Vergleich

Luxus-Könige: BMW 733i, Mercedes 350 SE, Diplomat V8 & XJ 4.2

Mit dem BMW 733i tauchte 1977 ein starker Konkurrent für Mercedes 350 SE, Jaguar XJ 4.2 und Opel Diplomat V8 auf. Die AUTO ZEITUNG begab sich auf einen 30.000-km-Vergleichstest mit einer ungewöhnlichen Wertung des Markenimages.

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BMW 733i/Mercedes 350 SE/Jaguar XJ 4.2/Opel Diplomat V8 fahrend von schräg vorne fotografiert.
In der Luxusklasse gab es 1977 lediglich vier technisch etwa ähnlich gelagerte Fahrzeuge. Foto: Willy Bister
BMW 733i fahrend von schräg vorne fotografiert.
Er manövriert sich in die automobile Spitzengruppe. Auf Anhieb kann er den Mercedes aber nicht schlagen. Foto: Willy Bister
BMW 733i fahrend von der Seite fotografiert.
Leichte Mängel beim Komfort und beim Fahrverhalten verhindern einen Sieg. Bei den Kosten spielt er sein modernes Konzept aus. Foto: Willy Bister
Das Cokcpit des BMW 733i
Das moderne BMW-Cockpit mit den feinen Instrumenten, Zentralkontrolle und nahezu optimaler Bedienung: Beste Bewertung im Test. Foto: Willy Bister
Der Motor des BMW 733i.
BMW 733i: 3,2 l Hubraum, Sechszylinder, 197 PS (145 kW), 198 km/h. Foto: Willy Bister
Eddi Arent im Sessel sitzend fotografiert.
„Der Schulabschluß ist nicht mehr von der Herkunft abhängig, sondern von Intelligenz und Beharrungsvermögen. BMW-Fahrer scheinen diese Eigenschaften in größerem Ausmaß zu besitzen als Kunden der DB-S-Klasse.“ (BMW über BMW). Foto: Winfried Rabanus
Jaguar XJ 4.2 fahrend von vorne fotografiert.
Hohe Kosten, weniger gute Raumausnutzung, ein schwächerer Motor und die indirekte Lenkung lassen kaum Euphorie aufkommen. Foto: Willy Bister
Jaguar XJ 4.2 fahrend von der Seite fotografiert.
Der Brite hat andere Reize. Er hat Charakter. Und die Kosten muss man einfach ignorieren. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Jaguar XJ 4.2.
Schönes Cockpit und viele Instrumente im Jaguar, die aber stark spiegeln. Die Funktionsschalter sind nicht eindeutig gekennzeichnet. Foto: Willy Bister
Der Motor des Jaguar XJ 4.2.
Jaguar XJ 4.2: 4,2 l Hubraum, Sechszylinder, 168 PS (124 kW), 193 km/h Foto: Willy Bister
Eddi Arent im Sessel sitzend fotografiert.
„Nicht zu überbietende Fahrkultur für die kleine Gruppe von Automobilkennern, für die ein Auto nicht eine Frage des Geldes, sondern des Stils ist.“ (Jaguar über Jaguar) Foto: Winfried Rabanus
BMW 733i/Mercedes 350 SE/Jaguar XJ 4.2/Opel Diplomat V8 fahrend von vorne fotografiert.
Ein Mercedes der S-Klasse soll nach dem Wortlaut der Werbe-Strateg:innen auch unvergleichlich sein. Obwohl er in Serie vom Fließband rollt und keine anderen Rohstoffe benötigt als BMW, Opel oder Jaguar. Foto: Willy Bister
Mercedes 350 SE fahrend von vorne fotografiert.
Vier von fünf Kapiteln kann er für sich entscheiden. Seine Funktionalität, der gut genutzte Raum, ... Foto: Willy Bister
Mercedes 350 SE fahrend von der Seite fotografiert.
... hoher Komfort und ein für diese Größe fantastisches Fahrverhalten verhelfen ihm zum Sieg. Lediglich bei den Kosten wird er Zweiter. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Mercedes 350 SE.
Nahezu optimaler Arbeitsplatz im Mercedes. Feine Instrumente, Drehzahlmesser aber gegen Aufpreis, funktionelle Bedienung. Foto: Willy Bister
Der Motor des Mercedes 350 SE.
Mercedes 350 SE: 3,5 l Hubraum, V8-Motor, 195 PS (143 kW), 203 km/h Foto: Willy Bister
Eddi Arent im Sessel sitzend fotografiert.
„Flotte Worte, modisches Blech und schicke Sportarmaturen taugen nicht mehr viel in den 70er Jahren. Auch 1977 war es nicht möglich, ein noch besseres Automobil zu bauen.“ (Mercedes über Mercedes) Foto: Winfried Rabanus
Opel Diplomat V8 fahrend von vorne fotografiert.
Er braucht sich dieses Ergebnisses nicht zu schämen. Obwohl ihm größere Käufergunst verwehrt blieb, ... Foto: Willy Bister
Opel Diplomat V8 fahrend von der Seite fotografiert.
... überzeugt er durch gute Platzierungen in allen Kapiteln. Damit beweist er kurz vor Ablösung durch den Senator seine Reife. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Opel Diplomat V8.
Gut ablesbare Instrumente, aber kein Drehzahlmesser im Opel Diplomat. Die Schalter liegen zu weit vom Fahrerplatz weg. Foto: Willy Bister
Der Motor des Opel Diplomat V8.
Opel Diplomat V8: 5,4 l Hubraum, V8-Motor, 230 PS (169 kW), 202 km/h Foto: Willy Bister
Eddi Arent im Sessel sitzend fotografiert.
„Es braucht keinen technischen Verstand, um technischen Fortschritt zu erkennen. Alle großen Dinge sind einfach“. (Opel über Opel) Foto: Winfried Rabanus
BMW 733i und Opel Diplomat V8 statisch von vorne fotografiert.
Auch die exklusiven Testkandidaten müssen in die Kältekammer. Startversuche nach 15 Stunden Auskühlung. Foto: Willy Bister
BMW 733i/Mercedes 350 SE/Jaguar XJ 4.2/Opel Diplomat V8 fahrend von schräg hinten fotografiert.
Der Mercedes hat die Nase vorne: auch hier, bei der Prüfung Anfahren am Berg auf dem VW-Testgelände. Foto: Willy Bister

