Zu teuer: So bekommen Nachbarländer die Spritpreise in den Griff
Während Benzin und Diesel in Deutschland neue Rekordwerte erreichen, reagieren EU-Nachbarn mit Preisdeckeln, Steuersenkungen oder Marktregulierungen. So bekommen unsere Nachbarländer die steigenden Spritpreise in den Griff!
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Im europäischen Vergleich zeigt sich ein breites Spektrum an Maßnahmen im Umgang mit steigenden Spritpreisen: Während sich Deutschland derzeit darauf beschränkt, Preisanpassungen an Tankstellen auf einmal pro Tag zu beschränken und das Kartellamt in der Preisbeobachtung mehr Möglichkeiten zu geben, greifen andere Länder stärker ein – darunter Steuersenkungen und Preisdeckel. Wir geben eine Übersicht der aktuellen Maßnahmen in einzelnen Ländern (Stand: April 2026).
EU-Länder: Maßnahmen gegen steigende Spritpreise in der Übersicht
Deutschland
Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Preissenkungen sind jederzeit möglich. Ziel ist es, kurzfristige Preissprünge zu begrenzen und mehr Transparenz im Markt zu schaffen. Die Maßnahme wird durch die Marktransparenzstelle und das Bundeskartellamt überwacht.
Belgien
Belgien arbeitet mit einem festen System staatlicher Maximalpreise. Diese werden werktäglich anhand einer gesetzlichen Formel berechnet, die internationale Ölpreise, Wechselkurse, Steuern und Vertriebskosten berücksichtigt. Tankstellen dürfen diese Preise nicht überschreiten.
Frankreich
Frankreich verzichtet auf einen gesetzlichen Preisdeckel. Stattdessen setzt der Staat auf intensive Marktüberwachung durch die Wettbewerbsbehörde sowie politischen Druck auf Anbieter. Einzelne Unternehmen – insbesondere große Mineralölkonzerne – haben freiwillige Preisobergrenzen eingeführt. Ergänzt wird dies durch gezielte staatliche Entlastungen für bestimmte Branchen wie Transport und Landwirtschaft.
Griechenland
Griechenland begrenzt die Margen entlang der gesamten Lieferkette. Für Raffinerien, Großhandel und Tankstellen gelten konkrete Aufschlagsgrenzen auf den Einkaufspreis. Die Maßnahme ist befristet und wird durch verstärkte Kontrollen sowie Bußgelder bei Verstößen durchgesetzt.
Italien
Italien setzt vor allem auf temporäre Steuersenkungen sowie strengere Transparenz- und Kontrollmaßnahmen. Tankstellen müssen Preise vergleichbar ausweisen, während der Staat bei Bedarf kurzfristig steuerlich eingreift. Ein dauerhafter Preisdeckel besteht nicht.
Kroatien
Kroatien setzt auf staatlich festgelegte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel, die in regelmäßigen Intervallen – in der Regel alle zwei Wochen – angepasst werden. Grundlage ist ein staatlicher Mechanismus, der internationale Ölpreise berücksichtigt.
Luxemburg
Luxemburg veröffentlicht selbst definierte Höchstpreise, die regelmäßig angepasst werden. Grundlage ist ein staatlicher Preismechanismus. Zusätzlich trägt das vergleichsweise niedrige Steuer- und Abgabenniveau zu einem insgesamt geringeren Preisniveau bei.
Niederlande
Die Niederlande haben die Energiesteuer auf Kraftstoffe deutlich gesenkt und diese Maßnahme verlängert. Weitere Eingriffe in die Preisbildung erfolgen bisher nicht.
Österreich
Preiserhöhungen sind nur noch dreimal pro Woche (montags, mittwochs, freitags jeweils um 12 Uhr) erlaubt. Zusätzlich greift eine Spritpreisbremse: Die Mineralölsteuer wurde temporär gesenkt und gleichzeitig die Margen entlang der Lieferkette begrenzt. Ziel ist eine Entlastung von rund zehn Cent pro Liter, ohne einen festen Preisdeckel einzuführen.
Polen
Polen kombiniert zwei direkte Eingriffe: Die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe wurde deutlich reduziert, gleichzeitig gilt ein staatlicher Höchstpreismechanismus. Kraftstoffe dürfen nicht über einem politisch definierten Maximalpreis verkauft werden, wodurch das Preisniveau aktiv gedrückt wird.
Portugal
Portugal nutzt ein variables Steuermodell: Die Energiesteuer auf Kraftstoffe wird angepasst, wenn der Ölpreis stark steigt, um Preissprünge abzufedern. Ergänzend überwacht der Staat die Margen entlang der Lieferkette und kann bei Auffälligkeiten eingreifen.
Slowakei
Die Slowakei greift gezielt in die Versorgung ein, insbesondere beim Dieselverkauf. Es gelten temporäre Beschränkungen, etwa bei der Abgabemenge oder beim Verkauf an Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen. Ziel ist es, Versorgungsengpässe und starken Tanktourismus zu begrenzen.
Slowenien
Slowenien reguliert die Kraftstoffpreise staatlich und passt sie in festen Intervallen an. Die Preisfestsetzung erfolgt differenziert nach Standort: Während die Preise außerhalb von Autobahnen staatlich bestimmt werden, gilt auf Autobahnen weiterhin eine freiere Preisbildung.
Spanien
Spanien setzt auf direkte staatliche Zuschüsse pro Liter Kraftstoff, die zeitlich befristet gewährt und unmittelbar an der Zapfsäule verrechnet werden. Die Höhe der Förderung wird politisch festgelegt und bei Bedarf angepasst. Flankierend erfolgen verstärkte Markt- und Preiskontrollen.
Tschechien
Tschechien hat die Mineralölsteuer auf Kraftstoffe gesenkt, um das Preisniveau zu stabilisieren. Darüber hinaus beobachtet der Staat die Preisentwicklung, greift aber nicht systematisch mit festen Preisdeckeln in den Markt ein.
Ungarn
Ungarn arbeitet mit staatlichen Preisdeckeln, diese sind jedoch stärker politisch gesteuert. Es gelten konkret definierte Höchstpreise pro Liter, die nicht überschritten werden dürfen. Im Unterschied zu Kroatien erfolgt die Anpassung weniger automatisch, sondern stärker durch politische Entscheidungen.
In Europa zeichnet sich der klare Trend ab, dass Staaten bei explodierenden Spritpreisen in den Markt eingreifen – allerdings mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Während Länder wie Polen, Ungarn oder Kroatien Preisdeckel eingeführt haben, setzen andere Staaten wie Österreich oder Griechenland zusätzlich auf Steuer- oder Margeninstrumente. Deutschland bleibt, wie der Vergleich zeigt, sehr zurückhaltend.
Quellen
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Deutschland)
Bundeskartellamt / Marktransparenzstelle für Kraftstoffe
Bundeskanzleramt Österreich
Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst Wirtschaft (FPS Economy)
Offizielle Kraftstoffpreise Luxemburg
DGCCRF
Reuters
Bloomberg
Euro Weekly News
ADAC
ÖAMTC
EU Oil Bulletin
GlobalPetrolPrices











