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Hymer Tramp S 585: Test Hymers Sprinter-Basismodell im Test

von Martin Urbanke 11.03.2022
Inhalt
  1. Hymer Tramp S 585 im Test
  2. Hymer Tramp S 585: Schnelle Diesel-Standheizung
  3. Wenig Zuladung im Hymer Tramp S 585
  4. Technische Daten des Hymer Tramp S 585

Der Hymer Tramp S 585 steht als Basismodell auf Sprinter-Basis und im Gegensatz zu den höherpreisigen Modellen der Camper-Marke auf einer frontgetriebenen Mercedes-Plattform anstatt auf dem hauseigenen SLC-Rahmen. Wird der 585 im Test den hohen Erwartungen gerecht?

Schon auf den ersten Metern im Hymer Tramp S 585 fällt auf, dass auch der günstigste Teilintegrierte mit Mercedes Sprinter-Chassis ein grundsolides Fahrzeug worden ist. Anders als bei den B-Klasse-Modellen und ML-T-Typen verwendet das Traditionsunternehmen aus Bad Waldsee für die Tramp-Serie nicht den hauseigenen SLC-Rahmen, sondern greift auf die Original-Chassis von Mercedes mit Vorderradantrieb zurück. Im Test überzeugt das Chassis mit hoher Verwindungssteifigkeit und der gesamte Möbelbau wirkt durchweg solide und passgenau. Nichts rappelt, nichts klappert, nicht einmal die Glasabdeckung über dem dreiflammigen Gasherd ist zu hören – herrlich. Eben genau so, wie man es von einem Hymer erwartet. Allerdings ist der Fußboden nicht durchgehend eben gestaltet, sondern weist im Übergang von der Küche zum Schlafbereich eine gut 14 Zentimeter hohe Stufe auf. Auch der beheizte Doppelboden bleibt den Wohnmobilen mit SLC-Fahrgestellen vorbehalten. Doch dank guter Isolierung muss man auch im Tramp S keine kalten Füße fürchten, zumal die serienmäßige Diesel-Standheizung rasch und mit leisem Lüftergeräusch wohlige Wärme verbreitet. Optional gibt es noch effizientere Heizungssysteme mit elektrischen Heizstäben für eine blitzschnelle Warmwasserversorgung sowie einem Höhen-Kit, das die Leistungsfähigkeit auch im alpinen Bergland aufrechterhält. Und wer den Hymer Tramp S 585 unbedingt mit Gas heizen möchte, kann optional auch das tun. Mehr zum Thema: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Hymer Tramp S 585 im Test

Doch serienmäßig setzt der Hymer Tramp S 585 auf Diesel, was den Brennstoff-Nachkauf vereinfacht und die Autarkie erhöht. Da auch der Kompressor-Kühlschrank ohne Gas auskommt, genügt für das Kochen ein Vorrat von zwei Mal 2,75 Kilogramm. Jedoch sollte man einen zweiten Akku für den Aufbau in Erwägung ziehen, wenn man mehrere Tage ohne Landstrom auskommen möchte. Zum Kochen allein genügt das Gas ganz locker und die kleinen Flaschen lassen sich im Ausland leichter ersetzen. Außerdem lässt der kleine, von außen zugängliche Gaskasten viel Stauraum im Küchenblock übrig. So gibt es genug Platz für Geschirr, Vorräte, Töpfe, Pfannen und allerlei Kleinkram. Der Herd mit drei Flammen ist erfreulich groß und das ovale Spülbecken bietet genug Platz für den Abwasch. Für eine aufrechte Haltung garantiert neben der 93 Zentimeter hohen Arbeitsfläche auch die Stehhöhe von fast 2,05 Meter. Unter dem Hubbett im Bereich der Sitzgruppe messen wir in unserem Test immerhin noch über 1,85 Meter Stehhöhe. Von gelungener Raumausnutzung zeugt auch das Bad des Hymer Tramp S 585: Das Wandelement mit Spiegel, Waschtisch und Toilettenpapier-Halter lässt sich im Ganzen zur Seite über die Toilette schwenken. Dadurch entsteht eine feste Duschkabine von beachtlicher Größe. Ein Lüfter, eine Dachluke und zwei Abflussöffnungen im Boden sorgen dafür, dass Wasser und Feuchtigkeit aus dem Wohnmobil gut abgeführt werden.

