AMG GT 63 S/Panamera Turbo S: Test AMG GT 63 S und Panamera Turbo S im Vergleich

von Michael Godde 18.01.2021
Inhalt
  1. Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic und Porsche Panamera Turbo S im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Porsche Panamera Turbo S ist der komfortablere Reisebegleiter
  3. Motor/Getriebe: Biturbo im Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic ist durstiger
  4. Karosserie: Verarbeitung im Porsche Panamera Turbo S ist tadellos
  5. Umwelt/Kosten: Bessere Garantiebedingungen beim Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic
  6. Messwerte & technische Daten Mercedes-AMG GT 63 S und Porsche Panamera Turbo S

Im Vergleichstest ringen der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ und der Porsche Panamera Turbo S um die Krone der sportlichen Oberklasse.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Mercedes-AMG
GT 63 S 4Matic+ 4 Türer Coupé
Porsche Panamera Turbo S
Karosserie (1000)687697
Fahrkomfort (1000)774819
Motor/Getriebe (1000)638666
Fahrdynamik (1000)829859
Eigenschaftswertung (4000)29283041
Kosten/Umwelt (1000)143140
Gesamtwertung (5000)30713181
Platzierung21

Ein Vergleichstest zwischen Porsche Panamera Turbo S und dem Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ ist unausweichlich. Stellte Porsche mit seiner überarbeiteten Limousine doch erst im August 2020 einen neuen Rundenrekord (7:29,81 Minuten) für Oberklasse-Limousinen auf der Nordschleife auf. Bei AMG in Affalterbach akzeptiert man die Dethronisierung aber nicht einfach bewundernd. Vielmehr nimmt man die Herausforderung gern an. Nur drei Monate später meldet AMG einen neuen Rundenrekord: 7:27,8 Minuten. Die sorgsame Überarbeitung des AMG mit dynamischem Feinschliff zeigt Wirkung. Zwei Sekunden Vorsprung sind eine Welt auf der Eifel-Achterbahn, daran dürfte Porsche lange zu knacken haben. Aber die zwei Schwäbinnen:Schwaben sind nicht nur für den Ritt am Limit gemacht – sie müssen sich auch im Alltag beweisen. Wir zeigen im Vergleichstest, wer das bessere Gesamtpaket bietet.

Der Mercedes-AMG GT Black Series (2020) im Video:

 
 

Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic und Porsche Panamera Turbo S im Vergleichstest

Die Zuffenhausener:innen haben AMG mit dem Porsche Panamera Turbo S herausgefordert – und in Affalterbach hat man die richtigen Antworten gefunden: Die schnellste Oberklasse-Limousine im Land ist also wieder das Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic. Und das gilt neben der Nordschleife auch für den Grand-Prix-Kurs in der Eifel, den wir für unsere Handlingzeiten im Vergleichstest nutzen. Der Turbo S liegt eigentlich perfekt. Er saugt sich hochpräzise zum Scheitelpunkt, schnalzt mit irrsinnigem Grip wieder auf die Gerade heraus und stellt seine Fahrer:innen nie vor unlösbare Aufgaben. Sanftes Übersteuern lässt sich jederzeit in die Linie einbauen. Aber der AMG ist eben noch eine Spur verbindlicher auf der Strecke unterwegs. Der aktive Wankausgleich des Panamera unterschlägt im direkten Vergleich dann doch die eine oder andere wichtige Information von der Strecke. Auch die kompromisslosere Allradlenkung des Mercedes mit der bedingungslos folgenden Vorderachse spricht für ihn. Der AMG verschenkt keinen Millimeter und ist am Ende einer Runde damit auch auf dem Grand-Prix-Kurs die schnellste Oberklasse-Limousine. Das spielerische Handling des AMG untermauert zudem die Bestzeit in der Slalomgasse. Auch hier hängt er den Porsche Panamera Turbo S ab. Dennoch macht ihm der Panamera den Kapitelsieg mit seinen für ein über 2,1 Tonnen schweren Boliden sensationellen Verzögerungswerten von unter 33 Metern aus Tempo 100 bis zum Stand streitig – bei warmen Bremsen!

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Fahrkomfort: Porsche Panamera Turbo S ist der komfortablere Reisebegleiter

Ja, der Porsche Panamera Turbo S und der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ sind absolute Rundstrecken-Akrobaten, aber definitiv auch gediegene Reisebegleiter. Das tiefe Grollen der V8-Maschinen lässt sich auf Knopfdruck auf einen wohltuend massierenden Bass reduzieren, das Fahrwerk auf soliden Langstreckenkomfort trimmen. In beiden Unternehmen hat man dazu die Spreizungen zwischen Sport und Komfort optimiert. Während man im Panamera schon immer dank feinfühligem Ansprechverhalten und sanft ausgleichender Luftfederung hunderte Kilometern entspannt abspulen konnte, gilt das jetzt auch für den AMG. Auch er verzichtet auf Härten, bleibt allerdings seiner sportlichen Ausrichtung auf holprigen Asphaltdecken verbunden. Vor allem bei hohem Tempo ist er im Vergleichstest zudem etwas lauter als der gedämpfter durch den Wind stechende Porsche. Und auch beim Sitzkomfort findet der Panamera den besseren Kompromiss zwischen perfektem Halt und Entspannung für seine Insassen.

