Technik

Hi-Fi-Mythen entlarvt: Unterwegs mit Klang-Papst Karl-Heinz Fink

Hoher Besuch bei der AUTO ZEITUNG: Hi-Fi-Legende Karl-Heinz Fink testet mit Autor Johannes Riegsinger die aktuelle Top-Liga an Auto-Audio. Musik-Fan mit gutem Bauchgefühl trifft auf Sound-Profi mit unbestechlichem Mess-Equipment, Emotion auf Erfahrung. Neun Spitzen-Systeme aus völlig unterschiedlichen Preis- und Anspruchsklassen finden so ihre Meister.

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Zwei Personen von hinten im Auto sitzend fotografiert.
Karl-Heinz Fink (r.) ist dem Thema Hi-Fi seit Jahrzehnten verbunden, Fink ist der Auskenner, den die Hi-Fi-Szene anruft, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Und er hat auch für die größten Automobil-Konzerne viele Jahre lang Audio-Entwicklungsarbeit geleistet. Foto: Daniela Loof
BMW 7er statisch von schräg vorne fotografiert.
Bowers & Wilkins Diamond Surround Sound System: Im Siebener geht BMW ans Limit, das 6050 Euro teure „4D-Soundsystem“ kombiniert 1965 W Verstärkerleistung und 36 Lautsprecher. Die Hochtöner aus synthetischem Diamant sind typisch für B & W, zwei Zentralbässe
unter den Vordersitzen sowie Tieftöner in den Türen erzeugen kraftvolle Bässe. Jeweils zwei Shaker 
in den vorderen Sitzen und äußeren Fondsitzen sorgen fühlbar für eine vierte Erlebnisdimension. Foto: Daniela Loof
Die Lautsprecherverkleidung des BMW 7er.
Blenden aus filigran gefrästem Edelstahl verdecken Lautsprecherchassis mit einer Diamant-Membran. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des BMW 7er
Die Intensität der vibrierenden Shaker kann ebenso wie alle Surround-Effekte individuell eingestellt werden. Foto: Daniela Loof
Die Bedieneinheit des BMW 7er
The show must go on: beleuchtete Lautsprecher und Fernbedienung für den Fond. Foto: Daniela Loof
Audi SQ8 statisch von schräg vorne fotografiert
Bang & Olufsen Advanced Soundsystem mit 3D-Klang: Klotzen statt kleckern – unter diesem Motto sorgt das 6575 Euro teure System
im Audi für beeindruckende Performance: 23 Lautsprecher inklusive zweier automatisch ausfahrender akustischer Linsen, Centerspeaker und Subwoofer sorgen für eine Rundum-Klangwolke, gefüttert von Endstufen mit einer Gesamtleistung von 1920 W. Das Soundsystem unterstützt die Wiedergabe von Inhalten im Dolby Atmos-Format. Foto: Audi
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Elvis trifft auf Audi: Mit seinem kühlen Grundton tut das Bang & Olufsen-System analogen Musik-Klassikern keinen Gefallen. Foto: Daniela Loof
Ausfahrende Akustik-Linse des Audi SQ8.
Auge hört mit: Die ausfahrenden Akustik-Linsen dürften eher wegen des Dramas an Bord sein als wegen des guten Sounds. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des Audi SQ8.
Das Bang & Olufsen-System im Audi lässt aber umfangreiche Anpassungen zu. Foto: Daniela Loof
Bentley Continental GT statisch von schräg vorne fotografiert
Naim for Bentley Audio System: Im britischen Luxus-GT werden drei Systeme angeboten (Basis, Bang & Olufsen, Naim), das Top-System kostet rund 8500 Euro Aufpreis. Mit 2200
W Verstärkerleistung, 18 Lautsprechern und zwei in den Sitzen integrierten Shakern sowie acht DSP-Modi sorgt das Naim-System für standesgemäßen Stereo- und Raum-Klang – ein noch aufwendigeres Surround-System steht kurz vor seiner Vorstellung. Foto: Daniela Loof
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Klassisches Soundsystem mit guter Abstimmung im Bentley – wenn nur der satt grollende V8 nicht so laut wäre. Foto: Daniela Loof
