BMW 218d Active Tourer/Mercedes B 200 d: Test 2er Active Tourer gegen B-Klasse im Vergleichstest

von Paul Englert 15.07.2019
Inhalt
  1. Mercedes B-Klasse und BMW 2er Active Tourer im Test
  2. Fahrkomfort: Mercedes B-Klasse leicht vorne
  3. Motor/Getriebe: Beide Motoren mit gleich hohem Verbrauch
  4. Fahrdynamik: BMW 2er Active Tourer gewinnt das Fahrdynamik-Kapitel
  5. Umwelt Kosten: BMW 2er Active kommt günstiger
  6. Messwerte und Technische Daten BMW 218d Active Tourer & Mercedes B 200 d

Wenn es ein bisschen mehr Platz sein soll, kommen Kompaktvans wie die neue Mercedes B-Klasse oder der BMW 2er Active Tourer ins Spiel – gern modern ausgestattet mit Premium-Attitüde und einem Schuss Pragmatismus. Test!

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW 218d Active TourerMercedes B 200 d
Karosserie (1000)637662
Fahrkomfort (1000)724734
Motor/Getriebe (1000)652658
Fahrdynamik (1000)652646
Eigenschaftswertung (4000)26652700
Kosten/Umwelt (1000)344330
Gesamtwertung (5000)30093030
Platzierung21

Die Mercedes B-Klasse oder der BMW 2er Active Tourer zeigen: Es muss ja nicht gleich der VW Bulli mit sieben Sitzen, Schiebetüren und Hochdach sein – doch wenn die Familie wächst, muss auch das entsprechende Vehikel her. Etwas mehr Platz wäre schön, komfortabel sollte es auch sein, sparsam sowieso, aber bitte nicht zu bieder, sondern schick, modern, schnittig und multimedial up to date. Das klingt nach SUV oder Crossover, könnte aber auch auf diese beiden Vans zutreffen – immerhin wurden letztes Jahr fast 25.000 B-Klassen neu zugelassen, im gleichen Zeitraum verkaufte BMW vom 2er Active Tourer rund 18.000 Stück. Welcher Van mehr bietet, checken wir mit je 150 PS starken Dieselmotoren und automatischen Getrieben.

 

Mercedes B-Klasse und BMW 2er Active Tourer im Test

Den Vorteil der um 20 Zentimeter längeren Karosserie und des um fünf Zentimeter größeren Radstands kann die neue Mercedes B-Klasse im Test nicht ganz ausspielen. Zwar bietet sie im Fond deutlich mehr Kopffreiheit, hat ansonsten aber keine echten Platzvorteile gegenüber dem BMW 2er Active Tourer. Im Gegenteil: Das Standard-Kofferraumvolumen des BMW ist sogar 23 Liter größer. In puncto Variabilität liegt der 2er mit serienmäßig dreigeteilt umklappbaren Fondlehnen, asymmetrisch geteilt verschiebbarer Fondbank (optional), umlegbarer Beifahrersitz-Lehne für die Verlängerung des Laderaums und Extra-Fach unter dem Kofferraum-Ladeboden mit dem Schwaben auf einem Niveau. Geht es um die mögliche Sicherheitsausstattung wird schnell klar, dass die neue Mercedes B-Klasse dank ihrer vielen Sicherheitsassistenten (teils optional) das modernere Auto ist. Diese warnen vor Gefahren und steuern, wenn nötig, gegen. Der serienmäßige aktive Spurhalte-Assistent arbeitet jedoch unharmonisch und greift mit teils abrupten selektiven Bremseingriffen ein, sobald man der weißen Fahrbahnrand-Markierung zu nahe kommt. Die Bremsung ist so stark, dass man erschrickt und der Nachfolgende Verkehr irritiert wird. Diesen Eingriff könnte man eleganter lösen, etwa über den Lenkassistenten (im Paket: 1797 Euro), der ebenfalls im Testwagen eingebaut ist. Immerhin: Der Spurhalteassistenten lässt sich via Touchscreen deaktivieren. Auch viele andere Funktionen – zum Beispiel die Einstellung von Lordosenstütze und Sitzwangen – laufen in der Mercedes B-Klasse über den großen Bildschirm. Das macht die Bedienung unnötig kompliziert, weil die Fülle an Einstellmöglichkeiten extrem groß und deshalb nicht intuitiv zu handhaben ist. Obendrein lenkt die Bedienung per Touchflächen mehr vom Fahrgeschehen ab als mit einem Dreh-Drück-Steller wie im BMW, den es bei Mercedes übrigens auch mal gab. Richtig gut dagegen funktioniert der "Hey Mercedes"-Sprachassistent, der sogar salopp formulierte Kommandos versteht, und – mit Onlineanbindung – auch die meisten Navi-Ziele findet oder Wetterdaten liefert. Obwohl es mehr Tasten gibt, findet man sich im BMW 2er Active Tourer besser zurecht. Und sollte man im ebenfalls komplexer gewordenen Menü des großen Bildschirms eine Funktion nicht auf Anhieb entdecken, drückt man die Sprachtaste, sagt zum Beispiel "Reifendruck", und schon erscheinen die entsprechenden Daten auf dem Display.

