Mercedes GLA/GLB/GLC: Vergleichstest Mercedes-SUV im Dreikampf

von Paul Englert 26.03.2021
Inhalt
  1. Mercedes GLA, Mercedes GLB & Mercedes GLC im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Bequemste Sitzposition im Mercedes GLC
  3. Motor/Getriebe: Geringster Verbrauch beim Mercedes GLA 220 d 4Matic
  4. Fahrdynamik: Mercedes GLB verliert im Handling
  5. Umwelt/Kosten: Weniger Wertverlust beim Mercedes GLA
  6. Messwerte & technische Daten Mercedes GLA 220 d 4Matic, Mercedes GLB 220 d 4Matic & Mercedes GLC 220 d 4Matic

Reicht der kompakte Mercedes GLA mit fünf Plätzen und 425 Liter Kofferraumvolumen, oder darf es ein bisschen mehr sein? Der Mercedes GLB zum Beispiel bietet bis zu sieben Sitze und der gut gedämmte Mercedes GLC eine Luftfederung. Im Vergleichstest tritt das SUV-ABC von Mercedes an jeweils als 220 d 4Matic an.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Mercedes GLA
220 d 4Matic
Mercedes GLB
220 d 4Matic
Mercedes GLC
220 d 4Matic
Karosserie (1000)640700694
Fahrkomfort (1000)700704754
Motor/Getriebe (1000)655647629
Fahrdynamik (1000)711696672
Eigenschaftswertung (4000)270627472749
Kosten/Umwelt (1000)334328319
Gesamtwertung (5000)304030753068
Platzierung312

SUV mit Stern sind angesagt, denn 2020 verkaufte sich der Mercedes GLC fast 42.000 Mal, und auch die Neuauflage des Mercedes GLA sowie der darauf basierende Mercedes GLB liefen mit rund 14.000 respektive 10.000 Einheiten gut an. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede im Detail – mal abgesehen von den Karosserien? Ist die Mittelklasse den hohen Mehrpreis wert oder reicht auch ein etwas günstigerer XL-Kompakter? Das überprüfen wir im Vergleichstest mit den rund 190 PS starken Turbodiesel-Versionen samt automatisch schaltenden Getrieben und Allradantrieb, was in die Mercedes-Sprache übersetzt 220 d 4Matic heißt.

Der Mercedes GLB (2019) im Video:

 
 

Mercedes GLA, Mercedes GLB & Mercedes GLC im Vergleichstest

Im Vergleichstest geht es los mit dem 4,41 Meter kurzen Mercedes GLA. Er bietet seinen Passagieren trotz kompakter Maße genügend Platz und deren Gepäck mindestens 425 Liter Ladevolumen. Variabel ist das kleinste SUV aus dem Hause Daimler ebenfalls, denn die Fondlehnen kann man nicht nur dreigeteilt umklappen, sondern auch verschieben (428 Euro). Legt man die Beifahrerlehne flach (179 Euro), passen zudem Gegenstände mit Überlänge in den GLA, obendrein sind 500 Kilogramm Zuladung und zwei Tonnen Anhängelast (Kupplung: 952 Euro) erlaubt. Über den praktischen Nutzen des erst seit gut einem Jahr gebauten SUV kann man also nicht meckern. Aber es geht noch besser: mit dem Mercedes GLB. Er ist rund 20 Zentimeter länger, bietet zehn Zentimeter mehr Radstand und einen kastig geformten, sechs Zentimeter höheren Aufbau. De facto hat man vorn deutlich mehr Platz über dem Kopf, im Fond hingegen nur auf dem mittleren Platz, weil die äußeren Sitze hier näher an den Türen installiert sind, sodass nicht nur der Kopf den seitlichen Dacheinzügen näher kommt, sondern auch die Ellenbogen den Türen. Trotzdem hält man es zu dritt im GLB-Fond besser aus als im GLA. Außerdem bietet der Kompakte im XL-Format mindestens 145 Liter mehr Kofferraumvolumen, einen bei umgeklappten Fondlehnen ebenen Ladeboden sowie eine Verstaumöglichkeit für das Gepäckraum-Rollo darunter, wo im GLA nur kleine Gegenstände Platz finden. Alles entscheidend beim GLB, der über 600 Kilogramm Zuladung und 1,9 Tonnen Anhängelast verträgt, ist aber die dritte Sitzreihe: Für 1416 Euro bekommt man nämlich zwei flach im Boden versenkbare Einzelsitze, auf denen die Reise für Personen bis 1,70 Meter erträglich ist. Allerdings sollte man ein wenig gelenkig sein, denn der Einstieg durch die Luke zwischen B-Säule und vorgeschobener zweiter Sitzreihe mit leicht nach vorn geklappter Lehne ist vergleichbar mit dem Einstieg in den Fond eines Coupés. Was Bedienung und Funktion betrifft, sind GLA und GLB übrigens identisch (siehe Connectivity), das gilt auch für die Sicherheitsausstattung. In puncto Qualität verliert der GLA ein paar Zähler, weil der variable Ladeboden zum wiederholten Mal unter Last brach. Bei dem ein Segment höher rangierenden Mercedes GLC kann man sich über den Qualitätseindruck nicht beschweren. Mehr geschäumte und belederte oder textilbezogene Verkleidungsteile, zwei Gasdruck-Motorhaubenaufsteller, ein Kofferraumrollo statt der starren Hutablage im GLA oder der massive Ladeboden sind nur ein paar Beispiele für den Vorsprung bei Verarbeitungs- und Materialqualität des Mittelklasse-SUV. Allerdings kosten diese auch ein paar tausend Euro extra. Mit der Sicherheitsausstattung inklusive autonom arbeitender Notbremsfunktion oder LED-Scheinwerfern ab Werk ist der Mercedes GLC den Kompakten ebenfalls voraus. Spürbar mehr Platz hat man im GLC allerdings nicht – vor allem im Vergleich zum Mercedes GLB. Die wuchtige Mittelkonsole vorn und die im Fond auf Torsohöhe der äußeren Fondpassagiere sehr nah stehende Türverkleidung schmälern das nutzbare Raumangebot. 550 bis 1600 Liter Kofferraumvolumen, 572 Kilogramm Zuladung sowie 2,5 Tonnen Anhängelast verbucht der GLC hingegen auf der Habenseite – genauso wie das riesige Fach unter dem aufstell- und arretierbaren Ladeboden.