Die Lautsprecher des Bentley Continental GT / Naim.
Nur zwei sichtbare Lautsprecher mit edlem Gitter in den Bentley-Türen – 18 Speaker insgesamt. Foto: Daniela Loof
Skoda Superb statisch von schräg vorne fotografiert.
Canton Soundsystem: Seit 2013 pflegen Skoda und der deutsche Audio-Spezialist Canton 
ihre Partnerschaft, im Superb ist das System ab Ausstattungsniveau Selection für
700 Euro erhältlich. Zwölf Lautsprecher plus ein Center-Lautsprecher sowie zwei Subwoofer legen eine gekonnt integrierte Grundlage, die Verstärkerleistung beträgt 725 W. Das hervorragend abgestimmte DSP brilliert vor allem im „Canton“-Preset-Modus. Foto: Skoda
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Unser Urteil über das Canton-Soundsystem im Skoda Superb? Hier macht das Musikhören uneingeschränkt Spaß. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des Skoda Superb.
Skoda und Canton machen für Musikfans umfangreiche Einstellungen möglich. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des Skoda Superb.
Der Canton-Profil-Preset ist perfekt abgestimmt – Karl-Heinz Fink hat nichts hinzuzufügen. Foto: Daniela Loof
Mazda CX-60 statisch von schräg vorne fotografiert.
BOSE Sound-System: Der bekannte US-Audio-Spezialist mag nicht unbedingt zu den ersten und feinsten Highend-Adressen gehören, sondern ist eher im soliden Mainstream zu Hause. Bei Mazda zeigt Bose aber immer wieder, wie gut man das Thema Sound beherrscht. Im CX-60 ist das Bose-System mit seinen zwölf Lautsprechern 
Bestandteil der Ausstattungspakete „Homura Plus“ oder „Takumi Plus“ – ohne weiteren Aufpreis. Foto: Nils Koshofer
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Im Mazda CX-60 wird das Thema Audio zwar nicht aufregend präsentiert, aber erfreulich pragmatisch umgesetzt: guter Klang! Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des Mazda CX-60.
Wenige, aber hervorragend abgestimmte Einstellungsmöglichkeiten bei Bose. Foto: Daniela Loof
Volvo ES90 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Bowers & Wilkins High-Fidelity-Audio-
System: Ähnlich wird das System auch in EX90 oder EX60 installiert, im ES90 ist das hochwertige System ab Ausstattungsniveau Plus für 3460 Euro erhältlich. Dolby Atmos Spatial Audio durch die 25 Lautsprecher samt Tweeter-on-top, vier Kopfstützen- und vier Dachlautsprecher sowie Subwoofer mit patentierter Fresh-Air-Technologie. Abbey Road Studios-Modus mit intuitiven Klangreglern, erweiterter Equalizer, Sitzoptimierungsmodi, Fahrzeuggeräuschkompensation und Gesamtverstärkerleistung von 1610 W. Foto: Daniela Loof
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Durch Albumcover wühlen: minimalistisch aufgeräumtes Volvo-Cockpit mit großer Touchdisplay-Schaltzentrale. Foto: Daniela Loof
Der „Tweeter-on-top“  auf dem Armaturenbrett des Volvo ES90.
Den „Tweeter-on-top“ kennen B&W-Fans auch von 
den Hi-Fi-Lautsprechern der Marke, im Abbey Road Modus werden Klangeinstellungen zum Erlebnis. Foto: Daniela Loof
Ein Mikrofon für die Klangmessung im Auto fotografiert.
Konstantes Schwenken des Mikrofons in Ohr-Höhe fängt auch Reflexionen im Raum ein, gemessen wird mit „Rosa Rauschen“, das sämtliche Frequenzbereiche abdeckt. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü im Volvo ES90.
Im Abbey Road Modus werden Klangeinstellungen zum Erlebnis. Foto: Daniela Loof
VW T-Roc statisch von schräg vorne fotografiert.
