B 250 e/225xe Active Tourer: Vergleichstest 2er Active Tourer gegen B-Klasse

von Elmar Siepen 13.05.2020
Inhalt
  1. BMW 225xe Active Tourer und Mercedes B 250 e im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: BMW 2er Active Tourer mit straffem Fahrwerk
  3. Motor/Getriebe: Mercedes B-Klasse deutlich schneller unterwegs
  4. Fahrdynamik: BMW 225xe Active Tourer mit traktionsstarkem Allradantrieb
  5. Unwelt/Kosten: Mercedes B 250 e entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  6. Messwerte & technische Daten BMW 225xe Active Tourer & Mercedes B 250 e

Als Teilzeitstromer sollen Kompakt-Vans Familien möglichst umweltfreundlich transportieren. Wie das gehen soll, zeigen der brandneue Mercedes B 250 e und der BMW 225xe Active Tourer im Vergleichstest. Wir decken die Stärken und Schwächen auf.

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW 225xe Active TourerMercedes B 250 e
Karosserie (1000)608641
Fahrkomfort (1000)671670
Motor/Getriebe (1000)737759
Fahrdynamik (1000)642652
Eigenschaftswertung (4000)26582722
Kosten/Umwelt (1000)319334
Gesamtwertung (5000)29773056
Platzierung21

Der Vergleichstest mit dem Mercedes B 250 e und dem BMW 225xe Active Tourer zeigt, dass die Diskussion über Umweltfragen längst den Familientisch im heimischen Wohnzimmer erreicht halt und folglich auch nicht vor dem nächsten Autokauf haltmacht. Deshalb ist klar, dass der nächste Familientransporter nicht nur Platz für Erwachsene und Kinder haben, sondern gleichzeitig bitteschön auch sparsam und sauber durch die Lande rollen soll. Da reift der Gedanke an geräumige Plug-in-Hybride im Nu, zumal Vater Staat und die jeweiligen Hersteller jetzt gemeinsam 4500 Euro Kaufprämie zahlen. Die Teilzeitstromer sind zudem als Dienstwagen steuerlich begünstigt und werden als Brückentechnologie bis zum endgültigen Durchbruch der Elektromobilität gefeiert. Familientaugliche Versionen verkörpern hier etwa der BMW 2er Active Tourer und die Mercedes B-Klasse

Die Mercedes B-Klasse im Video:

 
 

BMW 225xe Active Tourer und Mercedes B 250 e im Vergleichstest

Dank intelligenten Packagings erfordert die Elektrotechnik an Bord zum Glück keine Kompromisse beim Platzangebot für die Insassen, da sie weitestgehend im Heck unter der Sitzbank beziehungsweise im Kofferraumboden untergebracht ist. Unabhängig davon haben Passagiere im Mercedes-Fond mehr Platz als im BMW 2er Active Tourer. Was den Laderaum angeht, müssen sich Käufer allenfalls beim Baumarktbesuch etwas bescheiden, denn beim Bayern sinkt das Maximalvolumen von 1510 auf 1350 Liter, beim elektrifizierten Schwaben von 1530 auf 1440 Liter im Vergleich zu den reinen Verbrenner-Versionen. Im Mercedes stört zudem eine Stufe im Ladeboden bei umgelegter Rücksitzlehne. Im Gegensatz zum BMW 225xe Active Tourer darf die Mercedes B-Klasse in diesem Vergleichstest bis zu 1800 Kilogramm schwere Anhänger ziehen. Im alltäglichen Umgang überzeugt die B-Klasse überdies mit einer sehr guten Sprachsteuerung. Soll die Bedienung allerdings manuell geschehen, ist das iDrive System des Münchners intuitiver bedienbar. Die umfangreichere Sicherheitsausstattung des Mercedes B 250 e, zum Beispiel mit den Optionen auf hintere Seitenairbags, prädiktiver Crashsensorik oder einem Ausweichlenkassistenten, zeigt aber, dass er das modernere Auto ist.

