Wer profitiert von den gestiegenen Spritpreisen?
Hohe Spritpreise lenken massiv Geldströme um. Wir erklären, wer für die Ölpreis-Explosion die Zeche zahlt und wer sich dabei gesundstößt. So viel vorweg: Der Bundesfinanzminister ist im Augenblick nicht unglücklich.
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Nach der Corona-Epidemie und Russlands Überfall auf die Ukraine ist der Krieg am Golf bereits die dritte Krise binnen sechs Jahren, die am Ölmarkt für massive Preissteigerungen sorgt. Während das Barrel Brent im Regelfall für 60 bis 70 US-Dollar (51-60 Euro) gehandelt wird, schnellte der Preis für die 159 Liter Rohöl nach Beginn der US-israelischen Bombardements binnen Wochenfrist auf über 110 Dollar (94 Euro). Eine massive Inflation, die Haushalte und Unternehmen zunehmend vor Probleme stellt. Doch das viele Geld, das Autofahrer:innen im Augenblick an der Tankstelle lassen, löst sich nicht in Luft auf. Es füllt die Konten einer relativ kleinen Zahl von Personen und Institutionen … und selbst der Bundeshaushalt kommt nicht zu kurz.
Zu den größten Gewinnern zählen die Ölmultis selbst. Nach den Regeln der Marktwirtschaft müsste der steigende Preis eines Rohstoffs – in diesem Fall Rohöl – die verarbeitende Industrie viel Geld kosten. Doch der Wettbewerb auf dem Ölmarkt ist schwach und von riesigen, international agierenden Firmen geprägt, die teilweise subventioniert werden. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurden fossile Brennstoffe allein im Jahr 2022 weltweit mit sieben Billionen US-Dollar (5.994.100.000.000 Euro) Subventionen bedacht. Also mehr als das gesamte deutsche Bruttoinlandsprodukt.
So setzt sich der Spritpreis zusammen (Video)

Sobald der Ölpreis steigt, sprudeln die Gewinne der Ölmultis
Zudem kontrollieren Saudi-Aramco, Chevron, ExxonMobil, Shell, TotalEnergies, BP & Co. einen signifikanten Anteil der Ölproduktion. So können sie steigende Kosten beim Einkauf an die Kund:innen weitergeben und über den Verkauf sogar überkompensieren. Währenddessen können Verbraucher:innen ihren Bedarf an Benzin und Diesel kurzfristig nicht nennenswert senken. In Krisenzeiten gehen die Ölprofite deshalb deutlich in die Höhe. Im Jahr 2022 etwa, dem Jahr des russischen Angriffs auf die Ukraine, vervierfachten sich die Gewinne der börsennotierten Ölproduzenten auf rund 916 Mrd. Dollar (787 Mrd. Euro). Und auch die Aktienkurse steigen. Das wichtigste Börsenbarometer für den Energiesektor, der MSCI World Energy Index, hat seit Jahresbeginn 2026 um 40 Prozent zugelegt (Stand: April 2026).
Reiche Leute profitieren am stärksten von steigenden Ölpreisen
Das wiederum bereichert die Aktionär:innen der jeweiligen Firmen. Diese sitzen nicht nur, aber vor allem in den Vereinigten Staaten. Ob Renten- oder Hedge-Fonds, Privatleute oder Stiftungen: Einer Studie der Universität von Massachusetts Amherst zufolge landeten 301 Mrd. des 916 Mrd.-Gewinns auf amerikanischen Konten. Und dort wiederum ist die Verteilung höchst ungleich. Die Hälfte des Gewinns floss in die Taschen des reichsten Hundertstels der Bevölkerung. Die „arme Hälfte“ der Amerikaner:innen erhielt ein Prozent. Noch prägnanter: Das wohlhabendste Tausendstel der US-Bevölkerung, ungefähr 131.000 Familien, heimste 26mal mehr Gewinn ein als die 66 Mio. Haushalte, die am unteren Spektrum des Wohlstands stehen.
Kurzfristig sprudeln auch in Deutschland die Steuereinnahmen
Zugleich ist die Bürde des Preisanstiegs ungleich verteilt. Wer über ein geringes Einkommen verfügt, verwendet davon einen überdurchschnittlich hohen Anteil für Energiekosten und büßt damit stärker an Kaufkraft ein als wohlhabende Menschen. Ein Teil dieser Mehrkosten wird durch die Art der Besteuerung verschlimmert. So werden fossile Kraftstoffe in Deutschland mit der Energie- und CO2-Steuer belegt, auf die wiederum die Mehrwertsteuer fällig wird. Autofahrer:innen blechen für alle und müssen entsprechend noch tiefer in die Tasche greifen, während die Steuereinnahmen sprudeln.
So nimmt der Staat jeden Tag rund 50 Mio. Euro mehr an Steuern ein, wenn Benzin- und Dieselpreise im Durchschnitt um 30 Cent steigen. Das läppert sich: Sollte sich der Literpreis 2026 dauerhaft um 60 Cent gegenüber dem 2025 üblichen Preisniveau erhöhen, kämen damit im Jahr rund 36 Mrd. Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen zusammen. Dies ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Mittelfristig dämpft ein steigender Ölpreis im Regelfall die industrielle Aktivität, befördert Arbeitslosigkeit und Inflation. Das schlägt am Ende auch auf die Steuereinnahmen durch.
Fazit
Über Ölpreisschwankungen werden enorme Summen umverteilt, sowohl international als auch zwischen armen und reichen Leuten. Die Nutznießer:innen der Ölpreis-Explosion sind eine klitzekleine Elite, die große Masse bezahlt die Zeche. Selbst Bundes- und Landeshaushalte profitieren – zumindest kurzfristig – von der Ölpreis-Inflation.