Die Krönung der Luxusklasse: Vier Limousinen im härtesten 30.000-km-Dauertest

Auto fahren kann man für 6000 Mark. Oder für 40.000 Mark und mehr. Frage: Ist der Unterschied diese 34.000 Mark wert? Gerade das Thema teures Auto wird gern und häufig ideologisch diskutiert. Tatsache ist, dass es sich dabei um Güter handelt, die ihre Preise durch seriöse, aufwendige und zugleich richtungsweisende Technik rechtfertigen. Was in dieser Klasse an Sicherheits- und Komfort-Fortschritt geboten wird, färbt nicht selten auf die preisgünstigere Großserie ab. Die Qual der Wahl ist für die Käuferschaft dieser Klasse relativ klein.

Denn in der Luxusklasse gibt es lediglich vier technisch etwa ähnlich gelagerte Fahrzeuge. Seit Jahren Nummer eins in Popularität und Erfolg ist die Mercedes S-Klasse. Für den Vergleich orderten wir den 350 SE, der zwischen dem 280 SE und 450 SE angesiedelt ist. Von BMW kommt mit dem 733i das Topmodell der gerade erst präsentierten neuen 7er-Reihe. Der 350 SE wird von einem V8-Motor angetrieben, die 7er-Reihe von BMW von Sechszylinder-Aggregaten. Ein etwa vergleichbares Triebwerk sorgt im Jaguar XJ 4.2 für Leistung. Mit 168 PS (123 kW) ist er allerdings etwas schwächer als die Konkurrenz. Vierter im 150.000-Mark-Quartett ist der Opel Diplomat. Im Vergleich tritt die leistungsstärkste Version mit 5,4-l-V8-Motor an, die trotz der üppigen Leistung das preisgünstigste Fahrzeug im Vergleich ist. Fünf Wertungskapitel als Extrakt aus über 30.000 km, Mess- und Testfahrten zeigen auf, wo die Stärken und Schwächen der illustren Streiter liegen.

Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Mercedes 350 SE: Der Maßstab der Luxusklasse?

  • Mercedes 350 SE (78 Punkte) Der Schwabe erfüllt ohne Zweifel den Maßstab der Luxusklasse. Das Raumangebot ist groß, Sitze und Sitzposition sind hervorragend. Nichts zu mäkeln gibt es an den Ablagemöglichkeiten, der Pedalanordnung und den Instrumenten. Dass er der Konkurrenz nicht davonziehen kann, liegt am fehlenden Drehzahlmesser, an der niedrigen Zuladung sowie an der Zentralverriegelung, die bei Mercedes nur gegen Aufpreis erhältlich ist.