Soundsystem „Harman Kardon“: Relativ wenig Geld für souveränes Klangerlebnis: Im neuen T-Roc bietet Volkswagen ab der Style-Ausstattung für einen Aufpreis von 680 Euro ein Soundsystem an, das für anspruchsvolle Musikfans wirklich empfehlenswert ist. Acht Lautsprecher und ein digitaler Zwölf-Kanal-Verstärker mit 480 W Gesamtleistung musizieren schwungvoll und natürlich, ein gut abgestimmter Subwoofer sorgt für präzise Bässe. Foto: VW
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Den vielfältigen Modulisierungs- und Anpassungsmöglichkeiten des harman/kardon-Systems 
im VW T-Roc hat Karl-Heinz Fink große Aufmerksamkeit geschenkt – mit hörbarer Wirkung. Foto: Daniela Loof
Der Lautsprecher im VW T-Roc
Grundlagenarbeit: Rappelfrei integrierte Lautsprecher und ... Foto: Daniela Loof
Der Centerspeaker des VW T-Roc.
... ein guter Centerspeaker sind A und O eines hochwertigen Soundsystems. Foto: Daniela Loof
Cupra Terramar statisch von schräg vorne fotografiert.
Sennheiser High-End-Soundsystem: Als Vordenker im Bereich Immersive Audio und Psychoakustik kennt sich Sennheiser sowohl im Pro Audio-Bereich (Mikrofone, Kopfhörer, 
Live- und Studio-Technik) als auch im Consumer-Bereich aus, die Ambeo-Concerto-Software des deutschen Herstellers macht es möglich, Klang individuell zu modulieren. Das ist beim Sennheiser-System im Cupra äußerst polarisierend zu spüren. Für 630 Euro kann das Edge-Paket (1270 Euro) um das Zwölf-Kanal-Soundsystem von Sennheiser erweitert werden. Foto: Daniela Loof
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Messen, hören, diskutieren: Vom auf Effekt spielenden Sennheiser-System hätten wir uns etwas mehr erwartet, Natürlichkeit und Gelassenheit zum Beispiel. Foto: Daniela Loof
Das Soundmenü des Cupra Terramar .
Frequenzfilter sollten auf die psychoakustisch wichtigen Bereiche zugreifen. Foto: Daniela Loof
Der Lautsprecher des Cupra Terramar.
Ein edles
Lautsprecher-Gitter kann ebenfalls nicht schaden. Foto: Daniela Loof
Der Kofferraum des Cupra Terramar.
Plug-in-Batterie, Subwoofer, Elektronik – und schon ist der Kofferraum-Keller gut gefüllt. Foto: Daniela Loof
Opel Grandland statisch von schräg vorne fotografiert.
Focal Premium Sound System: Dass Opel das in Kooperation mit der französischen Hi-Fi-Marke Focal entwickelte System für den Grandland  aufpreisfrei im Ultimate-Ausstattungspaket anbietet, könnte Hinweis auf reine Logo-Integration sein –
die tatsächliche Klangqualität ist aber sehr gut.
Ein 690 W starker Zwölf-Kanal-D-Class-Verstärker treibt Lautsprecher-Chassis an, deren Polyglass- und „Power Flower“-Technologien tatsächlich von Focal Lautsprecher-Serien geborgt sein sollen. Foto: Nils Koshofer
Zwei Personen sitzend im Auto fotografiert.
Überschaubare Einstellmöglichkeiten für das Focal-System – und das geht bei dessen solider Umsetzung völlig in Ordnung. Foto: Daniela Loof
Der Lautsprecher des Opel Grandland.
Mehr als ein kleines Focal-Logo ist vom Top-Soundsystem im Opel Grandland nicht zu sehen. Foto: Daniela Loof
Zwei Personen stehend in einem Büro fotografiert.
Gitarren, Uhren, Kameras, Programmieren – Karl-Heinz Fink hat so einige Leidenschaften. Und der Büro-Schreibtisch ist bemerkenswert voll. Foto: Daniela Loof
Eine Person stehend in einem schalltoten Raum fotografiert.
Schalltoter Raum zur Lautsprechervermessung – absolute Stille kann ohrenbetäubend sein. Foto: Daniela Loof
Eine Person stehend neben einem Indoor-Soundsystem fotografiert.
Ob die wohl ins Wohnzimmer passen? AUTO ZEITUNG-Redakteur bei fassungsloser Inaugenscheinnahme des aktuell bei Fink Audio Consulting laufenden Projekts. Foto: Daniela Loof

