BMW X5 xDrive40i/Porsche Cayenne: Vergleichstest Der X5 fordert den Cayenne heraus

von Elmar Siepen 08.10.2019
Inhalt
  1. BMW X5 und Porsche Cayenne im Vergleichstest
  2. Fahrdynamik: Porsche Cayenne mit markentypischer Agilität
  3. Fahrkomfort: BMW X5 und Porsche Cayenne gleichauf
  4. Karosserie: BMW X5 glänzt mit besserer Variabilität
  5. Umwelt/Kosten: BMW X5 günstiger als der Porsche Cayenne
  6. Messwerte & Technische Daten BMW X5 xDrive40i & Porsche Cayenne

Der BMW X5 spielt in seiner Liga die Dynamik-Karte aus. Ob diese auch gegen ein betont sportliches SUV sticht, klärt der Vergleichstest mit dem Porsche Cayenne!

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW X5 xDrive40iPorsche Cayenne
Karosserie (1000)795783
Fahrkomfort (1000)849845
Motor/Getriebe (1000)622596
Fahrdynamik (1000)773782
Eigenschaftswertung (4000)30393006
Kosten/Umwelt (1000)261234
Gesamtwertung (5000)33003240
Platzierung12

Steht Wirtschaftlichkeit wirklich an erster Stelle, wenn Autos wie der Porsche Cayenne oder der BMW X5 mit Grundpreisen jenseits der 70.000-Euro-Schwelle ins Auge gefasst werden? Eben. Deshalb sollten auch passende Benziner nicht aus dem Blickfeld geraten. Außerdem ist das Leben kurz genug und sollte noch ein bisschen Platz bieten für das Vergnügen diesseits miesepetriger Weltuntergangsszenarien. Deshalb haben wir für diesen Vergleichstest zwei Sechszylinder-Turbobenziner ausgewählt: den BMW X5 xDrive40i mit 340 PS starkem 3,0-Liter-Reihensechszylinder und den hubraum- und leistungsgleichen Porsche Cayenne mit V6-Motor.

BMW X5 im Fahrbericht (Video):

 
 

BMW X5 und Porsche Cayenne im Vergleichstest

Alle, die den bajuwarischen Reihensechszylinder bereits vor ihrem geistigen Auge sterben sahen, können beruhigt sein. Er lebt weiter, im neuen BMW X5 sogar prächtiger als je zuvor. Seine 340 PS haben mit dem SUV leichtes Spiel. Sein Lauf ist dank perfektem Massenausgleich von geradezu beispielhafter Vibrationsarmut geprägt. Wenn Leistung gefragt ist, reagiert er sehr spontan auf Gaspedalbefehle und schiebt das immerhin 2179 Kilogramm schwere Luxus-SUV dank 450 Newtonmeter Drehmoment in nur 5,8 Sekunden über die 100-km/h-Marke. Dabei begeistert er mit ausgeprägter Drehfreude und verkneift sich akustische Aufdringlichkeiten. Stets zur Stelle ist die Achtstufen-Automatik, die punktgenau und sanft in die jeweils passenden Fahrstufe wechselt. Auch an der Tankstelle übt der BMW X5 vornehme Zurückhaltung und begnügt sich mit 10,7 Liter Super auf 100 Kilometer, was angesichts von Fahrzeuggröße und -gewicht als sehr genügsam bewertet werden kann. Das V6-Aggregat des Porsche Cayenne konsumiert mit 11,9 Liter Super deutlich mehr und wirft quasi zur Rechtfertigung geringfügig bessere Fahrleistungen in die Waagschale. Im Alltag werden diese – bis auf den etwas besseren Durchzug bei hohen Tempi – allerdings kaum spürbar. Stärker in Erinnerung bleiben dagegen das subjektiv im Vergleich zum BMW X5 etwas trägere Ansprechverhalten und die ebenfalls achtstufige Automatik, die beispielsweise beim Herunterschalten während des Heranrollens an Kreuzungen mit angelegter Bremse auch im Normal-Modus mitunter Schaltrucke produziert.

