Reparatur & Wartung

Lack und Rost entfernen: Diese Verfahren gibt es

Rost und Korrosion kann man bei Reparatur und Restaurierung mit unterschiedlichen Verfahren – vom Tauchbad bis zur Strahlkabine – zu Leibe rücken. Diese Möglichkeiten zum Lack und Rost entfernen gibt es!

(1/14)
Eine im Tauchbad entlackte und entrostete 911-Karosserie
Eine im Tauchbad entlackte und entrostete 911-Karosserie bietet optimale Voraussetzungen für den perfekten Wiederaufbau. Foto: AZ Archiv
Ein korrodierter Schweller.
Selbst hartnäckiger Rostfraß hat im Entrostungsbad keine Chance. Die Schweller müssen zuvor aber geöffnet werden. Foto: AZ Archiv
Karosserie, Hauben und Türen werden per Kran ins Tauchbad eingebracht.
Karosserie, Hauben und Türen werden per Kran ins Tauchbad eingebracht. Entlacken und Entrosten trennen sich in zwei Vorgänge. Foto: AZ Archiv
Karosserie-Instandsetzung
Nach Abschluss der Karosserie-Instandsetzung kann als Korrosionsschutz eine KTL-Beschichtung im Tauchbad erfolgen. Foto: AZ Archiv
Der Anlasser eines Porsche 356
Der voll funktionsfähige Anlasser eines Porsche 356 nach etwa 50 Jahren Standzeit. Kein Fall fürs Bad oder die Strahlkabine. Foto: AZ Archiv
Abgebeizter Anlasser
Der Auftrag der Abbeizpaste erfolgt mit einem Pinsel. Schon nach wenigen Minuten löst sich der alte Lack rückstandsfrei ab. Foto: AZ Archiv
Der abgebeizte Anlasser.
Der Anlasser roh und nackt. Etwaige Korrosionsstellen werden schonungslos offengelegt und können behandelt werden. Foto: AZ Archiv

Der Anlasser roh und nackt. Etwaige Korrosionsstellen werden schonungslos offengelegt und können behandelt werden. Foto: AUTO ZEITUNG Archiv

Der restaurierte Anlasser im Motorraum.
Lackiert präsentiert sich der Anlasser wie neu. Ein Kleinod ist der Anlassmagnetschalter mit seinen Pertinax-Isolierungen. Foto: AZ Archiv
In der Strahlkabine wird eine Mercedes-SL-Karosserie gestrahlt
In der Strahlkabine wird einer Mercedes-SL-Karosserie zu Leibe gerückt. Als Strahlgut können hierbei unter anderem Soda, Kunststoffgranulat und Sand eingesetzt werden. Foto: Carblast Foto: AZ Archiv
Hinterer Scheibenrahmen eines 911 Carrera RS.
Sowohl nach dem Tauchbad-Entlacken und -Entrosten als auch nach dem Strahlen offenbaren sich die Rostschäden in ihrer vollen Dramatik. Foto: AZ Archiv
Hinterer Scheibenrahmen eines 911 Carrera RS.
Am hinteren Scheibenrahmen dieses 911 Carrera RS wurde die zerfressene Roststelle zunächst herausgetrennt und dann ein Reparaturblech eingesetzt. Foto: AUTO ZEITUNG Archiv Foto: AZ Archiv
Rotierende Stahlbürste.
Kleinere Roststellen können in Eigenregie auch mit einer rotierenden Stahlbürste angegangen werden. Foto: AZ Archiv
Die entrostete Korrosionsstelle.
Mikrofeine Rostpartikel bleiben jedoch zurück, weshalb sich der anschließende Einsatz eines Rostumwandlers empfiehlt.
Ratgeber Oldtimer Rost Restaurierung Bilder Trockeneis Technik
Trockeneisstrahlen ist schonend und eignet sich besonders zum Reinigen empfindlicher Partien – wie etwa eines intakten, aber verschmutzten Unterbodens. Foto: AUTO ZEITUNG Archiv Foto: AZ Archiv

Trockeneisstrahlen ist schonend und eignet sich besonders zum Reinigen empfindlicher Partien – wie etwa eines intakten, aber verschmutzten Unterbodens.