So gut sind Soundsysteme im Auto wirklich

Man hört heute ja andauernd Musik: Im Fahrstuhl, im Restaurant, aus kleinen Bluetooth-Boxen, per Kopfhörer … Und wenn man a) den Liedtext versteht und 
b) eine Art „Bass“ rumpelt, hebt man den Daumen: klingt gut! Ist aber leider nicht so. Unsere Gehirne sind gnädig und füllen die Lücken nicht gehörter Frequenzen mit einer Mischung aus Wohlgefühl und spekulierter Vermutung. Was aber Musiker:innen und Recording-Ingenieur:innen tatsächlich in Soundfiles hinterlegt, auf CDs gebrannt oder in Vinyl gepresst haben, kommt nie bei uns an. Und das ist gerade im Auto schade: Nirgendwo sonst kann man so ungestört Musik hören oder unbekümmert mitsingen. Wir finden daher: Zu einem guten Auto gehört ein gutes Soundsystem!

Das BMW 7er Facelift im Check (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Und um sich hier den aktuellen Überblick
zu verschaffen, von opulent und superteuer bis erfreulich bezahlbar, haben wir eine schüchterne Kennenlern-E-Mail an den Walter Röhrl des guten Klangs geschickt: Karl-Heinz Fink. Der Essener ist dem Thema Hi-Fi seit Jahrzehnten verbunden, Fink ist der Auskenner, den die Hi-Fi-Szene anruft, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Und er hat auch für die größten Automobil-Konzerne viele Jahre lang Audio-Entwicklungsarbeit geleistet.

Gut für uns: Karl-Heinz Fink konzentriert sich gerade einmal wieder nur auf Kundenentwicklungen im klassischen Hi-Fi-Bereich sowie auf seine eigenen Lautsprecher-Marken „Fink Team“ und „Epos“, er ist also erfreulich neutral. Darf kritisieren oder gut finden nach Herzenslust – dass er dabei nicht nur aufs gut geschulte Gehör setzt, sondern auf staubtrockene Messungen, ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch Fundament der Kompetenz.

Backstage bei Fink Audio: Bildungs-Besuch im Klanglabor

Bevor es losgeht, unterziehen wir unser Gehör einem Extrem-Reset und besuchen Karl-Heinz Fink in seinem Essener Labor. Im Hör-Raum stehen mannshohe Lautsprecher, links und rechts hängen die Kabel raus, die Teile sind Prototypen: Entwicklungsarbeit für einen externen Kunden, sie dürften in wenigen Monaten für kernige sechsstellige Beträge an solvente Highend-Fans mit sehr, sehr großem Wohnzimmer verkauft werden.

