Verpflichtender Fahreignungstest für Senioren Scheuer lehnt Pflichtprüfung für Senioren ab

von Christina Finke 08.02.2019
Senioren-Fahrtest ab 75
Foto: Fotolia
Inhalt
  1. Scheuer lehnt verpflichtende Fahreignungstests für Senioren ab
  2. Fahreignungstest für Senioren in anderen Ländern bereits Pflicht
  3. Wie kann man die Fahrtauglichkeit überprüfen?
  4. Wie bleibt man im Alter möglichst lange fahrtüchtig?
  5. Wie macht man Senioren auf Fahruntauglichkeit aufmerksam?

Gesetzlich verpflichtende Fahreignungstests für Senioren werden immer wieder diskutiert. Jetzt meldet sich auch Verkehrsminister Andreas Scheuer zu Wort – und verweist auf die autonome Automobil-Zukunft!

Über die Frage, ob Senioren ab einem bestimmten Alter zu einem Fahreignungstest verpflichtet werden können, wird immer wieder diskutiert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat solche Tests für ältere Autofahrer nun jedoch klar abgelehnt – ungeachtet der Bedenken von Unfallforschern. "Einen Verkehrstest für Senioren wird es mit mir nicht geben", so der CSU-Politiker zu den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Aus der Unfallstatistik ergeben sich keine Auffälligkeiten. Unfälle können einem 21 Jahre alten Fahrer genauso passieren wie einer 81 Jahre alten Fahrerin." Auch der ADAC argumentiert ähnlich: Menschen ab 65 Jahren verursachten etwa 16 Prozent der Unfälle mit Verletzten, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmachten. "Ältere Autofahrer verhalten sich im Straßenverkehr in alle Regel vorsichtig, eher defensiv und vorausschauend", so der Automobilclub. Mehr zum Thema: Bei Autounfall oder Parkrempler immer die Polizei rufen?

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Scheuer lehnt verpflichtende Fahreignungstests für Senioren ab

Die Unfallforscher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hingegen widersprechen in der Diskussion um verpflichtende Fahreignungstests für Senioren der Aussage, dass sich aus der Unfallstatistik keine Auffälligkeiten für ältere Fahrer ergeben. Zwar verursachten Senioren in der Gesamtzahl weniger Unfälle als Fahranfänger, so der Leiter der Unfallforschung der Versicherer Siegfried Brockmann. Allerdings liege das daran, dass Frauen über 75 Jahren deutlich seltener einen Führerschein gemacht hätten als in der Generation der jetzigen Fahranfänger – und Senioren im Schnitt ganz einfach weniger Auto fahren. Brockmann bezieht sich auf die sogenannte kilometerbezogene Unfallbelastung: Erst wenn man sich neben den absoluten Zahlen auch die Zahl der Unfälle im Verhältnis zur Fahrleistung anschaue, ergebe sich ein vollständiges Bild. Und tatsächlich liegt das Verhältnis von Unfällen zur Fahrleistung in der Gruppe der Senioren im Alter von 75 Jahren und älter mit 5,05 deutlich höher als bei der Altersgruppe der Fahranfänger bis inklusive 20 Jahre mit einem Wert von 3,50. Mit diesen Einwänden konfrontiert, sagte Verkehrsminister Scheuer, er wisse, dass seit Jahrzehnten immer wieder in Wellenbewegungen diskutiert werde, ob Senioren Fahreignungstests machen sollten, und das am besten verpflichtend. "Und da sage ich: Nein. Ich setze auf die Eigenverantwortung." Jeder Ältere könne zu seinem Hausarzt gehen, um sich durchchecken zu lassen: "Wir empfehlen ja auch diese Fitnesstests." Außerdem rechne er ohnehin damit, dass ältere Menschen angesichts autonomer und automatisierter Systeme "in naher Zukunft (...) nicht mehr unbedingt selbst fahren müssen". 

