WLTP & RDE: Verbrauchsmessung (Abgasmessung) Ab dem 1. September gelten verschärfte WLTP-Regeln

von Christina Finke 23.08.2019
Inhalt
  1. Abgasmessung: WLTP und RDE lösen NEFZ ab
  2. WLTP-Messverfahren liefert realistischere Verbrauchswerte
  3. Wie funktionieren WLTP und RDE?
  4. Wieso wurde der NEFZ abgeschafft?
  5. Wo wird der WLTP durchgeführt?
  6. Welche Grenzwerte gelten beim WLTP?

Am 1. September 2019 tritt die nächste Stufe des neuen WLTP-Messverfahrens in Kraft, um Verbrauch und Emissionen zu messen. Die Abgaswerte werden außerdem mittels RDE (Real Driving Emissions) zusätzlich auf der Straße erhoben.

Seit dem 1. September 2018 werden neue Pkw nur noch zugelassen, wenn ihre Abgas- und Verbrauchsmessungen nach dem Prüfstand-Messverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) ermittelt wurden. Zuzätzlich werden Emissionen mittels RDE (Real Driving Emissions) das erste Mal direkt auf der Straße erhoben. Zum 1. September 2019 werden die Vorschriften nun nochmals verschärft. Bei den Messungen gibt es weniger Toleranz und die Dokumentationspflichten werden ausgeweitet. Aber "die meisten Änderungen sind Korrekturen, Klarstellungen oder Verbesserungen", erklärt der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA). Vor allem müssen nach der Abgasnorm Euro 6d-temp-evap-isc eingestufte Neuwagen künftig strengere Vorschriften bei Verdunstungsemissionen (Evaporative Emission) erfüllen. Autobauer müssen zukünftig zwei Tage lang – bislang waren ein Zeitraum von 24 Stunden angesetzt – prüfen, wie viele Kohlenwasserstoffe aus dem Tank verdunsten können. Außerdem müssen die Hersteller zumindest mit Stichproben nachweisen, dass ihre Fahrzeuge die ursprünglichen Werte auch nach fünf Jahren im Betrieb noch einhalten. Zudem wurden Schaltpunkte und Fahrkurven geändert. 2018 verursachte die Umstellung auf den ersten Teil des WLTP-Messverfahrens noch ein Chaos: In der EU durfte kein Auto mehr ohne WLTP-Zertifikat verkauft werden, die Prüfstände wurden knapp und Dutzende Modelle waren monatelang nicht lieferbar. Nun müssen die Autobauer abermals neue Anforderungen der EU erfüllen – das Chaos soll diesmal jedoch ausbleiben. Die Autoindustrie verspricht, dass fast alle Modelle weiter lieferbar bleiben. BMW etwa habe alles schon abgeschlossen: "Wir haben alle Typgenehmigungen schon in der Tasche", sagt Sprecher Martin Tholund. Und auch Audi sieht sich diesmal gut gewappnet, fast alle Varianten seien schon zugelassen, erklärte Unternehmenssprecher Udo Rügheimer. Und auch beim Spitzenverband der Autoindustrie heißt es: WLTP Teil 2 "hält die Hersteller in Atem – der VDA rechnet aber nicht mit signifikanten Freigabeverzögerungen wie im vergangenen Jahr". Mehr zum Thema: Gewinner & Verlierer der WLTP-Umstellung

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Abgasmessung: WLTP und RDE lösen NEFZ ab

Bislang wurde der NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) genutzt, um zu errechnen wie viel Kraftstoff ein Auto verbraucht und ob es die Abgasgrenzwerte einhält. Dieser wurde 1992 als EU-weites Messverfahren eingeführt, galt jedoch schon seit einigen Jahren als überholt. Grund dafür waren die unrealistischen Rahmenbedingungen des Tests: Im Schnitt verbrauchten Pkw im Realbetrieb 42 Prozent mehr. Bisher dauerte der Fahrzyklus 20 Minuten und lief über elf Kilometer. Die Testwagen fuhren im Schnitt 33,6 km/h – für viele Autofahrer fern ihrer alltäglichen Nutzung. Im WLTP werden die Autos nun unter realitätsnäheren Bedingungen getestet und im Schnitt mit 46,6 km/h über rund 23 Kilometer gefahren. Auch Sonderausstattungen finden jetzt Berücksichtigung. Ganz neu sind die ergänzenden Messungen auf der Straße im RDE. Zunächst galt der neue Testzyklus nur für neue Typzulassungen der Hersteller, das heißt wenn ein Auto gänzlich neu auf den Markt gebracht wird – als neue Generation oder komplett neues Modell. Seit September 2018 werden die Daten aus dem WLTP für jede Neuzulassung zugrunde gelegt. Die Abgabe setzt sich aus Verbrauch und CO2-Ausstoß zusammen, der nach dem neuen Verfahren höher ausfallen wird, als nach dem alten NEFZ. Zur Umstellung im September 2018 hatte das für Verbraucher den Nachteil, dass der Fiskus entsprechend mehr Kfz-Steuer kassierte. Immerhin hält jeder Autokäufer in Europa vom Hersteller aber nun den CO2-Wert seines individuellen Autos und sieht, wie sich Panoramadach, Anhängerkupplung oder 22-Zoll-Reifen auf Gewicht, Luftwiderstand und damit den Spritverbrauch auswirken. 

