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Geht auch ganz einfach:

Neuer Lightyear 0 (2022): Erste Testfahrt Elektrisierende Runde im Lightyear 0

Thomas Geiger 24.06.2022
Inhalt
  1. Erste Testfahrt im neuen Lightyear 0 (2022)
  2. Neuer Lightyear 0 (2022) federt komfortabel
  3. Effizienz ist die große Stärke des neuen Lightyear 0 (2022)
  4. Technische Daten des Lightyear 0 (2022)

Der neue Lightyear 0 (2022), gesprochen "Zero", steht als Prototyp für eine erste Testfahrt bereit. Und das Solarauto beeindruckt auf Anhieb – trotz seiner kompromisslosen Konstruktion!

Lex Hoefsloot strahlt über das ganze Gesicht, als wir für die erste Testfahrt im neuen Lightyear 0 (2022) erscheinen. Je gleißender die Sonne vom Himmel brennt, desto breiter wird sein Grinsen und der Holländer denkt nicht im Traum daran, sich in den Schatten zu stellen. Schließlich ist er genau deshalb in die Gluthitze von Tudela nach Spanien gekommen. Denn mit seinen gerade 31 Jahren ist er der Chef des holländischen Start-ups Lightyear und bittet zur Jungfernfahrt im ersten serienreifen Solarauto der Welt. "Zero" heißt die vornehme Flunder im Format von Lucid Air und Tesla Model S, die das Elektroauto mindestens eine Generation weiterbringen will, weil Ladestopps in der Vorstellung der Macher:innen künftig nur noch alle 1000 Kilometer nötig werden. Profitieren werden davon allerdings erst einmal nur ein paar Auserwählte. Zwar träumt Hoefsloot schon von einem Massenmodell im Format von VW ID.4 oder Fisker Ocean für etwa 30.000 Euro, das zur Mitte der Dekade in sechsstelligen Stückzahlen starten soll. Doch fürs Erste kostet der neue Lightyear 0 (2022), den Valmet in Finnland weitgehend von Hand zusammenbaut, mindestens 250.000 Euro (Stand: Juni 2022) und wird höchstens 946 Mal produziert – weil das die ersten drei Stellen der Lichtgeschwindigkeit sind, erläutert Technikchef Arjo van der Ham mit einem Augenzwinkern. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Erste Testfahrt im neuen Lightyear 0 (2022)

Dafür gibt es beim neuen Lightyear 0 (2022) allerdings auch ein Technikpaket, das selbst ein zukunftsgewandtes Forschungsauto wie den Mercedes EQXX ziemlich als aussehen lässt, wie wir im Rahmen der ersten Testfahrt feststellen. Denn mit den in unseren Breiten im Schnitt 40 bis 50 Sonnen-Kilometern pro Tag, die der Lightyear mit seinen fünf Quadratmetern Solarzellen vom Himmel holt, wollten sich die Entwickler:innen nicht begnügen. Ihr Ziel war maximale Effizienz, der sie so ziemlich alles untergeordnet haben: Das beginnt beim Interieur, das bei über fünf Metern Länge zwar geräumig ist und bequemen Platz für vier Erwachsene und 640 Liter Gepäck bietet, sich neben dem standesgemäßen Leder aber auch die üblichen Bildschirmlandschaften spart, auf Spielereien wie eine Ambientebeleuchtung oder eine Raumbeduftung verzichtet und die Insass:innen auf ganz gewöhnliche Sitze ohne Klimatisierung und Massage bittet. Das Panoramadach verbietet sich natürlich auch von selbst, wenn die solare Nutzfläche maximiert wird. Das gilt aber auch für die Aerodynamik, die mit voll verkleideten Reifen, geschlossenen Radhäusern am Heck, Kameras statt Spiegeln und einer schlanken Grundform auf einen cw-Wert von 0,19 kommt und damit den EQS als aktuellen Windkanal-Champion unter den Serienautos vom Thron holt. Es gilt sogar für das Gewicht, das mit nicht mal 1,6 Tonnen jede konventionelle Limousine zum Panzer stempelt – von elektrischen Konkurrenten vom Schlage eines BMW i7 oder Lucid Air ganz zu schweigen. Und das gilt nicht zuletzt für den Antrieb, der auf neue Inverter setzt und die Motoren für weniger Verluste von den Achsen erstmals in die Radnaben verlegt. Vor allem aber merkt man das an den Fahrleistungen, die so gar nichts gemein haben mit den hochgezüchteten Stromern, die sonst in dieser Preisklasse angeboten werden: Die vier Motoren leisten zusammen kaum mehr als 132 kW (180 PS). Trotz mehr als 1700 Newtonmeter gönnt sich der neue Lightyear 0 (2022) stolze zehn Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und wer bei diesem Auto auch nur annähernd Lichtgeschwindigkeit erwartet, dem steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, wenn schon bei 160 km/h wieder Schluss ist.

