Vergleich

Feuriges 70er-Duell: BMW 3.0 CSL trifft Ford Capri RS 2600

Es riecht nach Gummi, sonorer Sechszylinder-Sound erfreut die Ohren. Die einzig offene Frage ist, wer heute das Rennen macht: Der starke Bayer BMW 3.0 CSL oder doch die Kölner Frohnatur Ford Capri RS 2600?

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Ford Capri RS 2600/BMW 3.0 CSL statisch von schräg vorne fotografiert.
Capri oder CSL? Das lässt sich nicht wirklich entscheiden, denn feurige Faszination wecken beide Sportcoupés. Foto: Jürgen Gassebner
BMW 3.0 CSL fahrend von schräg vorne fotografiert.
Trotz der 25-Prozent-Sperre bringt der komfortable CSL seine Power ausgangs enger Kurven nur bedingt auf den Boden. Foto: Jürgen Gassebner
BMW 3.0 CSL fahrend von schräg hinten fotografiert.
Die Lenkkräfte des BMW 3.0 CSL liegen merklich über denen des Ford Capri RS 2600. Das Fahrverhalten des Bayern-Coupés ist aber nahezu narrensicher. Foto: Jürgen Gassebner
Das Cockpit des BMW 3.0 CSL.
Das Cockpit des CSL entstammt bis auf das Sportlenkrad der E9-Serie. Gut ablesbare Rundinstrumente, feines Holz, logische Bedienbarkeit – typisch BMW, klasse! Foto: Jürgen Gassebner
Der Innenraum des BMW 3.0 CSL.
Die Schaltensitze haben durchaus Schraubstockwirkung und sind dennoch komfortabel. Auch hier hat BMW toll aufgetischt. Foto: Jürgen Gassebner
Der Motor des BMW 3.0 CSL.
Der Reihensechszylinder vom Typ M30 bringt es im 3.0 CSL auf 3153 cm3 Hubraum, 206 PS (151 kW) und 286 Nm Drehmoment. Foto: Jürgen Gassebner
Ford Capri RS 2600 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Als Sportgerät reinsten Wassers geht der Capri RS 2600 in unserem Vergleich durch. Er fährt sich einfach wieselflink. Foto: Jürgen Gassebner
Ford Capri RS 2600 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Die Starrachse des Ford Capri RS 2600 arbeitet erstaunlich gut und sorgt zusammen mit der 40-Prozent-Differenzialsperre für bärige Traktion. Foto: Jürgen Gassebner
Das Cockpit des Ford Capri RS 2600.
Das kleine knuffelige Lenkrad des Capri passt wie angegossen und liegt sauber in den Händen. Die mechanische Lenkung geht sehr feinfühlig und superleicht Foto: Jürgen Gassebner
Der Innenraum des Ford Capri RS 2600
Die Sportsitze im Capri haben nicht ganz den rennsportlichen Zuschnitt wie im CSL, aber man sitzt total genial im Sport-Ford. Foto: Jürgen Gassebner
Der Motor des Ford Capri RS 2600.
Eine mechanische Kugelfischer-Einspritzung bereitet im Capri zündfähiges Gemisch auf und macht den V6-Motor damit technisch zu etwas Besonderem. Foto: Jürgen Gassebner
BMW 3.0 CSL/Ford Capri RS 2600 statisch von schräg hinten fotografiert.
Die Speedfraktion der Redaktion hatte selten so viel Spaß wie mit diesen beiden Sportikonen. Dienstwagenanträge laufen bereits. Foto: Jürgen Gassebner
BMW 3.0 CSL/Roland Asch/Ford Capri RS 2600 statisch von vorne fotografiert.
Rennlegende Roland Asch zog für uns höchstpersönlich ein paar launige Drifts an. Er kann's halt! Foto: Jürgen Gassebner

Duell für die Ewigkeit: BMW 3.0 CSL trifft Ford Capri RS 2600

Erinnern Sie sich noch ans Quartett-Spielen in Kinder- und Jugendtagen? Genau! Wer den BMW 3.0 CSL im Blatt besaß, hatte schon mal gute Karten. Und kam dann noch der Ford Capri RS 2600 dazu, konnten wir uns relativ entspannt zurücklehnen. Die beiden Sportler stachen damals und tun es noch heute, wie wir an einem herrlichen Frühsommertag erleben dürfen.