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Fahreignungstest für Senioren in anderen Ländern bereits Pflicht

Auch in Großbritannien gab es kürzlich eine Debatte um verpflichtende Fahreignungstests für Senioren. Anlass war hier der Unfall des 97-jährigen Prinz Philipp, der bei einem Unfall selbst am Steuer saß. In anderen EU-Ländern wie Norwegen, Schweden oder den Niederlanden sind Fahrtests für Senioren schon heute Gang und Gäbe. Bereits ab einem Alter von 70 Jahren sind hier ärztliche Untersuchungen zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit Pflicht. In Spanien müssen Autofahrer bereits ab 45 Jahren zum Gesundheitstest. Hierzulande erfolgt eine Fahreignungsprüfung derzeit nur in besonders begründeten Einzelfällen. Allerdings hat jeder Autofahrer die Möglichkeit, seine Fahrtauglichkeit selbst zu überprüfen. So können regelmäßige Gesundheitschecks beim Arzt oder eine Übungsfahrt mit einem Fahrlehrer Defizite bei den eigenen Fähigkeiten aufdecken. So gaben im Jahr 2015 bereits 9500 deutsche Autofahrer über 75 Jahre freiwillig ihren Führerschein ab, weil sie sich nicht mehr fit für den Verkehr fühlten. 

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Wie kann man die Fahrtauglichkeit überprüfen?

Statt verpflichtender Fahreignungstests für Senioren sind vor allem regelmäßige Gesundheitschecks wichtig. Verkehrsexperten empfehlen alle zwei Jahre Augen und Ohren überprüfen zu lassen. Auch der Hausarzt kann nach einer kurzen Untersuchung eine Einschätzung des Gesundheitszustands geben. Die Ergebnisse der Untersuchungen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht, es drohen also keine Konsequenzen. Trotzdem sollte man mit dem Arzt abwägen, den Führerschein gegebenenfalls abzugeben oder nur noch tagsüber oder bestimmte bekannte Strecken zu fahren. Zum anderen können regelmäßige Coaching-Fahrten mit einem Fahrlehrer absolviert werden. Dieser kann eventuelle Defizite beim Autofahren aufzeigen und beim Beheben helfen. Ältere Autofahrer können auch freiwillig an der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung teilnehmen. Die Kosten dafür liegen zwischen 150 und 300 Euro. Die Ergebnisse fallen ebenfalls unter die ärztliche Schweigepflicht. Auch der ADAC bietet einen Fahrtauglichkeitstest an.

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Wie bleibt man im Alter möglichst lange fahrtüchtig?

Wichtig ist, dass im Alter die gesundheitlichen Voraussetzungen für das Autofahren gegeben sind. Neben regelmäßigen Besuchen beim Optiker, um die Sehschärfe zu überprüfen, sowie beim HNO-Arzt zur Kontrolle der Hörfähigkeit, sollten Autofahrer checken, ob sie sich für den Schulterblick noch komplett umdrehen können. Zudem sollten sie sich in regelmäßigen Abständen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, oder psychische und neurologische Erkrankungen untersuchen lassen.

 

Wie macht man Senioren auf Fahruntauglichkeit aufmerksam?

Wer ohne verpflichtende Fahreignungstest für ältere Autofahrer befürchtet, die Eltern oder Großeltern könnten ihre Fahrtauglichkeit falsch einschätzen, kann zunächst auf einige bestimmte Anzeichen achten. Dabei können kleinere Unfälle, mehrere Beinahe-Unfälle oder eine Häufung von Strafzetteln schon ein Indikator für schlechteres Autofahren sein. Auch wenn sich die Personen wiederholt über die mangelnde Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer beschweren, kann das darauf hindeuten, dass im Verkehr Unsicherheiten bestehen. Am besten ist es hier, einfühlsam vorzugehen und sich bei einer Mitfahrt selbst ein kurzes Bild von der Fahrtauglichkeit der Senioren zu machen. Anschließend sollte in einer ruhigen Atmosphäre das Gespräch gesucht werden und ein Fahrtest vorgeschlagen werden. In besonders schweren Fällen, in denen sich das Gegenüber sehr uneinsichtig zeigt, aber durch seine mangelnde Fahrtauglichkeit andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, können auch die Polizei oder das Straßenverkehrsamt zu Rate gezogen werden.

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