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Fahrkomfort: BMW 2er Active Tourer mit straffem Fahrwerk

Im Gegensatz zu den Verbrennerversionen lassen sich die elektrifizierten Kompakt-Vans nicht mit adaptiven Dämpfern ordern. Sie sind deswegen aber keineswegs unkomfortabel, zeigen jedoch deutliche Unterschiede: Der BMW 2er Active Tourer folgt eher der straffen Linie und leitet kurze Bodenwellen zum Beispiel oftmals wenig gefiltert in den Aufbau weiter, was für ungewollte, wenn auch nur leichte Karosseriebewegungen sorgt. Derlei Fahrbahnbeschaffenheit beeindruckt die Mercedes B-Klasse spürbar weniger. Dennoch gerät diese bei einseitigen Anregungen in leichtes Wanken. Mit voller Beladung lässt sie dagegen nur wenig nach und zeigt auf der Marterpiste des Testgeländes mehr Reserven, da ihr Federweg erst bei deutlich höherem Tempo aufgebraucht ist als der des BMW 225xe Active Tourers. Als störend in diesem Vergleichstest erweist sich im Mercedes B 250 e allerdings der Geräuschkomfort unter Volllast. Dann tritt ein relativ lautes Rauschen auf, was auf eiligen Etappen durchaus nerven kann. Im Gegenzug verwöhnt der Daimler im Fond mit dem klar besseren Sitzkomfort – der körpergerechter ausgeformten Lehne und der spürbar besseren Oberschenkelauflage sein Dank.

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Motor/Getriebe: Mercedes B-Klasse deutlich schneller unterwegs

Für den Hybrid-Antrieb in diesem Vergleichstest setzt der 225xe Active Tourer auf den bekannten, aufgeladenen 1,5-Liter-Dreizylinder an der Vorderachse mit 136 PS, während an der Hinterachse eine 65 kW leistende E-Maschine wirkt. Die Systemleistung von 224 PS erlaubt dem Allradler mit seinem Systemdrehmoment von 385 Newtonmeter einen Standard-Sprint von null auf 100 km/h in nur 6,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Einstellen muss man sich allerdings auf die Tatsache, dass es etwa oberhalb der Richtgeschwindigkeit spürbar zäher vorwärts geht, weil sich die E-Maschine dann ausklinkt und dem Verbrenner die Arbeit überlässt. Bis 130 km/h kann der BMW 2er Active Tourer auch rein elektrisch fahren. Mit verhaltenem Stromfuß kommt die Testcrew bei voller Batterie und Winterwetter 24 Kilometer weit, was deutlich unter der Werksangabe von 55 bis 57 Kilometer liegt. Auf der Testrunde konsumiert der Münchner 7,1 Liter Super und gemittelt 4,4 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer. Wer mit leerer Batterie und gehobenem Reisetempo unterwegs ist, muss infolge des kleinen Tankvolumens von nur 36 Litern häufiger Tankstopps einkalkulieren. Das gilt ebenso für die Mercedes B-Klasse (Tankinhalt: 35 Liter). Angetrieben von einem 1,3-Liter-Vierzylinder mit 160 PS und einem zwischen Motor und Getriebe positionierten 75-kW-E-Motor ist er ausschließlich mit Vorderradantrieb unterwegs. In der Beschleunigung auf 100 km/h fällt er mit 6,5 Sekunden nur wenig hinter seinen Konkurrenten zurück, überflügelt diesen aber mit 223 km/h in der Höchstgeschwindigkeit deutlich. Auch rein elektrisch ist er mit bis zu 140 km/h deutlich schneller. Im Alltag wirkt er selbst bei höheren Autobahntempi dank seiner heftigen 450 Newtonmeter Systemdrehmoment zudem deutlich spritziger als der BMW und verbraucht dabei mit 6,7 Liter Super auf 100 Kilometern auch noch weniger Kraftstoff. Dafür zieht er aber im Hybrid-Betrieb auf dieser Strecke auch 5,4 kWh aus seiner 15,6 kWh-Batterie. Anderseits lässt der Stromspeicher im reinen E-Betrieb 30 Kilometer lokal emissionsfreies Fahren zu. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe des Mercedes B 250 e senkt zwar das Drehzahlniveau deutlich im Vergleich zum Pendant des BMW. Dessen Sechsstufen-Automatik liefert dafür den besseren Schaltkomfort. Das belegen im Benz etwa gelegentliche Schaltrucke beim automatischen Herunterschalten im Schiebebetrieb.

