Abbiegeassistent Lkw: Online-Petition & ADAC-Test Lkw-Abbiegeassistenten im Test überwiegend gut

von Christina Finke 25.04.2019
Inhalt
  1. ADAC testet Abbiegeassistenten für Lkw
  2. Politik & Petition pro Lkw-Abbiegeassistenzsystem
  3. So funktioniert der Abbiegeassistent

Der ADAC hat mehrere Abbiegeassistenten für Lkw getestet – mit überwiegend positiven Ergebnissen. Den künftigen EU-Vorgaben halten die Systeme allerdings nicht stand. Außerdem: Eine Online-Petition fordert eine schnellere Einführung von Abbiegeassistenten! Dieser Artikel wurde am 25. April 2019 aktualisiert.

Frühestens ab 2022 sollen Abbiegeassistenten bei neuen Lkw in Europa Pflicht werden, in Deutschland sollen sie möglichst heute schon eingebaut werden. Der ADAC hat im April 2019 mehrere verfügbare Systeme mit unterschiedlichen Technologien in einem Test unter die Lupe genommen. Dabei schwankten die Kosten für die Abbiegeassistenten zwischen 760 und 2650 Euro bei einem Arbeitsaufwand für den Einbau von bis zu sechs Stunden. Die Ergebnisse waren überwiegend positiv: Jedes System konnte im Test die Vorschriften des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) erfüllen. Am besten schnitt das System AAS von Mekra Lang im ADAC-Test ab. Allerdings konnte kein Testkandidat den deutlich anspruchsvolleren Anforderungen auf internationaler Ebene, die voraussichtlich ab 2022 gelten, standhalten. So konnte etwa keins der getesteten Systeme Radfahrer erkennen, wenn sich zwischen Radfahrspur und Lkw-Fahrspur Hindernisse befinden. Der ADAC forderte die Hersteller dazu auf, hier technisch rasch nachzubessern. Zudem solle der Bund sein Förderprogramm aufstocken, um den Einbau der Systeme zu beschleunigen. Neben den Untersuchungen auf dem Testgelände ermittelten die ADAC-Tester auch im realen Straßenverkehr die Anzahl an Fehlauslösungen der Abbiegeassistenten aufgrund von Verkehrsschildern oder Bäumen am Straßenrand. Der Grund: Eine hohe Anzahl an Fehlauslösungen würde sich negativ auf die Akzeptanz und das Vertrauen des Fahrers auf das System auswirken. Die Abbiegeassistenten von MEKRA Lang Mobileye oder LUIS, die Radfahrer von Verkehrszeichen, Ampeln oder Bäumen unterscheiden können, verursachten im ADAC-Test eine geringe Anzahl an Fehlauslösungen. Mehr zum Thema: Beim Unfall können Assistenzsysteme ins Geld gehen

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Abbiegeassistenten für LKW im ADAC-Vergleich (Video):

 
 

ADAC testet Abbiegeassistenten für Lkw

Derzeit gibt es noch keine gesetzliche Pflicht für Abbiegeassistenten bei Lkw, trotz medienwirksamer Online-Petition. Deswegen hat TÜV Rheinland gemeinsam mit der Deutschen Verkehrswacht eine Aufklärungskampagne gestartet.  "Einige der Unglücke beim Abbiegen von Lkw wären vermeidbar, denn es gibt bereits die entsprechenden technischen Mittel", sagt TÜV Rheinland-Mobilitätsexperte Thorsten Rechtien. Mit Aufklebern soll deshalb über den toten Winkel informiert und für die Gefahr sensibilisiert werden. Die großen und gut sichtbaren Aufkleber mit der Aufschrift "Vorsicht Toter Winkel" sollen andere Verkehrsteilnehmer warnen und werden dazu an Lkw oder Bussen angebracht. Ein Abbiegeassistenzsystem, wie von der Online-Petition gefordert, ersetzt der Aufkleber natürlich nicht. Das Thema Abbiegeassistenten bei Lkw erlangte im Mai 2018 Aufmerksamkeit, als Janine Schulz auf der Online-Plattform "We-Act" eine Petition zur verpflichtenden Einführung für Abbiegeassistenzsysteme für Lkw ab 7,5 Tonnen startete. Das Anschreiben der Abbiegeassistenten-Petition richtet Schulz direkt an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Unter der Überschrift "Retten Sie Leben",  fordert sie ein Gesetz, dass EU weit zur Installation von Abbiegeassistenten in Lkw verpflichtet. Innerhalb weniger Wochen gewann sie mit Ihrer Petition nicht nur die Stimmen 151.000 Unterstützer, sondern auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Vier Jahre vor der Petition für ein Abbiege-Assistenzsystem wurde Schulz selbst Opfer eines Unfalls mit einem abbiegenden Lkw. Nachdem der Lkw ihre Beine und Hüfte überrolle, lag die damals 28-Jährige wochenlang im künstlichen Koma. Ein Jahr Krankenhausaufenthalt  und 20 Operationen: Laut der Ärzte hatte die Bremerin Glück, sie hat gerade so überlebt. Doch die Geschichte von Janine Schulz ist kein Einzelfall, allein 2018 kamen laut des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clus (ADFC) mindestens 19 Radfahrer ums Leben.