  • BMW 733i (77 Punkte) Der Bayer kommt im Platzangebot hervorragend weg, wobei er durch die einzeln ausgeformten Rücksitze und den breiten Kardantunnel mit der Heizungsbedienung für die Fondpassagiere nur als optimaler Viersitzer, nicht jedoch als Fünfsitzer gelten kann. Die serienmäßige Zentralverriegelung, die Ausstattung, die Ablagen und die Pedalanordnung sind ohne Tadel. Weniger gut kommt die Übersichtlichkeit der Karosserie, vor allem jedoch die Sitzeinstellung weg. Die richtige Sitzposition erfordert geduldige Einstellung. Zudem bieten die Lehnen im 7er-BMW oben zu wenig Rückhalt.

Das Cockpit des Mercedes 350 SE
Foto: Willy Bister
  • Opel Diplomat V8 (76 Punkte) Dem großen Fahrzeug traut man mehr Raumangebot zu. Doch gleich mehrere Höchstnoten holt sich der Opel beim guten Einstieg vorne und hinten, der optimalen Übersichtlichkeit der Karosserie, der mit 481 kg höchsten Zuladung sowie den gut ausgeformten Sitzen. Türverriegelung, Instrumenten-Anordnung, der kleinste Kofferraum im Feld und die mäßige Ausstattung verhindern den Kapitelsieg.

  • Jaguar XJ 4.2 (64 Punkte) Die formschöne Karosserie ist flach. Der Jaguar hat dadurch weniger Platz, auch im Kofferraum. Die Karosserie ist nicht übersichtlich. Zudem ist der Einstieg vorne und hinten eher etwas mühselig. Darüber hinaus hapert es an der Ausstattung. Das macht auch die serienmäßige Lederausstattung nicht wett.

Welcher Luxusliner hat das beste Image?

Ein spezielles Kapitel und einmalig in der Testgeschichte der AUTO ZEITUNG: Das Kapitel Image mit der (nicht ganz ernst gemeinten) Charakterisierung der typischen Fahrer der Marken, dargestellt vom unvergleichlichen Schauspieler Eddi Arent. Mercedes Erster, Jaguar Vierter – Messwerte und sachliche Fakten addieren die hier getestete, hohe Klasse in die Mittelmäßigkeit der Vergleichbarkeit hinein. Für jeden, der nicht schon immer Mercedes für das beste und Jaguar für das viertbeste Auto der Welt gehalten hat, ist so etwas das wahre Grauen.

Image findet in Testurteilen keinen Niederschlag. Wie auch? Lächerlich, BMW-Enthusiast:innen aufschwatzen zu wollen, Mercedes biete unterm Strich mehr. Anmaßend, den Diplomat (ha, ha: Fleischerwagen!) überhaupt mit dem Aristokraten Jaguar in Verbindung zu bringen. Schlichtweg peinlich das Ansinnen, die Überlegenheit eines Daimler-Benz mit der Durchführung eines Vergleichstests je in Zweifel ziehen zu wollen.

„Es braucht keinen technischen Verstand, um technischen Fortschritt zu erkennen. Alle großen Dinge sind einfach.“
Opel über Opel

Unvergleichlich ist ein glücklich gereifter Wein oder ein Werk aus Michelangelo Buonarrotis Sternstunden. Sternstunden? Ein Mercedes der S-Klasse soll nach dem Wortlaut der Werbe-Strateg:innen auch unvergleichlich sein. Obwohl er in Serie vom Fließband rollt und keine anderen Rohstoffe benötigt als BMW, Opel oder Jaguar. Und bei BMW spricht man von der nach menschlichem Ermessen vollkommen konstruierten Fahrmaschine, die die Unvollkommenheit des Maschinisten vergessen lässt. Verbale Himmelstürmerei hat ihr Ziel. Das Zauberwort heißt Image. Und Kenner:innen pflegen ihr „Immitsch“ zielstrebig. Wer die unvergleichliche (Mercedes-Anspruch), vollkommen konstruierte Fahrmaschine (BMW-Anspruch) mit aufwendigsten Achskonstruktionen (Diplomat-Anspruch) in der Garage hat, für den ist das Auto nicht eine Frage des Geldes, sondern des Stils (Jaguar-Anspruch).

