Vorstellung

Nur fliegen ist schöner: Porsche 928 mit Boeing-Turbine

Normalerweise bestücken US-Petrolheads alles mit einem V8, was nicht bei drei vom Dragstrip runter ist. Was aber, wenn das Auto der Wahl schon einen Achtzylinder an Bord hat? So entstand der Porsche 928 mit Boeing T50-Turbine, der nun zum Verkauf steht.

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Blick von schräg vorne auf den Porsche 928 mit Boeing-Turbine; Bildmontage mit den Blick auf die Turbine im Motorraum.
Was ist das Absurdeste, das man in den Motorraum eines Sportwagens verpflanzen könnte? Eine Hubschrauber-Turbine von Boeing zum Beispiel. Der Knaller: Das Triebwerk ersetzt einen V8-Motor, der für sich schon ein Schmuckstück gewesen wäre. Foto: Duncan Imports & Classics/Collage: AUTO ZEITUNG
Blick von schräg vorne auf den Porsche 928 mit Boeing-Turbine.
Bei den beiden Ofenrohren in der Motorhaube des Porsche 928 handelt es sich keinesfalls um Belüftungslöcher. Vielmehr pustet die Boeing-Turbine hier ihre mehr als 500 Grad heißen Abgase in die Luft. Foto: Duncan Imports & Classics
Der Porsche 928 mit Boeing-Turbine stehend von schräg hinten.
Der rote 1982er-Porsche stand zuletzt bei einem Oldtimerhändler im US-Bundesstaat Virginia für umgerechnet knapp 30.000 Euro zum Verkauf. Foto: Duncan Imports & Classics
Der Porsche 928 mit Boeing-Turbine stehend von vorne.
Trotz eines Verbrauchs von 100 l Kerosin auf 100 km hat der 928 mit Heli-Motor schon mehr als 225.000 km auf dem Tacho. Ungewiss ist, wie viele davon nach dem Motortausch zurückgelegt wurden. Foto: Duncan Imports & Classics
Der Porsche 928 mit Boeing-Turbine stehend seitlich.
Dass hier kein gewöhnlicher Porsche vor uns steht, darauf deuten neben den Auspuffrohren in der Haube nur die hohe Bodenfreiheit und die deutlich jüngeren Porsche-Felgen hin. Foto: Duncan Imports & Classics
Der Porsche 928 mit Boeing-Turbine stehend von hinten.
Im Kofferraum befinden sich zwei extrastarke Batterien, die große Mühe damit haben, das Triebwerk anzuschmeißen. Foto: Duncan Imports & Classics
Der Motor des Porsche 928 mit Boeing-Turbine.
300 PS (221 kW) bei 6000 Touren soll das Triebwerk generieren. Immerhin 60 PS (44 kW) mehr als der Basis-V8. Foto: Duncan Imports & Classics

Das H-Kennzeichen gibts in Deutschland bekanntermaßen nur für originale oder zeitgenössisch modifizierte Fahrzeuge. Aber was passiert, wenn der Motor zwar der Ära des Autos entspricht, aber eigentlich kein Pkw-Motor ist? Bevor wir uns jetzt wochenlang mit amtlichen Haarspaltereien befassen und den Verkauf dieses Porsche 928 verpassen, steigen wir gedanklich in den Flieger nach Christiansburg, Virginia (USA) und schauen uns in der Halle des Händlers Duncan Imports & Classics das rote Coupé an.

Fliegen ist hier auch schon das Stichwort, denn unter der Haube des 1982er Porsche 928 schlummert eine Boeing T50-Turbine statt des 4,5 l großen V8. Das Triebwerk war zu Zeiten des Vietnamkriegs in kleinen Hubschraubern sowie Helikopter-Drohnen im Einsatz und generiert 300 PS (221 kW) bei 6000 Touren. Wann genau der Umbau stattgefunden hat und welcher findige Tüftler dafür verantwortlich ist, lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren. Die Spuren des Jetset-Porsche reichen mindestens bis ins Jahr 2010 zurück, als der 928er erstmals auf Ebay angeboten wurde.

Der Porsche Taycan 4 (2025) im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Understatement pur im Porsche 928 – bis die Turbine losdreht

Optisch legte der Verantwortliche jedenfalls Wert auf den Erhalt des serienmäßigen, unscheinbaren Erscheinungsbildes. Nur die großen, deutlich jüngeren Porsche-Felgen sowie die geradezu stelzenartige Bodenfreiheit stechen am 928 heraus. Und natürlich die beiden Ofenrohre, die aus der Motorhaube lugen. Im Innenraum das gleiche Thema: Die kaffeebraune Leder-Einrichtung versprüht noch immer den unverfälschten Charme der frühen 80er-Jahre. Die einzigen Hinweise auf den Motortausch finden sich an der Mittelkonsole, wo in unmittelbarer Nähe zum Automatik-Wählhebel eine Schubkraftanzeige und ein Not-Aus-Schalter bereitstehen.

Der Motor des Porsche 928 mit Boeing-Turbine.
Foto: Duncan Imports & Classics

Die Wandler-Bedienung ist nach wie vor voll funktionstüchtig, ebenso wie die Klimaanlage. Überhaupt könnte man meinen, dass sich der Schöpfer des Boeing-Porsche einen Spaß daraus machen wollte, die Leute beim Motorstart nach einem Hubschrauber im Himmel suchen zu sehen. Allerdings will das Anlassen aufs Nötige begrenzt werden. Denn die zwei Super-Duty-Batterien im Kofferraum haben sichtlich Mühe, die Turbine in Schwung zu bringen und schaffen es mit einer Ladung höchstens viermal, den Porsche zu starten.

Doppelt so teuer wie der Serien-928er

Einmal in Gang gebracht, drängen sich weitere Probleme auf: Nicht nur wütet das Triebwerk lauter als ein Industriestaubsauger, der sich in einem Perserteppich verfangen hat – auch der Spritverbrauch von gut 100 l Kerosin auf 100 km beim entspannten Highway-Cruisen sorgt dafür, dass der 928 nur zu besonderen Anlässen aus der möglichst brandsicheren Garage geholt werden sollte. Umso überraschender, dass der Kilometerzähler gut 225.000 ausweist. Ob die aufgerufenen, umgerechnet knapp 30.000 Euro für den Porsche 928 mit Boeing-Turbine den Spaß wert sind, darüber lässt sich vermutlich streiten. Vergleichbare Autos mit dem Serien-V8 finden sich in den Online-Inseraten schon ab 15.000 Euro.