VW Tiguan/BMW X1/Volvo XC40: Test Tiguan gegen X1 und XC40

von Martin Urbanke 20.09.2018
Inhalt
  1. VW Tiguan, BMW X1 & Volvo XC40 im Test
  2. Fahrkomfort: Tiguan mit herausragenden Schnellfahrkomfort
  3. Motor/Getriebe: XC40 mit dem leistungsstärksten Triebwerk
  4. Fahrdynamik: BMW beeindruckt bei Bremsmessung
  5. Umwelt/Kosten: Volvo und VW gleichauf
  6. Technische Daten VW Tiguan, Volvo XC40, BMW X1

Mit dem 156 PS starken Volvo XC40 T3 stellt sich das schicke schwedische Kompakt-SUV der etablierten deutschen Konkurrenz in Gestalt des BMW X1 und des VW Tiguan im Test.

VW Tiguan, BMW X1 und Volvo XC 40 stellen sich dem Test. Mit einem Grundpreis von 31.350 Euro stellt der Schwede die Einstiegsversion in die Modellreihe des stylischen Kompakt-SUV dar – und markiert gleichzeitig einen Meilenstein in der Geschichte der schwedischen Marke. Denn unter seiner Haube kommt zum ersten Mal ein Serien-Dreizylinder von Volvo zum Einsatz. Der aufgeladene 1,5-Liter-Benziner leistet 156 PS und tritt damit in der Leistungsklasse des ebenfalls dreizylindrigen BMW X1 sDrive18i (140 PS) sowie des VW Tiguan 1.4 TSI mit 150 PS starkem Vierzylinder an. Alle drei Turbo-Triebwerke verfügen über einen Partikelfilter und geben ihre Kraft an die Vorderräder ab. Mehr zum Thema: Das SUV des Jahres 2018

Der VW Tiguan im Video:

 
 

VW Tiguan, BMW X1 & Volvo XC40 im Test

Der Markentradition verpflichtet glänzt auch der Volvo XC40 mit einer äußerst umfangreichen Sicherheitsausstattung. Mit serienmäßigen Features wie einer Verkehrsschilderkennung, einem Kreuzungsassistenten oder der im Notbremsassistenten integrierten Fahrradfahrer- und Großtiererkennung übertrifft der Schwede den in dieser Beziehung ebenfalls auf sehr hohem Niveau angesiedelten VW. So lässt sich der Tiguan etwa mit einem Anhängerrangierassistenten oder Selfsealing-Reifen ausrüsten. Der BMW fällt in dieser Beziehung unter anderem deshalb ein wenig ab, weil er sich nicht mit zur Seite und nach vorn gerichteten Kameras ausrüsten lässt. Wie der VW kann er dafür mit einem Head-up-Display ausgestattet werden, das Volvo nicht anbietet. Trotz seiner stattlichen Erscheinung weist der XC40 den in diesem Vergleich kleinsten Innenraum auf. Allerdings schränkt auch das im Testwagen installierte Panorama-Glasdach die Innenhöhe etwas ein. Somit bietet selbst der innen acht Zentimeter schmalere X1 etwas mehr Bewegungsfreiheit und das insgesamt bessere Raumgefühl. An die auf allen Plätzen geradezu üppig dimensionierten Platzverhältnisse des Tiguan kommt aber auch der Münchner nicht heran. Mit 615 bis 1655 Litern bietet der Wolfsburger zudem mehr Ladevolumen als der X1 (505 bis 1550 Liter) und erst recht als der Volvo (460 bis 1336 Liter). Auch darf der Schwede mit 467 Kilogramm 30 Kilogramm weniger als der BMW und 70 Kilogramm weniger als der VW zuladen und mit maximal 1600 Kilogramm nicht so viel Last an den Haken nehmen wie seine Konkurrenten (BMW: 1700 Kilogramm; VW: 1800 Kilogramm). Weitere Punkte verliert der Schwede wegen seiner sich nicht durchweg auf Anhieb erschließenden Bedienung über den zentralen, hochkant stehenden Touchscreen und der vor allem wegen der sehr breiten B- und C-Säulen eingeschränkten Übersichtlichkeit.