Karl-Heinz Fink deutet auf einen der Stühle im Raum: hinsetzen, Klappe halten, hören. Dann füttert er die aufgebaute Batterie aus Vor- und Endverstärkern, Streamern, Plattenspielern und traditionellen Bandmaschinen mit Musik. Es dauert nur wenige Sekunden, bis wir vergessen zu atmen: Vor uns baut sich eine dreidimensionale Klangskulptur auf, Instrumente im Raum gestaffelt und verteilt, erschütternd intime Stimmen, flirrende Höhen, nahezu infraschalltiefe Bässe – so also hört sich Musik an, wenn Lautsprecher das aufgenommene Klangspektrum vollständig wiedergeben. Bewegend, faszinierend, zum Weinen schön.

Der Lautsprecher im BMW 7er
BMW 7er / Bowers & Wilkins Foto: Daniela Loof

Später sitzen wir in einem BMW 7er, segeln im Verkehrsfluss über die Autobahn und versuchen, dasselbe Gefühl zurückzuholen. Das „Diamond-Soundsystem“ der britischen Highend-Marke Bowers & Wilkins ringt Karl-Heinz Fink anerkennende Zustimmung ab: „Hochwertiges System mit sehr natürlich klingendem und ausgewogenem Grundton. Wenn nur nicht die etwas schmale Bühne wäre …“ Die imaginären Musiker:innen rücken also eng zusammen, Karl-Heinz Fink versucht, in den Einstellungen des DSP-Prozessors bereits gegenzusteuern. Ein minimales Dazuholen – auf keinen Fall zu viel – von Surround-Weite, leichte Frequenzkorrekturen am Equalizer, und plötzlich beginnt die Musik zu atmen.

Wir nicken uns zu: „Beeindruckend. Druckvoll, präzise und trotzdem angenehm – da will man gern stundenlang zuhören.“ Bands erschüttern Knochenmark, Orchester füllen Säle. Violinen schmeicheln seidenweich, Celli schnurren. Stimmen rücken einem in HD-Auflösung nahe, du hörst jedes Hauchen, jeden Zungenschlag, jeden Atemzug. Pauken donnern definiert, und fette Synthesizer-Bässe ballern wuchtig.

Ein minimales Nachregeln per 
Equalizer – und plötzlich passt alles

Natürlich muss jetzt noch der Test des Multimedia-Kinosystems mit ausklappbarem Riesen-Kino-Monitor im Fond sein, und plötzlich interviewt der Experte den Redakteur: „Wie findest du das?“ Ich überlege nur kurz: „Blöd, dass der ausfahrbare Monitor im Dachhimmel für Weitsichtige zu nah und für Kurzsichtige zu weit entfernt ist. Gut klingen tut’s bestimmt, aber bei diesem ganzen Dolby-Kino-Donnerwetter geht es am Ende doch wieder nur um den Effekt, nicht um den Klang, oder? Ein Tablet mit gutem Kopfhörer dürfte die smartere, bessere und günstigere Alternative sein.“ Fink schweigt, nickt dann mit verschmitztem Lächeln und wechselt einfach das Thema: „Jetzt steigen wir in den Volvo ES90. Da steckt doch auch Bowers & Wilkins drin?“

Der Lautsprecher im Volvo ES90.
Volvo ES90 / Bowers & Wilkins Foto: Daniela Loof

Korrekt. Hier sogar mit dem berühmten Hochtöner im separaten Gehäuse als Center-Speaker auf der Armaturentafel. Und auch hier ist die Grundeinstellung natürlich, klar und präzise, spielt aber ebenfalls zu Beginn nur von einer eher schmalen Bühne, der Klang scheint unterhalb der Windschutzscheibe festzusitzen. Karl-Heinz Fink zieht alle Register, arbeitet sich konzentriert durch die vielfältigen DSP-Modi – und wird am Ende fündig: Im Produzenten-Modus der Abbey Road-Filter kann man das Optimum holen. Mehr Energie und Brillanz, plötzlich löst sich das Klangbild von der Armaturentafel. Wir hören uns begeistert und mitgerissen durch die mitgebrachten Musikstücke, freuen uns am souveränen, gleichzeitig präzisen Bass, der luftigen Räumlichkeit, der crispen Ortbarkeit von Stimmen und Instrumenten, den strahlenden Höhen.

