Alle Tests zum Lamborghini Urus

Lamborghini Urus: Test Das bisher schnellste Test-SUV

von Paul Englert 31.12.2018
Inhalt
  1. Der Lamborghini Urus im Test
  2. Fahrwerk mit Luftfederung im Urus
  3. Lamborghini Urus auf dem Nürnburgring

Der Lamborghini Urus ist das schnellste von uns je getestete SUV und lässt sogar den Cayenne Turbo hinter sich. Mit 650 PS macht er dem Prinzip Power-SUV alle Ehre!

Im Test präsentiert der Lamborghini Urus seine 650 PS. Auf der einen Seite steht das Notwendige – auf der anderen die Suche nach dem Machbaren. Das eine kann recht langweilig sein, das andere hat einen besonderen Reiz und treibt den Menschen zu den verrücktesten Dingen – wobei es darum geht, Maßstäbe zu setzen. Notwendig ist das alles nicht, faszinierend aber schon. Genau wie Lamborghinis erster Geländewagen – Entschuldigung: SUV – seit dem monströsen LM002. Die Übung, nur ein sportliches SUV zu bauen, wäre zu einfach gewesen. Es musste das Power-SUV schlechthin werden, ein Maßstäbe-Setzer in Sachen Dynamik. Ein Glück, dass hinter der kleinen Sportwagen-Manufaktur in Sant'Agata Bolognese der VW-Konzern steht. Denn bei Null anzufangen, wäre wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. Also spielten die Italiener Autoteile-Puzzle mit Chassis und Bordelektronik von Audi und dem Konzern-V8-Biturbo, der ursprünglich von Porsche entwickelt wurde. Das Ganze nach Lambo-Art spektakulär verpackt – fertig war der Lamborghini Urus, was übersetzt soviel wie Auerochse heißt. Ganz so einfach ging es dann doch nicht. Zum Beispiel wurde der vier Liter große V8 wurde mit neuen Zylinderköpfen bestückt, zwischen denen die beiden Twinscroll-Turbolader sitzen und bis zu 1,8 bar Ladedruck erzeugen. PS-Fetischisten werden frohlocken, wenn sie die Zahl 650 lesen – und staunen, wenn sie die Drehmomentkurve studieren, die steil ansteigt, bei 2250 Touren gipfelt und erst dann wieder abfällt, wenn das farbige Band der Drehzahlanzeige bereits an der 5000er- Marke vorbeigehuscht ist. Mehr zum Them: Die neusten Autos im Tests

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Der Lamborghini Urus im Test

Weil die Italiener bei den Werksangaben fürs Tiefstapeln bekannt ist, erstaunt es nicht, dass auch der Lamborghini Urus im Test die versprochenen Beschleunigungswerte unterbietet. Gleich beim ersten per Launch Control unterstützten Versuch toppen wir die Werksangabe von 3,6 s aus dem Stand auf 100 km/h um eine Zehntelsekunde. Beim nächsten Versuch sind es zwei Zehntel, dann meldet die Anzeige 3,2 s. Bis Tempo 200 baut der Testwagen seinen Vorsprung sogar auf 1,1 s aus. Dabei ist nicht nur die nackte Zahl (11,7 s) faszinierend – immerhin sprintet der Urus hier auf Augenhöhe mit Porsche 911 Turbo, Nissan GT-R oder Mercedes-AMG GT R –, sondern wie es den Lambo aus dem Stand nach vorn peitscht. Erst pendelt sich die Drehzahl bei 2500 Touren ein, dann hüpft der Stier aus dem Nichts auf Tempo 30, und nachdem sich die Achtstufen-Wandlerautomatik gefühlt im Bruchteil einer Millisekunde sortiert hat, schießt der Urus ohne Zugkraftunterbrechung und die Gänge bis knapp 6800 Touren ausdrehend davon. Genauso extrem wie der Sprint ist die Verzögerung. Spontan nehmen an der Vorderachse zwei Zehnkolben- Sättel die Karbon-Keramik-Scheiben mit 44 cm Durchmesser in die Zange und bringen den Riesen in nur 32,3 m aus 100 km/h (warm) zum Stehen. Dies beeindruckt umso mehr, als die Waage dem 5,11-m-Koloss eine Masse von 2257 kg (vollgetankt ohne Fahrer und Gepäck) bescheinigt.

