Nissan Leaf/Toyota Prius PHEV: Vergleichstest Vollzeit-Stromer gegen Plug-in-Hybrid

von Elmar Siepen 24.01.2020
Inhalt
  1. Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Gute Sitze im Toyota Prius Plug-in Hybrid
  3. Motor/Getriebe: Nissan Leaf mit kräftigerem Antritt
  4. Fahrdynamik: Toyota Prius Plug-in Hybrid mit präziserer Lenkung
  5. Umwelt/Kosten: Geringere Betriebskosten mit dem Nissan Leaf
  6. E-Autos und Reichweite?
  7. Messwerte & technische Daten: Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid

Plug-in-Hybride oder Vollzeit-Stromer: Welches Konzept ist besser? Eine Antwort liefert der Vergleichstest von Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid!

Gesamtbewertung (max. Punkte)Nissan LeafToyota Prius
Plug-in Hybrid
Karosserie (1000)529512
Fahrkomfort (1000)758744
Motor/Getriebe (1000)661621
Fahrdynamik (1000)521493
Eigenschaftswertung (4000)24692370
Kosten/Umwelt (1000)419413
Gesamtwertung (5000)28882783
Platzierung12

Zum Vergleichstest zwischen dem Nissan Leaf und dem /Toyota Prius Plug-in Hybrid lässt sich festhalten: die Verunsicherung ist groß. Zwar steigt die Anzahl an Ladesäulen ständig, Schnelllader sind aber immer noch Mangelware. Auch fehlt immer noch ein einheitliches Bezahlsystem, was den Weg zur nächsten passenden Ladestation durchaus unnötig verlängern kann. So bleibt die Frage nach der Reichweite immer noch die wichtigste bei der Entscheidung für oder gegen einen Vollzeit-Stromer. Einen Ausweg bieten moderne Plug-in-Hybride. Diese fahren zwar nicht durchgängig lokal emissionsfrei, können aber auf einen klassischen Verbrenner mit konventionellem Kraftstoffvorrat zurückgreifen, sobald die elektrische Energie aus der Fahrbatterie aufgebraucht ist. Doch was leisten sie im Auto-Alltag sonst noch? Um diese Frage zu klären, warten auf dem Redaktionsparkplatz zwei Vertreter beider Richtungen: das reine Elektroauto mit 40-kWh-Batterie Nissan Leaf und der Toyota Prius Plug-in Hybrid. Beide differieren im Listenpreis lediglich um 400 Euro (Nissan: 36.800 Euro, Toyota: 37.200 Euro). Grund genug, einmal im Vergleichstest ganz genau hinzuschauen.

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Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid im Vergleichstest

Dass die Karosserie des Toyota Prius Plug-in-Hybrids gegenüber der konventionellen Hybrid-Variante 10,5 Zentimeter länger ist, spüren die Insassen kaum. Das Raumgefühl wird im Kopfbereich – hier vor allem im Fond – durch die Dacheinzüge beeinträchtigt. Vorn wirkt der Nissan durch sein weniger stark in den Knieraum hineinragendes Armaturenbrett etwas luftiger. Das Standard-Gepäckabteil fällt im Nissan Leaf mit 435 Litern deutlich größer aus als das des Toyota mit 360 Litern (max. Volumen Nissan: 1176, Toyota: 1204 Liter). Durch die unter dem Kofferraum montierte Lithium-Ionen-Batterie fällt der Laderaum des Prius unter der Heckklappe aus Karbonfaser-verstärktem Kunststoff zudem recht flach aus. Dazu passt die mit 316 Kilogramm recht geringe Zuladung (Nissan: 435 Kilogramm). Im Vergleich wirkt das Material im Detail beim Toyota Prius Plug-in Hybrid etwas hochwertiger. Der Nissan Leaf wiederum gefällt  im Vergleichstest mit besserer Bedienung, denn sein Navi rechnet schneller und auch die Telefonkoppelung verläuft zügiger als bei seinem Konkurrenten.

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Fahrkomfort: Gute Sitze im Toyota Prius Plug-in Hybrid