Es ist kurz vor 9 Uhr in der Früh, als sonores V6-Röhren die morgendliche Ruhe am Fuße der Schwäbischen Alb durchbricht und ein weiß-blauer Ford Capri RS 2600 – sichtlich von kundiger Hand bewegt – sich rasch unserem Testareal nähert. Am Steuer: kein Geringerer als DTM-Urgestein Roland Asch.

Der Capri-Motor ist kaum abgestellt, da erfreut tiefes, wohliges Sechszylinder-Schnurren die Ohren – der BMW 3.0 CSL ist im Anflug. Und auch hier sitzt kein Anfänger am Steuer: Ex-Kollege Otto Hofmayer, 19 Jahre lang bei Porsche im Fahrversuch tätig, begrüßt uns mit einem sämigen Drift, bevor er den spoilerbewehrten CSL mit knisterndem Reihensechser neben dem eher puristischen Capri abstellt.

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Video: AUTO ZEITUNG

Capri und BMW als Kontrapunkte zur Sprit-Spar-Zeit der 70er

Tatsächlich bringt uns der heutige Tag mit diesen beiden Sportgranaten ein wenig Jugendzeit zurück. Sie sind schön, sie sind laut und sie sind schnell, die beiden Sportcoupés aus dem Jahre 1973 – jenem Jahr, das ganz im Zeichen der ersten Ölkrise stand. Damals hatte die Bundesregierung ein Energiesicherungsgesetz erlassen, das an vier aufeinander folgenden Sonntagen vom 25. November 1973 an ein allgemeines Fahrverbot verhängte und für eine Zeitdauer von einem halben Jahr Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 km/h auf Autobahnen sowie 80 km/h auf Landstraßen vorschrieb.

Zu jener Zeit setzten Fahrzeuge wie der Ford Capri RS 2600 und der BMW 3.0 CSL freilich krasse Kontrapunkte zur Sprit-Spar- und Anti-Tempo-Bewegung, denn langsame Gangart war ihr Ding nicht. Gar nicht! Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Capri RS und der CSL wollen gefordert werden, und sie lieben das forsche Angasen in der Hand von Menschen, die ihr Handwerk verstehen. Dafür sorgen alleine schon ihre Antriebe. Beim CSL erfolgt dieser in bewährter BMW-Manier via Reihensechszylinder auf die Hinterräder, während der ebenfalls heckgetriebene Ford Capri von einem V-Sechszylinder befeuert wird.

Letzte Ausbaustufe des CSL mit 206 PS

Im BMW 3.0 CSL, den wir für diesen Vergleich von BMW Classic zur Verfügung gestellt bekamen, ist die letzte CSL-Ausbaustufe des legendären M30-Motors am Werk. Im Gegensatz zu den von 1971 bis Juni 1973 verwendeten 3,0-l-Triebwerken verfügt unser Coupé Sport Leichtbau (CSL) über den erhöhten Hubraum von 3153 cm3 sowie 206 PS (151 kW) an Stelle von bis dahin 200 PS (147 kW) Leistung und 286 statt zuvor 272 Nm Drehmoment.

Dem mit untenliegender, via Stirnräder angetriebener Nockenwelle, Stoßstangen und Kipphebeln konstruktiv eher bieder ausgelegten V6 half Ford beim Capri RS 2600 mit einer mechanischen Kugelfischer-Einspritzung sowie einer hohen Verdichtung von 10,5 auf die Sprünge. 7,7 s für den Sprint von null auf 100 km/h und 202 km/h Höchstgeschwindigkeit waren zur damaligen Zeit ein Wort. Dem setzte der BMW 3.0 CSL satte 220 km/h Topspeed und eine Beschleunigungszeit von Null auf Hundert in 7,1 s entgegen.