Audi und Bentley könnten unterschiedlicher nicht sein

Kann das der vergleichsweise angetretene Audi SQ8 mit seinem Bang & Olufsen-System genauso gut? Klares Jein. Die Messung zeigt zwar einen ausgewogenen Frequenzgang, und die hörbare Klangqualität ist beeindruckend gut, trotzdem sitzen wir grübelnd nebeneinander, suchen nach Worten – und finden sie dann auf einen Schlag: „Klingt irgendwie …“ „Steril?“ „Kühl?“ Fink sucht per Equalizer nach Wärme und Natürlichkeit, bleibt aber ohne Erfolg – und der Bang & Olufsen-Audi bei seinem knackig-kristallinen Grundton.

Wie man es anders machen kann, zeigt der Bentley Continental GT mit seinem Top-Soundsystem von der britischen Edel-Marke Naim: warm, druckvoll und natürlich, ganz ohne Effekte und umfangreichen DSP-Zauber. Der englische Gran Turismo hat aber ein anderes Problem: Sein dominanter Motorsound crasht die Party, man hört den Motor und nicht die Musik. Oktan-Fans dürften das natürlich als korrekte Prioritätensetzung empfinden.

Zwei Personen sitzend im Auto von hinten fotografiert.
Audi SQ8 / Bang & Olufsen Foto: Daniela Loof

Aus der Luxusklasse in die Economy Class – Überraschung inklusive

Muss es aber unbedingt teuer sein? Klangvolle Namen, Luxus-Marken? Wir steigen zum Quervergleich in unseren Mazda CX60-Dauertestwagen um, konfrontieren das Bose-Soundsystem des Japan-SUV mit unserer Quäl-Playlist – und sind äußerst angetan: natürliches, elegantes Klangbild mit gefälliger Bühne und sauber gestaffelten Instrumenten.

Zufällig ist gerade noch ein weiteres Dauertest-Fahrzeug in der Redaktion: In den Opel Grandland mit seinem französischen Focal-Soundsystem hören wir ebenfalls kurz rein: Verbrät der Stellantis-Konzern hier ein namhaftes Marken-Logo auf schütterer Elektronik- und Lautsprecherchassis-Massenware? Es dauert nicht lange, bis Karl-Heinz Fink Entwarnung geben kann: Das System ist sauber abgestimmt, der Opel kann Pop und Rock mit Kraft, aber auch Hörbuch-Sprecher und Klassik-Dynamik.

Zwei Personen sitzend im Auto von hinten fotografiert.
Opel Grandland / Focal Foto: Daniela Loof

Und er zeigt noch einen weiteren Aspekt: Das zweite Elektroauto in unserer Runde demonstriert nachdrücklich, wie sehr das automobile Musikhören vom flüsterleisen Antrieb profitiert. Ohne das stetige „Grundrauschen“ eines Verbrenners fehlt plötzlich ein wahrer Schleier von Frequenzen, das hat man bisher einfach so nicht gehört. Dafür lässt der Grandland allerdings teilweise sehr deutliche Abroll- und Fahrwerksgeräusche hören – unser Gehör ist eben scharf gestellt.

Deutsches Hi-Fi-Know-How im Skoda Superb

Guter Klang, gar nicht teuer – hoffnungsvoll landen wir im Skoda Superb, dessen Soundsystem das Know-how der deutschen Hi-Fi-Expert:innen von Canton integriert. Fink arbeitet konzentriert mit dem Mess-Mikro, studiert gespannt den Frequenzgang und nickt dann: „Kannst losfahren und aufdrehen, das wird verdammt gut.“ Die Daten lügen nicht: Vor allem das als „Canton“-Modus abgespeicherte Frequenzprofil lässt uns erstaunt zurück, Canton im Skoda klingt natürlich spritzig, energiegeladen, druckvoll und präzise, dabei sehr angenehm und nie stressig. Für verblüffend kleines Geld. Haben wir bereits jetzt schon unsere bürgernahe Soundsystem-Empfehlung?