Mit seinen strafferen Sitzpolstern und guten Oberschenkelauflagen bettet der Toyota Prius Plug-in-Hybrid seine Passagiere vorn wie hinten deutlich besser als der Nissan Leaf, denn dessen vergleichsweise hoher Fahrzeugboden lässt Mitfahrer mit ziemlich stark angewinkelten Beinen sitzen. Beim Vergleichstest fällt unterwegs auf, dass sich die Nissan-Armaturen besser ablesen lassen als die seines Testgegners. So wirkt das kleine Display des Prius in der Armaturenbrettmitte unterhalb der Windschutzscheibe mit Anzeigen überfrachtet, die zudem entsprechend klein ausfallen. Auch die fußbetätigte Feststellbremse wirkt etwas antiquiert. Beim Geräuscheindruck schneidet der rein elektrisch fahrende Leaf besser ab als der Toyota. Dessen stufenlos arbeitendes Getriebe sorgt dafür, dass Gaspedalbewegungen vom Motor erst mit einer Drehzahlerhöhung beantwortet werden, bevor der Toyota dann mit meist konstanter Drehzahl Fahrt aufnimmt. Das ist weit weniger aufdringlich als in früheren Prius-Generationen, aber immer noch gewöhnungsbedürftig. Auch dringen auf schlechten Straßen vereinzelt Poltergeräusche an die Insassenohren. Hier fällt die sehr komfortorientierte Feder-Dämpfer-Abstimmung des Nissan Leaf auf. Er federt zwar relativ sensibel an – auf größeren Unebenheiten aber wankt die Karosserie und überschreitet mit ihrer Schaukelei leicht die Wohlfühlgrenze der Passagiere. Die Vergleichsfahrt mit dem Prius zeigt, dass der Toyota hier mit weitaus weniger Aufbaubewegungen agiert.

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Motor/Getriebe: Nissan Leaf mit kräftigerem Antritt

Die im Wagenboden untergebrachte 40-kWh-Lithium-Ionen-Batterie des Nissan Leaf lässt sich an einer CHAdeMO-Ladestation binnen einer Stunde von 20 auf 80 Prozent aufl aden. An der Wallbox werden 100 Prozent nach 7,5 Stunden erreicht. Der Stromspeicher versorgt die 110 kW (entspricht 150 PS) leistende E-Maschine des Leaf. Ihre 320 Newtonmeter Drehmoment sorgen für einen erfreulich kräftigen Antritt und eine durchgängig druckvolle Beschleunigung, lediglich untermalt von einem zurückhaltenden singenden Ton. So vergehen bei Bedarf nur 8,3 Sekunden bis zum Erreichen der 100-km/h-Marke. Die Höchstgeschwindigkeit wird allerdings schon bei 144 km/h abgeregelt. Das ist aber auch das einzige Manko, denn ansonsten verspürt man in keiner Situation des Verkehrsalltags einen Leistungsmangel. Der ermittelte Testverbrauch von 18,4 Kilowattstunden auf 100 Kilometer hält sich erfreulicherweise im klassenüblichen Rahmen. Der Toyota Prius Plug-in Hybrid setzt antriebsseitig auf einen 1,8 Liter großen Vierzylinder-Saugmotor mit 98 PS, der über das leistungsverzweigte Planetengetriebe mit einem 68 kW starken Elektromotor interagiert, der sich aus einer 8,8-kWh-Batterie speist. Es ist faszinierend, wie geschmeidig Verbrenner und E-Motor entweder wechselseitig oder zusammen arbeiten. Geruckel beim Wechsel von E-Motor zu Verbrenner und umgekehrt? Fehlanzeige. Doch kann der Prius mit seinen 122 PS Systemleistung nicht den gleichen Schub bieten wie der Leaf. Das macht sich im Vergleichstest bei der Beschleunigungsmessung deutlich bemerkbar, wo der Toyota über drei Sekunden auf den Nissan verliert. Dafür liegt seine Höchstgeschwindigkeit mit 162 km/h deutlich höher, was längere Strecken spürbar verkürzt. Dann allerdings hat es sich ausgespart, weil dann nur noch der Verbrenner läuft. Rein elektrisch sind 135 km/h drin. Beim Testverbrauch, den das AUTO ZEITUNG-Team bei Plug-in-Hybriden als Mittelwert aus jeweils einer Fahrt mit voller und leerer Batterie ermittelt, konsumierte der Prius lediglich 3,9 Liter Super und 3,6 kWh Strom auf 100 Kilometer. An der Haushaltssteckdose ist die Batterie nach 3,5 und an der Wallbox nach zwei Stunden wieder voll geladen.

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Fahrdynamik: Toyota Prius Plug-in Hybrid mit präziserer Lenkung

Autos dieses Schlages sind nicht auf ein Maximum an Fahrdynamik konstruiert. Da machen Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid in diesem Vergleichstest keine Ausnahme. Der komfortorientierte Nissan bevorzugt eher die gemächliche Gangart. Soll es zügiger zugehen, kämpft er in Kurven wie schon bei der Komfort-Prüfung mit allerlei Wank- und Schaukelbewegungen, was zusammen mit der teigigen Lenkung eine präzise Linie vereitelt. Hinzu kommt eine ausgeprägte Tendenz zu Lastwechselreaktionen, bei denen das ESP alle Hände voll zu tun hat, den Leaf auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Da ist der Toyota aus ganz anderem Holz geschnitzt. Er lässt sich im Vergleichstest deutlich präziser dirigieren, weil er in Kurven weniger Karosseriebewegungen produziert und auch eine rückmeldefreudigere Lenkung besitzt. Doch tendiert er früh zu stoischem Untersteuern, was schlechtere Slalom- und Handlingzeiten zur Folge hat und am Ende weniger Punkte in der Bewertung. Auch die Bremswege des Prius dürften kürzer sein, was besonders der Warmbremswert von 40 Metern zeigt.

