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Mercedes GLC F-Cell: Test GLC als Wasserstoff-Hybrid im Test

von Markus Schönfeld 03.06.2020
Inhalt
  1. Mercedes GLC F-Cell im Test
  2. Mercedes GLC F-Cell emitiert Wasserdampf statt schädlicher Abgase
  3. Uneingeschränkte Alltagstauglichkeit im Mercedes GLC F-Cell
  4. Getesteter Mercedes GLC F-Cell nicht wie gewohnt im Handel
  5. Messwerte & technische Daten des Mercedes GLC F-Cell

In der konventionellen Hülle der Großserie versteckt der Mercedes GLC F-Cell seinen fortschrittlichen Antrieb als einziger Wasserstoff-Plug-in-Hybride auf dem Markt. Test!

PositivFahrkomfort, Hightech-Antrieb, Platzangebot, nur Wasserdampf als Abgas, gute Fahrleistungen
NegativKleine Tanks, hohes Gewicht, nur zur Miete

Ausgerechnet den mit Abstand fortschrittlichsten Antriebskomplex aus dem Hause Daimler versteckt man in der zurückhaltenden Hülle des optisch nicht mehr ganz frischen GLC – wohlgemerkt im Vor-Facelift-Design. Dabei handelt es sich beim Mercedes GLC F-Cell aus unserem Test doch um den einzigen Wasserstoff-Plugin-Hybriden auf dem Markt. Die auserwählten Kunden – Mercedes vermietet das Modell nur einige hundert Mal – können sich dennoch über das Package freuen. Schließlich bietet der GLC übersichtliche Proportionen, beste Verarbeitung und ein sehr gutes Platzangebot. Das wird von den hochkomplexen Antriebskomponenten kaum beeinträchtigt. Nur der Kofferraumboden wandert etwas nach oben und verkleinert das Volumen von 550 auf immer noch gut nutzbare 500 Liter. Die Rückbank lässt sich weiterhin umklappen. Dass sich darunter aber so einiges an Technik versteckt, kann man schon auf der Waage ablesen. Ganze 1190 Kilogramm lasten auf den Hinterrädern, vorn sind es 959 Kilogramm. Leistungselektronik, Elektromotor und vor allem der schwere Akku sitzen über der Hinterachse. Denn zusätzlich zur Brennstoffzelle, die sich mit allen Nebenaggregaten unter der vorderen Haube versteckt, kann der Mercedes GLC F-Cell seine elektrische Antriebsenergie auch aus einem Lithium-Ionen-Akku ziehen. Der bietet eine Kapazität von 13,5 kWh und lässt sich per Plug-in-Standard wie bei herkömmlichen Batterie-Elektroautos an der Ladesäule aufladen. Weil die nutzbare Netto-Kapazität bei nur 9,3 kWh liegt, ist das Laden im Test schnell erledigt. Allerdings reicht der Strom in der Batterie dann je nach Fahrweise auch nur für rund 30 Kilometer. Mehr zum Thema: Mercedes stellt GLC-Hybrid vor

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Mercedes GLC F-Cell im Test

Dafür lässt sich die Batterie des von uns getesteten Mercedes GLC F-Cell auch während der Fahrt voll aufladen. Womit wir beim spannendsten Aspekt des Wasserstoff-Plugin-Hybriden wären: den vier verschiedenen Fahrmodi. Sie lassen sich über das unscheinbare Rädchen in der Mittelkonsole einstellen. Wählt man beispielsweise das Programm Charge, läuft die Brennstoffzelle auf voller Kraft und lädt die Batterie im Heck im Nu wieder voll. Und das sogar im Stand. Dieser Modus hat dann Sinn, wenn eine Wasserstofftankstelle in der Nähe ist und man die volle Reichweite für den nächsten Streckenabschnitt benötigt. Übrigens gibt es derzeit rund 100 öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland. Dagegen sorgt der Fahrmodus F-Cell dafür, dass während der Fahrt keine Energie aus der Batterie entnommen wird. Konstante Langstreckenfahrten sollen so effizient bewältigt werden. In der Stadt empfiehlt sich aber der reine Batterie-Modus, der dem eines herkömmlichen Elektroautos gleicht. Denn für ein innerstädtisches Tagespensum reicht die Energie im Akku locker. Nahezu lautlos rollt der Mercedes GLC F-Cell damit über die Straßen, bietet jederzeit reichlich Drehmoment und informiert übersichtlich über die vorhandene Restreichweite. Obendrein rekuperiert der GLC beim Heranrollen an Ampeln elektrische Energie, was die Reichweite in Ballungsräumen deutlich erhöht. Wie stark die Bremswirkung des E-Motors ist, kann der Fahrer übrigens per Schaltpaddel regeln. Bei maximaler Einstellung wird das Bremspedal im Stop-and-go-Betrieb kaum mehr benötigt.