Der ärgste Feind unserer geliebten Klassiker ist zweifellos die braune Pest. Kaum merklich beginnt sie ihren Fraß in entlegenen Winkeln, und wenn sich an der Außenhaut die ersten dicken Rostblasen zeigen, sieht es weiter drin in Karosserie und Chassis manchmal schon düster aus. Oft sind Teilreparaturen möglich, mitunter bleibt aber nur der mühsame Weg einer Komplettrestaurierung.

Im einen wie im anderen Fall gilt es, den Rost gründlich und möglichst rückstandslos zu entfernen, soll das Vorhaben gelingen. Denn auf Rost lässt es sich weder schweißen, noch haften Zinn, Grundierung und Lack daran. Deshalb haben sich verschiedene Verfahren zur Entfernung von Lack und Rost etabliert. Grundsätzlich gilt: Das eine und allgemein richtige Verfahren gibt es nicht. Oft ist es die Kombination verschiedener Techniken, die den gewünschten Erfolg bringt.

Lack und Rost entfernen im Tauchbad

Hat man die Komplettrestaurierung einer von starker Korrosion heimgesuchten Preziose wie einem frühen Porsche 911 vor sich, ist das Entlacken im Tauchbad meist erste Wahl. Das Entlackungsmittel besteht aus einer Mischung aus Lauge, Wasser und Entlackungsverstärkern und durchdringt die Lackschicht. Bei einer Temperatur von 80 °C kommt es zu einer Aufquellung der Lackschicht, einer chemischen Zerstörung des Bindemittels und einer Entfernung des Lacks.

Sind nach der Entlackung verrostete Blechteile sichtbar, wird eine Entrostung notwendig. Entrostet wird ebenfalls im Tauchbecken bei 40 bis 50 °C. Dazu wird ein phosphorsäurehaltiges Entrostungsmittel verwendet. So wird der Rost entfernt, die Metallteile werden jedoch nicht angegriffen, und die Phosphorsäure verhindert eine Bildung von korrosiven Rückständen auf dem Metall. Als Alternativen stehen beim Tauchentlacken bereits Verfahren mit pH-neutralen Lösemitteln an, die das gleichzeitige Entlacken von Stahl und Aluminium erlauben.

Korrosionsschutz dank KTL-Beschichtung

Blitzblank präsentiert sich eine so entlackte Karosserie und bietet damit optimale Voraussetzungen für einen perfekten Wiederaufbau. Schweißarbeiten sowie das anschließende Verzinnen gelingen unter solchen Voraussetzungen perfekt. Nach Abschluss dieser Karosseriearbeiten kann die Karosserie – ebenfalls im Tauchbad – einer sogenannten KTL-Beschichtung unterzogen werden. Bei dieser elektrolytischen Kathoden-Tauch-Lackierung (KTL) bildet das Werkstück – in diesem Fall die Karosserie – den Minuspol (Kathode) für den Stromkreis. Vereinfacht dargestellt transportiert der Strom, der von der Anode (Pluspol) zur Karosserie (Kathode) fließt, die elektrisch geladenen Lackteilchen, die sich dann auf der Karosserie niederschlagen. 

Erst nach dieser KTL-Beschichtung beginnen dann die finalen Feinarbeiten an der Karosserie zur Lackiervorbereitung. Alternativ zum KTL-Bad kann freilich auch der ganz klassische Weg der Nachbehandlung über eine Rostschutzgrundierung gewählt werden. Eine weitere Möglichkeit, eine rückstandsfreie Metalloberfläche zu erhalten, ist das Strahlen. Mittlerweile etabliert ist das Strahlen mit Natriumhydrogencarbonat, landläufig als Soda bekannt.

