Analyse

Kostet der Sprit bald 3 Euro/Liter? Das spricht dafür & dagegen!

Die Preise an der Zapfsäule schwanken stärker denn je – auch, wenn eine neue Regel Preissprünge begrenzen soll. Die Politik sucht weiter fieberhaft nach Lösungen. Droht uns dennoch schon bald der nächste Preisschock?

Eine Tankstelle mit einer anzeige, im Hintergrund tankt ein Mann sein Auto.
Foto: AUTO ZEITUNG/ KI-generiert
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Skepsis bei neuer Tankstellen-Preisregelung

Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland eine neue Vorschrift: Tankstellen dürfen ihre Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich, mittags um 12 Uhr, erhöhen, während Senkungen weiterhin jederzeit möglich sind. Ziel der Regel ist, die Preistransparenz zu erhöhen und schnelle, teils minütliche Preissprünge zu reduzieren. Verstöße gegen die neue Regel aus dem Bundestag können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.

Die Maßnahme orientiert sich am Vorbild Österreich, wo ähnliche Regelungen bereits bestehen. Dort konnten Preissprünge an der Zapfsäule eingeschränkt werden, konkrete Effekte auf das langfristige Preisniveau sind allerdings schwer zu quantifizieren. Immerhin: Kurzfristige Entlastungen waren möglich.

Auch in Deutschland äußern Expert:innen Skepsis: Die neue Regel dürfte vor allem den tageszeitlichen Verlauf der Preise planbarer machen, ob sie jedoch zu dauerhaft niedrigeren Kosten führt, ist derzeit unklar. Der ADAC jedenfalls ist pessimistisch: „Vor allem Änderungen im Tagesverlauf der Preise sind zu erwarten, während das allgemeine Preisniveau weitgehend unverändert bleibt“, erklärt die ADAC-Zentrale in München.

So setzt sich der Spritpreis zusammen (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Erreicht der Spritpreis bald die Drei-Euro-Marke? Eine Analyse

Ein „weitgehend unverändertes Preisniveau“ schließt natürlich nicht aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten die Spritpreise weiter steigen. Sollte der Iran-Krieg nicht alsbald enden und die Straße von Hormus als wichtige Transportachse für Öl aus dem Nahen Osten nach Europa wieder öffnen, wäre dies ein alles andere als unwahrscheinliches Szenario.

Ein Spritpreis von bis zu drei Euro pro Liter ist kein Selbstläufer, aber auch kein unrealistisches Szenario. Entscheidend ist vor allem, wie sich der globale Ölmarkt in den kommenden Wochen entwickelt. Dabei wirken mehrere Faktoren gleichzeitig – einige treiben die Preise, andere dämpfen.

Kurzfristige Preistreiber: Diese Faktoren könnten Sprit deutlich verteuern

Weitere Eskalation im Iran-Krieg: Besonders kritisch ist die Straße von Hormus: Durch diese Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Kommt es hier weiterhin zu Blockaden oder Angriffen, könnten die Preise auch weiterhin steigen.

Engpässe bei Raffinerien und Transport: Selbst wenn ausreichend Rohöl vorhanden ist, kann es bei der Verarbeitung oder beim Transport zu Problemen kommen. Ausfälle von Raffinerien (Iran-Angriffe auf umliegende, Öl-fördernde Länder) oder längere Transportwege (Straße von Hormus) erhöhen die Kosten zusätzlich.

Hohe Ölpreise als zentraler Treiber: Der wichtigste Einflussfaktor ist der Weltmarktpreis für Rohöl. Steigt dieser deutlich an, verteuern sich Benzin und Diesel nahezu zwangsläufig. Hintergrund sind meist Angebotsengpässe oder politische Krisen, welche die Förderung oder den Transport beeinträchtigen.

Spekulation verstärkt Preisschwankungen: An den Rohstoffmärkten reagieren Händler:innen nicht nur auf reale Entwicklungen, sondern auch auf Erwartungen. Die Sorge vor Engpässen kann Preise bereits steigen lassen, bevor tatsächlich weniger Öl verfügbar ist.

Schwacher Euro verteuert Ölimporte: Rohöl wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, müssen europäische Länder mehr bezahlen – selbst wenn der Ölpreis konstant bleibt. Das wirkt direkt auf die Spritpreise.

Preisdämpfende Faktoren: Warum drei Euro nicht zwangsläufig erreicht werden

Förderausweitungen durch große Ölstaaten: Länder wie Saudi-Arabien oder die USA könnten ihre Produktion erhöhen, um steigende Preise zu bremsen. Solche Maßnahmen wurden in der Vergangenheit bereits genutzt, um Märkte zu stabilisieren.

Freigabe strategischer Ölreserven: Viele Industrieländer verfügen über Notfallreserven. Diese können kurzfristig auf den Markt gebracht werden, um Engpässe auszugleichen und Preisspitzen abzufedern.

Schwächere Nachfrage bei wirtschaftlicher Abkühlung: Sinkt die globale Wirtschaftsleistung, wird weniger Öl benötigt. Eine geringere Nachfrage kann steigende Preise dämpfen oder sogar umkehren.

Staatliche Eingriffe wie Tankrabatte: Regierungen können kurzfristig eingreifen, etwa durch Steuersenkungen oder Zuschüsse. Solche Maßnahmen wirken direkt auf den Endpreis, sind jedoch meist zeitlich begrenzt.

Stärkerer Euro entlastet beim Import: Gewinnt der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert, verbilligt sich der Einkauf von Rohöl. Das kann steigende Weltmarktpreise teilweise ausgleichen.

Fazit

Ob Spritpreise von drei Euro pro Liter erreicht werden, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Vordergründig ist daher die Frage: Bleibt die Straße von Hormus geschlossen? Nachgelagert kommt die Frage: Wie reagiert der deutsche Staat auf anhaltend hohe Spritpreise? Die gute Nachricht: Erst wenn mehrere preistreibende Faktoren gleichzeitig eintreten, wird ein Preisniveau von drei Euro pro Liter realistisch. Gleichzeitig stehen Markt und Ländern mehrere Instrumente zur Verfügung, extreme Preisspitzen abzufedern.