Die hier reichlich frevlerisch vermischten Absolutheiten prägen das Image eines jeden einzelnen Autos. Gefestigtes Image heißt gefestigter Kundenkreis. Wo 40.000 Mark über den Tisch gehen, ersteht man beileibe nicht nur Auto. Man festigt oder verändert seinen Status in der Gesellschaft. Glückliche Fügung, wo Persönlichkeit des Kaufenden mit dem Image des Produktes deckungsgleich sind. Solches Gedankengut bewog die AUTO ZEITUNG, diesmal das Test-Team um einen Spezialisten zu erweitern: Eddi Arent, der dem Wechselspiel zwischen Herr und Hund, Auto und „Autler“ analytisch mit seinen Stilmitteln zu Leibe rückt und in Szene gesetzt wird von Fotograf Winfried Rabanus. Wer angesichts der Endwertung empört ein „Aber den kann man doch nicht fahren!“ herausstöhnt, der sieht bei den vier Fotos, wer „man“ ist.

Eddi Arent sitzend von vorne fotografiert.
Foto: Winfried Rabanus

Opel Diplomat V8: Herrvoragend abgestimmtes US-Triebwerk

  • Mercedes 350 SE (86 Punkte) Äußerst knapp gewinnt der 350 SE das Dynamik-Kapitel. Er liefert sich mit dem Sechszylinder-BMW ein Kopf-an-Kopf-Rennen und kann den Vorteil des V8-Motors nicht entscheidend einsetzen. Trotzdem ist der Mercedes-Antrieb in Summe der beste im Vergleich. Herausragende Fahrleistungen, hohe Laufkultur, Motortemperament und eine perfekt abgestimmte Automatik – was will man mehr? Den Start in der Kältekammer absolviert er bravourös. Der hohe Kraftstoffverbrauch (18,0 l/100 km) und die relativ geringe Anhängelast verhindern eine höhere Überlegenheit.

  • BMW 733i (85 Punkte) Der 733i wird dem guten Ruf, der den BMW-Motoren vorauseilt, vollauf gerecht. Er ist leistungsstark, nahezu so schnell wie die V8-Konkurrenten Mercedes und Opel, überaus kultiviert in der Leistungsentfaltung und dazu recht sparsam. Mit 15,1 l/100 km schluckt der Nobel-Bayer angesichts der guten Fahrleistungen relativ wenig. Verbunden damit ist ein großer Aktionsradius. Für die gute Platzierung sorgt auch die nahezu perfekt abgestimmte Getriebeautomatik. Aber auch der BMW darf mit 1300 kg relativ wenig ziehen. Dazu gab es kleine Probleme beim Kaltstart und Kaltlauf, da der Testwagen bei mehreren Versuchen wieder erstarb.

Der Motor des Opel Diplomat V8.
Foto: Willy Bister
  • Opel Diplomat V8 (83 Punkte) Dass auch ein US-Aggregat bei vernünftiger Abstimmung auf europäische Verhältnisse Hervorragendes bieten kann, zeigt der 5,4-l-Diplomat-Motor. Der 230-PS-V8 (169 kW) treibt den Super-Opel als Schnellsten auf 100 km/h. Auch beim Durchzug aus 70 km/h zahlt sich das bullenstarke Drehmoment aus. Allerdings muss dieser Leistungscharakteristik mit 18,1 l/100 km Tribut gezollt werden. Herausragend: die 1900 kg Anhängelast.

  • Jaguar XJ 4.2 (71 Punkte) Trotz 4,2 l Hubraum muss sich der Jaguar bei den Fahrleistungen eindeutig der PS-stärkeren Konkurrenz geschlagen geben. In allen Fahrleistungen liegt er hinter der nahezu ausgeglichenen deutschen Spitzengruppe. Der Jaguar überzeugt jedoch durch sein sich übertragendes Phlegma, das XJ-Fahrer:innen eher zu zügigem, aber keineswegs hektischem Reisen animiert. Zeigt sich die englische Wildkatze hier also geschmeidig und zahm, so reagiert sie auf Kommandos des Gasfußes an die Automatik fast schon widerspenstig. Pluspunkte: Die große Reichweite und die hohe Anhängelast von 1600 kg.