 

WLTP-Messverfahren liefert realistischere Verbrauchswerte

Natürlich wird der Autofahrer auch bei nach dem neuen WLTP- und RDE-Verfahren geprüften Messwerten weiterhin einen Unterschied zum Alltag feststellen. Schließlich richten sich Verbrauch und Stickoxidausstoß zu einem großen Teil nach der individuellen Fahrweise, der Nutzung von anderen "Verbrauchern" (z.B. Klimaanlage, Sitzheizung) und äußeren Einflüssen wie der Verkehrslage, der Strecke (z.B. Flachland oder Berge) und dem Wetter. Die neuen Messwerte sind jedoch näher am Realbetrieb und liefern Autofahrern eine bessere Basis zur Einschätzung der Umweltfreundlichkeit und Sparsamkeit ihres Modells. "Die Kunden erhalten mehr Klarheit und Verlässlichkeit für ihre Kaufentscheidung. Zudem werden die Fahrzeuge durch die neuen Vorgaben nochmals deutlich sauberer, Fortschritte für die Luftqualität werden damit schneller wirksam", erklärt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

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Wie funktionieren WLTP und RDE?

Das neue WLTP-Messverfahren sieht eine 30-minütige Fahrt über 23,25 Kilometer auf dem Prüfstand vor. Außerdem fließen Sonderausstattungen, unterschiedliche Karosserieformen oder die Bereifung verschiedener Modelle mit in die Messung ein. Der RDE wird auf der Straße ergänzend zum WLTP durchgeführt. Hier gibt es für die Messungen keine Vorgaben: Fahrstrecke, Geschwindigkeit, Wetter und Verkehrslage sind – wie in der Realität – beliebig. Die wichtigsten Unterschiede zwischen WLTP und NEFZ im Überblick:

 WLTPNEFZ
Länge23,25 km11 km
Dauer30 Minuten20 Minuten
Durchschnittstempo46,6 km/h33,6 km/h
Höchstgeschwindigkeit130 km/h120 km/h
Schaltpunkteindividuell festgelegtstandardisiert
Sonderausstattungberücksichtigtnicht berücksichtigt
äußere Faktoren (Temperatur)23 °C, 14 °C20-30 °C
Starttemperaturkaltkalt
 

Wieso wurde der NEFZ abgeschafft?

Der NEFZ stand vor allem wegen realitätsferner Messergebnisse in der Kritik: Verbräuche und Emissionen lagen im Alltagsbetrieb um bis zu 42 Prozent höher. Am gravierendsten waren die Unterschiede bei Diesel-Pkw, deren Stickoxidausstoß im Normalbetrieb um ein vielfaches höher liegt, als auf dem Prüfstand. Mit dem WLTP-Verfahren sollen die Angaben realistischer werden.

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Wo wird der WLTP durchgeführt?

Die Emissionsmessung mit WLTP und RDE wird in der Regel vom TÜV durchgeführt und manchmal sogar vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beaufsichtigt. Zusätzlich wird das KBA eigene Tests auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände in Leck (Schleswig-Holstein) durchführen. Diese Überprüfungen erfolgen stichprobenartig nach dem Vorbild von Doping-Tests und auf Verdacht.

 

Welche Grenzwerte gelten beim WLTP?

Aktuell darf ein Pkw maximal 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer im NEFZ ausstoßen. Da sich die Messwerte im WLTP und RDE durch die realistischeren Bedingungen erhöhen, darf ein Auto auf der Straße höchstens 168 Milligramm Stickoxid emittieren. Ab 2020 sinkt dieser Wert auf 120 Milligramm.

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