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Fahrkomfort: Bequemste Sitzposition im Mercedes GLC

Der Erfolgskurs des Mercedes GLC setzt sich im Komfortkapitel des Vergleichstests mit dem Mercedes GLB und dem Mercedes GLA fort, dank bequemerer und weiter geschnittener Sitze mit etwas weicherer Polsterung vorn sowie hinten. Dem GLB fehlt vorn die einstellbare Lendenwirbelstütze, deshalb ein Punkt Abzug im Vergleich zum GLA, und der GLC könnte im Fond noch mehr Zähler sammeln, wenn die Armauflage in der Tür dort wäre, wo der Passagier seinen Arm hat. Trotzdem sitzt man hier integrierter – im GLB hingegen mit nicht optimal nutzbarer Beinauflage und kaum Kontur, dafür aber mehrstufig neigbarer Lehne. Die meisten und größten Ablagemöglichkeiten bietet hier der Kleinste im Testfeld, die beste Klimaausstattung mit serienmäßiger Zwei-Zonen-Reglung und Sitzbelüftung (899 Euro) vorn sowie bis zu vier beheizbaren Polstern (optional) der GLC. Es ist auch das Mittelklasse-SUV, das mit sehr effizienter Geräuschdämmung subjektiv sowie objektiv überzeugt und mit Unterstützung seiner Luftfederung (2261 Euro) sowie adaptiven Dämpfern den Aufbau am besten von der Fahrbahn entkoppelt. Das gelingt dank seines langen Radstands auch dem GLB gut – die GLA-Karosserie ist immer mehr in Bewegung.

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Motor/Getriebe: Geringster Verbrauch beim Mercedes GLA 220 d 4Matic

Zwar fahren Mercedes GLA, Mercedes GLB und Mercedes GLC im Vergleichstest mit der gleichen Maschine, im GLC 220 d 4Matic ist der Vierzylinder-Turbodiesel allerdings längs statt quer eingebaut. Deshalb wurde die Motorsoftware geändert, zudem sind Luftansaugtrakt sowie Abgasanlage anders ausgelegt – damit leistet der besser abgeschirmte, kultivierter laufende Selbstzünder vier PS mehr als die Pendants von GLA 220 d 4Matic und GLB 220 d 4Matic. Außerdem überträgt der Mittelklässler seine Kraft via Neunstufenautomatik an alle vier Räder, die Kompakten über ein Doppelkupplungsgetriebe (DCT) mit acht Gängen. Beide Getriebearten schalten intelligent und schnell, nur beim Anfahren und im Sportmodus ruckt es beim Achtgang-DCT manchmal im Antriebsstrang. Obwohl auch der Mercedes GLC 220 d 4Matic im Schiebebetrieb auf flacher Strecke auskuppelt, bei Autobahntempo im neunten Gang nur 1700 Touren dreht (GLA/GLB: 1900 /min, achter Gang), braucht er 1,6 respektive 1,2 Liter mehr Diesel als die kompakten Kollegen. Grund ist vor allem sein höheres Gewicht – am guten cW-Wert von 0,31 kann es kaum liegen (GLA: 0,30; GLB: 0,31). Auch bei der Reichweite hat der GLC mit nur 641 Kilometern das Nachsehen, weil sein Tank serienmäßig lediglich 50 Liter fasst, optional allerdings 66 Liter (846 km). 60 Liter sind für den Mercedes GLB 220 d 4Matic Standard, was einer Fahrt von 909 Kilometer ohne Stopp entspricht. Der Mercedes GLA 220 d 4Matic (51-Liter-Tank) schafft immerhin 823 Kilometer bis zum Nachtanken.