Jaguar XJ 4.2: Die Katze überflügelt in Sachen Fahrkomfort

  • Mercedes 350 SE (90 Punkte) Die Parade-Disziplin des Mercedes, hier baut er seinen Vorsprung aus. Obwohl kurze Stöße leicht spürbar sind, besticht er durch einen ausgezeichneten Fahrwerkskomfort, den die gute Sitzdämpfung noch unterstreicht. Das Reisen im 350 SE wird für Fahrer:innen und Gäste zum Vergnügen. Der Arbeitsplatz ist nahezu optimal gestaltet. Die Lenkungsübersetzung passt und die Pedale lassen sich leicht bedienen. Höchstpunkte auch für die in Automatik-Wagen vertretbare Fußfeststellbremse. Hohen Standard erreichen die Bedienungselemente und der auf dem Mitteltunnel platzierte Warnblinkschalter. Leichte Abstriche gibt es bei Heizung und Lüftung sowie für relativ laute Abrollgeräusche.

  • BMW 733i (83 Punkte) Hoch angesetzt waren die Ziele der BMW-Konstrukteure gerade in diesem Kapitel. Doch erreicht der 7er nicht die Perfektion des Mercedes, wenngleich die Bayern bei der Geräuschdämpfung einen riesigen Schritt weitergekommen sind. Optimal sind Heizung und Gebläse. Die konventionelle Feststellbremse liegt hervorragend im Griffbereich. Beim Fahrwerkskomfort dagegen kann der 7er das Klassenziel nicht ganz erreichen. Vor allem Nickschwingungen lässt er deutlich durch. Der guten Bedienung mit der vorbildlichen Zentralkontrolle steht der versteckt angeordnete Lichtschalter gegenüber.

Jaguar XJ 4.2 fahrend von der Seite fotografiert.
Foto: Willy Bister
  • Opel Diplomat V8 (82 Punkte) Der betagte Diplomat erfüllt auch heute noch hohe Ansprüche. So ist er in puncto Sitzkomfort und Innengeräuschdämpfung allen anderen weit voraus. Der Geräuschpegel im Innenraum lässt selbst bei Höchsttempo Flüstergespräche zu. Und in den Opel-Sitzen mit den hohen Lehnen fühlt man sich wie in Abrahams Schoß. Das Fahrwerk nimmt lange Wellen noch gelassen, kurze Stöße mag es allerdings nicht so gerne. Etwas zu weit vom Fahrerplatz liegen die Bedienungshebel und Schalter. Nicht mehr auf dem neuesten Stand sind die Heizung und das fast unzumutbare Gebläse. Bedienung und Geräuschpegel lassen zu wünschen übrig.

  • Jaguar XJ 4.2 (82 Punkte) Als Verlierer im klassischen Sinne kann der Jaguar bei Bedienung und Komfort nicht hingestellt werden. Ihn trennt nur ein Punkt vom Opel. Und schon mit einer vernünftigen und knieschonenden Handbremse würde er ihn überflügeln. Doch die auf das Fahrerknie zielende Stockhandbremse ist unter heutigen Sicherheitsaspekten nicht mehr tragbar. Auch die Bedienungselemente lassen keinen Automatismus zu. Bis auf die Hupe müssen die verschiedenen Funktionsschalter erst gesucht werden. Dagegen überflügelt der Jaguar seine Widersacher im Fahrwerkskomfort. Er schluckt kurze Stöße gut, Nickschwingungen kennt er nicht. Hervorragend auch die Fahrwerk-Geräuschdämpfung.

BMW 733i: Aktives Fahrzeug mit tollem Handling

  • Mercedes 350 SE (86 Punkte) Selbst die Konkurrenz bescheinigt dem Daimler, das beste Auto der Welt zu sein. Bei der Sicherheit beweist der Mercedes, wie ernsthaft gerade auf diesem Gebiet Erkenntnisse in die Serie umgesetzt werden, um diesem Ruf gerecht zu werden. Der 350 SE zeigt ein überragendes Fahrverhalten, ist reaktionsschnell um Hindernisse zu bewegen, vermittelt dabei stets einen guten Fahrbahnkontakt, hat die beste Bremsanlage, ein nahezu narrensicheres Kurvenverhalten, besitzt die besten Scheibenwischer und perfekte Sicherheitsgurte. Für die geringe Punkteinbuße sorgen ein leichtes Nachschwingen des Hecks im Slalom und leichte Reaktionen bei Gaswechsel. Das gute Licht sollte noch durch Höhenverstellung und eine Scheinwerfer-Waschanlage optimiert werden.

