BMW M3 E30/Mercedes 190 Evo: Classic Cars Die Erfolgsmodelle M3 und 190 Evo

von Thomas Pfahl 24.07.2020
Inhalt
  1. BMW M3 E30/Mercedes 190 Evo: Classic Cars
  2. Der 190 Evo ist nur im Innenraum ein typischer Mercedes
  3. M3 E30 und 190 Evo sind längst Legenden
  4. Technische Daten von BMW M3 E30 und Mercedes 190 Evo

Auf den Rennpisten waren BMW M3 E30 und Mercedes 190 Evo einst erbitterte Gegner, mittlerweile sind die Helden des Tourenwagensports beliebte Classic Cars. Wie viele Emotionen vermitteln die ehemaligen DTM-Stars heute noch?

Das Duell BMW M3 E30 gegen Mercedes 190 Evo ist ein echter Klassiker. Roberto Ravaglia, Klaus Ludwig, Johnny Cecotto, Roland Asch – bei diesen Namen schlagen die Herzen der DTM-Fans noch heute höher. In der Hochzeit der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft scheuchten diese Piloten ihre M3 und 190 E in engen und meist harten Fights über die Pisten. Besonders Mercedes überraschte: Nach jahrelanger Abstinenz im Motorsport griff man damals mit dem jüngsten Modell, dem W201, wieder an. Der von Cosworth entwickelte Vierventil-Motor des 2.3-16 machte aus dem biederen Baby-Benz einen schlagkräftigen Sportler. Rekorde in Nardo, das Eröffnungsrennen am neuen Nürburgring und der Einstieg in die DTM, die gerade aus der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft entstanden war, sorgten für Unruhe in München. 1984 hatte Volker Strycek mit einem privat eingesetzten BMW 635 CSi die DPM gewonnen, ein Werks-Engagement sollte weitere Titel sichern. So bekam auch die junge Baureihe E30 ihren Sportler, wobei BMW noch konsequenter vorgegangen ist als Mercedes. Der M3 war nicht nur eine verspoilerte Limousine, sondern bekam eine eigene Karosserie – mit markanten geändertem Heck. Das Auto war von Anfang an als Homologationsmodell für die Gruppe A angedacht. Gemäß Reglement setzten auch die Bayern auf einen 16V-Motor mit 2,3 Litern Hubraum. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: 1986 wurde der BMW M3 E30 offiziell vorgestellt, 1987 und 1989 folgten die ersehnten Titel. Bis auf zwei Vize-Meisterschaften (Volker Weidler 1986, Roland Asch 1988) blieb der ganz große Erfolg für Mercedes noch aus. Die Stuttgarter entwickelten den 190er weiter, erhöhten den Hubraum auf 2,5 Liter – und präsentierten 1989 ein Evolutionsmodell. Der Mercedes 190 Evo 1 – und später der Evo 2 – waren jeweils auf die zur Homologation erforderlichen 500 Einheiten limitiert, was sie mittlerweile zu besonders gesuchten Modellen macht. Mehr zum Thema: BMW 3er E21 und E30

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BMW M3 E30/Mercedes 190 Evo: Classic Cars

Natürlich hat auch BMW den M3 weiterentwickelt und neben dem Evolution noch weitere Sondermodelle mit DTM-Bezug präsentiert. "Sportliche Limousinen machen den klassischen Sportwagen das Leben schwer", hieß es in der AUTO ZEITUNG 17/87. Gemeint war damit unter anderem der BMW M3 E30, der es im doppelten Spurwechsel ("Elchtest") durchaus mit dem damaligen Porsche 911 aufnehmen konnte.Die sportlichen Ambitionen des BMW sind auch heute noch erlebbar, das für ihn typische Übersteuern kündigt er rechtzeitig an. Somit bleibt er auch bei hohen Geschwindigkeiten gut beherrschbar. Fahrwerk und präzise Lenkung spielen bei ihm optimal zusammen. Hinzu kommt der kernige Motor, der auf dem von Alexander von Falkenhausen konstruierten M10-Vierzylinder basiert und für den Einsatz im Rennsport zum S14 mutierte. V-förmig angeordnete Ventile sorgen für einen schnellen Gas-Austausch, die fünffach gelagerte Kurbelwelle des relativ kompakten Motors erlaubt hohe Drehzahlen. Die Saugrohreinspritzung (für jeden Zylinder einzeln) sorgt letztendlich für den unverwechselbaren Klang des M3. Der M3 ist bis heute ein Auto für Liebhaber, nicht nur aufgrund der hohen Einstiegs- und Unterhaltskosten. Der Motor ist ein echtes Rennaggregat, das gedreht (und gewartet) werden will. BMW-Kenner Kevin Pecks, Besitzer unseres Foto-Fahrzeugs, weiß um die Qualitäten und Bedürfnisse seines Autos. Er hat den BMW M3 E30 zudem mit den begehrten dreiteiligen BBS-Rädern ausgerüstet und diese mit Semi-Slicks bezogen: "Die originalen Räder sind natürlich auch vorhanden!" Da sich der M3 von Beginn an einer großen Beliebtheit erfreute, sind die wenigen angebotenen Autos meist in recht gepflegtem Zustand. Immerhin sind im Laufe der fünfjährigen Bauzeit fast 18.000 M3 vom Typ E30 in Umlauf gekommen.