Abbiegeassistenten für Lkw im Video:

 
 

Politik & Petition pro Lkw-Abbiegeassistenzsystem

Bundesverkehrsminister Andras Scheuer (CSU) drängt auf die Ausstattung von Lastkraftwagen mit Abbiegeassistenten. "Technisch ist es machbar. Deswegen müssen wir jetzt Tempo machen", sagte der Minister im Juli 2018, im ARD-Morgenmagazin. Thema eines Treffen am gleichen Tag mit Vertretern der Autoindustrie, Logistik, Prüforganisationen, Verkehrssicherheitsexperten, Autofahrer- und Fahrradfahrerclubs war ein besserer Schutz von Radfahrern und Fußgängern vor gefährlichen Unfällen mit abbiegenden Lastwagen. Scheuer möchte damit einen Anstoß geben, dass mehr Laster schnell mit einer neuen Sicherheitstechnik gegen den "toten Winkel" ausgestattet werden. Dabei handelt es sich allerdings um einen freiwilligen Einbau. "Es dreht sich da um ein System, dass 800, 900, 1300 Euro kostet. Es gibt in Deutschland einige Hersteller, die diese Abbiegeassistenzsysteme nachrüsten", sagte Scheuer. Es gebe auch Fördermittel, eine Summe nannte der Minister aber nicht. Die EU will eine Pflicht für Abbiegeassistenten für neue Lkw ab 2022 erlassen. Die Bundesregierung wäre für eine schnellere Einführung, verweist aber auf die nötige EU-Regelung.

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Abbiege-Assistent Mercedes (Video):

 
 

So funktioniert der Abbiegeassistent

Dabei gibt es technisch längst Möglichkeiten dieses Problem zu lösen: Die Ausstattung von Lkw mit Abbiegeassistenten ist ab Werk ohne weiteres möglich, auch Nachrüstlösungen sind verfügbar. Die Totwinkelwarner überwachen je nach Hersteller durch Kameras, Ultraschallsensoren oder Radar seitlich am Lkw einen etwa 3,75 Meter breiten sowie maximal 19 Meter langen Streifen. Wird im toten Winkel auf der Beifahrerseite ein Radfahrer oder Fußgänger erkannt, geht am Armaturenbrett eine gelbe Warnleuchte an. Eine rote Leuchte blinkt, wenn Kollisionsgefahr droht und zusätzlich ertönt ein akustisches Warnsignal. In Zukunft sollen Warnsysteme in einer kritischen Situation sogar eine Notfallbremsung auslösen können. Somit könnte der pflichtmäßige Einsatz von Kameras und akustischen Warnsystemen schnell und kostengünstig Abhilfe schaffen. Bei herkömmlichen Herstellern könnte jeder Lkw mit einem entsprechenden System für etwa 1500 Euro ausgestattet beziehungsweise nachgerüstet werden. Edeka geht als gutes Beispiel voran: Der Unternehmensverbund entwickelte selbst ein Abbiegeassistenzsystem und rüstete alle Lkw, die zur Firmenflotte gehören, mit einem 600 Euro teuren Abbiegeassistenzsysteme aus. Ebenso der Discounter Netto: Alle 500 Lkw des Unternehmens sollen bis spätestens 2019 nachgerüstet werden. Damit werden die Lkw Fahrer enorm entlastet: Das Risiko der Fahrer tragen aber unfreiwillig auch die anderen Verkehrsteilnehmer, vor allem Fußgänger und Fahrradfahrer. In der Vergangenheit wurden Lkw-Fahrer wegen Unfällen bei Abbiegevorgängen zu bis zu 150 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro verurteilt. Ab 90 Tagessätzen gelten die Fahrer als vorbestraft.

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