Vorstellung

Kugel Works Mercedes One Eleven: Retro-Ramme mit 510 PS

Nach dem staatstragenden Mercedes 600 wurde jetzt auch ein W111-Coupé vom Kugelblitz getroffen. Die Kalifornier von Kugel Works haben den Klassiker mit einem V8 aus dem Hause AMG in die Jetztzeit gebeamt.

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Kugel Works Mercedes One Eleven, fotografiert von schräg vorne.
Heckflossen hatte das Mercedes-Coupé schon. Mit den Kotflügelverbreiterungen von Kugel Works hat der W111 jetzt auch brustflossenähnliche Auswüchse bekommen. Foto: Kugel Works
Kugel Works Mercedes One Eleven, fotografiert von der Seite.
Vor allem die (unveränderte) Fenstergrafik und die zeitlosen Linien des großen Coupés begeistern noch immer. Den 20-Zoll-Felgen fehlt es hingegen an Eleganz. Foto: Kugel Works
Kugel Works Mercedes One Eleven, fotografiert von schräg hinten.
Die Technik des Mercedes-AMG C 63 S katapultiert den W111 von Kugel Works direkt in die Jetztzeit. Foto: Kugel Works

Die Plusterbacken harmonieren nicht wirklich mit den klaren Linien des W111

Über Sinn und Unsinn von Restomods lässt sich streiten. Ist die MAGA-Bewegung (hier für: Make Automobiles Great Again) eine vergängliche Mode oder sollte die Oldtimer-Szene dauerhaft eine Nische für die Neo-Retro-Renner freiräumen? Was ist den involvierten Tuningschmieden eigentlich noch heilig? Was verdient ein H-Kennzeichen, und was nicht? Wir wissen es nicht. Fest steht jedoch: Die Vermählung von Alt (Design) und Neu (Technik) führt bisweilen zu ganz neuen Geschmackserlebnissen. Neuer Wein in alten Schläuchen mundet zwar nicht unbedingt besser, aber anders. Dennoch lässt uns der Mercedes One Eleven aus dem Hause Kugel Works stirnrunzelnd zweifeln, ob wir deren jüngste Cuvée wirklich schlucken sollen.

Einerseits könnte die Ausgangsbasis – das wohl schönste Coupé, das Paul Bracq je aus der Feder geflossen ist – kaum besser sein. Der Mercedes W111 aus den 1960er-Jahren ist ein Musterbeispiel für eine treffsichere Kombination aus ausgeglichenen Proportionen und perfekten Details. Die „kleine Heckflosse“ genießt in Sammlerkreisen einen Sonderstatus. Für gut erhaltene Cabrios werden satt sechsstellige Summen fällig.

Auch die Entscheidung, mit der Karosserie des Klassikers die Technik eines Mercedes-AMG C 63 S einzukleiden, hört sich verlockend an. Schließlich verhilft der Biturbo-V8 aus dem AMG-Regal dem Oldie zu 510 PS (375 kW) und Fahrleistungen, von denen man vor 60 Jahren nur im LSD-Rausch träumen konnte. Doch sind die Kugel-Worker nicht über das Ziel hinausgeschossen, als sie die Kotflügel des Coupés aufpumpten wie übermotivierte Bodybuildende ihren Bizeps?

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Der Preis pro PS des Kugel Works-Mercedes ist fast schon günstig

Im Verbund mit anderen fragwürdigen Details wirkt das, als sei die Blechhaut mit Kollagen unterfüttert worden, um einem alternden Body neue Jugend anzutrimmen. Auch den grobschlächtig gezeichneten Seitenschürzen und den Stoßfängern fehlt es an der lässigen Eleganz, die das Mercedes-Coupé einst aus der Menge hervorstechen ließ. Wahrscheinlich hätte man es besser bei den Original-Chromstangen belassen. Beim (allerdings schwarzverchromten) Kühlergrill und den Leisten rund um die grazilen Scheiben funktioniert dies deutlich besser. Auch die LED-Leuchten vorne und hinten dürfen als gelungene Anpassung an den Zeitgeist gelten. Die feisten 20-Zoll-Felgen im Design eines Schwenkgrills eher nicht.

Vom Innenraum hat die kalifornische Tuningschmiede noch keine Bilder veröffentlicht. Analog zum Mercedes 600, der bereits in den Genuss der Kugel Works-Behandlung gekommen ist, darf man mutmaßen, dass das Interieur des C-Coupés der Generation C205 nahezu unverändert übernommen werden wird. Was immerhin eine gewisse Harmonie aus Form und Funktion erwarten lässt. Außerdem: Verglichen mit dem 600er gibt es den One Eleven beinahe schon zum Trostpreis. Während die staatstragende Limousine mit 850.000 Dollar sehr ehrgeizig eingepreist wurde, soll der One Eleven schon für den Gegenwert von 480.000 Dollar (respektive 730.000 und 421.000 Euro, Preise Stand August 2026) aus der Werkhalle in LA rollen. Damit ist der Preis pro PS kaum höher als der für ein naturbelassenes 220 S Coupé im Bestzustand, das sich einst mit 120 PS (88 kW) begnügen musste.

Quellen