  • BMW 733i (80 Punkte) Ein neues Automobil ist auf Anhieb nur selten perfekt. Das bestätigt der 733i bei der Fahrwerksabstimmung. Er ist zwar sehr präzise zu fahren, schwingt aber beim Ausweichen vor Hindernissen und in Kurven mit dem etwas weich gefederten Heck leicht nach, was ein Unsicherheitsgefühl vermittelt, das sich auch in den Fahrzeiten bemerkbar macht. Auch der Geradeauslauf, die Reaktion auf Gaswechsel und das Kurvenverhalten werden dadurch negativ beeinflusst. Vor allem auf Nässe zeigt der 733i Schwächen. Gut sind dagegen die Wischer und das Handling des aktiv wirkenden Fahrzeugs. Das mit 7-Zoll-Scheinwerfern bestückte Licht ist gut, aber nicht sehr gut. Zudem verschmutzen die Gläser schnell.

BMW 733i fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Willy Bister
  • Opel Diplomat V8 (78 Punkte) Trotz seiner langen Bauzeit zeigt der Opel, dass er nicht umsonst jahrelang als das fahrsicherste Automobil in der Luxusklasse galt. Narrensicheres Kurvenverhalten, keine Reaktionen auf Lastwechsel und gute Zeiten im Slalom sind seine Stärken. Das Ausweichen vor Hindernissen leidet etwas unter der indirekten Lenkung. Die erst aus der Versenkung auftauchenden Scheibenwischer und die etwas teigig ansprechende Bremse sind Schwachpunkte. Fazit: Der Diplomat ist ein durchweg fahrsicheres Mobil mit kleinen Schwächen im Detail.

  • Jaguar XJ 4.2 (69 Punkte) Sind bestimmte Schwächen des noblen Briten bei Motor, Automatik und Karosserie noch verzeihbar, so wird es bei der Fahrsicherheit schon kritischer. Der Jaguar braucht als wichtigste Änderung eine wesentlich präzisere Lenkung, die Ausweichmanöver nicht zu einem Zufallsakt werden lassen. Die Bremspedalkräfte sind zu hoch, ein gefühlvolles Anbremsen ist kaum möglich. Tadellos ist dagegen der Geradeauslauf des Engländers. Funktioneller sollten dagegen die schnell abhebenden Wischer ohne Wisch-Wasch-Anlage werden.

Unterhaltskosten und Preiswürdigkeit

  • BMW 733i (77 Punkte) Der modern konzipierte Bayer ist in Ersatzteil- und Reparaturkosten geradezu auf Sparsamkeit getrimmt worden. Durch einen Verbrauch von 15,1 l/100 km setzt er sich auch in diesem Kriterium an die Spitze innerhalb des Tests. Erfreulich ist auch, dass bei der im Test bewerteten Sicherheitsausstattung nur noch die Gurte hinten nicht serienmäßig sind. All das macht den hohen Kaufpreis etwa wieder wett, denn der BMW ist mit 40.180 Mark der teuerste im Test.

  • Mercedes 350 SE (75 Punkte) Wenn es ein ungerechtfertigtes Vorurteil gegenüber Mercedes gibt, dann ist es im Kostenkapitel zu finden. Der als teuer verschriene Daimler ist in einigen Punkten überraschend preiswert. Da wären der unerreicht hohe Wiederverkaufswert, günstige Reparatur- und Ersatzteilkosten. Sprichwörtlich geradezu die gute Verarbeitung des Schwaben. Nicht so gut sehen dagegen Benzin- und Ölkosten aus. Mit 18,0 l/100 km Verbrauch und 7,9 l Motoröl, die alle 7500 km gewechselt werden müssen, geht es 350 SE-Fahrer:innen heftig an die Brieftasche.

BMW 733i/Mercedes 350 SE/Jaguar XJ 4.2/Opel Diplomat V8 fahrend von vorne fotografiert.
Foto: Willy Bister
  • Opel Diplomat V8 (68 Punkte) Trotz des relativ günstigen Preises fällt der Opel hier ab. Der 5,4-l-V8 mit 230 PS (169 kW) treibt bei Steuer und Versicherung wie auch beim höchsten Verbrauch (18,1 l/100 km) die Kosten in die Höhe. Zudem sinkt der Wiederverkaufswert rapide. Dagegen bereitet der Opel relativ niedrige Wartungs- und Ersatzteilkosten. Und man kann ihn in vielen der 2285 Opel-Werkstätten reparieren und warten lassen.