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Fahrkomfort: Tiguan mit herausragenden Schnellfahrkomfort

Als Einziger dieses Trios tritt der Volvo XC40 zum Vergleichstest ohne ein optional zur Verfügung stehendes adaptives Fahrwerk an und rollt zudem auf 19 Zoll großen Rädern, während BMW und VW jeweils mit 18 Zoll großer Optionsbereifung unterwegs sind. Bei der Bewertung des Federungskomforts gerät der Schwede gegenüber seinen Wettbewerbern daher erwartungsgemäß ins Hintertreffen. Fahrbahnunebenheiten jeder Art werden recht ungefiltert weitergegeben und halten den Aufbau permanent in Bewegung. Die Feder- und Dämpferelemente von X1 und Tiguan sprechen hingegen sensibler an, auch sind die Karosserien deutlich besser vom Chassis entkoppelt. Der VW glänzt zudem mit seinem zumindest in diesem Vergleich herausragenden Schnellfahrkomfort. An die Souveränität, mit der der Wolfsburger Autobahnen glattzubügeln scheint, reicht auch der BMW nicht ganz heran. Der Bayer verwöhnt dafür mit dem niedrigsten und als am angenehmsten empfundenen Geräuschniveau im Innenraum. Beim Volvo hingegen fallen die deutlicher wahrnehmbaren Abroll- und Fahrwerksgeräusche auf Dauer auf. Dafür sitzen XC40-Fahrer und -Beifahrer dank der in Höhe, Länge und auch Neigung einstellbaren Sitzflächen (110 Euro) ebenso gut wie die Kollegen im X1, dessen Sportsitze (490 Euro) viel Halt bieten, aber eng geschnitten sind. Die Fondinsassen fühlen sich im Volvo hingegen nicht so gut untergebracht. So bietet der XC40 als Einziger keine in der Neigung einstellbare Lehne der Rücksitzbank, und der schmale hintere Türausschnitt erschwert den Ein- und Ausstieg. Ganz anders der VW Tiguan: Er erlaubt seinen Passagieren auf der Rückbank mit optionaler Drei-Zonen-Klimaautomatik sogar das separate Einstellen ihrer Wunschtemperatur.

 

Motor/Getriebe: XC40 mit dem leistungsstärksten Triebwerk

Mit 156 PS ist der Dreizylinder-Turbo des Volvo das auf dem Papier leistungsstärkste Triebwerk im diesem Test. Trotzdem notieren wir für den Schweden die schlechtesten Fahrleistungen. Für den Sprint von null auf 100 km/h benötigt der XC40 mehr als zehn Sekunden und verliert bei dieser Übung zudem jeweils rund 1,5 Sekunden auf seine Rivalen. Der Schnellste ist der BMW – und das, obwohl er mit nominell 140 PS der Schwächste und mit mehr als 1,6 Tonnen gleichzeitig der Schwerste ist. Dafür erfolgt die Kraftübertragung im X1 sDrive18i nicht über ein manuelles Sechsgang-Getriebe, sondern über ein sanft und präzise arbeitendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (2100 Euro). Der bayerische Dreizylinder zeichnet sich zudem durch seine gute Effizienz aus: Auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsstrecke begnügt er sich mit 8,5 Liter Super pro 100 Kilometer. Das Schlusslicht markiert in dieser Wertung der Volvo, der auf gleicher Distanz 9,8 Liter konsumiert – und so auch 0,4 Liter mehr als der mit Zylinderabschaltung operierende VW Tiguan 1.4 TSI. Der Volvo-Dreizylinder zeigt darüber hinaus eine recht ausgeprägte Anfahrschwäche und wirkt subjektiv recht kraftlos. Um beispielsweise von Tempo 130 aus eine nennenswerte Geschwindigkeitszunahme zu erreichen, muss der Fahrer bis in den vierten Gang zurückschalten, während dem Tiguan die gleiche Übung auch in der höchsten Übersetzungsstufe überzeugend gelingt.

