Warum der Spritpreis-Beschluss keine echte Entlastung bringt
Steigende Kraftstoffpreise treiben Autofahrende seit dem Iran-Krieg um – jetzt greift die Politik ein. Doch die neuen Regeln könnten den gegenteiligen Effekt haben.
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Spritsparpaket beschlossen: Bundesrat gibt grünes Licht
Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat am 27. März 2026 dem Maßnahmenpaket gegen hohe Spritpreise zugestimmt und das sogenannte Spritsparpaket besiegelt. Auslöser sind unter anderem stark steigende Energiepreise im Zuge des aktuellen Nahostkonflikts.
Kern der neuen Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise künftig nur noch einmal täglich erhöhen – und zwar um 12 Uhr mittags. Preissenkungen bleiben hingegen weiterhin möglich. Gleichzeitig erhält das Bundeskartellamt mehr Befugnisse, um gegen überhöhte Preise vorzugehen. Und Unternehmen müssen Preissteigerungen künftig besser begründen. Vielen Bundesländern reichen diese Maßnahmen aber nicht aus.
Fahren mit null Kilometern Restreichweite (Video)

Warum sind die Spritpreise so teuer und schwanken sie so stark?
Hauptgrund ist der Iran-Krieg. Die Sorge vor Engpässen durch die bedrohte Schifffahrt am Persischen Golf (Straße von Hormus) treiben die Rohölpreise nach oben, da etwa ein Fünftel des weltweiten Öls durch die Meerenge transportiert wird.
Bislang ändern Tankstellen ihre Preise oft mehrfach am Tag. Dahinter steckt ein intensiver Wettbewerb: Anbieter reagieren auf Konkurrenz und Nachfrage, um Kunden:innen zu gewinnen. Besonders am Abend sinken die Preise häufig spürbar. Dennoch ist Tanken seit dem Nahost-Konflikt sehr teuer. So war der Diesel beispielsweise zuletzt knapp 49 Cent pro Liter teurer als vor Beginn des Iran-Kriegs, Superbenzin knapp 28 Cent. Zwar haben sich die Kraftstoffpreise von ihrem Allzeithoch aus dem März 2026 wieder entfernt, allerdings kann es aufgrund des steigenden Ölpreises an der Zapfsäule künftig wieder teurer werden.
Auch die Idee, in Nachbarländern zu tanken, bietet inzwischen kaum noch Entlastung: In Staaten wie Polen, Tschechien, Österreich, Belgien, Frankreich oder Luxemburg haben die Preise für Benzin und Diesel in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt und nähern sich laut aktuellen Daten der EU‑Kommission dem deutschen Preisniveau an.
Droht jetzt ein höheres Preisniveau?
Genau dieser Wettbewerb könnte durch das neue Maßnahmenpaket eingeschränkt werden. Wenn Preiserhöhungen nur noch einmal täglich möglich sind, sinkt der Druck auf Anbietende, ihre Preise im Tagesverlauf anzupassen. Die Folge könnte ein stabileres, aber insgesamt höheres Preisniveau sein. Günstige Zeitpunkte zum Tanken würden seltener, spontane Preissenkungen könnten zurückgehen. Für Autofahrende würde Tanken damit planbarer, aber nicht automatisch günstiger.
Kritik: Reicht das Paket?
Mehrere Bundesländer halten die Maßnahmen für nicht ausreichend. Aus ihrer Sicht profitieren Mineralölkonzerne weiterhin von der Situation, die sich „mit unangemessenem Übergewinn die Taschen vollmachen“, wie Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) mitteilt. Deshalb fordert er eine Spritpreisbremse zur Entlastung der Verbraucher:innen.
Diese oder eine sogenannte Übergewinnsteuer als weitere Maßnahmen wurden durchaus diskutiert. Als Beispiel wird häufig Luxemburg genannt, wo der Staat seit Jahrzehnten Höchstpreise für Kraftstoffe festlegt. In Deutschland fanden solche Vorschläge bislang jedoch keine politische Mehrheit.
Welche Lösungen können den Spritpreis wirklich senken?
Autofreie Sonntage in Deutschland wie nach der Ölkrise 1973 oder Rationierungen sind keine Lösung. Es gibt aber neben den aktuellen Maßnahmen mehrere Ansätze, die Autofahrende effektiv entlasten könnten – ohne den Wettbewerb oder die Versorgung zu gefährden.
Eine variable Energiesteuer wäre beispielsweise ein zentraler Hebel: Sie könnte bei stark steigenden Rohölpreisen automatisch gesenkt werden und so die Kosten an der Zapfsäule abfedern, ohne dass der Staat dauerhaft Subventionen zahlen müsste. Gleichzeitig ließen sich gezielte Pendlerentlastungen ausbauen, zum Beispiel durch eine höhere Pendlerpauschale oder temporäre Steuerbefreiungen für Vielfahrende, die besonders stark unter den Spritpreisen leiden.
Darüber hinaus könnten Tankgutscheine oder Mobilitätsboni für sozial oder wirtschaftlich besonders belastete Gruppen, wie Handwerksbetriebe, kleine Gewerbebetriebe oder Pendler:innen in energieintensiven Berufen geprüft werden. Auch temporäre Mehrwertsteuersenkungen auf Kraftstoffe könnten kurzfristig den Preisdruck reduzieren.
Quellen
dpa
Eigene Recherche