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Fahrdynamik: Porsche Cayenne mit markentypischer Agilität

Doch was ist schon Motorleistung ohne ein entsprechendes Fahrwerk, welches dafür sorgt, dass die Power auch auf den Asphalt gelangt. Hier greifen beide Hersteller in die Vollen: Luftfederung, adaptive Dämpfer, Wankstabilisierung (nur Porsche), Hinterachsdifferentialsperre (nur BMW), Allradlenkung und üppige 21-Zoll-Mischbereifung sollen helfen, die hohen Gewichte bestmöglich über den Handling-Parcours zu scheuchen. Der Porsche Cayenne macht seine Sache im Vergleichstest wie erwartet gut: Die Lenkung bietet insgesamt eine bessere Rückmeldung als die des BMW X5, die mit zunehmendem Lenkwinkel an Meldefreudigkeit verliert. Die Aufbaubewegungen des Zuffenhauseners werden bei Kurvenfahrt dank der Wankstabilisierung auf ein Minimum reduziert. Die Allrad-Lenkung unterstützt die Handlichkeit spürbar. Allerdings fühlt sich der Porsche Cayenne in engen Kurven weniger wohl als der BMW X5, was durch eine Untersteuerneigung spürbar wird. Das neutralere Eigenlenkverhalten des Müncheners resultiert auch aus einer um 153 Kilogramm niedrigeren Vorderachslast, während die Hinterachs-Differenzialsperre das bessere Herausbeschleunigen aus engen Kurven ermöglicht. Trotz ausgeprägterer Aufbaubewegungen ist der BMW im Handling und im Slalom im Vergleichstest schneller als sein Kontrahent, der sich mit einem kürzeren Kaltbremswert revanchiert. Als gewöhnungsbedürftig im X5 stellt sich das recht zackige Einlenken bei vergleichsweise niedrigem Tempo heraus.

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Fahrkomfort: BMW X5 und Porsche Cayenne gleichauf

Nicht nur bei Kurvenfahrt gefällt der Porsche Cayenne mit den besseren Sitzen: vorn durch eher muldenförmig ausgestaltete Sitzflächen und höhere Wangen, hinten durch besser konturierte Sitzflächen und Lehnen. Dafür müssen Porsche-Passagiere beim Federungskomfort leichte Abstriche machen, denn das schwäbische SUV verfügt über eine deutlich straffere Grundabstimmung als der BMW X5. So bekommt die Besatzung im Porsche Cayenne deutlich mehr von der aktuellen Fahrbahnbeschaffenheit mit als im X5. Um Missverständnissen vorzubeugen: Unkomfortabel ist der Porsche deshalb keineswegs. Was die Akustik angeht, so gefällt der BMW X5 im Vergleichstest mit einem etwas angenehmeren Klangbild, der Porsche hingegen durch einen in der Summe niedrigeren Innengeräuschpegel. Auf Reisen heißt es für Porsche-Neulinge, sich zunächst zu orientieren, denn die zahlreichen Touchpads wollen erst einmal erfasst sein, bevor die Bedienung in der Gänze leicht von der Hand geht. Der BMW verfügt nach wie vor über ein intuitiv zu bedienendes iDrive-System, dessen zahlreiche Untermenüs aber ebenfalls nach Orientierung verlangen. Zum Trost kommt er mit einem etwas praxistauglicheren Ablagenangebot daher.

