Neuer Porsche Cayenne (2017): Erste Testfahrt Neuer Cayenne mit noch mehr Pfeffer

von Thomas Geiger 27.10.2017
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen Porsche Cayenne (2017)
  2. Cayenne übernimmt Parts aus dem Panamera
  3. Neuer Cayenne macht SUV mehr zum "Porsche"

Der neue Porsche Cayenne (2017) will wieder mehr zum Kern der Marke zurückkehren und auch als SUV mehr Sportwagen sein. Die Fahreindrücke der ersten Testfahrt zeigen, dass dem Porsche der Spagat zwischen den Segmenten gelingt.

Aller guten Dinge sind drei: Nach diesem Motto bringen die Schwaben jetzt den neuen Porsche Cayenne (2017) an den Start. Zwar hat es auch schon den ersten beiden Generationen nicht an Erfolg gemangelt – nicht umsonst haben die Schwaben davon in 15 Jahren über 770.000 Autos verkauft. Doch selbst die Flut der noblen Geländewagen hat die Kritiker nicht vollends verstummen lassen. Neben der Grundsatzfrage nach dem Sinn eines SUV bei einem Sportwagenhersteller gab es auch sonst noch genügend Ecken und Kanten, an denen sich die Porsche-Gemeinde reiben konnte – vom pummeligen Design der ersten Generation bis zum Dieselproblem der zweiten. Doch wenn der neue Porsche Cayenne (2017) Ende des Jahres von zunächst 74.828 Euro aufwärts an den Start geht, wollen die Württemberger das alles vergessen machen. Deshalb sieht der neue Cayenne nicht nur ein bisschen mehr nach Sportwagen aus, er fährt auch so: Mit Mischbereifung wie beim 911er, mit einer neuen Dreikammer-Luftfederung, zum ersten Mal mit einer Hinterachslenkung und mit einem Wankausgleich durch rasend schnelle 48-Volt-Steller kommt er schneller um die Kurven als die Konkurrenz und bietet auf der Autobahn trotzdem noch einmal mehr Komfort. Zurück zu den Wurzeln, lautete das inoffizielle Motto der Entwickler, die den neuen Porsche Cayenne (2017) so kräftig nachgepfeffert haben, dass er näher an den Markenkern kommt und sich fährt wie ein Elfer auf Stelzen.

Porsche Cayenne (2017) auf Abnahmefahrt (Video):

 
 

Erste Testfahrt im neuen Porsche Cayenne (2017)

Schon der drei Liter große V6 schindet mächtig Eindruck und wenn man statt des Basismodells mit 340 PS in den neuen Porsche Cayenne S (2017) mit 440 PS steigt, verlangt man gar nicht nach mehr. Doch wer zum ersten Mal mit dem 550 PS starken Turbo unterwegs ist, dem kommen Zweifel an den Grenzen der Physik. Bei den drei Motoren soll es freilich nicht bleiben. Allen Unkenrufen zum Trotz kommt natürlich auch wieder ein Diesel und genau wie beim Panamera wird es vermutlich gleich zwei Leistungsstufen für den Hybrid geben. Zwar kehrt Porsche beim neuen Cayenne (2017) mehr denn je den Sportwagenhersteller heraus, zugleich werden aber auch die praktischen Talente gefördert: Der Kofferraum wächst um 100 auf 770 bis 1710 Liter und die Rückbank ist mit 16 Zentimetern Verschiebeweg und zehn Rasten für die Neigung der Lehne variabler als bei vielen Kombis. Es gibt natürlich Gestensteuerung für die Heckklappe und jede Menge anderer elektronischer Gimmicks. Und wer sich mit dem 100.000 Dollar-Ding tatsächlich ins Gelände wagt, dem hilft neben dem elektronisch geregelten Allrad mit diversen Fahrprofilen, der mit der Luftfederung variablen Bodenfreiheit und den kurzen Übergängen nun auch eine Offroad-App wieder heraus, die sich an der Trainingssoftware für die GT-Sportwagen orientiert.

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Cayenne übernimmt Parts aus dem Panamera

Genau wie die letzten beiden Generationen teilt sich auch der neue Porsche Cayenne (2017) eine Plattform mit den großen Konzernmarken und ist deshalb ein enger Verwandter von Audi Q7 oder Bentley Bentayga. "Wir haben viel dafür getan, damit der Kunde das nicht spürt," sagte Peter Haß, Teamleiter der Gesamtfahrzeugerprobung, schon bei der letzten Abnahmefahrt. Deshalb hat Porsche nicht nur die Software von Steuerung und Federung neu programmiert, sondern auch die Hardware angefasst – die Achsen und den jetzt als Hangon-System konzipierten Allrad inklusive. Das Interieur dagegen erinnert an den Panamera: Es gibt jetzt genau wie in allen anderen neuen Baureihen das kleine Drehrad am Lenker, das wie das Mannettino bei Ferrari die Fahrprofile verändert und leider noch immer ein bisschen billig aussieht. Es gibt wie beim Audi ein digitales Display dahinter, das aber – so viel Ehre erbietet Porsche der Erinnerung an den Sportwagenhersteller dann doch noch – von einem analogen Drehzahlmesser überlagert wird. Und genau wie im Gran Turismo prangt daneben ein riesiger Touchscreen, der nach unten hin von den großen Sensorfeldern auf dem Mitteltunnel abgerundet wird. Das sieht selbst dann nach Panamera aus, wenn es weniger stark geneigt ist und man die Lüfterdüsen hier – Schock! – tatsächlich noch von Hand verstellen muss, statt sie mit einem Fingerzeig zu steuern.

Porsche Cayenne III (2017)
Die Neuauflage des Cayenne rückt das SUV nährer an den 911 und entspricht wieder stärker dem Kern der Sportwagen-Marke. © Porsche
 

Neuer Cayenne macht SUV mehr zum "Porsche"

Ein bisschen eleganter als bisher und sehr viel sportlicher, gleichzeitig praktischer und näher an einem Kombi denn je – es hat zwar ein bisschen gedauert, aber so langsam steht Porsche den Spagat zwischen den Segmenten wirklich glaubwürdig. Und in Zeiten, in denen selbst Ferrari über ein SUV nachdenkt, macht den Schwaben sicher längst niemand mehr einen Vorwurf, dass sie sich von ihrem Kerngeschäft entfernt haben. Und falls doch, hat der neue Porsche Cayenne (2017) demnächst auch darauf eine Antwort. Denn bald bringt Porsche das SUV zum ersten Mal auch als Coupé – und damit noch näher zurück an den Elfer.

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