Strahlen mit Soda, Sand oder Kunststoff

Beim Strahlen mischt die Strahlanlage Wasser dazu, was einerseits ein noch besseres Strahlergebnis liefert und gleichzeitig eine Staubentwicklung unterbindet. Auch dieses Ergebnis kann sich sehen lassen, denn das Strahlen mit Soda ist wirkungsvoll und schonend zugleich. Blitzblank präsentiert sich dann auch hier die Karosserie, und Eingriffe in die Oberflächenstruktur, wie sie beim Sandstrahlen entstehen, bleiben aus. Allerdings kann Soda-Strahlen Rost nicht beseitigen.

Daher werden die verrosteten Partien in einem zweiten Strahlvorgang mit einem abrasiven Strahlgut wie Kunststoff- oder Glasperlen behandelt. Auf klassischen Sand wird beim Sandstrahlen in der Regel nicht mehr zurückgegriffen, da er auf der behandelten Oberfläche Strukturen hinterlassen kann, die im Nachhinein erneut entfernt werden müssen. 

Lack entfernen mithilfe von Beizpaste

Ein wie das Strahlen mit Soda schonendes Verfahren zur Entlackung stellt das chemische Abbeizen mit Paste dar. Es wird bevorzugt für Teile gewählt, denen man weder Tauchbad noch Strahlkabine zumuten kann – etwa bei einem funktionsfähigen Anlasser. Die Abbeizpaste wird zielgerichtet mit dem Pinsel aufgetragen, und bereits nach wenigen Minuten lösen sich die Lackschichten ab.

Anschließend können freigelegte Korrosionsstellen behandelt werden – etwa mit einer rotierenden Drahtbürste. Im Fall des beispielhaft in der Bildergalerie gezeigten Anlassers begeistert das Abbeiz-Ergebnis auch insofern, dass sich der Anlassmagnetschalter selbst nach mehr als 50 Jahren praktisch im Neuzustand präsentiert – inklusive der Isolationsscheiben aus Pertinax.

Bei kleinen Rostpartien eignet sich freilich auch der Einsatz einer rotierenden Stahlbürste für Bohrmaschine oder Winkelschleifer. Je tiefer der Rostfraß jedoch ausgebildet ist, desto weniger effektiv ist diese Methode. Kleinste Rosteinlagerungen bleiben meist erhalten, weshalb sich anschließend die Behandlung mit einem Entroster wie FeDox beziehungsweise einem Rostumwandler wie Fertan oder Brunox anbietet.

Der Klassiker: Das Trockeneisstrahlen

Last but not least sei das Trockeneisstrahlen erwähnt. Es wird gern zur Reinigung von empfindlichen Bereichen wie Motorräumen oder Unterböden eingesetzt. Das feste Kohlenstoffdioxid mit einer Temperatur von –78,9 °C trifft dabei auf der Oberfläche auf, geht schlagartig in den gasförmigen Zustand über und sprengt die Schmutzpartikel auf diese Weise förmlich ab. Das Ergebnis ist eine saubere, strukturell unveränderte Oberfläche, die anschließend notwendige Arbeiten perfekt offenbart. Da Trockeneis sehr schonend arbeitet, kann sogar manch empfindliches Elektrobauteil auf diese Art gereinigt werden.

Fazit

Ob Entlacken und Entrosten im Tauchbad mit anschließender KTL-Behandlung, Strahlen mit Soda, Kunststoffgranulat, Glasperlen oder Trockeneis – die einsetzbaren Mittel sind vielfältig. Mitunter sind sie auch vom Fahrzeug selbst abhängig, wie das Beispiel Porsche 911 zeigt. Dessen hartnäckiger PVC-Unterbodenschutz macht das Tauchbadentlacken hier zum Mittel der Wahl. Wie effektiv dieses Verfahren arbeitet, zeigt allein der Gewichtsverlust einer Elfer-Karosserie von satten 19 kg. Die Strahlverfahren haben ihre Berechtigung besonders dann, wenn es sich um spröde und gut strahlbare Lackoberflächen handelt. Und für Kleinteile bietet sich die Strahlbox ohnehin an. Wer Bauteile weder Tauchbad noch Strahlkabine aussetzen will, der findet im manuellen Abbeizen mit Paste die richtige Lösung.