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Fahrkomfort: Mercedes B-Klasse leicht vorne

Eine der wichtigsten Optionen im BMW 2er Active Tourer sind die Sportsitze für 490 Euro. Das sind keine brettharten Schalen, sondern bis in den Schulterbereich angenehm konturierte nicht zu straff gepolsterte Sitze mit ausziehbarer Beinauflage und elektrisch einstellbaren Seitenwangen. Der Mercedes-B-Klasse-Komfortsitz mit Multikontur (1773 Euro) ist im Test zwar ausreichend bequem, bietet aber weniger seitliche Abstützung, und die Beinauflage ist schmaler geschnitten. Hinten dagegen sitzt man im Daimler viel entspannter dank tiefer Beinauflage, guter Kontur sowie steil stehender Lehne. Außerdem kann man sich in der Mercedes B-Klasse wegen der besseren Geräuschdämmung selbst bei hohem Tempo noch gut unterhalten, wohingegen im BMW Abroll- und Windgeräusche präsenter sind. Komforteinbußen muss man im Active Tourer auch wegen des per se straffer abgestimmten Fahrwerks mit adaptiven Dämpfern (500 Euro) samt 18-Zoll-Reifen mit Notlaufeigenschaften (1660 Euro) hinnehmen – solange man keinen Ballast an Bord hat. Ist der BMW 2er Active Tourer beladen, sprechen die Feder-Dämpfer-Elemente geschmeidiger an, dann nehmen aber auch die Aufbaubewegungen an der Hinterachse zu. In der ebenfalls adaptiv gedämpften Mercedes B-Klasse ist es umgekehrt: Mit einer Person besetzt, schwingt sie sanft über Wellen und quittiert nur kantige Fugen und Absätze etwas unharmonisch. Voll beladen dagegen ist das Fahrwerk weniger schluckfreudig, Unebenheiten gehen härter in die Karosserie über. Kritik gibt es auch für die Ergonomie des Daimler, der zwar einige große und praktisch platzierte Ablagen in Türen und Mittelkonsole bietet, dessen edle Hochglanz-Glasdisplays man aber nicht immer optimal ablesen kann – zum einen wegen der vielen angezeigten Infos, zum anderen, weil die Screens bei Sonneneinstrahlung stark spiegeln.

