X4 M Competition/GLC 63 S: Vergleichstest Kräftemessen der Power-SUV

von Michael Godde 02.11.2020
Inhalt
  1. BMW X4 M Competition und Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Mercedes GLC 63 S Coupé ist deutlich komfortabler
  3. Fahrdynamik: BMW X4 M Competition mit besseren Verzögerungswerten
  4. Motor/Getriebe: Das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé schafft 280 km/h Spitze
  5. Umwelt/Kosten: BMW X4 M Competition ist günstiger im Unterhalt
  6. Messwerte & technische Daten von BMW X4 M Competition und Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé

Mit dem BMW X4 M Competition und dem Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic + Coupé messen sich zwei familientaugliche Power-SUV. Das Ergebnis im Vergleichstest. 

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW
X4 M Competition
Mercedes-AMG
GLC 63 S 4Matic+ Coupé
Karosserie (1000)699681
Fahrkomfort (1000)649680
Motor/Getriebe (1000)630650
Fahrdynamik (1000)769765
Eigenschaftswertung (4000)27472776
Kosten/Umwelt (1000)212202
Gesamtwertung (5000)29592978
Platzierung21

Sie haben Familienzuwachs bekommen und suchen eine Alternative zu ihrem zu klein gewordenen BMW M4 oder Mercedes-AMG GT? Dann haben wir zwei Vorschläge: BMW X4 M Competition und Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic+ – zwei SUV-Coupés der besonders sportlichen Art, die im Alltag deutlich mehr Kompromisse machen als reinrassige Sportler. Dennoch steht auch bei ihnen die Fahrdynamik im Fokus. Welches der beiden 510-PS-SUV-Coupés den Spagat zwischen Alltag und Rennstrecke besser bewältigt, klärt der Vergleichstest im und abseits des öffentlichen Straßenverkehrs.

Der BMW X3 M im Fahrbericht (Video):

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BMW X4 M Competition und Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé im Vergleichstest

Den eingeschränkten Nutzwert eines Sportwagens mit zwei Sitzen muss man bei den zwei SUV-Coupés aus unserem Vergleichstest trotz aller Sportlichkeit nicht in Kauf nehmen. Der BMW X4 M Competition und das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé bieten Platz für bis zu fünf Personen und schultern obendrein auch noch reichlich Gepäck. Lediglich der schräge Heckabschluss reduziert ihre Vielseitigkeit gegenüber den Modellen mit steil abfallendem Heck – aber hier muss die Form ja nicht der Funktion folgen. Fallen vorn die Unterschiede bei der Raumökonomie noch sehr klein aus, stört beim Mercedes im Fond dann doch die durch das stark abfallende Dach geringere Kopffreiheit. Unter den großen Heckklappen der SUV-Coupés sieht es ähnlich aus: Der BMW X4 M Competition bietet etwas mehr Ladevolumen – allerdings nur maximal 30 Liter. Das lässt sich als AMG-Fan verschmerzen. Die Einschränkungen bei der serienmäßigen Sicherheitsausstattung dagegen nicht. Eigentlich gibt es für das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé alles, was der BMW X4 M Competition auch offeriert, nur muss beim Mercedes vieles extra bezahlt werden. Bei der Bedienung lässt der AMG ebenfalls Punkte liegen. Eigentlich gefällt seine Menüstruktur, und auch die Sprachbedienung zeigt sich verständig. Allerdings hat Mercedes die Einstellmöglichkeiten auf unterschiedliche Menüstränge mit verschiedenen Eingabequellen verteilt. Hier bietet der BMW eine logischere digitale Infrastruktur, ganz zu schweigen von der nach wie vor perfekten Eingabe über den zentralen Dreh-Drück-Steller. Touchscreen, Gestensteuerung und die perfekte Sprachbedienung, die auch tief in die Untermenüs findet, erleichtern den Umgang zusätzlich. Bei der Verarbeitung zeigt sich das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé von seiner besten Seite und überzeugt im Vergleichstest sogar noch etwas mehr als der sehr sorgfältig verarbeitete BMW X4 M Competition.

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Fahrkomfort: Mercedes GLC 63 S Coupé ist deutlich komfortabler

Apropos von seiner besten Seite zeigen: Das gilt auch für den Komfort des 510 PS starken Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé. Mercedes spendiert ihm trotz aller dynamischen Ambitionen ein Luftfederfahrwerk mit adaptiven Dämpfern. Und das hält den Benz nicht nur im Grenzbereich auf der Ideallinie, sondern überzeugt auch auf schlechten Pisten. Der AMG verarbeitet Unebenheiten souverän, poltert nicht zu grob über Querfugen und kommt auch nach großen Bodenwellen schnell wieder zur Ruhe. Davon ist beim BMW X4 M Competition nicht viel zu spüren. Sein viel zu hartes Set-up lässt sich auch nicht über die adaptiven Dämpfer auf Komfort trimmen. Der BMW kennt hart und noch härter. Auf der Autobahn bei hohem Tempo gefällt der Münchner noch mit seinem feinen Ansprechverhalten. Landstraßen und Tempo 50 auf schlecht gepflegten Innenstadt-Straßen bringen ihn aber ins Stolpern. Wegen der etwas lauteren Abrollgeräusche und den eng geschnittenen Sitzen, verliert er weitere Zähler. Unterm Strich ist daher das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé, das über optionale Multikontursitze verfügt, in diesem Vergleichstest der bessere Langstreckensportler.