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Fahrdynamik: BMW 225xe Active Tourer mit traktionsstarkem Allradantrieb

Der Allradantrieb garantiert dem BMW 2er Active Tourer jederzeit, dass die Kraft dorthin gelangt, wo sie hingehört: auf die Fahrbahn. Da rauchen die Reifen des Mercedes B 250 e schon eher, etwa wenn es darum geht, zügig aus der Kurve zu beschleunigen. Ansonsten wird vor allem in Wechselkurven offenkundig, dass der Bayer wesentlich träger auf Richtungsänderungen reagiert als der Schwabe. Immerhin bleibt der BMW dabei von ausgeprägten Wankbewegungen wie in der Mercedes B-Klasse verschont und erfordert bei Kurvenfahrt subjektiv auch kleinere Lenkwinkel. Darüber hinaus wartet der BMW 225xe Active Tourer in diesem Vergleichstest mit einer feinfühliger zu dosierenden Bremsanlage auf, was ihm aber in der Wertung des Fahrdynamik-Kapitels nicht wirklich hilft, denn hier punktet sich der Mercedes mit den kürzeren Bremswegen schließlich nach vorn. Davon abgesehen bleiben beide, etwa bei simulierten Ausweichmanövern, mit feinfühlig abgestimmten Regelsystemen stets im grünen Bereich. Somit sind sie nicht nur sehr fahr-, sondern darüber hinaus auch noch familiensicher.

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Unwelt/Kosten: Mercedes B 250 e entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

Da dieser Vergleichstest Monate vor der Markteinführung der Mercedes B-Klasse produziert wurde, lagen bei Testschluss die Daten für dessen Werkstattkosten, Wertverlust und Emissionen noch nicht vor. Deswegen haben wir diese Disziplinen nicht gewertet. Ansonsten fällt kostenseitig auf, dass beide unter Berücksichtigung der eingangs erwähnten E-Auto-Prämie mit Einstiegspreisen diesseits der 35.000 Euro finanziell noch in halbwegs erträglichen (Familien-)Regionen liegen. Beim bewerteten Preis mit testrelevanten Extras schneidet der technisch aufwendigere BMW 2er Active Tourer etwas schlechter ab. Und sein dünneres Garantiepaket sowie die höheren Versicherungskosten, die auf das Konto der Typklasse 25 in der Vollkasko gehen, sorgen dafür, dass der BMW 225xe Active Tourer auch in diesem Kapitel hinter dem Mercedes B 250 e landet. Überhaupt belegt der Blick auf die Kosten wieder einmal, dass es Umweltfreundlichkeit in der Regel nicht umsonst gibt und damit nicht immer auch eine besonders ausgeprägte Wirtschaftlichkeit verbunden ist.

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BMW 218d Active Tourer/Mercedes B 200 d: Test 2er Active Tourer gegen B-Klasse im Vergleichstest

 

Messwerte & technische Daten BMW 225xe Active Tourer & Mercedes B 250 e

AUTO ZEITUNG
06/2020
BMW 225xe Active TourerMercedes B 250 e
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1499 cm³1332 cm³
Gesamtleistung (Verbrenner + E-Motor)165 kW/224 PS (136 PS + 65 kW)160 kW/218 PS (160 PS + 75 kW)
Max. Gesamtdrehmoment385 Nm450 Nm
Getriebe/Antrieb6-Stufen-Automatik/ Allrad, zuschaltbar8-Gang-Doppelkupplung/ Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1675/1758 kg1675/1765 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h6,1 s6,5 s
0 - 150 km/h16,5 s13,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)202 km/h (130 km/h elektr.)223 km/h (140 km/h elektr.)
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
37,4/36,7 m36,9/35,0 m
Verbrauch (Test/kWh)7,1 l S/4,4 kWh/100 km6,7 l S/5,4 kWh/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)185/38 g/km181/29 g/km
Preise
Grundpreis (abzgl. Kaufprämie für Hybridautos)35.450 Euro33.164 Euro
Testwagenpreis37.010 Euro34.326 Euro

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Wer regelmäßig Strom tankt, idealerweise aus regenerativen Quellen, kann mit den beiden voll alltagstauglichen Kompakt-Vans auf Kurz- und Mittelstrecken umweltfreundlich fahren. Wer auf Langstrecken jedoch nicht dauernd laden will, kommt nur mit dem reinen Verbrennerbetrieb auf gehobene Reiseschnitte und muss öfters tanken. Davon abgesehen entscheidet der Mercedes B 250e mit mehr Platz, kräftigerem, sparsamerem Antrieb, umfangreicherer Sicherheitsausstattung und kürzeren Bremswegen den Test für sich. Die noch nicht verfügbaren Angaben zu Werkstattkosten, Wertverlust und Emissionen dürften angesichts des Punktevorsprungs daran nichts ändern. Dem kann der an sich sehr ausgewogene BMW 225xe Active Tourer nur den traktionsstarken Allradantrieb entgegensetzen – doch das reicht nicht.

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