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Neuer Lightyear 0 (2022) federt komfortabel

Das ist auch der mit Abstand größte Unterschied, den man bei der ersten Testfahrt im neuen Lightyear 0 (2022) durch die spanische Hochebene spürt. Wo etwa der Lucid bei der Beschleunigung jedem Lamborghini die Schau stiehlt, lässt es der Lightyear eher gemächlich angehen und rollt entsprechend sanft an. Das gibt den Fahrer:innen, die gefühlt noch tiefer sitzen als etwa im Porsche Taycan und zu den Insass:innen eines EQS weit aufschauen müssen, die Gelegenheit für einen detaillierten Blick auf den Bildschirm des Bordcomputers, der in Echtzeit neben dem Verbrauch auch den Gewinn an Solarstrom anzeigt.  Je gelber das Auto einfärbt ist, desto mehr Energie liefern die vielen Hundert Zellen auf dem Blech. Dass man dafür auch auf die Heckscheibe verzichten muss und die Welt hinter dem Auto nur mit einer Kamera sieht, ist ein zumutbares Opfer. Dazu kommen noch ein paar Eigenheiten, die viele Prototypen haben. So stecken zwischen den veganen Polstern noch Zierkonsolen aus dem 3D-Drucker, die erst noch gegen das geplante Rattan-Holz ersetzt werden müssen. Der Wind pfeift noch überraschend laut ums Gebälk und das Lenkrad ist noch viel zu schwergängig, als dass der Ritt "auf" dem neuen Lightyear 0 (2022) ein leichter wäre. Doch immerhin ist das Fahrwerk schon ziemlich komfortabel und bügelt die allermeisten Widrigkeiten aus.

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Effizienz ist die große Stärke des neuen Lightyear 0 (2022)

Auf der ersten Testfahrt im neuen Lightyear 0 (2022) in spanischen Dörfern, wo schon seit Jahrzehnten keine Straßenbauer:innen mehr vorbeigekommen sind, klappt das schon ganz gut. Im Gewirr der Nebenstraßen rekuperiert der Lightyear bei langsamem Tempo so stark, dass die Bremse meistens Pause hat, lässt aber mit steigender Geschwindigkeit mehr Freilauf zu. Und wer die Regeneration ganz abschaltet, der spürt sofort, wie effizient der Wagen ist und minutenlang im Leerlauf dem Horizont entgegenrollt, ohne dass die Geschwindigkeit nennenswert abnimmt. Wie gut die Rechnung der Solar-Pionier:innen tatsächlich aufgeht, beweist der Blick ins Datenblatt: Der Verbrauch sinkt so auf 10,5 kWh pro 100 Kilometer und liegt noch unter dem Niveau elektrischer Kleinwagen. Schon ohne Sonne im Tank fährt der Zero im WLTP-Zyklus mehr als 600 Kilometer weit, rechnet der Technikchef vor. Weil das bei durchschnittlichen Mitteleuropäer:innen mehr als eine Woche reicht, kommen in dieser Zeit noch einmal über 300 Sonnen-Kilometer dazu, sodass Lightyear zurecht mit einer Alltagsreichweite von 1000 Kilometern kalkuliert. Damit entlastet der Zero neben dem Budget, der Zeitplanung und dem Gewissen der Kund:innen auch die öffentliche Infrastruktur: "Denn wenn Elektroautos seltener an die Steckdose müssen, brauchen wir auch nicht so viele Ladesäulen und können mit den vorhandenen Säulen mehr Fahrzeuge versorgen", sagt van der Ham. Angenehmer Nebeneffekt: Weil der neue Lightyear 0 (2022) so sparsam ist, reicht ihm eine mit 60 kWh vergleichsweise kleine Batterie, die dann wiederum leichter ist. Und weil an der Steckdose mehr Kilometer pro Minute rumkommen, können sich die Holländer:innen auch einen ebenso schweren wie teuren Lader sparen und sich zu Hause mit maximal 22 oder öffentlich mit gerade mal zu 60 kWh bescheiden.

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Technische Daten des Lightyear 0 (2022)

AUTO ZEITUNG 2022Lightyear 0
Technische Daten
Motor4 Radnabenmotoren
Getriebe/AntriebKonstantübersetzung; Allrad
Gesamtleistung132 kW/180 PS
Max. Drehmoment1720 Nm
Batterie-Kapazität60,0 kWh
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)5083/1972/1445 mm
Leergewicht/Zuladung1575/n.b. kg
Kofferraumvolumen640 l
Fahrleistungen (Werksangaben)
Beschleunigung (0-100 km/h)10,0 s
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Verbrauch auf 100 kmn.b.
Reichweite (WLTP)625 km
Kaufinformationen
Basispreis (Testwagen)250.000 Euro
Marktstart2022

Thomas Geiger Thomas Geiger
Unser Fazit

Perfekte Aerodynamik, eine strenge Diät, minimales Gewicht, maximale Effizienz und die Nutzung der Solarenergie – es gibt tatsächlich viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Lightyear Zero und dem Mercedes EQXX. Doch wo der EQXX wohl bald auf Nimmerwiedersehen im Museum verschwinden dürfte, ist ein Wiedersehen mit dem Zero garantiert, verspricht Hoefsloot: "Wer es ernst meint mit dem Sonnenstrom, der versteckt das Auto nicht in der Garage, sondern parkt es schließlich auf der Straße."

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