Opel Rekord D: Zu Unrecht unterm Oldtimer-Radar

Der Opel Rekord D genießt bis heute keinen allzu hohen Stellenwert in der Oldtimer-Community – zu Unrecht, wie wir finden. Die Geschichte des auffällig Unauffälligen!

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Der Opel Rekord D fährt auf einer Landstraße, von vorne links.
Opel Rekord D Foto: Frank Ratering

Die Farbpalette enthielt auffälligere Töne als "Ocker". Aber der Rekord D blieb selbst als Stückzahl-Millionär beim Understatement.

Der Opel Rekord D steht vor einer Backsteinfassade, von hinten links fotografiert.
Opel Rekord D Foto: Frank Ratering

Die Größe des Kofferraums war typisch Opel, die schmucklose Heckansicht Mitte der Siebziger noch gewöhnungsbedürftig.

Das Cockpit des Opel Rekord D.
Opel Rekord D Foto: Frank Ratering

Stil der Zeit: gediegene Bürgerlichkeit mit Nussbaum-Furnier und Veloursteppich.

Der Motor des Opel Rekord D.
Opel Rekord D Foto: Frank Ratering

Klassischer Opel-Motorenbau: längs eingebauter Vierzylinder mit schlankem Ventildeckel.

Nach einer langen Ahnenreihe von mehr oder weniger offen­sichtlichen Vorbildern aus dem gewaltigen Portfolio zeitgenös­sischer General Motors-Modelle nachemp­fundenen Opel-Typen stand 1971 auf der IAA eine neue Limousine. Diese war auf den ersten Blick europäischer Herkunft und von solch schlichter Eleganz geprägt, dass man glatt auf einen Pininfarina-Entwurf tippen konnte. Ihre eleganten Proportionen, die bündig integrierten Scheinwerfer und Blink­leuchten, die fast schon sportlich flach ge­neigte Frontscheibe und die ruhige Seitenli­nie ohne Dreiecksfenster waren Merkmale eines zurückhaltenden und doch anspruchs­vollen Designs. Diese Limousine wollte durch ihre Gesamterscheinung gefallen, nicht durch flüchtige Folklore.

Aber das Auto stand wider Erwarten nicht bei Pininfarinas Stammkunden Peugeot oder auf einem Stand der großen italienischen Marken. Es trug einen kleinen, vom Blitz durchzuckten Chromring im schlichten Rechteckgrill und handelte sich tatsächlich um den neuen Opel Rekord!
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Das Cockpit des Opel Rekord D.
Foto: Frank Ratering

Opel Rekord D: Understatement aus Rüsselsheim

Mit dem Opel Rekord D vollendete der von 1968 bis 1972 in Rüsselsheim federführende Chefdesigner Chuck Jordan seine persönli­che Mission, die deutsche GM-Dependance vom Nacheiferer amerikanischer Vorbilder zum Träger einer neuen, eigenen Design­linie zu machen. Die Erstausgaben von Manta und Ascona hatten im Jahr zu­vor bereits angedeutet, wohin der Weg führ­te. Der Ascona Voyage war als zweitüriger Kombi mit Holzdekor-Flanken und schräg gestelltem Heckfenster geradezu verwegen auf Lifestyle getrimmt. Die Opel-Kund­schaft reagierte allerdings zurückhaltend. Noch sah man keinen Grund, zugunsten ei­ner eleganteren Optik auf Nutzwert und ty­pische Nehmerqualitäten zu verzichten.

Jordan galt damals schon als "Kronprinz" und designierter Nachfolger des mächtigen GM-Design-Direktors Bill Mitchell, aber er sollte noch lange auf diese Beförderung war­ten müssen. Der Opel Rekord D teilte diese Geduldsprobe mit ihm. Bis heute muss er innerhalb der Opel-Szene anderen Modellen in der Beliebtheitswertung den Vortritt las­sen. Der dezent, aber wirkungsvoll auf edel gestylte Commodore B nutzt die gleiche Ka­rosserie, tritt aber viel markanter in Erschei­nung und gehört längst zu den Highlights der Opel-Nachkriegsgeschichte. Doch nach dem Basismodell Rekord D dreht sich nach wie vor niemand um. Das ist nicht fair.

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Vier Argumente, warum dieser Rekord mehr Beachtung verdient …

Erstens: Der Opel Rekord D hat ein zeitlos attrak­tives, makelloses Karosseriedesign, das zu den wegweisenden Viertürer-Entwürfen der Siebzigerjahre gerechnet werden muss. Zweitens: Tatsächlich avancierte Opels Mittelklasse-Baureihe im Lauf ihres Modellzyklus zum meistverkauften Fahrzeug dieser Klasse in Europa. Drittens: Neben der Limousine gab es noch ein bildschönes Coupé und einen "Caravan" getauften Kombi, der für profane Lastentransporte viel zu elegant aussah. Viertens: Der Rekord D gehörte als Reiselimousine im preissensiblen Massenmarkt zu den preisgünstigsten und vielseitigsten Modellen. Wegen seiner hohen Stückzahlen war er bis tief in die Achtzigerjahre ein ge­wohnter Anblick im Straßenbild.

… und die Gründe, weshalb dies nach wie vor nicht der Fall ist

Vielleicht liegt es genau an diesen grundsätz­lichen Stärken, dass die Oldtimer-Szene für den Opel Rekord D lange Zeit wenig Interesse zeigte. Ein zeitlos gutes Understatement-Design taugt eben auch im hohen Alter nur bedingt als Hingucker, der Rekord D findet wenig Beachtung, weil er so unauffällig ist. Das Teufelsdreieck aus miserablem Rost­schutz, erheblichem Restaurierungsaufwand und geringem Sammlerwert wegen der ver­meintlich großen Verbreitung schreckte man­chen Fan ab.

Dabei wäre dieser Opel Rekord wegen seiner grundsätzlich unkomplizierten Technik ein dankbares Objekt für Oldtimer-Neulinge. Im Rahmen der Modellpflege kam mit der 2,0-l-Va­riante 1975 noch ein Aggregat zum Einsatz, das als Kernantrieb des Nachfolgers Rekord E sowie in Ascona und Manta B noch lange eine tragende Rolle im Opel-Programm spiel­te. Die Vierzylinder sind im positiven Sinne anspruchslos und bei guter Wartung langlebig, Verschleißteile und Nebenaggregate günstig, Platzangebot sowie Komfort selbst im Coupé langstreckentauglich, und das Fahrverhalten ist frei von Tücken. Hoch soll er leben!