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Mercedes GLC F-Cell emitiert Wasserdampf statt schädlicher Abgase

Bleibt die Brennstoffzelle des Mercedes GLC F-Cell im Batterie-Modus noch komplett inaktiv, schaltet sie sich im Hybrid-Fahrmodus automatisch zu. Leistungsspitzen werden über den Akku abgedeckt, während die aus Wasser- und Sauerstoff Strom erzeugende Zelle stets bei bestem Wirkungsgrad betrieben wird. Der Fahrer merkt davon nichts. Nur ein leises Surren ist vom elektrischen Luftverdichter zu hören. Dabei handelt es sich um eine Art Turbolader, der mit 100.000 Umdrehungen Luft für die Brennstoffzelle verdichtet. Der Hybridmodus ist laut Hersteller der effizienteste im Alltagsverkehr, was sich auch auf der Verbrauchsrunde der AUTO ZEITUNG unter Beweis stellt. Im Durchschnitt verbraucht der Mercedes GLC F-Cell im Test damit 1,1 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometern. 400 Kilometer Reichweite sind mit den gut vier Kilogramm Wasserstoff in den Unterflurtanks also drin. Und die Kosten an der 700-bar-Zapfsäule sind ähnlich hoch wie für Benzin: Ein Kilo Wasserstoff kostet etwa 9,50 Euro. Dafür entlässt der Mercedes GLC F-Cell statt schädlicher Abgase nur Wasserdampf aus dem kleinen Auspuffrohr unter dem Heck.

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Uneingeschränkte Alltagstauglichkeit im Mercedes GLC F-Cell

Für experimentierfreudige Technik-Fans ist der Mercedes GLC F-Cell also ein Eldorado auf vier Rädern. Im Alltag überzeugt der Hightech-Schwabe aber vor allem auch durch seine Unkompliziertheit. Startknopf drücken, nur kurz auf das grün leuchtende "Ready" im Display warten, Wählhebel am Lenkrad auf "D", und schon geht die Fahrt los. Dabei gibt sich das 4,67 Meter lange SUV nicht nur extrem handlich und übersichtlich, sondern auch richtig komfortabel. Anfahrschwäche, Antriebsgeräusche oder Schaltrucke gibt es nicht. Und die Leistung reicht sogar für Sprintwerte unter sechs Sekunden. Bei Tempo 160 ist allerdings Schluss, dann wird der F-Cell elektronisch begrenzt, obwohl sich noch nicht einmal laute Windgeräusche einstellen. Zum Vergleich: Die Hauptkonkurrenten aus dem reinen Wasserstoff-Segment Toyota Mirai und Hyundai Nexo erreichen 180 km/h und haben obendrein auch deutlich größere Tanks an Bord. Bei den Bremsmessungen bleibt der Wasserstoff-GLC im Test auf Augenhöhe mit herkömmlich angetriebenen SUV. Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h steht die 2149 Kilogramm schwere Fuhre sowohl mit kalten wie heißen Bremsscheiben nach rund 35 Metern.

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Getesteter Mercedes GLC F-Cell nicht wie gewohnt im Handel

Nur beim Federungskomfort lässt sich das hohe Gewicht an der luftgefederten Hinterachse des Mercedes GLC F-Cell nicht ganz verbergen. Hier mischen sich beim Überfahren von Eisenbahnschienen oder Querfugen ungewohnt schroffe Impulse in das ansonsten gediegene Gesamtbild. Die gute Geräuschdämmung, die fast komplette Ausstattung und das hohe Qualitätsniveau vermitteln aber durchweg Oberklassegefühl. Auch wenn Mercedes selbst von einem Serienauto spricht, so ist der GLC F-Cell nicht im gewohnten Handel zu finden. Kaufen kann man ihn nämlich nicht. Stattdessen bieten die Schwaben über sieben Standorte in Deutschland eine Langzeitmiete für einen relativ kleinen Kundenkreis an. Mit dem Mietpreis von 799 Euro sind dann auch Wartung, Versicherung und Wertverlust abgegolten. Für Nutzer fallen also nur die Kosten für den getankten Wasserstoff an. Nach drei oder vier Jahren können sie sich für ein neues Auto entscheiden. 

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Messwerte & technische Daten des Mercedes GLC F-Cell

AUTO ZEITUNG 20/2019Mercedes GLC F-Cell
Technik
MotorisierungAsynchron-Elektromotor
Leistung155 kW/211 PS
Max. Gesamtdrehmoment365 Nm
AntriebHinterrad
Messwerte
Leergewicht/Zuladung2149/2570 kg
Beschleunigung (Test) 
0 - 100 km/h5,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)160 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,4/34,7 m
Verbrauch (Test/Hersteller)1,1/1,0 kg H₂/100 km
CO2-Ausstoß (EU)0 g/km
Preise
Mietpreis799 Euro pro Monat

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Der Mercedes GLC F-Cell setzt sich mit der Kombination aus Batterie und Brennstoffzelle nachhaltig in Szene. Im Test begeistert er jedenfalls mit Fahrkomfort, Ausgereiftheit und Effizienz. Nur auf Langstrecken wünscht man sich größere Tanks.

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