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Fahrdynamik: BMW beeindruckt bei Bremsmessung

Die im Komfort-Modus etwas indirekte und wenig Rückmeldung liefernde Lenkung des Volvo präsentiert sich nach Aktiveren des Dynamik-Fahrprogramms zwar deutlich verbindlicher – zu einem Kurvenräuber wird der XC40 dadurch aber nicht. Mit ausgeprägter Tendenz zum Untersteuern und deutlicher Seitenneigung nimmt er Biegungen eher widerwillig in Angriff. Hinzu kommt das je nach Fahrsituation teilweise recht unvermittelt und resolut einschreitende ESP, wodurch er auf der Handlingstrecke gegenüber seinen Kontrahenten ins Hintertreffen gerät. Alle drei beeindrucken mit einer sehr guten Vorstellung bei den Bremsmessungen. BMW und Volvo benötigen mit kalten wie betriebswarmen Scheiben und Belägen 33 Meter oder ein paar Zentimeter mehr, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen, der VW bleibt sogar knapp unter dieser Marke. Apropos Bremse: Die Verzögerungsanlage des Volvo spricht ein wenig giftig an, was dem Fahrer kritische Blicke seiner Passagiere für seinen anscheinend unharmonischen Fahrstil bescheren kann.

 

Umwelt/Kosten: Volvo und VW gleichauf

In puncto Kaufpreis stellt der Volvo XC40 in diesem Vergleich das günstigste Angebot dar – knapp vor dem VW Tiguan, dessen vergleichsweise niedriger Grundpreis von 28.550 Euro durch die bewertungsrelevanten Extras deutlich über die 30.000-Euro-Marke getrieben wird. Ziemlich genau dort startet preislich erst der BMW X1 sDrive18i, bei dem in diesem Vergleichstest auch wegen des Doppelkupplungsgetriebes die höchste Summe bei den Ausstattungsoptionen hinzukommt. Der Münchener verabschiedet sich damit früh aus der Entscheidung um den Kapitelsieg, den somit der Volvo und der VW unter sich ausmachen. Der Schwede punktet mit der umfangreicheren Ausstattung auch im Multimediabereich, der Wolfsburger kontert neben der günstigeren Wertverlustsprognose unter anderem mit den niedrigeren Werkstattkosten sowie der günstigeren Versicherungseinstufung und Besteuerung. Und so liegen der XC40 und der Tiguan in diesem abschließenden Kapitel punktgleich auf dem ersten Platz.

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Technische Daten VW Tiguan, Volvo XC40, BMW X1

 VW Tiguan
1.4 TSI ACT
BMW X1 sDrive 18iVolvo XC40 T3
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4, Turbo3/4, Turbo3/4, Turbo
Hubraum1395 ccm1499 ccm1477 ccm
Leistung150 PS140 PS156 PS
Max. Gesamtdrehmoment250 Newtonmeter220 Newtonmeter265 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell/
Vorderrad
7-Gang, Doppelkupplung/
Vorderrad
6-Gang, manuell/
Vorderrad
Beschleunigung   
0 - 100 km/h9,3 s9,1 s10,7 s
0 - 150 km/h21,2 s21,1 s23,0 s
Höchstgeschwindigkeit202 km/h205 km/h200 km/h
Leergewicht (Werk)1415 kg1420 kg1570 kg
Bremsweg aus 100 km/h warm32,7 m33,4 m33,0 m
Verbrauch (Test/EU)9,4/5,8 l S/100 km8,5/5,8 l S/100 km9,8/6,3 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)232/132 g/km201/132 g/km232/146 g/km
Grundpreis28.550 Euro32.350 Euro31.350 Euro
Testwagenpreis32.345 Euro36.590 Euro32.050 Euro
Punktzahl (max. 5000 Punkte)3083 Punkte3061 Punkte2959 Punkte
Platzierung123

 

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Von den vier Kapiteln der Eigenschaftswertung entscheiden der VW Tiguan 1.4 TSI und der BMW X1 sDrive18i je zwei für sich. Der deutlich größerer und geräumigere Wolfsburger siegt dabei im Karosserie- und im Komfortkapitel. Der mit optionalem Doppelkupplungsgetriebe und ebenfalls aufpreispflichtiger M Sportlenkung angetretene Münchener kann dafür im Motor-/Getriebe-Bereich sowie bei den fahrdynamischen Übungen punkten. Den Gesamtsieg sichert sich der VW schließlich im Kostenkapitel, in dem er nicht zuletzt von seinem günstigen Grundpreis profitiert. Im Kostenkapitel setzt auch der Volvo XC40 T3 ein Ausrufezeichen, kann seinen Rivalen aber sonst nicht viel entgegensetzen. Mit seinem markant-schicken Design und seinem individuellen Anspruch wird der Schwede dennoch viele Freunde finden.

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