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Karosserie: BMW X5 glänzt mit besserer Variabilität

Unzweifelhaft wirkt der BMW X5 innen großzügiger als der Porsche Cayenne, nicht zuletzt bedingt durch die recht breite Mittelkonsole des Porsche. Auch im Fond verbreitet der BMW X5 im Vergleich ein besseres Raumgefühl. Die Übersichtlichkeit im Cayenne wird durch nicht versenkbare Fondkopfstützen sowie breite C-und D-Säulen beeinträchtigt. Die längs verschiebbare Fondsitzbank erlaubt dagegen ein variables Standard-Ladevolumen von bis zu 770 Litern (BMW 650 Liter). Maximal können 1710 Liter im Porsche Cayenne und bis 1870 Liter im BMW verstaut werden, wobei der Cayenne dann aber eine stark ansteigende Ladefläche aufweist. Darüber hinaus bietet der BMW X5 die Option auf eine dritte Sitzreihe (2060 Euro), die ihn zum Siebensitzer macht. Bei Zuladung und Anhängelast liegt der Porsche mit 662 beziehungsweise 3500 Kilogramm eindeutig vor seinem Kontrahenten (621 und 2700 kg). Was die Materialqualität und die Verarbeitung angeht, zeigen sich beide Kandidaten sehr hochwertig, doch dringt im Porsche auf schlechten Straßen das eine oder andere Knistergeräusch an die Ohren.

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Umwelt/Kosten: BMW X5 günstiger als der Porsche Cayenne

Wie eingangs erwähnt: Autos dieses Schlages kauft niemand wegen der Wirtschaftlichkeit. Insbesondere das Konto von Porsche-Interessenten sollte gut gefüllt sein. So ist der Porsche Cayenne mit testrelevanter Ausstattung fast 11.500 Euro teurer als der BMW X5, beim Wertverlust schneidet er dagegen überraschend besser ab: binnen vier Jahren und 80.000 Kilometern um immerhin fast 5800 Euro. Bei den Werkstattkosten ist laut ADAC-Schätzung der BMW X5 günstiger. Das gilt auch für die bewertete Summe aus Haftpflicht und Vollkaskoversicherung. Seine höheren Kraftstoffkosten sorgen ebenfalls dafür, dass der Porsche im Kostenkapitel des Vergleichstest dem BMW X5 den Vortritt lassen muss. Ungeachtet aller Unterschiede tragen beide SUV das Prädikat Luxus nicht nur hinsichtlich ihrer Eigenschaften, sondern auch ihrer Kosten zu Recht.

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Messwerte & Technische Daten BMW X5 xDrive40i & Porsche Cayenne

AUTO ZEITUNG 11/2019BMW X5 xDrive40iPorsche Cayenne
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; TurboV6/4; Turbo
Hubraum2975 cm³2995 cm³
Leistung250 kW/340 PS250 kW/340 PS
Max. Gesamtdrehmoment450 Nm450 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/Allrad; permanent8-Stufen-Automatik/Allrad; permanent
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)2060/2179 kg1985/2168 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h5,8 s5,7 s
0 - 150 km/h11,9 s11,4 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)243 km/h245 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,2/34,2 m33,7/34,3 m
Verbrauch (Test/WLTP)10,7/10,4 l S/100 km11,9/11,6 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)254/234 g/km282/265 g/km
Preise
Grundpreis70.700 Euro74.828 Euro
Testwagenpreis82.140 Euro93.631 Euro

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Mit dem BMW X5 xDrive40i sind die Bayern im Automobilbereich ziemlich nah an die berühmte eierlegende Wollmilchsau herangekommen: Das neue Luxus-SUV bietet viel Platz für die Passagiere, ein sehr hohes Komfortniveau und einen seidenweich laufenden Reihensechszylinder, der angesichts seines Leistungsvermögens auch noch mit moderaten Verbrauchswerten aufwartet. Das Package aus Gewichtsverteilung und ausgeklügelter Allradtechnologie sorgt für hervorragende Fahrdynamik und am Ende für den Sieg im Vergleichstest. Der zweitplatzierte Porsche Cayenne punktet mit marginal besseren Fahrleistungen, gefällt mit der präziseren Lenkung und verwöhnt mit dem besseren Sitzkomfort. Er ist leiser und glänzt im Alltag mit 3,5 Tonnen Anhängelast. Seine Achillesferse sind allerdings die hohen Kosten.

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