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Umwelt/Kosten: Geringere Betriebskosten mit dem Nissan Leaf

Beim Kauf gewähren Vater Staat und die jeweiligen Hersteller eine Prämie in Höhe von zusammen 3000 Euro für Plug-in-Hybride und 4000 Euro (Stand: Herbst 2019) für reine Elektrofahrzeuge. Werden diese Zuwendungen berücksichtigt, kostet der Nissan Leaf immer noch 32.800 Euro, der Toyota Prius Plug-in Hybrid 34.200 Euro – für Kompaktwagen immer noch eine schöne Stange Geld. Das Sparen beginnt also erst beim Fahren durch die niedrigen Strom- beziehungsweise Kraftstoffkosten in Folge der geringen Verbräuche. Da der Nissan ausschließlich Strom konsumiert, verursacht er die geringeren Betriebskosten und gewinnt im Vergleichstest dieses Kapitel. Die Wertverluste und die Werkstattkosten von Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid liegen erwartungsgemäß etwas unter denen von vergleichbaren Kompaktautos.

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E-Autos und Reichweite?

Der Vergleichstest zeigt eindeutig: Mit der kleinsten Batterie (40 kWh) erfordert der Nissan Leaf eine sorgfältige Planung der Fahrtstrecken. Denn die Reichweite betrug im Test unter nahezu idealen Witterungsbedingungen gerade einmal 217 Kilometer. Da sollten Ladestationen sowie Zeitpuffer für Ladezeiten vorhanden sein. Sorgloser sind die Fahrer des Toyota Prius Plug-in-Hybrid unterwegs. Die rein elektrische Reichweite betrug im Test bei voller Batterie beachtliche 46 Kilometer und mit dem 43-Liter-Tank kommt der sparsame Benziner satte 1102 Kilometer weit – weiter als mancher Diesel. Deshalb funktioniert abgasarmes Fahren ohne Reichweiten-Angst im Prius besser.

 

Messwerte & technische Daten: Nissan Leaf und Toyota Prius Plug-in Hybrid

AUTO ZEITUNG 19/2019Nissan LeafToyota Prius
Plug-in Hybrid
Technik
E-MotorSynchron-ElektromotorR4/4; Synchron-Elektromotor
BatterieLithium-Ionen-Batterie/40 kWhLithium-Ionen-Polymer-Batterie/8,8 kWh
Gesamtleistung110 kW/150 PS90 kW/122 PS
Max. Drehmoment E-Motor320 Nm203 Nm
Getriebe/AntriebKonstantübersetzung/
Vorderrad
Planetengetriebe, leistungsverzweigt/
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Test/Werk)1470/1560 kg1530/1541 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h8,3 s11,4 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)144 km/h162 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
38,9/38,0 m38,7/40,0 m
Verbrauch/100 km (Test/WLTP)18,4/20,6 kWh3,9 l S & 3,6 kWh /
1,2 l S & 29 g CO2/km
Reichweite (Test)217 km1102+46 km
CO2-Ausstoß (Test*/WLTP)87,2/0 g/km109/29 g/km
Preise
Grundpreis**32.800 Euro
(36.800 Euro)
34.200 Euro
(37.200 Euro)
Testwagenpreis33.795 Euro34.200 Euro
*474 g CO2 pro Kilometer, gemäß dem deutschen Strommix 2018, Quelle: Umwelt Bundesamt
** Grundpreis abzgl. der Förderprämie von 4000 Euro für vollelektrische Fahrzeuge und 3000 Euro für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, offizielle Listenpreise in Klammern

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Mit dem aktuellen Toyota Prius Plug-in Hybrid haben die Japaner ein Auto auf die Räder gestellt, dass eine konsequente Ausrichtung auf Umweltfreundlichkeit verspricht. Der niedrige Verbrauch löst dieses Versprechen ein. Hinzu kommen eine, dank der hohen Reichweite uneingeschränkte Alltagstauglichkeit und ein ordentlicher Federungskomfort. Dass der Prius in diesem Vergleichstest dem Nissan Leaf aber den Vortritt lassen muss, liegt unter anderem darin begründet, dass der Vollzeit-Stromer sich nicht nur einfacher bedienen lässt und über eine bessere Ergonomie verfügt, sondern auch einen kürzeren Warmbremsweg erzielt. Sein höheres Drehmoment und sein ungemein kräftiger Antritt sorgen für bessere Sprintwerte. Die kleine Batterie des Leaf schränkt seinen Radius allerdings stark ein.

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