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Fahrdynamik: BMW X4 M Competition mit besseren Verzögerungswerten

Der gelungene Gesamtkomfort des Mercedes steht einer feinen Fahrdynamik glücklicherweise nicht im Weg. Ganz im Gegenteil: Der Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic+ Coupé ist das ultimative Sport-SUV überhaupt. Der AMG hat bereits sein Potenzial auf der Nordschleife in den Asphalt gebrannt und geht auch auf dem Grand-Prix-Kurs in der Eifel während unseres Vergleichstests auf Bestzeitenjagd. Ja, er ist schneller als der BMW X4 M Competition. Aber der kleine Vorsprung an der Ziellinie beschreibt nur unzureichend, wie einfach es ist, den Schwaben im Gegensatz zum Bayern am Limit zu bewegen. Der 63 S ist ein Musterbeispiel an Fahrbarkeit. Er legt in Wechselkurven sanft sein Gewicht von der einen auf die andere Seite. Dabei kommuniziert er immer extrem intensiv mit seinem Piloten. Alle Informationen werden glasklar übermittelt. Jede noch so kleine Antwort des Fahrers wird dann vom 63er souverän umgesetzt. Missverständnisse bleiben aus. Der GLC fährt wie auf Schienen. Er trifft den Scheitelpunkt jeder Kurve millimetergenau – Runde um Runde. Lästiges Untersteuern ist ihm fremd, ebenso gibt es bei ihm keine spontanen Ausfallschritte der Hinterachse. Die Lenkung findet immer das richtige Maß an Intensität, ohne hektisch in den Händen zu tanzen. Der AMG-GLC ist ein echter Sportwagen und dabei narrensicher, aber alles andere als langweilig unterwegs. Der BMW X4 M Competition verlangt eine deutlich härtere und vor allem schnellere Hand am Limit. Der harsche Übergang ins Übersteuern sorgt im Münchner für wesentlich mehr Anspannung am Volant. Dennoch begeistert der Bayer mit seiner extrem präzisen Lenkung und seiner konsequent der Ideallinie folgenden Vorderachse. Das intensive Fahrerlebnis, bei dem man immer wieder das Heck selbst einfängt – oder über das DSC (ESP) einfangen lassen muss –, kostet aber Zeit und Vertrauen. Dafür bietet der BMW X4 M Competition sowohl mit kalter als auch mit warmer Bremsanlage die besseren Verzögerungswerte von Tempo 100 bis zum Stand. Und somit entscheidet der BMW das Fahrdynamik-Kapitel ganz knapp für sich.

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Motor/Getriebe: Das Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé schafft 280 km/h Spitze

Mit 510 PS sind sich beide Sport-SUV im Vergleichstest einig. Daher unterscheiden sie sich auch nur minimal bei den Fahrleistungen. BMW verlangt für die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 285 einen Aufpreis, beim Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé sind 280 km/h Serie. Unterschiede findet man in der Leistungsabgabe:  Der BMW X4 M Competition hat zwar auch Druck von unten, doch der Mercedes-V8-Biturbo zelebriert sein Drehmoment noch deutlich intensiver. Dabei scheut er sich keinesfalls vor Drehzahlen. Die gehen wiederum dem ebenfalls doppelt aufgeladenen Reihensechszylinder des Competition angriffslustiger von der Kurbelwelle.

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Umwelt/Kosten: BMW X4 M Competition ist günstiger im Unterhalt

Das Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic+ Coupé ist bereits in der Basis teurer als der BMW X4 M Competition. Das extrem teure AMG Performance Sitz-Paket Advanced und die großen 21-Zoll-Räder treiben den Preis sogar über die 100.000-Euro-Grenze. Der BMW X4 M Competition ist günstiger, verfügt über eine umfangreichere serienmäßige Ausstattung und entscheidet damit das Kostenkapitel des Vergleichstests für sich.

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Messwerte & technische Daten von BMW X4 M Competition und Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé

AUTO ZEITUNG 18/2020BMW
X4 M Competition
Mercedes-AMG
GLC 63 S 4Matic+ Coupé
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R6/4; BiturboV8/4; Biturbo
Hubraum2993 cm³3982 cm³
Leistung375 kW/510 PS,
6250 /min
375 kW/510 PS,
5500 - 6250 /min
Max. Drehmoment600 Nm, 2600 - 5950 /min700 Nm, 1750 - 4500 /min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik /
Allrad, Sperrdiff. hinten
9-Stufen-Automatik /
Allrad, Sperrdiff. hinten
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1970/2009 kg1935/2052 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)3,8 s3,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 (285) km/h280 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,3/33,5 m35,4/35,2 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)11,8/10,5 l SP /100 km11,7/12,7 l SP /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)280/259 g/km277/279 g/km
Preise
Grundpreis94.945 €96.906 €
Testwagenpreis97.333 €104.533 €

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Der Mercedes-AMG GLC 63 S 4Matic+ gewinnt diesen Vergleichstest souverän. Das SUV-Coupé beeindruckt mit seinem 510 PS starken V8-Biturbo auf der Rennstrecke mit feinem Handling und viel Gefühl im Grenzbereich sowie mit seinem rundum gelungenen Gesamtkomfort auch auf schlechten Strecken. Da darf der GLC im AMG-Trimm ruhig ein bisschen teurer sein als sein Gegner. Die M-GmbH hat beim BMW X4 M Competition durchaus einen guten Job gemacht, schließlich ist die Differenz auf der Rennstrecke zum Mercedes- AMG GLC 63 S nicht groß. Doch der X4 M Competition verlangt am Limit bewegt deutlich mehr Arbeit und eine erfahrenere Hand als der agile Schwabe. Das extrem hart abgestimmte Fahrwerk des Münchners geht zudem zu Lasten des Federungskomforts.

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