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Motor/Getriebe: Beide Motoren mit gleich hohem Verbrauch

Den rundum besseren Antrieb bietet die neue Mercedes B-Klasse mit Zweiliter-Turbodiesel und Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Das Aggregat, das schon die ab 2021 geltende Euro-6d-Abgasnorm erfüllt, läuft kultivierter, stellt das maximale Drehmoment über ein breiteres Drehzahlband zur Verfügung und macht den B 200 d bei Bedarf zum zügigen Reisemobil, das zudem sehr sparsam ist. Im Test verbraucht der Mercedes 5,8 Liter pro 100 Kilometer – genauso viel wie der BMW 2er Active Tourer. Wer besonders defensiv fährt, schafft sogar rund vier Liter. Eine Sechs vor dem Komma erreicht man hingegen in beiden Vans selten – selbst wenn man nur ab und zu unter Volllast fährt. Im BMW ist der Motor akustisch schlechter abgeschirmt und wirkt trotz gleicher Leistung sowie höheren Drehmoments nicht so aufgeweckt wie das Mercedes-Triebwerk. Sparsam ist der BMW 2er Active Tourer als 218d im Test aber ebenfalls, und dank seines größeren Tanks spult er zudem längere Distanzen ohne Tankstopp ab.

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Fahrdynamik: BMW 2er Active Tourer gewinnt das Fahrdynamik-Kapitel

Das fahraktivere Auto in diesem Test ist, wie der Name prognostiziert, der BMW 2er Active Tourer mit agilem Einlenkverhalten und leicht eindrehendem Heck – was man im Ernstfall aber gar nicht will. Deshalb gibt es beim Punkt Fahrsicherheit ein paar Zähler Abzug. Dagegen wirkt der mit sportlichen Michelin-Gummis bereifte Mercedes B 200 d-Testwagen selbst bei provoziert harten Fahrmanövern gelassener und erwachsener, er liegt etwas satter auf der Straße. In beiden Kompaktvans würden wir uns etwas fester zupackende Bremsen wünschen.

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Umwelt Kosten: BMW 2er Active kommt günstiger

Nachdem Platzfrage, Komfortanspruch, Antriebseffizienz und Fahrsicherheit geklärt wären, wird nun abgerechnet. Laut Preisliste ist die Mercedes B-Klasse als 200 d rund 2700 Euro teurer als der 218d – allerdings gibt es den Daimler nur mit Doppelkupplungsgetriebe, beim BMW 2er Active Tourer muss man für die Automatik extra zahlen. Inklusive der testrelevanten Extras kommt der Schwabe trotzdem auf über 44.000 Euro, der BMW auf knapp 38.500 Euro – in beiden Fällen viel Geld für junge Familien. Dafür freut man sich bei Mercedes über längere Garantiezeiten, muss für Wartungskosten und Versicherungsprämien jedoch etwas mehr Geld einplanen. Die Multimedia- und Serienausstattung (etwa Klimaanlage oder Parksensoren hinten) ist hier wie dort gleich gut.

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Messwerte und Technische Daten BMW 218d Active Tourer & Mercedes B 200 d

AUTO ZEITUNG 10/2019BMW 218d Active TourerMercedes B 200 d
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbodiesel4/4; Turbodiesel
Hubraum1995 cm³1952 cm³
Leistung110 kW/150 PS110 kW/150 PS
Max. Gesamtdrehmoment350 Nm320 Nm
Getriebe/Antrieb8-Stufen-Automatik/Vorderrad8-Gang-Doppelkupplung/Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1480/1584 kg1460/1604 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h8,8 s8,4 s
0 - 150 km/h20,3 s18,6 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)210 km/h219 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,4/35,0 m36,6/35,0 m
Verbrauch (Test/EU)5,8/4,5 l D/100 km5,8/4,1 l D/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)154/146 g/km154/135 g/km
Preise
Grundpreis33.200 Euro35.932 Euro
Testwagenpreis38.460 Euro44.333 Euro

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Testsieg für den neuen Mercedes B 200 d, der sein Biedermann-Image endgültig abgelegt hat. Der kompakte Schwabe bietet viel Platz, einen harmonischen sowie effizienten Antrieb, ein hohes Maß an Sicherheit sowie viel Komfort und ist der deutlich kleineren, nur 2300 Euro günstigeren A-Klasse absolut überlegen. Zum spürbar weniger modernen BMW 218d Active Tourer fällt der Abstand aber knapper aus, denn der Bayer bietet ein variables Raumkonzept, sein Antrieb ist ebenfalls effizient, und obendrein kostet er deutlich weniger Geld.

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