Das Soundmenü des Skoda Superb
Foto: Daniela Loof

Das kann vermutlich nur der Umstieg in den VW T-Roc klären. Sein optionales harman/kardon-Soundsystem darf zumindest als ehrlichstes System gelten: Nicht selten stecken die Elektronik-Expert:innen aus dem Samsung-Konzern hinter Audio-Systemen im Automobil-Bereich, liefern millionenfach Lautsprecher, Elektronik und Software, ganz egal unter welchem Label die Systeme dann am Ende vermarktet werden. Im Fall des VW T-Roc steht nun also auch drauf, was drin ist.

Wir haben einen langen Hör-Tag hinter uns, steigen trotzdem noch schnell in den VW – und sind sprachlos. Besonders Karl-Heinz Fink, mit einigen Jahren Entwicklungsvergangenheit für VW, ist vom ersten Hören enttäuscht: Ein kratzender Bob Dylan, ein blechernes, aggressives Saxophon, was ist denn hier los?

Alle Wetter – machen Außentemperaturen einen Unterschied?

Grübelnd gehen wir in den Feierabend, planen einen zweiten Anlauf für den kommenden Tag. Und wundern uns am nächsten Morgen nicht schlecht: Plötzlich ist der Sound im VW T-Roc rund und warm, erfreulich präzise, ausgesprochen natürlich. Die Bühne steht, der lebhafte und dynamische Sound im T-Roc lädt zu stundenlangem Hörvergnügen ein.

Plötzlich fällt der Fink’sche Blick auf die Außentemperatur-Anzeige, die eben noch grübelnde Miene hellt sich auf: „Gestern Abend hatten wir über 10 °C weniger, vermutlich wirkt sich das auf die Hochtöner aus. Deren Ferrofluid wird bei Kälte etwas zäher, und diese minimale Veränderung kann natürlich zu einem verschobenen Frequenzgang führen – was zu hören war.“

Zwei Menschen stehend vor zwei Autos fotografiert.
Karl-Heinz Fink (l.) mit Autor Johannes Riegsinger Foto: Daniela Loof

Eigentlich müsste nun doch das Sennheiser-Soundsystem im Cupra Terramar zum Abschluss gewaltig abliefern: Volkswagen-Konzernbasis in Kombination mit Know-how von einem deutschen Klang-Spezialisten. Das Marken-Duo hinterlässt aber eine bemerkenswert abgestimmte Klang-Signatur – je nach Musikstück wirken die Höhen aggressiv und überreizt, die Bässe grummeln imposant, aber immer wieder auch konturlos, die Mitten können plärren. Kein schöner Ton, woher kommt das? Unser Verdacht ist: Cupra will einen Sound 
wie das Außendesign, extrovertiert, effektvoll und energiegeladen. Und die Processing-Expert:innen von Sennheiser liefern das Gewünschte, bissig und bunt.

Fazit

Zwei Menschen stehend vor zwei Autos fotografiert.  - Foto: Daniela Loof

Die Automobilhersteller zeigen in unserem Hi-Fi-Check, was möglich ist – besonders die teuren Premium-Soundsysteme liefern ausgezeichnete und mitreißende Klangerlebnisse sowie eine ausgesprochen hohe Klangqualität. Testsieger in unserem direkten Vergleich sind BMW und Volvo mit den Bowers & Wilkins-Systemen. Schönes Musikhören unterwegs muss aber nicht teuer sein, selbst in der bürgernahen Klasse kann man für überschaubaren finanziellen Einsatz hochwertigen Klang bekommen – siehe VW T-Roc. Und das exzellente Canton-System im Skoda Superb reizt die Umschreibung „Preis-Leistung“ komplett aus.