  • Jaguar XJ 4.2 (42 Punkte) Wer Jaguar fahren will, sollte eine dicke Brieftasche mitbringen. Denn dieses Auto zieht einem das Geld förmlich aus der Tasche. Für diese Geliebte muss man teuer bezahlen. Bis auf den mit 15,3 l/100 km vergleichsweise niedrigen Benzinverbrauch kostet bei der Wildkatze alles mehr. Unzumutbare Wartungs- und Ölwechselintervalle von 5000 km, teure Reparaturen und Ersatzteile und die ungünstigste Kasko-Einstufung schlagen ins Kontor.

Fazit und Wertung der vier Limousinen

  • Mercedes 350 SE (Der Perfekte, 423 Punkte) Vier von fünf Kapiteln kann er für sich entscheiden. Seine Funktionalität, der gut genutzte Raum, hoher Komfort und ein für diese Größe fantastisches Fahrverhalten verhelfen ihm zum Sieg. Lediglich bei den Kosten wird er Zweiter.

  • BMW 733i (Der Moderne, 402 Punkte) Er manövriert sich in die automobile Spitzengruppe. Auf Anhieb kann er den Mercedes aber nicht schlagen. Leichte Mängel beim Komfort und beim Fahrverhalten verhindern einen Sieg. Bei den Kosten spielt er sein modernes Konzept aus.

  • Opel Diplomat V8 (Der Verschmähte, 387 Punkte) Er braucht sich dieses Ergebnisses nicht zu schämen. Obwohl ihm größere Käufergunst verwehrt blieb, überzeugt er durch gute Platzierungen in allen Kapiteln. Damit beweist er kurz vor Ablösung durch den Senator seine Reife.

  • Jaguar XJ 4.2 (Der Vornehme, 327 Punkte) Hohe Kosten, weniger gute Raumausnutzung, ein schwächerer Motor und die indirekte Lenkung lassen kaum Euphorie aufkommen. Der Brite hat andere Reize. Er hat Charakter. Und die Kosten muss man einfach ignorieren.

Texte und Test-Team: Werner Müller, Bernd Dieter Reul, Günter Wiechmann, Eddi Arent, Gerd Drees, Klaus Merle, Ing. Wolfgang Siebert, Manfred Visang.

Technische Daten von BMW 733i, Jaguar XJ 4.2, Mercedes 350 SE und Opel Diplomat V8

AUTO ZEITUNG 20/21/1977

BMW 733i

Jaguar XJ 4.2

Mercedes 350 SE

Opel Diplomat V8

Zylinder

6

8

8

8

Hubraum

3210 cm³

4198 cm³

3499 cm³

5354 cm³

Leistung

145 kW/197 PS bei 5500 U/min

124 kW/168 PS bei 4750 U/min

143 kW/195 PS bei 5500 U/min

169 kW/230 PS bei 4700 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

277 Nm bei 4250 U/min

314 Nm bei 3000 U/min

277 Nm bei 4250 U/min

427 Nm bei 3000 U/min

Getriebe / Antrieb

3-Gang-Automatik / Hinterrad

3-Gang-Automatik / Hinterrad

3-Gang-Automatik / Hinterrad

3-Gang-Automatik / Hinterrad

L / B / H

4860 / 1800 / 1430 mm

4945 / 1770 / 1375 mm

4960 / 1870 / 1425 mm

4920 / 1852 / 1450 mm

Leergewicht

1600 kg

1730 kg

1675 kg

1690 kg

Beschleunigung null auf 100 km/h

10,1 s (AZ 20/21/1977)

12,9 s (AZ 20/21/1977)

10,1 s (AZ 20/21/1977)

9 s (AZ 20/21/1977)

Höchstgeschwindigkeit

198 km/h (AZ 20/21/1977)

193 km/h (AZ 20/21/1977)

203 km/h (AZ 20/21/1977)

202 km/h (AZ 20/21/1977)

Verbrauch auf 100 km

15,1 l S (AZ 20/21/1977)

15,3 l S (AZ 20/21/1977)

18 l S (AZ 20/21/1977)

18,1 l S (AZ 20/21/1977)

Grundpreis (Jahr)

38.600 Mark (1977)

38.500 Mark (1977)

36.430 Mark (1977)

34.950 Mark (1977)