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Neuer Genesis G80 (2020): Erste Testfahrt Erste Test-Erfahrungen im Genesis G80

von Sven Kötter 21.05.2021

Der Deutschland-Start von Hyundais Premium-Tochter im Sommer 2021 naht: Vorab gehen wir mit dem neuen Genesis G80 (2020) auf eine erste Testfahrt.

Hyundai macht ernst und schickt mit dem neuen Genesis G80 (2020) eine ambitionierte Limousine in die von deutschen Herstellern dominierte Oberklasse. Wir prüfen deren Qualitäten auf einer ersten Testfahrt. Und gleich die erste Begegnung wird zu einem Aha-Erlebnis, das man bei den Südkoreaner:innen bestimmt gerne zur Kenntnis nehmen wird: Ein Nachbarsjunge läuft ekstatisch schreiend ums Auto, weil er den G80 für einen Bentley hält. Dass wir uns hier in einer ganz anderen Preisklasse bewegen – der G80 startet bei vergleichsweise schlanken 46.900 Euro (Stand: Mai 2021) – interessiert ihn nicht. Mit plattgedrückter Nase bestaunt er den Innenraum durch die Scheibe und raunt dabei "Boah, ist der luxuriös!" Vermutlich sind ihm die Bildschirme im Fond aufgefallen, die mehr nach S- als E-Klasse aussehen. Wir schwingen uns auf den Fahrersitz, der uns lautlos zurückgleitend empfängt, und blicken auf eine großzügig mit Leder verkleidete und gut verarbeitete Cockpitlandschaft. Beim dreidimensionalen Tacho bleibt unser Blick hängen. Das kennen wir zwar schon von Peugeot, doch es ist ein einmal mehr beeindruckender Effekt. Alle Schalter, die man regelmäßig benutzt, sind erstaunlich hochwertig ausgeführt. Das gilt ebenso für die teildigitale Klimabedieneinheit, die trotz der Bedienungsvielfalt nicht überfordert. Ein wenig anders sieht es beim Infotainment aus. Der riesige 14,5-Zoll-Breitbild-Touchscreen ist zwar reaktionsschnell, sitzt allerdings zu weit weg auf dem Armaturenbrett, um ständig mit dem Finger bedient zu werden. Diese Aufgabe übernimmt die meiste Zeit ein kreisrunder Dreh-Drück-Touch-Steller auf der Mittelkonsole. Die Eingabemöglichkeiten sind also vielfältig – Ungeübte würden sagen: komplex. Um die enorme Funktionsfülle, die dank Updates Over-the-Air sogar noch anwachsen könnte, zu erfassen, bieten sich ein paar Minuten im Stand an. Dabei lassen wir uns von den bequemen Sitzen des neuen Genesis G80 (2020) massieren. Definitiv vermissen tun wir USB-C-Anschlüsse. So lässt sich unser Smartphone mangels passendem Kabel lediglich induktiv laden. Auch auf Apple CarPlay und Android Auto müssen wir deshalb verzichten, das bislang nur kabelgebunden funktioniert.

Neuheiten Genesis G80 (2020)
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Der Genesis G80 (2020) im Video:

 
 

Erste Testfahrt im neuen Genesis G80 (2020)

Doch da es "Erste Testfahrt" heißt, erwecken wir den Motor des neuen Genesis G80 (2020) zum Leben – dies geht übrigens auch außerhalb des Autos: Dann lässt sich die Limousine sogar mit dem Schlüssel vor und zurück fernsteuern, um beispielsweise in enge Parklücken zu manövrieren. Im Testwagen sitzt ein 2,5 Liter großer Turbo-Vierzylinder-Benziner, der 304 PS entwickelt und über eine Achtstufen-Automatik serienmäßig an alle vier Räder schickt. Alternativ ist ein Vierzylinder-Diesel mit Hinterradantrieb im Programm. Auf Hybridisierung verzichtet Genesis, noch 2021 soll allerdings eine vollelektrische Variante des G80 nach Europa kommen. Der Benziner gefällt mit seinem feinen Geräuschkomfort und einer meist souveränen Motor-Getriebe-Kombination. Die Automatik arbeitet lediglich bei niedrigen Geschwindigkeiten mitunter unentschlossen. Auch beim Federkomfort verhaspelt sich die kamerabasierte Luftfederung des G80 zwischen komfortablem Anspruch und unnötiger Sportlichkeit. Daran ändern auch die komfortbetonten Fahrmodi Comfort und Eco nichts. Kurze Stöße dringen verstärkt durch und gestalten das Fahren unnötig unruhig. Gleiches gilt für die in der Mittellage gefühllose Lenkung und den dadurch nervösen Geradeauslauf, speziell bei höheren Geschwindigkeiten. Der Verbrauch des neuen Genesis G80 (2020) pendelt sich auf der ersten Testfahrt mit einem gemischten Fahrprofil bei exakt zehn Litern auf 100 Kilometern ein. Das ist einer fast fünf Meter langen und maximal ausgestatteten Limousine angemessen und lässt sich mit ein wenig mehr Zurückhaltung problemlos auch in einstellige Bereiche drücken.

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Neuer Genesis G80 (2020) mit 2,5-Liter-Turbobenziner

Ein weiterer Höhepunkt ist der Fond des neuen Genesis G80 (2020), der auf der ersten Testfahrt allerdings unbesetzt bleibt. Eigentlich schade, denn die elektrisch verstellbaren Sitze sind nicht nur beheiz- und belüftbar, sondern auch sehr bequem. Das Platzangebot ist in alle Richtungen großzügig, was den G80 zu einer ausgewiesenen Chauffeur-Limousine adelt. Zwei Touchscreens an den Rückenlehnen der Vordersitze samt Dreh-Drück-Touch-Steller auf der Mittelarmlehne dirigieren auf Wunsch das Navigations- oder Soundsystem, eine separate Klimazone rundet die Annehmlichkeiten im Fond ab. Anders, als es der elegante Dachschwung vermuten lässt, hat der G80 allerdings kein Fließheck, sondern eine kleine Kofferraumklappe, wie sie für Limousinen typisch ist. Der Kofferraum ist mit 424 Litern Ladevolumen vergleichsweise klein, lässt sich aber gut nutzen. Wegen der elektrisch verstellbaren Sessel im Fond beschränkt sich die Variabilität allerdings auf eine kleine Durchreiche zwischen den Sitzen. Damit alle Passagier:innen nicht nur bequem, sondern auch sicher an ihr Ziel kommen, sorgt ein ganzes Arsenal an Assistenzsystemen für Sicherheit im neuen Genesis G80 (2020). Bemerkenswert: Der sehr gut funktionierende Autobahnpilot mit adaptivem Tempomat und Lenkassistenten verlangte auf freier Strecke erst nach mehr als einer Minute nach einem Griff zum Lenkrad. Ein weiteres Highlight des umfassenden Genesis-Pakets ist ein Fünf-Jahre-Service-Paket samt "Personal Assistants", die sich um Dinge wie Wartungen und Leihwagen kümmern.

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von Sven Kötter von Sven Kötter
Unser Fazit

Ob Hyundai für den Mut mit dem neuen Genesis G80 (2020) belohnt wird, wird sich zeigen. Dass die Koreaner:innen ein gutes Auto auf die Räder gestellt haben, das nicht nur edel aussieht, sondern es auch ist, dürfte dem Image der Marke vom Start weg guttun. Wenn man die Komfort-Karte noch konsequenter ausspielen würde, könnte vielleicht sogar Bentley angesichts des koreanischen Kampfpreises ins Schwitzen kommen.

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