere Figur des VW dazu bei, dass der Urlaub schon beim Losfahren beginnt. Der VW Grand California kann notfalls den Erstwagen ersetzen. Und der Knaus Live I den Erstwohnsitz. 

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von Christian Steiger von Christian Steiger
Unser Fazit

Einheitsstil war gestern! Eine boomende Branche macht es möglich, das passende Reisemobil für jedes Budget, jeden Geschmack und jedes Nutzungsprofil zu finden. Beide Kontrahenten bereichern die Branche: Der VW Grand California 600 begeistert mit seinen kultivierten Fahreigenschaften und dem frischen Design, der Knaus Live I 700 MEG mit dem Wohnkomfort eines Oberklasse-Mobils. Günstig und gut verarbeitet sind sie beide.

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