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Fahrwerk mit Luftfederung im Urus

Neben dem Antrieb kümmerten sich die Italiener auch intensiv um das Fahrwerk im Lamborghini Urus, das über Luftfederung und adaptive Dämpfer verfügt. Große Wirkung zeigen zudem die aktiven Stabilisatoren, deren Stabihälften sich per E-Motor in der Kurve blitzschnell gegeneinander verspannen und dadurch die Seitenneigung des Aufbaus unterbinden. Bei Geradeausfahrt sind die Stabis hingegen entkoppelt, sodass die Urus-Federung auch auf holprigen Pisten sensibel und locker anspricht. Das probieren wir im Test zunächst auf öffentlicher Straße aus, wo sich die prinzipiell straffe Abstimmung und die steife Karosserie bemerkbar machen. Eine Sänfte ist der Urus zwar nicht, die Angst vor Bandscheibenvorfällen ist aber unbegründet. Im Gegenteil. Man kann im knapp 1,64 m hohen Lamborghini sogar recht entspannt reisen. Vorn sitzt man bequem auf gut konturierten Sitzen und hat Platz wie in der Luxusklasse, hinten wird es trotz der abfallenden Dachlinie nicht zu eng überm Scheitel. Raum für Beine und Ellenbogen bietet der Urus massig. Wer will, kann sogar ein Gepäck-Trennnetz zwischen den Fond und den 616 l großen Kofferraum spannen. Gewöhnungsbedürftig ist neben der Klima-Touchbedienung aber die Getriebe-Bedienung: Weil der große Hebel zur Aktivierung des Rückwärtsgangs so griffgünstig zwischen den Fahrmodi-Schaltern liegt, wird er von Urus-Novizen gern mal für den Getriebe-Wählhebel gehalten. Den ersten Gang kann man aber wie in jedem Lambo nur mit einem Zug an der rechten Lenkrad-Schaltwippe einlegen. Hat man das verinnerlicht, ist man höchst souverän unterwegs mit einem Verbrauch von 13,8 l Super Plus pro 100 Kilometer – allerdings nur, solange man das Beschleunigungspotenzial des Lamborghini Urus weitgehend unangetastet lässt. Auch die Geräuschkulisse im Test passt, besonders bei höherem Autobahntempo. Beinahe gerät man in Versuchung, der Schar von abstandsregelnden, spurhaltenden und den toten Winkel überwachenden Assistenten das Ruder zu überlassen. Aber nur beinahe…Mehr zum Thema: Alles rund um Lamborghini

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Lamborghini Urus auf dem Nürnburgring

Test-Wechsel von der Straße auf den Nürburgring – wir wollen doch mal sehen, ob der Lamborghini Urus auch funktioniert, wenn er Rennen fahren muss. Ja, er funktioniert. Und wie. An den Lobeshymnen aus der Pressemappe und der Theorie, dass die aktive Wankstabilisierung die Reifenaufstandsfläche konstant hält, scheint wohl etwas dran zu sein. Zumindest ist es beeindruckend, wie man ein derart schweres Auto so stabil machen kann, dass es sich so agil anfühlt wie ein Sportcoupé und auf letzter Rille sogar ein Stück weit in die Kurve hineinbremst, ohne träge über die Vorderräder zu schieben. Auch am Kurvenausgang geht einem selbst dann nicht die Strecke aus, wenn man bewusst zu früh voll aufs Gas tritt. Das aktive Hinterachsdifferenzial leitet ultraschnell Kraft an das kurvenäußere Hinterrad und erzeugt damit einen leichten Eindrehimpuls, ohne den Vortrieb zu unterbrechen. Zudem trägt die Hinterachslenkung wesentlich zur Kurvendynamik und zur Fahrstabilität bei. Nach ein paar gezeiteten Runden steht fest: Der Lamborghini Urus ist das schnellste je von uns getestete SUV, übertrumpft sogar einen Porsche Cayenne Turbo und liegt auf dem Niveau eines brandaktuellen Supersportwagens vom Schlag eines Aston Martin Vantage. Wer das alles selber erfahren will, muss mindestens 204.000 Euro investieren. Auch in diesem Punkt ist der Urus ein echter Lamborghini: ein ganz besonderes SUV für eine sehr spezielle Klientel.

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von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Der Lamborghini Urus ist der Supersportler unter den SUV – fulminant im Antritt, brachial verzögernd und hochgradig querdynamisch. Obwohl es keinen Lamborghini gibt, dem man die Verwandtschaft zu Audi mehr anmerkt, bestätigt auch das erste SUV aus Sant'Agata in unserem Test, was man von Lamborghini erwartet: Dynamik, Design, Leistung.

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