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Fahrdynamik: Mercedes GLB verliert im Handling

Doch Effizienz und Reichweite sind nicht alles, auch ein hohes Maß an Fahrsicherheit erwarten Mercedes-Kundinnen und Kunden. Das ausgewogenste, unspektakulärste und sicherste Handling bis in den Grenzbereich bietet im Vergleichstest der Mercedes GLC 220 d 4Matic mit optionaler 19-Zoll-Mischbereifung und teurer Fahrwerkstechnik. Seine Stärken sind die satte Straßenlage, die in jeder Lage bessere Traktion und das im Vergleich spontanste Einlenkverhalten. Weniger präzise arbeitet die Lenkung im Mercedes GLA 220 d 4Matic, außerdem meldet sich das ESP hier etwas früher – allerdings stets verlässlich und sinnvoll. Ähnlich ist die Vorstellung des Mercedes GLB 220 d 4Matic, wobei dieser im ESP-Sportprogramm reproduzierbare Lastwechselreaktionen zeigt. Ein echtes Manko ist allerdings die schwache Bremsperformance des GLC, dessen ABS-Regelimpulse an den einzelnen Rädern teils sehr unterschiedlich einsetzen und nicht miteinander harmonieren, sodass Unruhe ins Fahrzeug kommt und die Verzögerungsleistung nicht optimal entfaltet wird.

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Umwelt/Kosten: Weniger Wertverlust beim Mercedes GLA

Wer bei Mercedes kauft, darf kein Schnäppchen erwarten und sollte für Optionen immer ein paar Tausender extra einplanen. Die in den Testwagen eingebauten und im Fall von Mercedes GLA und Mercedes GLB besonders teuren, weil in Paketen versteckten Sportbremsen müssen es zwar nicht sein. Größere Räder, mehr Sitzkomfort und Smartphone-Integration aber schon, sodass man sich mit knapp 50.000 Euro bereits in der Preisregion des höherwertigen Mercedes GLC 220 d 4Matic bewegt. Der Sprung vom GLA zum Mercedes GLB 220 d 4Matic ist mit rund 2000 Euro hingegen nicht so groß. Etwas weniger Wertverlust, geringere Kraftstoffkosten und günstigere Versicherungseinstufungen sprechen im Vergleichstest zwar für den Mercedes GLA 220 d 4Matic. Allerdings sind die Unterschiede bei Kfz-Steuer, Inspektionskosten und Garantie (zwei Jahre ohne Kilometer-Begrenzung) zu gering, als dass er sich hier absetzen könnte.

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Messwerte & technische Daten Mercedes GLA 220 d 4Matic, Mercedes GLB 220 d 4Matic & Mercedes GLC 220 d 4Matic

AUTO ZEITUNG 06/2021Mercedes GLA
220 d 4Matic
Mercedes GLB
220 d 4Matic
Mercedes GLC
220 d 4Matic
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R4/4; TurbodieselR4/4; TurbodieselR4/4; Turbodiesel
Hubraum1950 cm³1950 cm³1950 cm³
Leistung140 kW / 190 PS.
3800 /min
140 kW / 190 PS.
3800 /min
143 kW / 194 PS.
3800 /min
Max. Drehmoment400 Nm,
1600 - 2600 /min
400 Nm,
1600 - 2600 /min
400 Nm,
1600 - 2600 /min
Getriebe/Antrieb8-Gang, Doppelkupplung / Allrad, permanent8-Gang, Doppelkupplung / Allrad, permanent9-Stufen-Automatik / Allrad, permanent
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1595 / 1732 kg1660 / 1863 kg1760 / 1928 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)7,8 s8,0 s8,0 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)219 km/h217 km/h215 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,8 / 34,2 m35,1 / 34,9 m37,3 / 36,9 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)6,2 / 5,7 l D6,6 / 5,8 l D7,8 / 6,2 l D
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)164 / 149 g/km175 / 153 g/km207 / 162 g/km
Preise
Grundpreis45.196 Euro46.969 Euro51.390 Euro
Testwagenpreis52.700 Euro54.514 Euro55.883 Euro

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von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Ein knapper Sieg für den Mercedes GLB 220 d 4Matic. Die Stärken des großen Kompakten sind sein großes Raumangebot, die hohe Variabilität, das ausgewogene Fahrverhalten sowie der effiziente Antrieb. Mit besserer Qualität und hohem Geräusch- sowie Federungskomfort hält der nur knapp unterlegene Mercedes GLC 220 d 4Matic dagegen. Auch sein großer Kofferraum und die im Vergleich zur Kompaktklasse nicht abgehobenen Preise tragen zur guten Bilanz bei. Jedoch verspielt er den Gesamtsieg im Vergleichstest wegen der langen Bremswege und nicht, weil er mehr Diesel verbraucht. Rang drei holt der deutlich kleinere Mercedes GLA 220 d 4Matic, der in diesem klassenübergreifenden Test keine Chance hat. Seine einzige wirkliche Schwäche ist der hohe Grundpreis. Aber Premium war eben noch nie günstig.

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