Härtere Strafen für Gaffer: Forderung & Gesetzentwurf Bundeskabinett beschließt härtere Strafen gegen Gaffer

von Christina Finke 14.11.2019

Das Bundeskabinett will härtere Strafen für Gaffer einführen. Gerade die Rechte von Toten sollen in diesem Zuge besser geschützt werden: Zukünftig können Schaulustige, die Fotos und Videos an Unfallorten aufnehmen, mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden können.

Härtere Strafen für Gaffer und bei Fotos von Unfall-Toten ist das Ziel eines Gesetzentwurfs, den das Bundeskabinett Mitte November 2019 beschlossen hat. Bisher sind nämlich nur lebende Personen vor bloßstellenden Aufnahmen geschützt. Künftig sollen Freiheitsstrafene von bis zu zwei Jahren für entsprechende Vergehen möglich sein. Mit dem Gesetzentwurf der zuständigen Bundesjustizministerin Christina Lambrecht (SPD) setzt wird eine entsprechende Vorgabe des Koalitionsvertrags umgesetzt. Weil Rettungskräfte im Einsatz immer häufiger von Schaulustigen mit gezückten Handykameras ausgebremst werden, führte der Bundestag bereits 2017 härtere Strafen gegen Gaffer ein. Seitdem gilt es als Straftat, Polizei, Feuerwehr und Ärtze bei Unglücksfällen vorsätzlich zu behindern: Sensationslustige, die Verletzte und verunglückte Autos fotografieren oder filmen, müssen mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren rechnen. Ob die Aufnahmen veröffentlich werden oder nicht, ist dabei egal – es zählt das zur Schau stellen der Hilflosigkeit eines Menschen. Mehr zum Thema: Härtere Strafen für Raser 

Unfall-Szenarien in Autobahn-Baustellen (Video):

 
 

Härtere Strafen für Gaffer beschlossen (Gesetzentwurf)

Von einem neuen Verbot und härteren Strafen für Gaffer versprechen sich Rettungsdienste jedoch wenig Besserung. Schließlich brächten Verbote und Strafen nur etwas, wenn die Taten auch verfolgt werden könnten. "Das ist nett gemeint", sagte etwa Marco König, der Vorsitzende des Berufsverbands Rettungsdienst. Jedoch gebe es an Unfallorten zu wenig Polizisten, die Gaffern die Handys abnehmen könnten. Der Rettungsdienst selbst könne in solch emotionalen Situationen zudem keine Handgreiflichkeiten riskieren. Hinzu käme, dass Strafverfahren zu häufig eingestellt und gerichtlich nicht verfolgt würden. Darüberhinaus sei es extrem selten, dass Leichen an einem Unfallort nicht sofort abgedeckt würden. Der ADAC hingegen begrüßte schon im Frühsommer 2019 das Gesetzesvorhaben: "Wer tödlich verunglückte Opfer durch Bildaufnahmen oder Videos bloßstellt, muss bestraft werden", erklärte der Verband und fügte noch hinzu: "Für diese Art von Schaulustigkeit und Senationslust kann es kein Verständnis geben." Mehr zum Thema: Aussagen nach einem Unfall

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