BMW 3.0 CSL fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Jürgen Gassebner

Moderne Bosch D-Jetronic im BMW

Im BMW 3.0 CSL sorgt eine Bosch D-Jetronic für die Gemischaufbereitung. Sie entstand bereits 1967 als erste elektronisch und druckgesteuerte Mehrpunkt-Benzineinspritzung, deren Prinzip darauf beruht, dass die benötigte Kraftstoffmenge abhängig von der Menge der angesaugten Luft über den im Einlasskanal herrschenden Luftdruck und über einen Druckfühler berechnet wird.

Im Gegensatz dazu steht die mechanische Kugelfischer-Einspritzung des Ford Capri 2600 RS. Die ersten RS 2600 waren noch mit dem so genannten Typ A der Kugelfischer-Einspritzung ohne Raumnocken ausgerüstet, was teilweise für einen hohen Verbrauch sorgte. Ford besserte hier mit der Typ B- beziehungsweise C-Einspritzung mit Raumnocken nach, was sportlichen Capri-Fahrenden neben verbesserter Dynamik auch einen vertretbaren Spritkonsum bescherte.

„Ein Auto musste beides können: Auf der Strecke schnell und dennoch voll alltagstauglich sein. Das erfüllt der Capri RS 2600 perfekt.“
Roland Asch

Beide Sechszylinder versprühen Drehfreude

So unterschiedlich beide Einspritzkonzepte sind, so gut funktionieren sie in der Praxis. Sowohl der V6 des Capri wie auch der Reihensechszylinder des BMW hängen gut am Gas und begeistern mit Drehfreude und einem ausgesprochen lebhaften Charakter. Neben der hohen Zuverlässigkeit seines mit einem 2637 cm3 großen und 150 PS (110 kW) starken V6 ausgerüsteten Ford Capri RS 2600 schätzt Roland Asch aber bis heute vor allen Dingen eins – den Spaß, den ihm die lediglich 3532 Mal gebaute Ford-Ikone bereitet.

Auf der Straße, aber auch im Motorsport, wo er ihn zu Anfang seiner langen Rennkarriere im Slalom einsetzte und den favorisierten Porsche 911 mächtig einheizte. Roland erinnert sich: „Seit 1968 fuhr ich Automobil-Slalom, und deshalb musste ein Auto damals immer beides können: auf der Strecke schnell und dennoch voll alltagstauglich sein. Diese Anforderungen erfüllt der Capri RS 2600 perfekt. Die angegebenen 150 PS (110 kW) hatten die RS-Exemplare mindestens, oft auch ein paar mehr. Ich bin den RS im Slalom unheimlich gerne gefahren und kann mich noch gut an meine ersten Auftritte erinnern.“

Kein Wunder also, dass der Schwabe, der in Altingen unweit von Stuttgart bis heute ein Ford-Autohaus betreibt, seinen Capri RS 2600 noch heute in den höchsten Tönen lobt und immer wieder gern bewegt.

Ford Capri RS 2600 fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Jürgen Gassebner

So dauert es denn bei unserem Fahrtermin auch nicht lange, bis Roland seinen Ford Capri RS 2600 erst behutsam an der Haftgrenze, dann leicht sämig driftend und schließlich schön quer durch die S-Kurven-Kombination jagt. Erstaunlich dabei, wie leichtfüßig und behände sich der Capri fahren lässt. Mit seiner feinen, ungemein leichtgängig und doch präzise arbeitenden Lenkung lässt er sich fast schon spielerisch dirigieren, wäre da nicht hinten die Starrachse in Verbindung mit dem 40-prozentigen Sperrdifferenzial, die in Sachen Querdynamik erst sehr lange mitspielt und dann schlagartig nicht mehr. Ein Dreher ist dann bei weniger Geübten durchaus drin.

Der CSL verlangt nach mehr Kraft

Etwas mehr Arbeit als der Ford Capri RS 2600 bereitet Otto der BMW 3.0 CSL. Die BMW-Lenkung arbeitet zwar ebenfalls präzise, doch erfordert sie merklich mehr Kraftaufwand, um den mit 1270 kg satte 220 kg schwereren CSL durch die S-Kurve zu scheuchen. Wenngleich der BMW hier von seiner Schräglenker-Hinterachse profitiert und den Grenzbereich selbst bei gepflegtem Driften erfreulich breit hält, so bietet er dennoch nicht die Leichtfüßigkeit des Capri und auch nicht dessen bärige Traktion.