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Hymer Tramp S 585: Schnelle Diesel-Standheizung

Etwas beengter als bei den 7,4-Meter-Grundrissen von Hymer fällt das Schlafabteil des 7,09 Meter langen Hymer Tramp S 585 aus. Die Matratze im Längsbett auf der Fahrerseite misst nur 1,85 Meter, das Exemplar rechts endet nach 1,80 Meter. Die größeren Tramp-Modelle bieten jeweils gut fünf Zentimeter mehr. Wem das nicht genügt, der kann entweder per Einlegepolster eine Liegefläche mit 2,05 Meter Breite realisieren und quer schlafen – oder verzichtet auf den raumhohen Kleiderschrank zwischen Bad und Bett und erhält dann ein um 22 Zentimeter längeres XXL-Bett. Dass der Tramp das Einstiegsmodell in die Hymer-Familie markiert, zeigt sich am Schlafkomfort. Zwar fallen die Matratzen mit zwölf Zentimetern Stärke erfreulich dick aus, doch ruhen sie lediglich auf einem Abstandsgewirk statt auf einem Lattenrost oder Tellerfedern. Wer eine feste Unterlage schätzt, wird sich daran nicht stören. Verwöhnte Rücken hätten es aber gern weicher. Gleiches gilt für das Hubbett, das jedoch mit über zwei Meter Länge und einer Breite von 1,28 Meter (am Fußteil nur ein Meter) auch zwei Personen aufnimmt. Optional offeriert der Hymer Tramp S 585 zudem ein Notbett, das sich aus den Elementen der Sitzgruppe erstellen lässt und zumindest groß genug ist, um ein Kind darauf unterzubringen. Tagsüber wirkt die Sitzgruppe des Wohnmobils im Test keineswegs beengt, sondern bietet auf den Drehsitzen im Cockpit, der L-förmigen Bank sowie dem Einzelsitz neben der Aufbautür Platz für fünf Personen. Der dreh- und verschiebbare Tisch (ca. 60 x 75 Zentimeter) hinterlässt einen soliden Eindruck, lässt sich aber zum Verdruss der Mitreisenden auf der Rückbank während der Fahrt nicht abbauen.

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Wenig Zuladung im Hymer Tramp S 585

Ein weiteres kleines Ärgernis in unserem Test des Hymer Tramp S 585 bildet der rechte Sicherungshebel des Küchenfensters, der nur wenige Millimeter vom scharfkantigen Aluprofil des Aufstellmechanismus entfernt ist – Gefahr für unachtsame Fingerkuppen. Auch beim Ausfahren der Trittstufen sollte man auf ausreichend Anstand achten, denn die Scheren-Konstruktion streckt sich rund 45 Zentimeter weit in Richtung der Schienbeine. Ohne die Stufen ist der Ein- und Ausstieg zudem sehr mühsam, da die Türschwelle etwa 70 Zentimeter hoch liegt. Von innen gilt es ebenfalls eine kleine Schwelle aus Riffelblech zu überwinden. Das gelingt spielend leicht, aber wer mal eben schnell die Krümel vom letzten Frühstück aus der Tür fegen will, bleibt daran hängen. Doch wenden wir uns schwerwiegenderen Themen zu: Das Leergewicht des mit etlichen Extras aufgewerteten Testwagens liegt bei 3120 Kilogramm – da bleiben nur noch magere 380 Kilogramm Zuladung übrig, solange man an den 3,5 Tonnen Gesamtgewicht festhält. Doch der Hymer wird auch als 3,88- und sogar 4,2-Tonner zugelassen, dann bremsen aber Lkw-Überholverbote und Tempolimits Temperament und Handling des fahraktiven Wohnmobils aus. Nicht zuletzt dank der vielen Assistenzsysteme des Mercedes-Chassis gefällt der Hymer Tramp S 585 spielerisch einfachem Umgang und guten Manieren. Das sowie der grundsolide und praktische Ausbau relativieren den Grundpreis – und die direkte Premium-Konkurrenz ist oft noch teurer.

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Technische Daten des Hymer Tramp S 585

AUTO ZEITUNG 02/2022Hymer Tramp S 585
Technische Daten
Motor2,2-Liter-4-Zyl.-Turbodiesel
Getriebe6-Gang, manuell; Vorderrad
Leistung125 kW/170 PS
Max. Drehmoment400 Nm bei 1600 - 2400/min
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)7090/2190/2960 mm
Leergewicht/zul. Gesamtgewicht3120/380 kg
Sitz-/Schlafplätze4 (opt.: 5)/2 (opt.: 5)
Ausstattung
Herd/Heizung3 Flammen, Gas/6 kW, Diesel
Gas2 x 2,75 kg
Frisch-/Abwasser110/100 l
Kaufinformationen
Basispreis73.990 Euro (150 PS/110 kW)

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Ja, auch der Hymer Tramp S 585 ist ein vollwertiger Hymer. Das Mercedes-Chassis bieten hohen Komfort und ist grundsolide. Das Gleiche gilt für die hochwertigen Aus- und Aufbauten, die trotz kleiner Detailschwächen einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Für die meisten Kund:innen dürfte der Tramp daher weit mehr als ein simples Basismodell sein.

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