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Motor/Getriebe: Biturbo im Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic ist durstiger

Sie sind noch da: V8-Motoren. Und sie sind stärker und effizienter als je zuvor. Porsche hat den Panamera Turbo mit 550 PS aus dem Programm gestrichen und durch den Porsche Panamera Turbo S mit 630 PS und 820 Newtonmetern ersetzt – so kann es zukünftig gern weitergehen. Der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic ist mit 639 PS und 900 Newtonmetern sogar noch etwas stärker. Beide hämmern bereits nach 10,4 Sekunden mit Tempo 200 dahin. Darüber geht es munter weiter. Erst bei 315 km/h ist Schluss. Wo der Unterschied liegt? Der V8-Biturbo im Mercedes-AMG GT 63 S reagiert nervöser auf Gaspedalbefehle, schaltet dadurch übereilt herunter und zwingt den Motor so zu oft in hohe Drehzahlen. Der ebenfalls zweifach aufgeladene V8 des Porsche Panamera Turbo S lässt sich im Vergleichstest feinfühliger dosieren, arbeitet im Stand deutlich kultivierter und ist sparsamer als der des AMG.

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Karosserie: Verarbeitung im Porsche Panamera Turbo S ist tadellos

Auch wenn der Porsche Panamera Turbo S und der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic in den Genuss einer Modellauffrischung für das Modelljahr 2021 gekommen sind, so gab es im Innenraum keinen Grund zum Handeln. Die Verarbeitungsqualität war und ist in der Zuffenhausener Limousine über jeden Zweifel erhaben. Auch beim AMG gibt es – bis auf die nicht ganz so hochwertigen Kunststoff-Oberflächen auf der Mittelkonsole – nichts zu kritisieren. In Sachen Raumangebot geben sind die Rivalen im Vergleichstest großzügig. Im Panamera geht es vorn sowie im Fond allerdings etwas luftiger zu. Der größte Unterschied liegt in der Sitzposition: Während man im Panamera 911-mäßig tief im Fahrzeug sitzt, thront man im Mercedes-AMG GT 63 S ganze sechs Zentimeter höher – also wie in einer Limousine. Bei der Bedienung folgen beide dem gleichen Prinzip: Zu viele Pfade erschweren den Umgang mit der komplexen Menüstruktur, die im AMG noch ein wenig verschachtelter ausfällt. Bei der Sicherheitsausstattung geben sich die Kontrahenten vernünftig und bieten serienmäßig oder gegen Aufpreis den kompletten Stand der Technik an..

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Umwelt/Kosten: Bessere Garantiebedingungen beim Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic

Der Porsche Panamera Turbo S ist zwar in der Basis deutlich teurer als der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic, hat aber bereits die Karbon-Keramik-Bremsanlage und den 21-Zoll-Radsatz serienmäßig an Bord. Beim Mercedes sind diese Features optional, aber notwendig, um den Turbo S fahrdynamisch zu bezwingen. Die besseren Garantiebedingungen verhelfen dem AMG dennoch zum Kapitelsieg im Vergleichstest.

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Messwerte & technische Daten Mercedes-AMG GT 63 S und Porsche Panamera Turbo S

AUTO ZEITUNG 26/2020Mercedes-AMG
GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé
Porsche Panamera Turbo S
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.V8/4; BiturboV8/4; Biturbo
Hubraum3982 cm³3996 cm³
Leistung470 kW/639 PS
5500 - 6500 /min
463 kW/630 PS
6000 /min
Max. Drehmoment900 Nm,
2500 - 4500 /min
820 Nm,
2300 - 4500 /min
Getriebe/Antrieb9-Stufen-Automatik /
Allrad
8-Gang, Doppelkupplung /
Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2045/2138 kg2080/2113 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)3,1 s3,0 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)315 km/h315 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,5/33,5 m32,2/32,5 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)13,5/12,8 l SP /100km12,7/12,8 l SP /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)324/291 g/km300/289 g/km
Preise
Grundpreis165.254 €179.737 €
Testwagenpreis181.726 €183.133 €

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Auf dem Nürburgring ist der Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic nicht zu schlagen. Aber den Vergleichstest gewinnt dennoch der Porsche Panamera Turbo S. Die Schrägheck-Limousine aus Zuffenhausen deckt mit ihrem feinen Komfort, dem sparsameren und kultivierteren Antrieb sowie dem natürlich auch sehr agilen Handling ein deutlich größeres Spektrum ab als der getarnte Supersportler aus Affalterbach. Der AMG ist allerdings die schnellste Oberklasse-Limousine im Land. Das beweist der Schwabe auch mit seinem leidenschaftlichen Handling und dem gnadenlos nach vorn drückenden V8-Biturbo eindrucksvoll. Weniger Platz, eine sportlichere Note beim Komfort und ein höherer Verbrauch kosten ihn aber den Sieg.

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