Mit den lediglich 25 Prozent Wirkung seines Sperrdifferenzials bleibt der CSL zwar gutmütig, feuert aber nicht ganz so entschieden aus dem Eck, wie es der rennsportlicher zugeschnittene Ford vermag. Allerdings gibt der Münchener seinem Kontrahenten aus Köln spätestens auf längeren Geraden das Nachsehen, wo er seine gut 50 PS (37 kW) Mehrleistung ausschöpft.

Sportcoupés mit feuriger Faszination

Nachdem die beiden Erzrivalen durchgewechselt sind, bleibt Zeit für ein Fazit. Tatsächlich hinterlässt Rolands Capri einen äußerst knackigen Fahreindruck, flankiert von einem prächtig gehenden Motor und einem Getriebe, das sich fast schon mit dem kleinen Finger schalten lässt. Der BMW 3.0 CSL legt dagegen, bedingt durch sein deutlich höheres Gewicht, ein etwas behäbigeres Gebaren an den Tag. Und zu unserem Erstaunen schaltet sich das stets gerühmte BMW-Getriebe nicht ganz so exakt, wie wir das von den Münchener Schaltboxen ansonsten gewohnt sind.

Dafür setzt der BMW in puncto Bremsen die Bestmarke in unserem Sportcoupé-Duell. Astrein zu dosieren und prächtig in der Wirkung verzögern sie den CSL, wie man es von einem Sportler dieses Geblüts erwartet. Da kann der Capri nicht ganz mithalten, und Roland Asch erinnert sich noch gut an seine Slalom-Zeit mit dem RS: „Er liegt wunderbar ruhig, frei von nervösem Eigenleben, und das sorgte damals dafür, dass ich den Elfern teilweise eine halbe, manchmal auch eine ganze Sekunde draufbrannte. Lediglich die Bremsen hätten etwas üppiger dimensioniert werden dürfen.“

Fazit

Als bekennender BMW-Fan und Ex-Fahrer eines 3.0 CS gehört der 3.0 CSL in der letzten Ausbaustufe bis heute zu meinen Traumautos. Betörende Karosserieform, mit der 3,2-l-Maschine schön Druck im Kessel, dazu ein fast narrensicheres Fahrverhalten – das hat schon was, zumal er mit 220 km/h Spitze auch noch richtig schnell ist. Allerdings muss ich leicht zähneknirschend gestehen, dass ihn der mehr als 200 kg leichtere Ford Capri RS 2600 im sportlichen Betrieb klar schlägt. Im Capri geht alles sehr leicht und direkt von der Hand, und er lässt sich einfach spielerisch bewegen. Hinzu kommen sein lebendiger V6 und eine vorbildliche Traktion, die ihn aus Kurven heraus einfach Meter machen lässt. Dass der BMW auf schnellen Strecken dann doch nicht ins Hintertreffen gerät, ist seiner Motor-Power und den besseren Bremsen geschuldet.

Technische Daten von BMW 3.0 CSL und Ford Capri RS 2600

Classic Cars 08/2015

BMW 3.0 CSL

Ford Capri RS 2600

Zylinder / Ventile pro Zylin.

6 / 2

6 / 2

Hubraum

3153 cm³

2637 cm³

Leistung

151 kW/206 PS bei 5600 U/min

110 kW/150 PS bei 5800 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

286 Nm bei 4200 U/min

224 Nm bei 4000 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4661 / 1648 / 1369 mm

4185 / 1646 / 1263 mm

Leergewicht

1165 kg

1070 kg

Bauzeit

1973 – 1975

1970 – 1974

Stückzahl

167

3532

Beschleunigung null auf 100 km/h

7,1 s

7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

220 km/h

202 km/h

Verbrauch auf 100 km

10,2 l S 

14,1 l S 

Grundpreis (Jahr)

35.700 Mark (1973)

16.830 Mark (1973)