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Der 190 Evo ist nur im Innenraum ein typischer Mercedes

Schwieriger wird es beim 190er: Über 25.000 Autos mit dem 16V-Motor (2,3 und 2,5 Liter Hubraum) wurden zwischen 1984 und 1993 gebaut. Wer allerdings auf die großen, runden Kotflügelverbreiterungen, eine massige Frontschürze und den mittelgroßen Heckflügel des Mercedes 190 Evo 1 steht, sieht sich einem deutlich ausgedünnten Angebot gegenüber; teurer ist nur noch der Evo 2 mit dem ganz großen Flügel. Zum Beginn der 1989er DTM-Saison hatte Mercedes die nächste Stufe der schnellen 190er gezündet. Die Eckdaten des Evo 1 schienen dem bisherigen Topmodell zu entsprechen, tatsächlich hatten die Ingenieure die Technik aber umfassend überarbeitet: Der Motor war bei annähernd gleichem Hubraum deutlich kurzhubiger ausgelegt, was in erster Linie der Drehfreude zugute kam. Die Vorderrad-Aufhängung stammte ebenso wie die Vierkolben-Bremsanlage vom damals neuen SL (R129). Ganz offensichtlich spielte auch die Aerodynamik eine große Rolle. Das betraf in erster Linie Front- und Heckspoiler, aber auch die großzügigen Kotflügelverbreiterungen, in denen nun 16- statt 15-Zoll-Räder mit breiterer Bereifung untergebracht werden konnten. In der DTM wurden noch größere Räder gefahren, vereinzelt sind heute auch Evo-1-Modelle mit den 17-Zoll-Felgen des Evo 2 zu sehen – wie am Foto-Fahrzeug auf diesen Seiten, das uns von Eberhard Hess zur Verfügung gestellt wurde. Skurril wird der Anblick des Evo 1, wenn das Fahrwerk auf die höchste Stufe eingestellt ist – denn der sportliche Baby-Benz verfügt an beiden Achsen über hydropneumatische Dämpfer, mit denen sich der Abstand zum Asphalt regulieren lässt. Ist er im Normalzustand 15 Millimeter tiefer als der zahmere 2.5-16, so geht es per Druck auf den Schalter links hinter dem Lenkrad entweder um weitere 19 Millimeter nach unten oder um 30 Millimeter nach oben. Im Inneren ist der Mercedes 190 Evo 1 ein typischer 190er, wenn auch mit schwarzen Leder-Sportsitzen und Zusatzinstrumenten ausgestattet.

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M3 E30 und 190 Evo sind längst Legenden

Doch schon auf den ersten Metern wird klar: Der Mercedes 190 Evo will's wissen! Kurze Bodenwellen gibt er kaum gefiltert an die Insassen weiter, trotzdem wurde ihm im damaligen Test das von einem Mercedes erwartete Maß an Komfort für lange Autobahn-Etappen beschieden. Besonders gelobt wurde die präzise (Servo-)Lenkung, mit der sich der Evo 1 zielgenau in die Kurve einlenken lässt. Dabei verhält er sich – so die AUTO ZEITUNG 03/90 – "bis in Bereiche neutral, in die man im normalen Straßenbetrieb nie vorstößt". Dann kündigt sich ein mildes Untersteuern an. Was auch das Sportfahrwerk nicht unterdrücken konnte, war der für diesen Mercedes typische Bonanza-Effekt beim Anfahren. So skurril der Flügel-190 auf den konservativen Stammkunden damals auch gewirkt haben mag – sogar im Evo 1 hätte er die von Mercedes bekannte Perfektion jener Jahre erlebt. Wenn er sich denn schnell genug für das Sondermodell entschieden hätte, denn die 502 ausschließlich in Blauschwarzmetallic gefertigten Exemplare des Evo 1 waren im Nu verkauft. Doch die erste Evolutions-Stufe war noch nicht genug: DTM-Neueinsteiger Audi sicherte sich 1990 mit dem V8 und Hans-Joachim Stuck den Titel, BMW lag mit Vizemeister Johnny Cecotto wieder einmal vor den Mercedes-Teams. Erst auf Platz drei folgte Kurt Thiim im Mercedes 190. Die Stuttgarter legten erneut nach und entwickelten den abermals verschärften Evo 2 – mit dem Klaus Ludwig 1992 endlich die Fahrermeisterschaft gewann. Der Mercedes 190 Evo war somit nur eine kurze Zwischenetappe auf dem Weg zum ganz großen Erfolg. Vielleicht ist er deswegen auch nicht ganz so beliebt wie sein ebenfalls nur 502 Mal gebauter Nachfolger. Trotzdem trug er seinen Teil dazu bei, dass Mercedes 190 und BMW M3 heute zu den erfolgreichsten Tourenwagen der DTM-Geschichte gehören: Beide Autos konnten insgesamt 51 Siege für sich verbuchen – wobei der Mercedes dafür häufiger an den Start gehen musste als der BMW M3 E30. Man mag über die heutige DTM denken, was man will: Nie waren die Basisautos so nah an den Rennwagen wie damals. Oder umgekehrt. Egal, ob BMW, Mercedes oder ein Auto von einer der weiteren Marken: Wohl dem, der eine dieser Legenden sein Eigen nennt.

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Technische Daten von BMW M3 E30 und Mercedes 190 Evo

Classic Cars 11/2019BMW M3 E30Mercedes 190 Evo 1
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/44/4
Hubraum2286 cm³2463 cm³
Leistung147 kW/200 PS 6750/min143 kW/195 PS 6800/min
Max. Gesamtdrehmoment bei240 Nm 4750/min235 Nm 5000/min
Getriebe5-Gang-Getriebe5-Gang-Getriebe
AntriebHinterradHinterrad
L/B/H (mm)4360/1675/13654430/1720/1342
Leergewicht1225 kg1320 kg
Bauzeit1986-19911989
Stückzahl17.970502
Beschleunigung0 auf 100 km/h in 6,6 s0 auf 100 km/h in 7,7
Höchstgeschwindigkeit240 km/h230 km/h
Verbrauch12 l/100 km9 l/100 km
Grundpreis (Jahr)60.050 Mark (1987)87.204 Mark (1989)

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